Erster Eindruck: Die 2. Welle von Star Wars: The High Republic

Am 29. Juni geht in den USA die zweite Welle von Star Wars: The High Republic los. Wir befinden uns nach wie vor in der ersten Phase des Projekts, die – genau wie der Auftaktroman aus dem Januar – den Titel Light of the Jedi trägt, aber diese Phase ist nochmal in mehrere Wellen unterteilt, die – wenn das Muster bestehen bleibt – in gut halbjährigem Rhythmus erscheinen.

Dank Lucasfilm Publishing durfte ich mir bereits die drei Romane dieser Welle durchlesen. Das wären The Rising Storm von Cavan Scott (Del Rey, 29. Juni), Race to Crashpoint Tower von Daniel José Older (Jugendroman, Disney-Lucasfilm Press, 29. Juni) und Out of the Shadows von Justina Ireland (Young-Adult-Roman, Disney-Lucasfilm Press, 27. Juli). Dies wäre auch die Lesereihenfolge, die ich euch empfehlen würde. Während ich heute explizit keine Spoiler verraten werde, möchte ich euch dennoch zum heutigen Embargo-Ende meine ersten Eindrücke dieser drei Romane liefern, was euch hoffentlich bei euren Lese- und Kaufentscheidungen helfen wird. Detailliertere Rezensionen aller drei Bücher erwarten euch dann näher am jeweiligen Erscheinungstermin.

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Diese Rezension wird zwar keine Spoiler zur zweiten Welle enthalten, dafür aber zur ersten! Lest auf eigene Gefahr!

The Rising Storm von Cavan Scott

Cavan Scott, der Großmeister der Querverweise und einer der aktivsten Autoren in der Geschichte von Star Wars, darf endlich einen vollwertigen Erwachsenenroman schreiben! Mit Dooku: Jedi Lost hat er bereits ein grundsolides Hörspielskript mit tollem Worldbuilding vorgelegt, und als Co-Autor der Adventures in Wild Space auch bereits in Prosa wirklich lesenswerte kleine Büchlein geschaffen – ganz zu schweigen von seinen zahllosen galaktischen Comicprojekten von Marvel und IDW. Nun fiel ihm die schwierige Aufgabe zu, dem grandiosen Light of the Jedi von Charles Soule einen Nachfolger zu liefern.

Gut ein Jahr ist vergangen seit den Ereignissen auf Elphrona und der Schlacht von Kur. Der Starlight Beacon läuft; die dortigen Jedi haben alle Hände voll zu tun mit den Drengir; ab und an gibt es Nihil-Angriffe, aber im Großen und Ganzen konzentrieren die Republik und die Jedi ihre Kräfte auf ein weiteres „Großes Werk“ ihrer Kanzlerin Lina Soh: den „Republic Fair“ (in etwa: „Jahrmarkt/Messe der Republik“) auf dem Planeten Valo, der Glanz und Pracht der Republik darstellen und zugleich eine massive Werbe-Veranstaltung für neue Mitgliedswelten sein soll, nicht zuletzt für die Togruta, deren Staatsoberhaupt sogar persönlich dafür anreist.

Wir folgen hierbei einigen bereits bekannten Jedi-Charakteren, wie Bell Zettifar oder Elzar Mann, und auch der oft bereits erwähnte Stellan Gios tritt endlich in den Vordergrund. Und im Hintergrund agiert nach wie vor der unberechenbare Marchion Ro mit seiner mysteriösen Agenda. Cavan Scotts Charakterarbeit muss sich vor Charles Soules nicht verstecken, denn die Figurendarstellungen und Handlungsbögen aus Light of the Jedi werden nahtlos fortgesetzt, sodass der Autorenwechsel kaum auffällt. Selbstverständlich war es für Cavan aber bestimmt auch eine dankbare Sache, auf die Vorarbeit von Light of the Jedi zurückgreifen zu können. Hinzu kommen aber auch eine Reihe neuer Figuren, wie Marchions neuer Pilot Udi Dis, der sehr differenziert dargestellte Oppositionspolitiker Tia Toon und allen voran die „Auftragsritterin“ Ty Yorrick, die hier erstmals auftritt und für Star Wars eine sehr unkonventionelle und daher auch interessante Figur darstellt. Ich bin gespannt auf weitere Auftritte von ihr – gerne auch wieder mit Elzar Mann, denn diese beiden haben eine tolle Dynamik.

