Star Wars-Comics – Einstiegshilfe

Star Wars #1 (12.04.1977)

Star Wars #1 (12.04.1977)

Seit Frühjahr 1977 gibt es Comic-Geschichten zur Star Wars-Saga. Damals hatte der amerikanische Verlag Marvel die Lizenz inne und erzählte Abenteuer zur Zeit der klassischen Trilogie. In den 90er-Jahren wechselte die Lizenz dann zu Dark Horse Comics, die bis 2014 hunderte Geschichten an allen Enden und Ecken der Star Wars Legends-Timeline erzählten. Zum Kanon-Neustart wechselte die Lizenz dann im Januar 2015 zurück zu Marvel, wo man erneut ausgehend von der klassischen Ära eine Vielzahl von kanonischen Geschichten im Star Wars-Universum zu erzählen begann. Da es so viele Comics gibt, fällt vielen allerdings der Einstieg schwer, besonders im Legends-Bereich. Und die Eigenheiten des Mediums bei der Veröffentlichung verwirren Comic-Erstleser umso mehr. Auf dieser Seite erklären wir euch Schritt für Schritt, wie genau das mit den Star Wars-Comics funktioniert, wie sie von den USA nach Deutschland kommen, und geben euch am Ende auch ein paar Empfehlungen, wie ihr einsteigen könnt.

Die Macher

Anders als Romane, die meist einen einzelnen Autor oder in seltenen Fällen auch ein Autorenduo haben, werden Comics oft von mehreren Personen produziert, insbesondere in den USA. Erstens wäre da natürlich auch der Autor zu nennen, der – einem Filmdrehbuch nicht unähnlich – ein Skript schreibt. Dieses wird dann von einem Zeichner (penciller) in Bleistiftzeichnungen umgesetzt. Ein Tuschezeichner (inker) zeichnet diese dann mit schwarzer Tinte nach. Ein sogenannter Kolorist (colourist) färbt die Zeichnungen dann ein, bevor ein Letterer die Sprechblasen und Texte des Autors hinzufügt. Natürlich gibt es Autoren, die auch zeichnen, oder Zeichner, die ihre eigenen Tuschezeichnungen machen, oder gar Zeichner (wie Phil Noto), die ihre Comics auch selbstständig kolorieren. Dies ist ganz vom Stil, der Arbeitsweise und bisweilen auch der Auslastung des Zeichners abhängig. Überwacht wird das ganze von Redakteuren, die dafür zuständig sind, die Autoren und Zeichner für bestimmte Projekte auszuwählen sowie den geschäftlichen Kontakt mit Lucasfilm zu handhaben, um die Geschichten dort vom Lizenzgeber absegnen zu lassen.

Amerikanische Veröffentlichungsweise

Die meisten Comics erscheinen als Teil von Reihen – es gibt zwar auch sogenannte „One-Shots“, die ihre komplette Geschichte in einem Heft erzählen, aber die sind eher selten. Grundsätzlich gilt zwischen zwei verschiedenen Arten von Reihne. Sogenannte „Miniserien“ erstrecken sich in der Regel über 4 bis 6 Ausgaben und erzählen eine abgeschlossene Geschichte. Bei „Ongoings“ oder „fortlaufenden Reihen“ handelt es sich um längere Serien, die nicht auf eine bestimmte Ausgabenzahl begrenzt sind. „Ongoings“ bestehen allerdings aus sogenannten „Story Arcs“ oder „Handlungsbögen“, die quasi wie Kapitel in einem Roman kleinere Geschichten innerhalb einer größeren Reihe erzählen. Diese Handlungsbögen sind oft wie Miniserien zwischen 4 und 6 Ausgaben lang. Von jeder Reihe, egal ob Mini oder Ongoing, erscheint in der Regel ein Heft pro Monat. Ungefähr zwei bis drei Monate nach Ende einer Miniserie oder eines Handlungsbogens erscheint dann ein Sammelband, im Englischen „Trade Paperback“ oder „TPB“ genannt (sofern es ein Softcover ist; bisweilen gibt es auch Hardcover-Sammelbände). Ein Comicheft umfasst in der Regel 32 Seiten, hin und wieder gibt es aber auch extradicke Ausgaben von 48 oder gar 56 Seiten. Diese Zahl enthält aber auch redaktionelle Seiten und Werbeanzeigen.

