Rezension: Star Wars Anthologie: Darth Vader

Nachdem ich mir vergangene Woche bereits die Anthologie zu Luke Skywalker genauer angesehen habe, dreht sich die heutige Rezension ganz um das „Best-of“ seines Vaters. Ebenfalls am 21. Januar 2020 erschien bei Panini die Star Wars Anthologie: Darth Vader und umfasst insgesamt elf Comic-Abenteuer des Dunklen Lords. Auch hier haben wir mit der Age of Rebellion-Geschichte zu Darth Vader eine exklusive Story, die erstmals in deutscher Übersetzung erscheint.

Star Wars Anthologie: Darth Vader (21.01.2020)
Star Wars Anthologie: Darth Vader (21.01.2020)

Doch beginnen wir genau wie die Anthologie am Anfang! In Der Auserwählte #1 von Charles Soule begleiten wir Vader auf den ersten Schritten seines neuen Lebens. Als Einstieg in die Anthologie hat mir die Wahl sehr gut gefallen, da nicht nur das Leitthema – das sich über den ersten Teil der Anthologie erstreckt – etabliert wird, sondern Vader auch miterlebt, wie die letzten Reste der Jedi – symbolisiert durch ihre Lichtschwerter – ausgelöscht werden. Das angesprochene Leitthema umfasst die Suche nach dem richtigen Lichtschwert, woraufhin Vader von Palpatine auf einer Welt ausgesetzt wird, um einen Jedi zu finden und dessen Kyberkristall zu korrumpieren. Kaum begibt sich Vader auf seine Suche, endet der abgedruckte Teil dieser Story aber auch schon…

In Die Regel der Fünf erleben wir dann mit, wie Vader Opfer eines Attentats wird, das anscheinend von den höchsten Ebenen Coruscants eingefädelt wurde. Dabei verliert er nicht nur sein bisheriges Lichtschwert (das er anscheinend außerhalb der abgedruckten Stories erhalten hat), sondern schmiedet sich im Anschluss sein bekanntes schwarzes Lichtschwert. An diesem Comic hat mir besonders gefallen, dass wir zumindest einen kurzen Blick auf einen Vertreter des Inquisitorius werfen können, die sonst in der Anthologie eher unterrepräsentiert sind. Das ist in meinen Augen zum einen positiv, da wir nicht eine lange Aneinanderreihung von Vaders Jagd auf die überlebenden Jedi miterleben, andererseits erfahren wir Vader dadurch aber meist nur als Sklave seines Meisters, was sich wie ein zweites Leitmotiv durch diese Anthologie zieht. Nur am Ende dieses komplett enthaltenen Handlungsstrangs erleben wir einen mächtigen Vader, der kurzerhand die doch sehr römisch anmutende Strafe der Dezimation als neue Regel der Fünf etabliert. Besonders deutlich wird diese Anspielung, wenn man bedenkt, dass genau 50 Offiziere vor Vader und Palpatine stehen.

Mit Gefährliches Terrain ist erneut ein weiterer kompletter Handlungsstrang enthalten. Nachdem Vader nun viele Jedi besiegt und seine Macht gefestigt hat, beauftragt er Tarkin, ihn bis zum Tode zu jagen, und überlebt am Ende nur, da Tarkin seinen Befehl nicht vollends ausführt. Ob dieser Ausflug unbedingt Teil der Anthologie sein muss, kann angezweifelt werden, zumal wir vor allem die Gedankenwelt Tarkins miterleben. Trotzdem hält diese Geschichte einige schöne Verweise auf den Roman Tarkin (James Luceno) bereit und erweitert die Beziehung zwischen den beiden Figuren ein wenig. Auch Vaders Bestreben, sich wieder „fühlen“ zu können, indem er scheitert, ist eine nachvollziehbare Motivation für den mächtigsten Vollstrecker im Universum.

Dieser Rang gerät jedoch in Technologischer Terror ein wenig ins Wanken, als Vader beginnt, sich Informationen zum Großprojekt des Imperiums zu verschaffen. Als großer Fan von Rogue One und der dazugehörigen Vorgeschichte, hat sich dieses Kapitel sehr schön gelesen, zumal es erneut komplett enthalten ist! Vader sieht hier nicht nur seine Position als DER Vollstrecker des Imperators in Gefahr, sondern wird auch daran erinnert, dass er Gouverneur Tarkin unterstellt ist. Der Fakt, dass Vader in die Streitigkeiten von Tarkin und Krennic hineingezogen wird, und auch Nachforschungen bei Galen Erso anstellt (u.a. spielt das Comic parallel zu Der Auslöser), hat bei mir schöne Erinnerungen an die Rogue One-Zeit geweckt und mir offenbart, dass ich wohl doch nicht alle Werke dazu schon gelesen habe! Das Ende des Comics gibt Lyra Erso dann noch die wichtige Erkenntnis, dass die Arbeit ihres Mannes ausschließlich dem Bösen dient!

