Rezension: Wächter der Macht 9 – Sieg: Bruder gegen Schwester

Nach der Schlacht von Fondor und dem missglückten Absetzungsversuch Admiralin Niathals gegen Darth Caedus haben sich die Fronten verändert – das Imperium schlägt sich auf die Seite der Allianz, während einige Loyalisten sich mit Niathal und dem Orden der Jedi verbünden. Im finalen Band der Reihe Wächter der MachtSieg von Troy Dennig neigt sich der Zweite Galaktische Bürgerkrieg und die Herrschaft des Darth Caedus dem Ende zu. Der Roman erschien als Legacy of the Force 9: Invincible am 13. August 2008 in den USA bei Del Rey und als deutschsprachige Übersetzung dann am 14. Juni 2010 bei Blanvalet. Das Cover zeigt die finale Konfrontation der Solo-Zwillinge.

Der Roman beginnt mit einer Rückblende zur Zeit vor dem Yuuhzan-Vong-Krieg, als Jacen und Jaina noch auf der Jedi-Akademie ist. Sie und Lowbacca sind gefangen und müssen sich befreien, wobei sehr das starke Zwillingsband zwischen den beiden betont wird. Zurück in der aktuellen Zeitlinie, befinden wir uns in den Nachwehen der Schlacht um Fondor, die nochmals Verschiebungen der Fraktionen erwirkt hat. Viele Offiziere sind Caedus noch treu ergeben, der nun das schlagkräftige Militär des Imperiums auf seiner Seite hat. Als weitere Fraktion tritt nun Nataasi Daala auf den Plan, wobei sie nicht unbedingt auf Seiten der Jedi oder der Konföderation steht, aber zumindest gegen Caedus und Teile des Imperiums. In einem Präventivschlag greift die Allianz gemeinsam mit dem Imperium die Werften der Verpinen an, die gemeinsam mit Mandalore Kampfschiffe mit Besk’ar produzieren. Die Mandalorianer eilen mit Jaina Solo zur Verteidigung herbei, müssen aber mit ansehen, wie die Imperialen eine neue Biowaffe einsetzen. Diese Waffe ist fest an die Genetik der Ziele gekoppelt, weswegen die Menschen unbeschadet davonkommen, die Verpinen aber grausam daran zugrunde gehen.

Nachdem Jaina wieder bei den Jedi ist, tagt der Rat und entscheidet, dass Caedus eliminiert werden muss. Luke wird jedoch nicht seinen Neffen herausfordern, da er noch zu sehr von Rachegedanken wegen Maras Tod durchsetzt ist. Diese Mission fällt somit Jaina und ihren Eltern zu, auch Ben schließt sich ihnen an.

Auf Coruscant trifft sich Ben mit Shivu, um an geheime Informationen zu kommen, doch stellt sich dies als Falle von Tahiri Veila heraus, die beide festnimmt und Shivu brutal verhört. Ben wird unterdessen auch verhört, versucht aber selbst, Tahiri von Jacen wegzubekommen, um ihm so seine Schülerin zu nehmen.

Luke selber hatte wohl alles vorrausgesehen, und so liegt es nun an Jaina, sich ihrem Bruder zu stellen …

Reisen durch die Zeit

Tahiri Veila wurde ja schon in den vorherigen Romanen als neue Schülerin von Caedus aufgebaut. Seine Manipulation begann damit, dass er mit ihr in die Vergangenheit reiste, sodass sie nochmals Anakin Solo, ihre Jugendliebe, wiedersehen konnte, wenn auch nur aus der Ferne. Ich bin kein Fan davon, wie mit der Welt zwischen den Welten in Rebels umgegangen wurde, um Charaktere zu retten, deswegen war ich auch sehr skeptisch, als Caedus Tahiri eröffnete, dass sie wirklich in der Zeit gereist waren und es nicht nur eine Machttechnik war, in der man die Vergangenheit beobachten konnte. Doch aus Gründen der Manipulation war dies nur die halbe Wahrheit, und ich finde die Form der Zeitreisen hier sehr gut gelöst. Denn sie können in der Vergangenheit nichts ändern, aber wenn andere die Zeitreisenden sehen würden, würden sie sich erinnern, dass sie da waren – im Endeffekt werden nur Erinnerungen verändert, nicht jedoch Ereignisse. Das finde ich einen sehr kreativen Ansatz und er erlaubt auch nicht das komplette Umstülpen von alten Handlungssträngen. Wie Pablo Hidalgo aber in seinem Essential Reader’s Companion schreibt, sah der ursprüngliche Entwurf eine aktive, wenn auch nicht beabsichtigte Nutzung dieser Zeitreisen vor, wo Anakin Solo kurz vor seinem Tod gerettet worden wäre. Ich bin sehr froh, dass man darauf verzichtet hat, weil das wirklich das Sinnbild der konsequenzlosen Handlungsstränge wäre, wenn man einfach in der Zeit zurückreist und Tode verhindert.

