Mit Rogue One: Jyn Erso #1 veröffentlicht Marvel den zweiten von insgesamt fünf One-Shot-Comics zum 10. Jubiläum von Rogue One. Ob die Geschichte rund um Jyn Erso einen Mehrwert bietet und ob das kurze Abenteuer visuell überzeugen kann, lest ihr in der folgenden Rezension.
Achtung: Wie immer besprechen wir im Marvel-Mittwoch die Handlung der Comics, sodass sowohl der Beitrag als auch die Kommentare Spoiler enthalten können.


Nach dem Auftakt-One-Shot, der sich um Cassian Andor drehte, bekommen wir in diesem zweiten Jubiläums-Comic jetzt eine neue Geschichte zu einer weiteren Hauptfigur aus Rogue One präsentiert: Jyn Erso. Auch diese spielt kurz vor den Ereignissen des Filmes und ist damit natürlich schon einmal recht stark limitiert. So befinden wir uns auf dem Planeten Wobani, wo Gefangene und Versklavte des Imperiums in Arbeitslagern schuften müssen. Darunter ist auch Jyn, oder besser gesagt Liana Hallik, denn unter ihrem richtigen Namen könnte man sie schnell mit einem der gerade wichtigsten Wissenschaftler des Imperiums, Galen Erso, in Verbindung bringen.
Eine weitere Rotation. Ein weiterer Tag in imperialer Gefangenschaft, doch heute wird sie bei der Zwangsarbeit von einem Mitgefangenen angesprochen, der eine Flucht plant. Liana will davon jedoch nichts wissen, doch als sie sieht, dass sich im Fluchteam auch ein junges Mädchen befindet, ändert sie ihre Meinung. Zudem kommt immer wieder ihre schmerzvolle Vergangenheit hoch. Doch wird ihnen allen diese Flucht gelingen und kann Jyn trotz all dem Leid einen Funken Hoffnung bewahren?
Die Antwort auf diese Frage ist natürlich ziemlich eindeutig, denn wir wissen, zumindest wenn uns die Geschichte aus Rogue One bereits bekannt ist, wie es mit Jyn weitergehen wird und dass sie vorerst auf Wobani verleiben muss. Trotzdem gelingt es Autor Ethan Sacks, eine recht passable Tie-in-Geschichte zu erzählen, die aber natürlich jetzt auch keinem gefehlt hätte, wäre sie nicht veröffentlicht worden. Als kleine Ergänzung zum Jubiläum taugt sie aber allemal. Die Erzählweise ist treffend gewählt, denn wir dürfen dank zahlreicher gelber Kästchen, die ihre Gedanken ausdrücken, an Jyns Gedanken und quälenden Erinnerungen teilhaben. Dadurch bekommen wir einige Panels, die kurze Szenenausschnitte aus Rogue One einfangen.
Von solch einer Geschichte darf man nun natürlich keine massiven Charakterentwicklungen erwarten, aber gemessen an dem, was Sacks hier möglich ist, gelingt es ihm, Jyn äußerst treffend zu charakterisieren. So wird noch einmal deutlich, dass sie keineswegs bereits jegliche Hoffnung verloren hat, aber auch, wie sehr sie noch immer an schmerzhafte Momente aus ihrer Vergangenheit denken muss. Apropos Vergangenheit: Ich selbst habe den YA-Roman Rebel Rising zwar nicht gelesen, aber Lukas wies mich freundlicherweise darauf hin, dass hier eine Figur aus diesem Buch auftaucht, welches ja teilweise auch im Arbeitslager auf Wobani spielt.






Ramon Rosanas liefert bei den Zeichnungen eine gewohnt hohe Qualität ab. Figuren sind klar zu erkennen und Gebäude sowie Objekte stechen durch kräftige Kanten vor den tristen Hintergründen hervor. Dafür verlieren die Hintergründe jedoch im Verlauf des Hefts teils deutlich an Detail, was jedoch zumindest in einigen actiongeladenen Panels zu verschmerzen ist. Hier liegt dann der Fokus auf dem Blasterfeuer und Explosionen, die Guru-eFX durch eine knallige, kräftige Farbgebung hervorhebt. Die Umgebung von Wobani ist im Kontrast zu diesen in wenigen Grautönen gehalten, was noch einmal die prekäre und leidvolle Situation der Gefangenen im Arbeitslager visuell unterstreicht.
Fazit
Ethan Sacks erzählt mit Rogue One: Jyn Erso #1 keinesfalls eine essenzielle Geschichte, vielmehr ist dieser One-Shot als eine kleine, actionreiche Bonusgeschichte zu verstehen, die Jyn charaktergetreu einfängt und uns in ihre Gedanken während ihrer Gefangenschaft auf Wobani eintauchen lässt. Man könnte diesen One-Shot auch nach dem Schauen von Rogue One als eine Art Deleted Scene in Comicform betrachten, die man sich dann mit hoffentlich wieder trockenen Augen nach dem tragischen Ende des Films zu Gemüte führen kann.
Das nächste Heft rückt dann Saw Gerrera in den Fokus und erscheint am 1. Juli. Nächste Woche erscheint bei Marvel erst einmal Shadow of Maul #4.
Wir bedanken uns bei Marvel für die Bereitstellung der digitalen Vorabexemplare, ohne die unser Marvel-Mittwoch nicht möglich wäre.