In den USA laufen oft mehrere Ongoings und Miniserien gleichzeitig – vier bis fünf parallel laufende Star Wars-Serien sind bei Marvel die Norm. Die US-Hefte können in Deutschland einerseits als E-Books erworben werden (über Amazon oder über den eigens dafür eingerichteten Dienst Comixology), andererseits auch über Comicshops bestellt werden, die ein US-Sortiment anbieten. Dieses Sortiment wird über den PREVIEWS-Katalog bestellt, der vom Vertriebsdienstleister Diamond betrieben wird. Den genauen Bestellablauf könnt ihr auf der PREVIEWS-Webseite nachlesen oder beim Comicshop eures Vertrauens erfahren.

Ein weiterer Begriff, der hier erwähnenswert ist, ist „Variantcover“. Dabei handelt es sich um Ausgaben eines Hefts mit gleichem Inhalt, aber anderem Covermotiv. Diese sind oftmals begehrte Sammlerschätze, da sie in der Regel in limitierter Auflage erscheinen. Allerdings haben dies manche Verlage, wie z.B. Marvel, zum Anlass genommen, bisweilen sehr viele verschiedene Variants einer Ausgabe zu drucken, um ihre Einnahmen dadurch zu steigern. Außerdem gibt es sogenannte „Omnibus-Bände“, bei denen es sich um mehrere hundert Seiten dicke Megasammelbände handelt, in denen mehrere Miniserien oder Ongoing-Handlungsbögen gesammelt sind. Besonders bei Nachdrucken von älterem Material ist dies eine gängige Veröffentlichungspraxis.

Marvel und IDW Publishing, die seit 2017 Star Wars-Comics für jüngere Leser veröffentlichen, kündigen in den USA ihre Comichefte immer drei Monate im Voraus an, in den sogenannten „Solicitations“, die in der zweiten Monatshälfte erscheinen. Wir berichten auch jedes Mal pünktlich über diese Ankündigungen, also folgt einfach unseren News und ihr verpasst in dieser Hinsicht nichts.

Deutsche Veröffentlichungsweise

In Deutschland liegt die Comiclizenz seit 1999 bei Dino bzw. Panini, einem Stuttgarter Verlagshaus, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, eine Vielzahl der amerikanischen Comics auf Deutsch zu übersetzen. Auch hier gibt es eine inzwischen monatlich erscheinende Heftreihe, in der allerdings jeweils zwei US-Hefte enthalten sind. Bei der aktuellen Kanon-Heftreihe handelt es sich dabei jeweils um zwei Hefte aus einer aktuellen US-Ongoing, deren Handlungsbögen hier in Blockform über zwei bis drei deutsche Ausgabe hinweg veröffentlicht werden. Auch Panini veröffentlicht häufig nachträgliche Sammelbände der Einzelgeschichten. Seit dem Kanon-Neustart erscheint jedes Heft auch mit einem Variantcover, das exklusiv über den Comicfachhandel oder den Panini-Shop erhältlich ist. Im Panini-Shop und in den besseren Comicshops sind auch Abos der Kiosk- und Comicshop-Ausgaben möglich.

Zudem veröffentlicht Panini sogenannte „Star Wars Sonderbände“, in denen meistens amerikanische Miniserien direkt als Sammelband auf Deutsch erscheinen. Hin und wieder werden auch Handlungsbögen von Ongoings hier direkt als Sonderband veröffentlicht. Seit dem Kanon-Neustart erscheint jeder Sonderband – genau wie die Sammelbände der Heftreihe – als Softcover und als Hardcover mit abweichendem Titelmotiv, sodass man als Leser die Wahl hat – oder als Sammler einfach direkt bei beiden zugreift. In unserer Datenbank sind Kanon-Sonderbände und Legends-Sonderbände getrennt. Aktuell erscheinen die deutschen Sonderbände immer ungefähr 4-6 Monate nach den US-Sammelbänden.

Panini hat zudem auch noch weitere Comicbandreihen, deren Namen man kennen sollte. In der 14-bändigen Star Wars Essentials-Reihe hat Panini ältere Comics neu aufgelegt, die vor 1999 bei anderen Verlagen übersetzt wurden. In der Masters Series legt Panini Klassiker aus dem eigenen Programm neu auf, in der Regel aus dem Legends-Bereich. Die Masters Series enthält auch erstmalige Sammelbände aus der alten, 125-teiligen Heftreihe, deren Geschichten vorwiegend aus Legends-Inhalten bestanden. In den Star Wars Classics hat Panini über 15 Bände hinweg die alten Marvel-Comics aus den 70ern und 80ern neu aufgelegt.

Zu guter Letzt veröffentlicht Panini seit September 2016 die Star Wars Comic-Kollektion, eine Art „Best of“-Programm der letzten 40 Jahre, in dem vorwiegend Legends-Geschichten sowie neu kolorierte Versionen der Filmcomics erscheinen. Mehr Infos dazu auch auf starwars-comic-kollektion.de.