Aber zurück zu Tahiri! Besonders in diesem Band erleben wir eine Tahiri, die zu Beginn fest an Caedus‘ Seite steht, wobei ihre Loyalität auch sehr damit zusammenhängt, dass sie Anakin weitersehen kann. Als sie Ben und Shivu verhaftet, versucht sie Ben zu manipulieren und den Ort der geheimen Basis der Jedi in Erfahrung zu bringen. Doch Ben durchblickt das Schauspiel schnell und dreht den Spieß um. Nun ist es an ihm, sie von ihren Fehlern zu überzeugen. Stück für Stück zeigt Ben ihr, zu was für einen Menschen Jacen geworden ist. Hier sieht man wunderbar, wie erwachsen Ben geworden ist, wie er aber seine kindliche Naivität auch bewusst einsetzt und Tahiri mit „unschuldigen“ Fragen versucht aus der Fassung zu bringen. Denn Tahiri fühlt sich selber nicht ganz wohl in ihrer Rolle. Sie glaubt zwar noch an den Jacen, den sie kannte, aber auf der anderen Seite ist ihr die Brutalität des Regimes auch nicht geheuer.

Die Zwillinge

Während Ben daran arbeitet, Caedus seine Schülerin zu nehmen, ist es an Jaina, ihren finalen Schlag auszuführen. Gleich zweimal stellt sie sich ihrem Bruder entgegen. Beim ersten Mal weiß Jacen nicht einmal, dass es Jaina ist – Luke nutzt die Macht und stülpt seine Präsenz über sie, Caedus ist der Überzeugung gegen den Großmeister der Jedi zu kämpfen. Damit wird Caedus noch besser von Jaina abgelenkt und kommt so gar nicht erst auf die Idee, dass es seine Schwester sein wird, die sich gegen ihn stellen wird. Diese Machtprojektion erinnert hier stark an das finale Duell in Die letzten Jedi, nur dass hier auch wirklich ein physischer Kampf stattfand.

Caedus versucht sich danach abzuschirmen, und fürchtet, dass Luke ihn ein weiteres Mal angreifen wird. Jaina bereitet unterdessen ihren nächsten Angriff vor. All das fällt ihr natürlich schwer, ist er doch ihr Zwillingsbruder, mit dem sie unglaublich viel durchgemacht hat, der auch in den traumatischen Ereignissen des Yuuhzan-Vong-Krieges, soweit möglich, immer für sie da war. Sie scheint bis zum Ende noch die Hoffnung zu haben, dass ihr Bruder noch irgendwo in Darth Caedus drinnen steckt. Für Han Solo ist die Sache deutlich klarer – seiner Meinung nach ist Jacen wie sein anderer Sohn im Yuuhzan-Vong-Krieg gefallen.

Um Jacens Fall zu verstärken, beginnt jedes Kapitel mit einem sehr flachen Witz aus seinen Kindertagen, was alles noch bedrückender macht, besonders aus der Perspektive von Jaina. Bei den Witzen hatte ich jedoch das Gefühl, dass es wohl oft Wortspiele waren, die in der Übersetzung verloren gingen. Das machte diese Zitate dann fast schon absurd (oder Jacen hatte nur keinen guten Humor).