Zur Haupthandlung von The Rising Storm lässt sich wenig sagen ohne zu spoilen, aber zumindest dies sei gesagt: Nach einem eher undurchsichtigen ersten Teil mit vielen Sprüngen zwischen alten und neuen Charakteren, erreicht das Buch im Mittelteil einen bombastischen Höhepunkt – ein nervenaufreibendes Hoch, auf dem der Roman bis zur letzten Seite hin reitet. Cavan Scott schafft es, seine neuen Schauplätze sehr visuell zu beschreiben, mit einem Detailgrad, der einen direkt in diese fremden Welten zieht, ohne als Leser unter der Last expositorischer Prosa zerdrückt zu werden. Gerade der „Republic Fair“ verlangt förmlich eine Umsetzung als gigantisches Gemälde mit allen Details! Cavans mitreißende Prosa ist erhaben, und ihr solltet sie euch nicht entgehen lassen, wenn ihr des Englischen mächtig seid.

In den Actionsequenzen herrscht durchweg Spannung und ähnlich wie beim Großen Desaster im Vorgänger klebt man förmlich an den Seiten. Genau wie Soule spielt Scott gekonnt damit, dass diese Figuren alle neu sind und man ihr Schicksal nicht kennt. Die Szenen mit den Tempest Runners und Marchion Ro machen mich im Übrigen sehr gespannt auf das kommende Hörspiel The High Republic: Tempest Runner von Cavan Scott, in dem Lourna Dee im Mittelpunkt steht, die auf Nihil-Seite in diesem Buch neben Marchion zu einer weiteren Favoritin meinerseits avanciert ist. Des Weiteren plädiere ich dafür, einen offiziellen Ember-Fanclub zu gründen.

Müsste ich die beiden aneinander messen, bleibt Light of the Jedi seinem Nachfolger The Rising Storm noch einen Ticken voraus, da dort der Anfangsteil stimmiger war, aber das ist Meckern auf sehr hohem Niveau. Wem der erste Band gefallen hat, dem kann ich den zweiten bedingungslos empfehlen – er macht auch direkt brennende Lust auf mehr!

Dieses Buch wird voraussichtlich 2022 bei Blanvalet auf Deutsch erscheinen.

Race to Crashpoint Tower von Daniel José Older

Mit diesem Buch liefert Daniel José Older, bekannt von seinem Roman Letzte Chance, seinen Kurzgeschichten in beiden From a Certain Point of View-Bänden und nicht zuletzt der Comicreihe The High Republic Adventures, nun auch seinen Prosa-Einstieg in die Hohe Republik. Dabei erfüllt sein Jugendroman hier gleich zwei Funktionen: Erstens ist er ein Sequel zu A Test of Courage, sodass jugendliche Leser ohne Wissen aus den Erwachsenenromanen die Geschichte der Hohen Republik hier direkt weiterverfolgen können, und zweitens bringt das Buch die Comic-Crew aus den Adventures in die Prosa und setzt deren Abenteuer fort, sodass man als Leser damit rechnen muss, dass The High Republic Adventures #1-5 durch diesen Roman gründlich gespoilt werden.

Diese Verzahnung mag den einen oder anderen vielleicht abschrecken, da man den Comic fast schon gelesen haben muss, um insbesondere dem Anfang von Crashpoint Tower zu folgen, aber ich habe das geradezu gefeiert! Genau diese Intertextualität wünsche ich mir doch bei einem gigantischen Event wie Star Wars: The High Republic! Es war toll, Lula Talisola und vor allem Zeen Mrala in der Prosa zu erleben und ihre Gefühls- und Gedankenwelt zu erkunden, gerade auch in Bezug auf Krix Kamerat und die Ereignisse aus den Comics. Auch schön war es, meine Lieblingsfigur Vernestra Rwoh wiederzusehen, die hier auch absolute Glanzmomente im Umgang mit Lula Talisola hat, wenn es um das Thema Machtphilosophie und die Rolle der Jedi geht. Das war richtig schön aufbereiteter Stoff!

Weiterhin lernen wir hier offiziell Ram Jomaram kennen, den Technik-Nerd unter den Jedi-Padawanen, der am Rande des Republic Fair auf Valo verdächtigen Ereignissen auf der Spur ist, die eine Bedrohung für die Messe sein könnten. Ram ist eine Art Jedi, die wir so noch nicht gesehen hatten – ein eher introvertierter Mechaniker, der in sozialer Interaktion etwas fehl am Platze wirkt und stets mit ölverschmierter Robe daherkommt. Dennoch ist er in Stresssituationen ein echter Gewinn, und lediglich seinen Droiden (siehe Cover) fand ich etwas überzeichnet, aber das ist wohl für die Zielgruppe.

Da sich die Ereignisse sehr stark mit denen von The Rising Storm überschneiden, hatte das Buch für mich während der Geschehnisse auf Valo wenige Überraschungen parat, aber für jugendliche Leser bietet es kurzweilige, humorvolle Unterhaltung mit – wie der Titel nahelegt – rasanter Action und für Kenner der gesamten ersten Welle auch ein paar sehr befriedigende Charaktermomente und Gespräche.