Diese Erkenntnis führt bekanntlich dazu, dass die Tochter der Ersos die Pläne des Todessterns erbeuten kann und somit die Waffe des Imperiums durch Luke Skywalker ausgelöscht wird. So spielt die folgende Episode mit dem Titel Vader, Teil 1 unmittelbar nach der Zerstörung des Todessterns und nach der ersten Hälfte von Skywalker schlägt zu!. Diese Story war bekanntlich Teil der Anthologie zu Luke Skywalker und wird hier von Vader in seinem Bericht an Palpatine wieder aufgegriffen. Dieser gibt seinem Schüler die Schuld an der Misere und wir erleben erneut mit, wie Vader als Sklave seines Meisters dargestellt wird. In der Konsequenz verschweigt Vader dann auch die Konfrontation mit seinem ehemaligen Meister und die Anzeichen, dass hinter dem Infiltrator der Waffenfabrik mehr stecken könnte als ein bloßer Rebell. Daraufhin stellt er seine eigenen Nachforschungen an und beauftragt Kopfgeldjäger, Luke zu finden.

Dazwischen schiebt sich kurz der zehnseitige Bonuscomic Coda, in welchem Vader für die Sandleute auf Tatooine zum neuen ultimativen Bösen wird. Dieser Bonuscomic fügt sich gut an Vader, Teil 1 an, da er sich hier am Ende des Comics auch auf Tatooine aufhält.

Chronologisch korrekt geht es dann auch schon mit Vader Down #1 und #2 weiter. Leider muss ich auch hier sagen, dass mich dieser Ausflug noch am ehesten gelangweilt hat. Ich will nicht unbedingt die Schuld auf Aphra schieben, es ist eher so, als ob die Teildarstellung dazu führt, dass die komplette Story im luftleeren Raum schwebt. Vader jagt Skywalker, von dem er mittlerweile weiß, dass er sowohl sein Sohn als auch Zerstörer des Todessterns ist. Daraufhin stürzen beide nach einem Chicken-Game auf einem Planeten ab, Luke schaut etwas betroffen in die Ferne, und die Rebellen sterben beim Kampf gegen Vader. Am Ende erfährt man weder, ob Vader den Planeten wieder verlassen konnte, noch ob Luke die Ruinen, die er suchte, fand. Auch der erste Handlungsbogen und der vorherige enden quasi mitten in der Geschichte, aber trotzdem wirken die Geschichten stimmiger als es hier der Fall ist. Da hilft es auch nichts, dass zwei Teile von Vader Down enthalten sind.

Danach verschlägt es Vader auf eine rebellische Minenwelt. In Der Shu-Torun-Krieg (Prolog) aus dem Darth Vader Annual von 2015 wird Vader erneut mit einem Attentat konfrontiert, das der König des Planeten auf Druck seines Volkes gegen ihn anstrebt. Dabei will er seine Tochter opfern, was Vader aber nicht zulassen möchte. Mir hat der gesamte Prolog des Handlungsbogens sehr gut gefallen und auch dieser endet wieder schlüssig, ohne dabei zu sehr ins Detail gehen zu müssen. So ernennt Vader Trios am Ende zur Königin und übergibt ihr ein Stück von Alderaan, was für mich eine hervorragende Verdeutlichung der Macht des Imperiums darstellt.

In der letzten direkt in die Chronologie passenden Geschichte setzt sich Vader gegen Cylo-V durch, was aber eher zur Nebenhandlung avancieren soll. Denn in Zeit der Entscheidung #5 liegt der Fokus vielmehr auf den Visionen die Vader über seine Vergangenheit hat und wie er diese überwindet. So wird zum einen deutlich, dass er noch Zweifel hat, es aber in der aktuellen Situation schafft, diese zu überwinden und sich der Dunklen Seite hinzugeben. Dadurch, dass der enthaltene fünfte Teil fast ausschließlich aus dieser Vision besteht und man alle darin auftretenden Figuren und Zweifel kennt, ist auch die ansonsten eher undurchsichtige Rahmenhandlung zu verschmerzen. Man merkt, wieso dieser Teil mit eingebaut wurde und dass der Fokus keineswegs auf der eigentlichen Handlung rund um Cylo und seinen Entscheidungen liegen soll!

