„Wie alt bist du?“ – „Alt genug, um zu wissen, dass die Beziehung zwischen einem Meister und seinem Schüler so herausfordernd wie bedeutsam ist.“
Ezra Bridger und Professor Huyang
Jubel-Jubiläum! Über zehn Jahre nach jenem 22. August 2015, der als großer Star Wars-Comictag in Paninis Verlagsgeschichte einzigartig war (Na? Wer von euch war damals schon dabei und ist bis heute drangeblieben?) und den Start der neuen Heftnummerierung feierte, stoßen wir nun an auf die letzte Ausgabe des vergangenen Jahres: die 125. des monatlichen Comichefts.




Die Zahl 125 ist besonders, weil das erste Star Wars-Comicmagazin – 1999 noch unter dem Dino-Label gestartet – mit Geschichten aus dem Hause Dark Horse bis Juli 2015 eben diese Zahl erreichte, bevor man mit dem Marvel-Neustart die Uhr neu aufzog. Dass es diesmal statt 16 Jahren „nur“ zehn Jahre für den Meilenstein dauern sollte, ist dem schnelleren Veröffentlichungsrhythmus zu verdanken. Früher schwankend von zweimonatlich bis sechswöchentlich, erfolgt er seit der neuen #1 ungebrochen monatlich. Das Heft flankierte den sagenhaften Erfolg von Episode VII: Das Erwachen der Macht, sah Tops wie Flops kommen und gehen, erschien selbst auf dem Höhepunkt der Pandemie (!) ununterbrochen immer weiter und war auch in der neuen Ära des Disney-Streamings stets mit dabei – und das seit Tag 1 immer in zweifacher Cover-Ausführung. Selbst die Wechsel der für die Reihe zuständigen Rezensenten hier im Team der Jedi-Bibliothek gingen an ihr vorbei.
Nun haben wir uns aber genug vor Paninis Leistung und der Leserschaft verbeugt, die für ein Print-Magazin auf dem deutschen Markt in der modernen Zeit solch einen Erfolg erst möglich macht. Werfen wir den Blick von der Zahl im Kasten zum Rest der beiden Cover besagter Ausgabe, deren Inhalt aus dem fünften Kapitel von Legacy of Vader und dem Finale der achtteiligen Ahsoka-Comicadaption besteht. Als Motiv für die breit erhältliche Kiosk-Version fiel die Wahl wie zuletzt auf Kylo Ren, nur ist statt wie gewöhnlich dem regulären US-Cover der enthaltenen Originalausgabe diesmal einem US-Variantcover vom Künstler Liu „Aka“ Xiatong die Ehre erteilt worden. Die Comicshop-Variante zeigt David Nakayamas Motiv zur finalen Ahsoka-Folge mit dem letzten Duell zwischen der Titelheldin und der Nachtschwester Morgan Elsbeth.


In unserer Jubiläumsausgabe Nr. 125(!) kommt es zum großen Finale der Ahsoka-Comicreihe zur populären Disney+-Serie mit der achten und letzten Folge! Plus: Die Fortsetzung dieser herausragenden Ergänzung der Sequel-Trilogie Legacy of Vader, in der Kylo Ren und die Erste Ordnung mit der brutalen Erstürmung des friedlichen Planeten Naboo beginnen …
Die ersten vier Kapitel der aktuellen Hit-Serie Legacy of Vader folgten noch mehr oder weniger einem ähnlichen Muster. Zunächst erzählt Vaneé Kylo Ren von seinem Großvater Darth Vader an einer für ihn bedeutsamen Örtlichkeit aus dessen Vergangenheit. Dann kommt es zu einer kleinen, „zufälligen“ Action-Einlage und der Meister der Ritter von Ren geht mit einer selbst interpretierten Lektion aus der Episode, bevor sich die nächste Ausgabe ankündigt.
Doch gerade, bevor die Erzähl-Struktur von Autor Charles Soule (u.a. Krieg der Kopfgeldjäger und Die Hohe Republik) droht, sich zu sehr zu wiederholen, bricht Die Herrschaft Kylo Rens, Teil 5 die Formel auf. Vaneé verschwindet bis auf wenige Schlüsselmomente im Hintergrund und lässt Kylo Ren mit Naboo frei handeln, was überraschend anders abläuft, als man erwarten würde. Die letztendliche Erklärung durch Vaneés Analyse, warum der gefallene Jedi tut, was er tut, auch wenn es auf den ersten Blick irrational erscheint, passt zu dem Entwicklungspunkt des Charakters zwischen Episode VIII und IX und den bisher zurückliegenden Ereignissen der Sequel-Trilogie. Wie bereits mit Der Aufstieg Kylo Rens schafft es Soule, den von Adam Driver verkörperten Skywalker-Erben mit spannenden und scharfsinnigen Aspekten abzurunden, die die teils zerfahrenen Schwächen der drei Filme mildert. Star Wars-Comics und -Bücher bereichern die Welt der Filme immer dann am meisten, wenn sie so sinnvoll erweitert wird wie hier.