Dieser Jugendroman erscheint am 28. September bei Panini auf Deutsch.

Out of the Shadows von Justina Ireland

Das finale Buch der zweiten Welle ist ein Young-Adult-Roman von Justina Ireland, die hier das Zepter von Claudia Gray übernimmt. Auch Out of the Shadows ist darauf angelegt, seinem Vorgänger Into the Dark als zielgruppenspezifisches Sequel zu dienen, was man nicht zuletzt daran merkt, dass Reath Silas und sein neuer Meister Cohmac Vitus auch in diesem Roman wichtige Figuren sind, ebenso wie die Nihil Nan. Irelands Einfluss merkt man aber auch direkt dadurch, dass sie die junge Jedi Vernestra Rwoh und ihren neuen Padawan Imri Cantaros in das YA-Medium bringt. Abgerundet wird der Cast von neuen Figuren wie der Frachterpilotin Sylvestri Yarrow, die ihr Schiff an die Nihil verloren hat und nun auf Coruscant Hilfe sucht, und dem schmierigen Industriellen Xylan Graf, Erbe einer wohlhabenden Familie von Hyperraum-Pionieren und Rivalen des San-Tekka-Clans.

Out of the Shadows spielt nochmal einige Monate nach The Rising Storm und verrät ebenfalls viel über die Ereignisse daraus, weswegen ich hier jedem nur empfehlen kann, es als letztes zu lesen – es gibt einen Grund, warum es in den USA erst einen Monat später erscheint. Die Geschichte konzentriert sich zwar auf gänzlich andere Hauptfiguren, ist aber dennoch ganz deutlich als Quasi-Nachfolger zu The Rising Storm konzipiert. Dies merkt man auch an der stärkeren Einbindung der Führungsriege der Nihil in diesem Buch, die in Into the Dark noch eher zu kurz kam. Das Buch handelt von einer mysteriösen Hyperraumanomalie im Berenge-Sektor, die – kein Spoiler hier – natürlich mit den Nihil zusammenhängt, doch daraus entwickelt sich dann ein weitreichender Verschwörungs-Plot, zu dem ich euch an dieser Stelle gar nichts weiter verraten will.

Out of the Shadows ist mein absoluter Favorit aus der zweiten Welle, und das hat einen Grund: Vernestra Rwoh! Wie oben bereits gesagt ist dies meine Lieblingsfigur – irgendetwas an dieser jungen, aber kompetenten Jedi-Figur, die aufgrund ihres Alters aber von ihren Zeitgenossen kaum ernst genommen wird, spricht mich einfach an. Außerdem darf sie in diesem Buch nun eine sehr spannende Charakterentwicklung durchmachen und wir erfahren mehr über ihre Beziehung zur Macht, die für die Figur neue Herausforderungen und für das Projekt The High Republic eine unerwartete neue Richtung bietet. Ich denke, von Vernestra werden wir noch viel mehr sehen!

Die Figurenkonstellation Vernestra, Imri und Reath funktioniert ebenfalls sehr gut, und wie Reath – nach wie vor ein Padawan, obwohl er in Verns Alter ist – sich Imris annimmt, als dieser wegen seiner überbordenden empathischen Veranlagung in Probleme gerät, ist wunderbar. Mit Sylvestri Yarrow kommt zudem eine Figur ohne Machtkräfte dazu, die eine spannende Vorgeschichte hat und zentral für die Mysterien in diesem Buch ist. Es wäre ein Klischee, sie als den „Han Solo“ der Gruppe zu bezeichnen, aber sie ist zumindest eine sehr bodenständige Figur, die als Gegengewicht zu den eher abgehobenen Jedi dient und auch die Weltsicht der Jedi an entscheidenden Stellen herausfordert.

Dieses Buch hat mir als vorläufiger Abschluss der 2. Welle – es kommen ja noch mehrere Comics, ein Manga und ein Hörspiel – nochmal deutlich vor Augen geführt, wie gut vernetzt die Geschichten von Star Wars: The High Republic sind, und viel mehr als Into the Dark betrachte ich Out of the Shadows als absolute Pflichtlektüre, um die Zeit der Hohen Republik und das, was da noch kommen mag, zu verstehen.

Abschließend möchte ich noch ein Loblied auf Justina Ireland singen, oder zumindest hier schreiben. Ireland hat für Star Wars bisher nur Jugendromane („middle grade“) geschrieben, ist aber eigentlich eine bekannte Young-Adult-Autorin. Nun darf sie endlich in ihrem „Parademedium“ glänzen, und das merkt man auch. Hyperbolische Aussagen in Rezensionen sind immer ein zweischneidiges Schwert, da man damit bisweilen falsche Erwartungen wecken kann, aber für mich persönlich ist dies der stimmigste YA-Roman seit Verlorene Welten und Ireland steht Gray dahingehend in nichts nach. Ich würde mir am liebsten direkt einen weiteren YA-Roman von Justina Ireland mit dieser Figurenbesetzung wünschen.