Als vorletzte Geschichte tauchen wir dann noch in Die Lektion von Darth Vader ein! Dieser Comic ist die angesprochene Age of Rebellion-Story und somit exklusiv in der Anthologie in deutscher Erstübersetzung enthalten. Auch diese erschien am 20. Mai 2019 im gleichen Heft wie Lukes Age of Rebellion-Geschichte bei Panini. Insgesamt hat mir dieser kurze Ausflug sehr gut gefallen, auch wenn ich es wirklich kritisieren muss, dass sie ans Ende geklatscht und nicht in die bis dato perfekte Chronologie eingearbeitet wurde. Im Grunde erhält Vader eine Lektion seines Meisters, die sich erneut um Gehorsam dreht, aber den Kniff hat, diesen nicht blind vor der Notwendigkeit zu leisten. Alles in allem eine stimmige, kurze Erzählung!

Zuletzt erhalten wir dann mit Keine gute Tat noch einen kurzen humoristischen Ausflug in die Welt rund um Darth Vader, die sich komplett um ihn und seinen Mausdroiden dreht, der solange tolle Arbeit leistet, bis er es wagt sich darüber zu freuen. Als Ausklang ist dies absolut perfekt und hier muss meiner Meinung nach auch keine Chronologie beachtet werden!

Wie auch in der Anthologie zu Luke Skywalker erhalten wir erneut einige Essays über Darth Vader, die zwischen den jeweiligen Comic-Abenteuern abgedruckt wurden. In Legende des Terrors von Marco Ricompensa erhalten wir einen kurzen Einblick in die ersten Leinwand- und Comic-Momente der ikonischen Figur. In Der Mann hinter der Maske wirft Tricia Barr einen genauen Blick auf das Leben von Darth Vader aka Anakin Skywalker und bezieht dabei auch die Prequels und The Clone Wars mit ein. Daraufhin blickt Michael Kogge auf die Comic-Geschichten rund um Vader seit 2015 zurück und erklärt in Sith-Star wie er zu eben diesem wurde. Zuletzt berichtet Kogge erneut in Die Einsamkeit eines Sith von einem Gespräch mit Kieron Gillen und den Herausforderungen, Vader-Comics zu inszenieren. Alle vier Essays haben mir erneut sehr gut gefallen und sind in dieser Anthologie auch teilweise umfangreicher als noch in der von Luke Skywalker. So geht der Beitrag von Tricia Barr über drei Seiten und hat damit allein schon den gleichen Umfang wie alle drei Essays zu Luke Skywalker.

Wenn ihr mehr oder andere Einschätzungen zu den enthaltenen Comics haben wollt, findet ihr hier unsere Rezensionen:

Fazit

Was halte ich jetzt also von der Anthologie? Wie üblich sagen einem manche Comics und Erzählungen mehr zu als andere und so war es auch bei der Auswahl, die in der Anthologie präsentiert wurde. Wo mich Geschichten wie der Prolog zu Shu-Torun überrascht haben, so haben mich spannend klingende Erzählungen wie Vader Down eher kalt gelassen. Trotzdem muss ich sagen, dass am Ende des Tages mit der Star Wars Anthologie zu Darth Vader ein weitaus stimmigeres Bild präsentiert wird als bei der Anthologie zu Luke Skywalker. Die Chronologie wird über acht Erzählungen aufrecht erhalten und fast alle Abenteuer fügen sich (im Rahmen der Möglichkeiten einer verkürzten Darstellung) gut in ein Gesamtbild ein, das uns Vader als gescheiterten Helden und Sklaven der Dunkelheit präsentiert und dabei darauf achtet, ihn nie in eine größere Führungsrolle zu hieven (bspw. indem man den Großteil des Inquisitorius ausgeblendet hat). So kann ich diese Anthologie auch jenen empfehlen, die alle enthaltenen Comics mehr oder weniger kennen und gegebenenfalls einen komprimierten Rückblick auf die Abenteuer von Darth Vader der vergangenen vier Jahre erhalten wollen.

Bewertung: 4 von 5 Holocrons
Bewertung: 4 von 5 Holocrons

Wir danken Panini herzlich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

2 Kommentare

  1. „Kaum begibt sich Vader auf seine Suche, endet der abgedruckte Teil dieser Story aber auch schon…“

    „zumal es erneut komplett enthalten ist“

    Verstehe ich das richtig? Die einzelnen Geschichten sind teilweise unvollständig?

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