Wir haben das besonders im Star Wars-Universum schon oft gesehen, wie der gefallene ehemalige Held am Ende wieder zum Guten findet, sei es Darth Vader, Revan (gut, hier hatte das andere Gründe) oder Kylo Ren/Ben Solo. Darum stellt sich auch die Frage hier: Wird es ein Happy End, und Jacen kehrt zurück? Wird er Einsicht zeigen? Ich wusste schon grob, wie es enden würde, doch fasste man natürlich mit Jaina Hoffnung, zumindest noch einen Teil ihres Bruders zu finden. Auf der anderen Seite hatte ich nach den ganzen grausamen Verbrechen, die Caedus entweder selber tat oder die auf seinen Befehl hin geschahen, keine Sympathien für ihn und konnte mir wirklich nicht vorstellen, dass er jemals rehabilitiert werden könnte. Auch wäre mir das fast schon klischeehaft vorgekommen, wenn Jacen am Ende wieder auf der guten Seite stünde, was auch den ganzen Graustufen, die hier charaktertechnisch in der Reihe erarbeitet wurden komplett widerspräche. Ich werde hier nicht spoilern, aber ich finde es sehr gut gelöst, wie hier damit umgegangen wurde, sehr nuanciert.

Das Ende

Ich will hier nicht zu viel vorwegnehmen. So gut ich das Ende bezüglich Jaina und Caedus fand, desto unzufriedener war ich mit dem restlichen Ende. Es geht alles zu schnell, auf wenigen Seiten wird der Krieg auf einmal für beendet erklärt, auf einmal gibt es eine neue Staatschefin. Es ist nicht so, als wäre das alles unlogisch, aber ich hätte das gerne ausführlicher gelesen. Denn so fällt einfach vieles vom Himmel, was das Leseerlebnis ehrlicherweise auch getrübt hat. Das mag aber auch daran liegen, dass die vorherigen Bände alles immer sehr ausführlich behandelten und man hier zu einem Zwischenabschluss kommen wollte, aber 30 – 50 Seiten mehr hätten hier nicht geschadet. Mir ist aber bewusst, dass es noch einige Geschichten gibt, die diese Ereignisse politisch und charakterlich aufarbeiten werden, und ich freue mich schon sehr, diese zu lesen. Es muss ja nicht alles abschließend geklärt werden, aber ein paar mehr Erklärungen zum Status Quo wären nicht schlecht gewesen.

Die Bewertung für diesen Band fällt mir darum schwer. Er war sehr spannend zu lesen – ich habe ihn in gerade einmal zwei, drei Tagen durchgelesen -, hatte wieder spannende Charaktermomente und -entwicklungen, doch fand ich das Ende dann doch zu abrupt. Ich schwanke hier zwischen vier und fünf Holocrons, aber ich werde darum bei vier verbleiben – bei den vorherigen Romanen hatte ich nicht dieses unbefriedigende Gefühl am Ende, aber trotz vier Holocrons kann ich auch hier eine klare Leseempfehlung aussprechen.

Bewertung: 4 von 5 Holocrons
Bewertung: 4 von 5 Holocrons

Fazit zur Reihe Wächter der Macht

An dieser Stelle möchte ich noch ein abschließendes Fazit zu dieser Romanreihe ziehen. Ihr werdet es ja aus den vorherigen Rezensionen entnommen haben, dass ich hellauf begeistert war. Mir ist bewusst, dass diese Reihe teilweise etwas kontroverser aufgenommen wurde, und einige Punkte kann ich da auch nachvollziehen, obwohl ich diesen nicht unbedingt zustimme. Was mir besonders gefallen hat, war, dass hier sehr relevante Geschichten erzählt wurden, die das politische Gefüge und die Charaktere nachhaltig beeinflussten – eine Sache, die am modernen Kanon – abgesehen von der Hohen Republik – im Romansektor leider kaum noch gemacht wird. Auch mochte ich diese unklaren Grenzziehungen zwischen Gut und Böse – im Endeffekt hatten wir auf allen Seiten Wesen, die schlecht gehandelt haben, aber auch welche, die gut gehandelt haben, und vieles zwischen drinnen. Natürlich schlagen hier Leute wie Jacen oder der Kommandant der Garde der Allianz sehr auf die Seite des Bösen aus, aber von der Seite der Fraktionen lässt sich nicht sagen, wer hier „gut“ und „böse“ ist. Besonders im Zweiten Galaktischen Bürgerkrieg haben wir keine Fraktion, die wir eindeutig als moralischere Seite ansehen können, beide Seiten stehen am Ende in einem positiven Licht dar. Das wird besonders im zwischenzeitlichen Bruch zwischen der Solo- und Sykwalker-Familie deutlich: Unsere Helden seit Jahrzehnten stehen auf einmal auf verschiedenen Seiten des Konfliktes, und beide Familienteile haben nachvollziehbare Gründe. Kein Wunder eigentlich, dass sich damit dann nach und nach eine neue Fraktion bildet. Mir bleibt hier besonders das Zitat in Erinnerung, als Wedges Tochter über diese Sinnlosigkeit des Krieges spricht, in dem sie auf ihren Vater und Luke, ihren alten Helden, schießen musste.