Die oben erwähnten Entscheidungen des Enkels von Naboos früherer Herrscherin Padmé Amidala führen schließlich zu epischen Szenen, die Stefano Raffaele aufs Papier zaubert. Seine weichen Linien haben gegen Luke Ross, der bis auf wenige Ausnahmen für die Reihe zuständig ist, zwar etwas das Nachsehen, mit technischer Genauigkeit, visuellen Anspielungen auf frühere Naboo-Szenen in den Filmen und wunderbar eingefangenen Ausdrücken von Kylo Ren und General Hux wird das Heft dennoch zu einem visuellen Feuerwerk. Die Kolorierung von Nolan Woodard springt seitenweise quer durch mehrere Paletten einer fast unübersichtlichen Bandbreite unterschiedlicher Farbbilder, passt damit aber zu der blitzartigen Entwicklung, die die Bevölkerung des Planeten auf wenigen Seiten durchläuft – simultan zur Entwicklung der Reihe, die mit ihrer fünften Ausgabe auf überraschende und beeindruckende Weise den nächsten Schritt gemacht hat, bevor sie drohte, sich immer zu wiederholen.
Mit Die Jedi, die Hexe und der Kriegsherr geht dann endlich die Ahsoka-Serienadaption von Rodney Barnes zu Ende. Insgesamt mag sie für eine starre Serienwiedergabe hier und da gelungen sein, aber nun wird es Zeit, dass die bereits seit fast drei Jahren bekannte Geschichte, die nun für acht Hefte in Überlänge einen Platz in den monatlichen Ausgaben blockiert hat, wieder für originale Stories beiseite tritt. Das actionlastige Staffelfinale auf Peridea wird von Georges Jeanty dann noch recht dynamisch auf die Comicseiten übertragen und rundet den „Okay“-Eindruck ab, den die Reihe seit der ersten Ausgabe hat, ohne Ausreißer nach oben oder unten.
Fazit
Für das zweite Mal, dass eine deutsche monatliche Star Wars-Comicserie die Nummer 125 erreicht, beschenkt uns Panini mit einem starken Kapitel von Legacy of Vader, das die Formel der letzten Ausgaben aufbricht, epische Kampfszenen auf Naboo liefert und Kylo Ren interessante Entscheidungen treffen lässt. Die Zeichnungen von Stefano Raffaele sind zwar nicht ganz so stark, wie bei Luke Ross, schaffen aber dennoch einzigartige Charakter- und Action-Momente. Der Abschluss der ersten Staffel von Ahsoka lässt noch ein letztes Mal ganz nett auf die Serie zurückschauen, aber nun dürfen für die nächsten Monate endlich wieder ausschließlich neue Geschichten im Heft erscheinen. Wie hoch die Nummerierung der langjährigen Reihe in ihrer zweiten Inkarnation nun auch werden mag, wir bleiben auf jeden Fall dran.
Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
Am 20. Januar war es so weit und mit Star Wars #126 drang die Galaxis in Nummern vor, die nie ein Comicheft von Panini zum Krieg der Sterne zuvor gesehen hat. Der Inhalt war das Jubiläums-Special zum zehnten Geburtstag der Marvel-Ära, A New Legacy. Da dieses Special voraussichtlich nicht in einem Sammelband abgedruckt wird, sollten sich Komplettist*innen das Heft definitiv zulegen. Wer sonst Sammelbände vorzieht, kann sich auf die baldigen Reprints der rezensierten Geschichten freuen, denn Legacy of Vader: Die Herrschaft Kylo Rens, Band 1 erscheint im Juni und kann bei Amazon und Thalia vorbestellt werden. Der umfangreiche Ahsoka-Sammelband ist sogar schon erhältlich. Ihn kann man neben Amazon und Thalia auch direkt bei Panini bestellen – wahlweise im seltenen und exklusiven Hardcover.










