Rezension: Age of Rebellion: Helden

Mit etwas Verzögerung geht es auch in unserer Rezensionsreihe der Age of-Comics weiter. Heute starten wir mit Age of Rebellion: Helden ins nächste Zeitalter. Der Band erschien bereit am 22. September 2020 bei Panini und sammelt sechs Comics zu Helden der Rebellion: Prinzessin Leia, Han Solo, Lando Calrissian, Luke Skywalker, Yoda und Biggs Darklighter und Jek Porkins.

Geschrieben wurden fast alle Comics von Greg Pak. Lediglich die Yoda-Geschichte stammt von Marc Guggenheim und die Geschichte über Biggs und Porkins von Jon Adams. An den Zeichnungen, Tuschezeichnungen und Farben waren extrem viele unterschiedliche Künstler beteiligt. Jon Adams, Andrea Broccardo, Chris Sprouse, Matteo Buffagni, Scott Koblish, Stefano Landini und Will Sliney waren für die Zeichnungen zuständig. Karl Story und Marc Deering steuerten Tuschezeichnungen bei und Chris O’Halloran, Dono Sánchez-Almara und Tamra Bonvillain die Farben.

Der Sammelband ist als Softcover mit Cover-Illustration von Elia Bonetti und Giuseppe Camuncoli überall im Handel, u.a. auch bei Amazon, erhältlich. Das auf 333 Exemplare limitierte Hardcover von Pepe Larraz und Guru-eFX könnt ihr nur im Comic-Fachhandel oder direkt bei Panini kaufen.

Prinzessin Leia in „Die Schurken-Prinzessin“

Im ersten Comic des Bandes muss Prinzessin Leia Lando Calrissian zur Hilfe eilen, dem einige Kopfgeldjäger auf den Fersen sind, unter anderem Bossk. Als Chewbacca bei der Befreiungsaktion jedoch in Gefangenschaft gerät, wenden Leia und Lando ein Täuschungsmanöver an, bei dem Leias Verkleidung als Boushh erstmals (noch vor Episode VI) zum Einsatz kommt.

Die Geschichte ist ein nettes kleines Abenteuer, bei dem Leia auch mal ihre kämpferische Seite zeigen kann. Die Hauptaussage ist, wie auch schon im Titel benannt, dass Leia keine verweichlichte Prinzessin ist, sondern eben auch ihre schurkische Seite hat. Warum sie dabei allerdings in ihrer Rolle als Boushh Lando ständig übertrieben eine überbraten muss, ist mir schleierhaft. Ich dachte eigentlich, über die Formel „Frau schlägt Mann = witzig“ wären wir hinweg. Es hätte sicher auch viele andere Geschichten gegeben, die Leia besser charakterisieren, als eine solche Actionsequenz mit Kopfgeldjägern. Die Zeichnungen sind allerdings sehr ansprechend, die Figuren gut getroffen und die kräftigen Farben verdeutlichen die Stimmung in den Szenen, v.a. in dem Teil, in dem ein Lagerfeuer seinen Lichtschein auf die Kämpfe wirft.

Han Solo in „Flucht vor der Rebellion“

Im Mittelpunkt dieses Comics steht Han Solo, welcher sich in der Zeit nach Eine neue Hoffnung immer noch nicht eingestehen will, dass er Teil der Rebellion ist. Zwar lässt er sich immer wieder breitschlagen, einen Auftrag für Leia oder Luke zu übernehmen, aber betont stets, dass das jetzt aber der letzte sei. Bei einer weiteren solchen Mission treffen Han und Chewie auf alte Bekannte aus dem Schmuggler-Milieu, die einen weitaus lukrativeren Auftrag für die beiden haben. Wird am Ende Hans Geldgier oder sein gutes Herz gewinnen?