Durch die fehlende Schwarz-Weiß-Zeichnung wird die Handlung so viel komplexer, realistischer und spannender. Charaktere wechseln so auch nachvollziehbarer die Fronten, so zum Beispiel Admiralin Niathal, die anfangs sehr überzeugt den Putsch in der Allianz mit anstößt, aber nach und nach einsieht, dass sie gerade etwas noch viel Schlimmeres unterstützt als das, was sie bekämpfen wollte. Sie versucht, Jacen zu stürzen, und schickt sich damit ins Aus, weil viele in der Flotte noch loyal zu Caedus sind – oder Angst haben.

Man kann Wächter der Macht durch einige Parallelen auch gut mit den Sequels vergleichen. Wir haben hier den Sohn von Han und Leia, der der Dunklen Seite verfällt, ein autoritäres Regime aufbaut und die Galaxis mit Krieg überzieht. Das Ende ist natürlich in den Sequels ein anderes: Ben Solo findet wieder zur hellen Seite und unterstützt Rey beim Sturz des Imperators. Wir haben auch eine deutlichere Schwarz-Weiß-Zeichnung. Doch wenn wir die politische Ausgangslage betrachten – wunderbar beschrieben in Claudia Grays Blutlinie – zeigen sich hier noch mehr Parallelen. Auch im Kanon findet ein Konflikt zwischen Zentristen und den Populisten statt, was hier jedoch nicht zu einem Krieg eskaliert.

Was ich weiterhin sehr stark an der Reihe fand – abgesehen auch von den Charakterdarstellungen und -entwicklungen – war das Einbinden von allen möglichen Werken. Seien es Charaktere aus alten Comics, die nicht unbedingt dem Legends-Kanon entsprachen, oder Handlungsstränge, die nicht mehr kanonisch waren; sie wurden sorgsam eingebettet. Boba Fetts Vorgeschichte als Jaster Mereell wurde beispielsweise von der Prequel-Trilogie überschrieben, aber hier wird uns eine Variante präsentiert, die sich wieder wunderbar in die Legends einfügt. Und das nicht nur als Easter Egg, sondern als wichtiges Handlungselement, das Boba Fetts Charakter nachhaltig beeinflusst, ebenso wie einige Ereignisse aus den Romanen. Diese Elemente sind nicht einfach nur als Easter Egg gedacht, sondern haben ihren Grund, auch wenn er vielleicht erst später ersichtlich wird.

Damit will ich diese Rezensionsreihe mit einer unbedingten Leseempfehlung abschließen. Auch wenn ich von einigen Charakterschicksalen schon gespoilert war (u. a. habe ich es auch geschafft, mich durch unser eigenes Quiz auf der Comic-Con spoilern zu lassen, wobei ich hier ein Charakterschicksal nur vergessen hatte), war die Reihe sehr lesenswert. Es passiert so viel mehr und man erfährt, wie es zu all dem kam. Auf der anderen Seite war die Reihe auch sehr erschreckend und hatte besonders in diesem Sinne einige düstere Parallelen zur aktuellen politischen Weltlage und Geschichte.

Die Konsequenzen des Zweiten Bürgerkriegs und des Falles des Jacen Solos werden in weiteren Büchern erzählt, die – bis auf Millennium Falke (wozu wir leider noch keine Rezension haben) – von Jürgen rezensiert wurden:

Auch nach dem Verhängnis der Jedi-Ritter geht es noch weiter mit X-Wing: Gnadentod von Aaron Allston, rezensiert von Joshua und dem chronologisch letzten Legends-Roman Feuerprobe, den Julian rezensiert hat. Hundert Jahre später geht es mit den Legacy-Comics weiter, doch das ist eine andere Geschichte…

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