Bei den deutschen Veröffentlichungen gilt zu beachten, dass diese immer mehrere Monate hinter dem aktuellen Stand der USA zurückliegen und bisweilen auch Comics auf der Strecke geblieben sind, die bis heute nicht übersetzt wurden. Seit dem Kanon-Neustart bemüht man sich allerdings (bisher erfolgreich), dass früher oder später alles übersetzt wird.

Außerdem bringt Panini in Deutschland auch Comics zur TV-Serie Star Wars Rebels in ihrem monatlichen Magazin in weltweiter Erstveröffentlichung heraus. Diese Comics werden auch regelmäßig in Sammelbänden mit je acht Geschichten nachgedruckt. Zudem begann Panini im März 2016, auch im Star Wars Magazin Eigenproduktionen zu veröffentlichen, z.B. Die Waffe eines Jedi.

Einsteigertipps

Eine beliebte Einsteigerfrage ist natürlich, womit man denn nun anfangen soll. Das ist eine sehr komplexe Frage, aber wir versuchen, euch hier ein paar Anhaltspunkte zu geben, anhand derer ihr sie eventuell für euch selbst beantworten könnt. Erst solltet ihr euch also diese Fragen stellen:

  • Ist es euch wichtig, ob ihr Legends oder Kanon lest? (Wenn ihr nicht wisst, was der Unterschied ist, lest hier nach.)
  • Interessiert ihr euch für spezielle Charaktere oder eine besondere Ära? (Infos zu den Ären findet ihr ebenfalls im Kanonportal.)

Mit diesen Fragen könnt ihr euch eventuell sogar selbst schon aussuchen, welche Comics für euch interessant sind.

Kanonleser steigen am besten mit Skywalker schlägt zu! in die Comicgalaxis ein, denn das war Marvels erste Veröffentlichung, und man kann sich prinzipiell nach Erscheinungsdatum der Erstausgaben sortiert gut in den Kanon einlesen. Allerdings muss man auch sagen, dass es bisher möglich ist, bei so gut wie jeder Comicreihe – Miniserie oder Ongoing – direkt bei der #1 einzusteigen, ohne dass Vorwissen aus anderen Comicserien dringend benötigt wird. Um Geschichten zu finden, die z.B. in einer für euch interessanten Ära spielen, oder um euch einen Überblick zu verschaffen, könnt ihr euch auch an unserer Kanon-Timeline orientieren.

Legends-Lesern, die gerne auf Englisch lesen wollen, kann man Marvels Omnibus-Reihe Star Wars Legends Epic Collections empfehlen, in welcher nach Zeitabschnitten sortiert chronologisch das gesamte Material der Legends-Kontinuität veröffentlicht wird. Jede Ära bekommt ihre einene Unterkategorie, z.B. „The Old Republic“, „The Empire“, „The Rebellion“ oder „The New Republic“, und man kann eigentlich bei jedem „Vol. 1“-Band direkt einsteigen.

Wer die Legends auf Deutsch lesen möchte und einen guten Einstieg in die Comic-Galaxis bekommen will, dem sei die oben erwähnte Star Wars Comic-Kollektion von Panini ans Herz gelegt. Darin erscheinen zwar keine kompletten Reihen, aber es werden querfeldein Kostproben aus allen Bereichen veröffentlicht, die man zum Anlass nehmen kann, um tiefer in eine bestimmte Reihe oder Ära einzutauchen. Auch die Masters Series und die Essentials eignen sich zu diesem Zweck, da sie kleiner und überschaubarer sind als die Sonderbandreihe.

Für Leseemfpehlungen legen wir euch auch unsere Rezensionen nahe, die ihr hier in einer nach Bewertung sortierbaren Übersicht findet.

Weiterführende Links

Wir hoffen, dass euch diese Seite nützlich war. Natürlich könnt ihr uns jederzeit in den Kommentaren, den Social Media und per Mail fragen, wenn euch noch etwas unklar ist.

1 Kommentar

  1. NoriorNorior

    Super Übersicht.
    Für mich ist das (nach vielen Jahren) alles mittlerweile normal und selbstverständlich aber nach dem Lesen dieses Textes ist mir erst bewusst geworden, wie komplex die Star Wars Comics tatsächlich sind.
    Gerade für Neueinsteiger ist das eine sehr gute erste Anlaufstelle.

    Auch der neue Kanon hat mittlerweile eine Größe erreicht, wo man langsam den Überblick verlieren kann.

    Das macht das Ganze aber nur noch reizvoller. 🙂

    Antworten

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