Im Gegensatz zum Leia-Comic trifft dieser Comic den Kern der Figur des Han ziemlich gut. Seine Verleugnung der Tatsache, dass er doch aus Idealismus der Rebellion hilft, wird hier auf witzige Art und Weise immer wieder aufgegriffen. Chewbacca agiert dabei als eine Art „Gewissen“ von Han und versucht, ihn behutsam auf den richtigen Weg zu lenken. Allerdings ist das Erzähltempo fast etwas zu hektisch und der kurze Comic hat gefühlt eine Wendung zu viel. Auch in dieser Geschichte sind die Zeichnungen allerdings wieder schön anzusehen und die Figuren gut getroffen. Witzig fand ich auch das Detail, dass eine Rebellin die gleiche gelbe Jacke trägt, die Luke bei der Medaillenverleihung auf Yavin IV trägt. Offenbar ist Luke eine Art Trendsetter und Influencer, den andere Rebellen so cool finden, dass sie seinen Stil imitieren. Fans von Star Wars Resistance dürfen sich außerdem über einen Gastauftritt der Spezies Gozzo freuen, zu denen auch Flix gehört.

Lando Calrissian in „Wolkenstadt-Blues“

Der Comic zu Lando funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip wie der vorangegangene: Lando muss hier nämlich ebenfalls beweisen, dass das Streben nach Profit ihm nicht so wichtig ist wie moralische Prinzipien. Die Geschichte beginnt damit, dass Arbeiter der Wolkenstadt protestieren, weil sie offenbar ihren Lohn nicht bekommen haben. Lando ist nämlich leider notorisch pleite. Er kratzt gerade noch den letzten Notgroschen zusammen und sucht dann nach einer schnellen Möglichkeit, wieder Geld zu verdienen für die nächsten anstehenden Zahlungen. Diese Möglichkeit bietet ihm ein insektoider Milliardär, für den Lando einen vermeintlich einfachen, doch gut bezahlten Job erledigen soll. Doch wie so oft, wenn ein Angebot zu gut klingt, um wahr zu sein, verbirgt sich hinter dem Jobangebot ein düsteres Geheimnis.

Landos unstetes Leben und das typische Auf und Ab seines Kontostandes werden in dem Comic in den Mittelpunkt gestellt und seine ständige Zwickmühle zwischen Geld und Moral damit schön auf den Punkt gebracht. Die Geschichte um den Milliardär und seine nicht ganz sauberen Geschäfte hätte meiner Meinung nach aber ruhig noch etwas ausgebaut werden können, denn sie hatte Potential für mehr. In dieser knappen Form wirkt sie etwas platt. Auch in diesem Comic sind die Figuren gut getroffen, allerdings sind die Hintergründe viel weniger detailreich gestaltet und die Aliens sind für meinen Geschmack teilweise etwas zu fratzenhaft gezeichnet.

Luke Skywalker in „Flucht oder Kampf“

Age of Rebellion: Luke Skywalker #1 (Juni 2019)
Age of Rebellion: Luke Skywalker #1 (Juni 2019)

In diesem Comic erleben wir Luke Skywalker, welcher mit den Rebellen eine imperiale Raffinerie einnimmt. Allerdings nimmt im Anschluss daran der Imperator mit der Macht Kontakt mit Luke auf und versucht seinen Geist zu manipulieren, sodass er den Kampf aufgibt. Überdies verhält sich auch noch der befehlshabende Major der Rebellion verdächtig…

Dieser Comic ist von vorn bis hinten ein einziger Unfall! Die Story ist konfus und hat kaum einen roten Faden. Warum der Imperator Luke auf einmal aus der Ferne beeinflussen kann, was wir sonst nie gesehen haben, bleibt ungeklärt. Lukes Vision, in der er auf einmal auf irgendeinem unbekannten Planeten ein Farmer- und Familienleben führt, ist mehr als seltsam. Und die Auflösung des Plots rund um den Major wirkt am Ende lieblos hinten drangeklatscht. Dazu kommt eine katastrophale Illustration, bei der man merkt, dass hier mehrere Zeichner (Chris Sprouse, Scott Koblish und Stefano Landini) und Tuschezeichner (Karl Story und Marc Deering) am Werk waren. Die Stilbrüche sind so krass, dass man an einigen Stellen genau feststellen kann, wo ein anderer Zeichner übernommen hat. Mindestens einer davon kann Luke Skywalker überhaupt nicht zeichnen, sodass dieser stellenweise völlig unkenntlich wird, wie auch schon Julian in seiner Rezension bemängelt hat. Wenn ich zu einer Anthologie, die diverse Figuren vorstellen soll, eine Geschichte zu Luke Skywalker beitragen darf, wieso erzähle ich dann so etwas Grottiges und illustriere es so furchtbar? Ich verstehe es nicht.