Dieser Roman erscheint am 28. September als Aus den Schatten bei Panini auf Deutsch.


Als Fazit lässt sich sagen, dass Star Wars: The High Republic das hohe Niveau der ersten Welle hält, seine Mysterien vertieft und seine zahlreichen Figuren auf interessante neue Wege schickt. So langsam versinkt der Äußere Rand im Chaos, und es zeichnen sich Figurenschicksale ab, die für viel interessanten Diskussionsstoff und hoffentlich noch viele weitere Geschichten sorgen werden, bevor die erste Phase des Projekts dann nächstes Jahr endet.

Aber jetzt seid ihr dran: Wie habt ihr die erste Welle von Star Wars: Die Hohe Republik denn empfunden? Was sieht euer eigenes Fazit nach fast sechs Monaten Abenteuern aus dieser neuen Ära aus? Und auf welche(s) der neuen Bücher freut ihr euch schon am meisten? Lasst uns gerne einen Kommentar da!

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Star Wars: Die Hohe Republik ist ein mehrjähriges Buch- und Comicprogramm, das 200 Jahre vor den Filmen spielt und die Jedi in ihrer Blütezeit zeigt. Weitere Infos, News, Podcasts und Rezensionen gibt es in unserem Portal und in der Datenbank.

15 Kommentare

  1. Ich hab zwar noch nix von der hohen Republik gelesen (warte noch auf die deutsche Ausgabe von Light of the Jedi) aber das hört sich alles doch sehr gut an. Ich bin gehypet. Dies könnte das Star Wars sein, was ich im Literarischen suche.

    Gibt es schon Spekulationen, wann The Rising Storm 2022 zu erwarten ist? Zumindest die Jahreszahl?

      1. @Florian: Unabhängig davon, für welchen Termin genau Blanvalet das Buch ankündigen wird: Siehst du eine Möglichkeit, dass TRS nach vorne gezogen wird, sollte LotJ sich auch in Deutschland gut verkaufen oder wird der Zeitplan grundsätzlich eher so eingehalten, wie er geplant wird?

  2. Sehr schöne Übersicht zu den drei Büchern. Eigentlich hab ich mich besonders auf Rising Storm gefreut. Aber der Ersteindruck zu Out of the Shadows steigert das doch noch etwas. Für mich lebt die Ära gerade durch seine tollen und oft interessanten Jedi. Mein Eindruck zur ersten Welle:

    1. Light of the Jedi
    2. Marvel Comic
    3. Into the Dark
    4. Test of Courage & IDW Comic

  3. Meine Vorfreude zu THR steigert sich in dem Maße wie meine Frustration über blanvalet. Für LotJ warte ich jetzt schweren Herzens noch bis August, aber wenn mir Roman so gut gefällt, wie ich es hoffe, werde ich wohl oder übel überlegen müssen, ob ich TRS danach doch schon auf Englisch lese, um nicht ein halbes Jahr oder mehr warten zu müssen.

  4. Sollte man den ersten Handlungsbogen des Marvel Comics gelesen haben bevor man Rising Storm liest, wenn man sich nicht spoilern will? Wollte nämlich eigentlich warten bis der Comic in Deutsch als Sammelband rauskommt. Das dauert aber vermutlich noch ein paar Monate…

  5. Täusche ich mich, oder gibt es die deutschen Ausgaben der STAR WARS Romane wirklich nur noch als Softcover ? Wenn man sich anguckt, wie aufwendig und toll die Publisher für den amerikanischen Markt Ihre Bücher gestalteten, sind doch die deutschen Softcover in Ihrer Anmutung und Aufmachung nur ein schwacher Aufguss. Zumal die US Ausgabe dann auch noch meist günstiger zu haben sind – aber mit den deutschen Fans scheint man das ja ohne weiteres machen zu können…ich finds ganz schön schade!

      1. Oops, was echt seit den Neunzigern ??! Also die deutschen Prequel Romane habe ich tatsächlich noch als Hardcover 😉 – aber danach ging es wohl abwärts… Armes Deutschland: Das Land der ´Dichter und Denker´ hat für den SW Fan nur Softcover und Taschenbücher im Programm! Aber – natürlich – zum Deluxepreis mit Buchpreisbindung! Es gibt wirklich gute Gründe Bücher im Original zu lesen und die UK bzw. US Version zu kaufen! Das mit dem Hardcovern war für mich wirklich neu…und erschreckend!

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