Yoda in „Prüfung auf Dagobah“

Die Geschichte zeigt uns Yoda auf Dagobah, welcher auf der Suche nach Nahrung geht und dabei mit seinem Versagen in Die Rache der Sith konfrontiert wird, als er unter Felsbrocken verschüttet wird. Yoda kann sich seinem Versagen jedoch stellen und kurz darauf erscheint Luke Skywalker in seinem X-Wing.

Der Comic gibt uns einen kleinen Einblick in Yodas recht eintönigen Alltag auf Dagobah, was sich auch in der meist passend eintönig grün-blauen Farbgebung der Panels widerspiegelt. Der Erkenntnisgewinn Yodas durch den Felsrutsch wirkt allerdings etwas erzwungen. Wieso sollte Yoda in fast 20 Jahren auf Dagobah uns bestimmt zahlreichen Meditationen noch nicht verstanden haben, dass „Hybris, Blindheit, Schmach“ die Probleme des Jedi-Ordens der Prequels und damit auch seine eigenen waren? Wieso sollte er diese Erkenntnis auf einmal durch ein paar Felsen erlangen, und das ganze erst kurz vor Lukes Ankunft? Das ergibt für mich wenig Sinn. Pluspunkte gibt es trotzdem für die schöne Illustration.

Biggs Darklighter & Porkins in „Gestohlener Heldenmut“

Im letzten Comic begleiten wir schließlich die Piloten Biggs Darklighter und Porkins. Nach einer Schlacht hat Porkins das Gefühl, eine Auszeit von den schrecklichen Erlebnissen des Kriegs zu brauchen, und beide Männer beschließen, sich einige Tage im Urlaub zu entspannen. Doch auch dort ist eine Imperiale unterwegs.

Mein Kollege Julian fand diesen Comic ja furchtbar, aber mein Humorzentrum hat diese Blödelgeschichte doch irgendwie getroffen. Ich finde, man kann schon an der Art der Zeichnungen, die wie in einem lustigen Comicstrip aussehen, und den knalligen Farben erkennen, dass man diesen Comic nicht ganz ernst nehmen soll, dass hier keine bierernste kanonische Geschichte erzählt wird, sondern der Humor Vorrang hat. Daher habe ich die Geschichte von vorn herein nur als eine Art Fan-Fiction gelesen und mich dabei gut amüsiert. Die Gags und Situationen sind teilweise so absurd, dass ich vor Lachen fast auf dem Boden lag. Trotzdem schafft es der Comic aber auch noch, eine ernste Botschaft zu vermitteln, nämlich die Erkenntnis der Piloten, dass auch ihre Feinde menschliche Wesen mit Familien sind. Für mich ein netter Abschluss des Comic-Bands.

Fazit

Insgesamt sind die meisten Geschichten in diesem Comic-Band ganz in Ordnung bis gut. Besonders herausragend oder erinnernswert finde ich allerdings keine. Irgendwie hat es Jody Houser in ihren beiden Bänden Age of Republic: Helden und Age of Republic: Schurken viel besser geschafft, die Essenz der Figuren herauszuarbeiten, ihre Beziehung zu anderen Figuren darzustellen und insgesamt interessante und relevante One-Shots zu erzählen. Bei Greg Pak bleiben die Figuren und Geschichten im Vergleich dazu flacher. Dadurch bin ich insgesamt etwas enttäuscht von dem Band, da ich nach den starken beiden Vorgängerbänden mehr erwartet hätte. Dazu kommt der erzählerisch und zeichnerisch furchtbare Luke-Comic, der den Gesamteindruck noch weiter nach unten zieht. Deshalb vergebe ich für einen durchwachsenen Comic-Band noch knapp drei Holocrons.

Bewertung: 3 von 5 Holocrons
Bewertung: 3 von 5 Holocrons

Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

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