Rezension: Age of Republic: Helden

Mit Age of Republic: Helden erschien bei Panini am 21. April 2020 der erste von insgesamt sechs Sammelbänden der Age of-Reihe. Wie der Name bereits sagt, bekommen wir hier Geschichten über die Heldenfiguren der Alten Republik erzählt. Im Zentrum je eines One-Shots stehen dabei Qui-Gon Jinn, Obi-Wan Kenobi, Anakin Skywalker, Padmé Amidala, Mace Windu sowie Captain Rex und Jar Jar Binks. Das Gegenstück, Age of Republic: Schurken, erschien am 23. Juni und wird auch demnächst von mir rezensiert werden.

Die Geschichten zu Qui-Gon, Obi-Wan, Anakin und Padmé wurden alle von Jody Houser geschrieben und von Cory Smith und Wilton Santos (Zeichner), Walden Wong (Tuschezeichner) und Java Tartaglia (Kolorist) illustriert. Beim Age of Republic Special zu Mace Windu arbeiteten Autor Ethan Sacks, Zeichner Paolo Villanelli und Kolorist Erick Arciniega zusammen. Für den Bonuscomic mit Rex und Jar Jar sind Marc Guggenheim (Autor), Caspar Wijngaard (Zeichner) und Cris Peter (Kolorist) verantwortlich.

Der Sammelband ist als Softcover mit Cover-Illustration von Leinil Francis Yu und Jesus Aburtov überall im Handel, u.a. auch bei Amazon erhältlich. Das auf 333 Exemplare limitierte Hardcover von Elia Bonetti und Giuseppe Camuncoli könnt ihr nur im Comic-Fachhandel oder direkt bei Panini kaufen.

Qui-Gon Jinn in „Gleichgewicht“

Im ersten Comic des Sammelbandes begleiten wir Qui-Gon auf einer Mission nach Br’in, wo er er eine Waldpriesterin retten muss. Dieser Einsatz bringt ihn ins Grübeln über die Rolle der Jedi, die immer mehr als Krieger und Soldaten der Republik wahrgenommen werden. In der Meditation auf einem abgelegenen und naturbelassenen Planeten versucht Qui-Gon daraufhin, Lösungen zu finden.

Der Comic trifft meiner Meinung nach die Essenz der Figur Qui-Gon sehr gut. Er wird hier als jemand präsentiert, der sich viele Gedanken macht und auf die Macht hört, um sein Leben danach auszurichten. Insofern passt es sehr gut, dass der Comic wenig actionreich ist, sondern eher einen Denkprozess abbildet. Schön finde ich auch, dass die Frage angesprochen wird, warum der Jedi-Orden auf so einem unnatürlichen Planeten wie Coruscant residiert, wo die Macht doch in der Natur viel zugänglicher zu sein scheint. Die Farben, die auf Coruscant sehr monochrom gehalten sind, während auf den naturbelasseneren Planeten die ganze Farbpalette ausgeschöpft wird, unterstützen diese Thematik. Auch die Idee, dass Qui-Gon sich bei der Eingabe seines Ziels in den Schiffscomputer von der Macht leiten lässt, gefällt mir gut. Ich finde, dieses Motiv dürfte noch viel öfter in Star Wars auftauchen. Etwas flach bleibt dagegen die Rahmenhandlung mit der Waldpriesterin und dem Konflikt auf ihrem Planeten. Dieser dient letztlich nur als Gedankenanstoß für Qui-Gon und wird am Ende nicht komplett aufgelöst.

Obi-Wan Kenobi in „Mission“

Im Mittelpunkt des zweiten Comics steht die Meister-Schüler-Beziehung zwischen Obi-Wan und einem noch recht jungen Anakin. Als Obi-Wan einen Auftrag bekommt, ist er zunächst nicht sicher, ob Anakin schon bereit ist, ihn zu begleiten. Doch nach etwas Fürsprache von Yoda, entscheidet sich Obi-Wan schließlich, seinen Padawan doch mitzunehmen. Dieser muss sich bei seinem ersten Einsatz direkt bewähren.

Wenig überraschend, ist dies mein Lieblingscomic in dem Band. Ich bin generell ein großer Fan von Obi-Wan und besonders gern mag ich es, wenn seine Zweifel thematisiert werden, ob er gut genug ist, um Anakin auszubilden. Wie auch schon Claudia Gray in Meister und Schüler, schafft es auch Jody Houser sehr gut, die Dynamik einer Meister-Schüler-Beziehung einzufangen. Während Obi-Wan immer wieder an sich selbst zweifelt, kommt es bei Anakin so an, als sei er selbst als Schüler nicht gut genug. Dementsprechend enttäuscht ist er, als Obi-Wan ihn zunächst nicht auf die Mission mitnehmen will. (Anakins grummelig-demotivierter „Warum muss ich diesen Mist mitmachen?“-Blick, als er mit viel jüngeren Schülern im Unterricht sitzt, ist einfach nur göttlich! Als Lehrerin kann ich bestätigen, dass ein Schüler in der Situation genau so bockig schauen würde!) Besonders schön finde ich dann aber, dass Anakin sich auf dieser Mission beweisen kann, indem er genau die Fähigkeiten, die er zu Beginn mit Obi-Wan zusammen übt, sinnvoll und angemessen einsetzt. Es freut mich immer, wenn der junge Anakin zwischen Episode I und II auch einmal positiv dargestellt wird. Früher, in den Jedi Quest-Büchern, hatte man immer den Eindruck, dass Anakin einfach nichts richtig machen kann und von Anfang an nur dunkle Tendenzen zeigt. Das ist in diesem Comic glücklicherweise anders. Auch die Zeichnungen sind ansprechend und die Figuren gut getroffen.

Anakin Skywalker in „Die Opfer“

Der Comic mit Anakin Skywalker in der Hauptrolle beschäftigt sich mit einer separatitischen Droidenschmiede auf Kudo III, die die Republik zerstören will. Anakin Skywalker und Admiral Yularen sind unterschiedlicher Ansicht darüber, wie die Mission durchgeführt werden soll. Während Yularen möglichst schnell angreifen und die Anlage komplett in die Luft jagen will, hat Anakin Bedenken, denn er befürchtet, dass bei dem Angriff zahlreiche einheimische Zwangsarbeiter ums Leben kommen könnten.

Wie schon beim vorigen Comic, freue ich mich auch hier sehr darüber, dass uns Anakin erneut als jemand präsentiert wird, der das Herz eigentlich am richtigen Fleck hat und moralisch auf der richtigen Seite stehend dafür argumentiert, unschuldige zivile Opfer zu vermeiden. Besonders schön ist auch die Szene, in der Anakin sich Rat bei seinem ehemaligen Meister Obi-Wan holt und dieser ihn darin bestärkt, auf sein Gefühl zu vertrauen. Hier zeigt sich doch, dass aus Anakin unter anderen Umständen ein guter Jedi hätte werden können. Die Zeichnungen sind auch hier wieder sehr gelungen. Die recht tristen Farben schaffen eine kalte Atmosphäre, die einem Kriegsschiff und einer Droidenfabrik angemessen ist. Auch das blockförmige, braune Essen, das Anakin und Obi-Wan in einer wenig einladenden Kantine einnehmen (siehe Vorschauseiten unten), zeugt davon, dass der Alltag im Krieg recht freudlos und entbehrungsreich ist. Umso beeindruckender wirkt es, wie Anakin in diesem technischen Umfeld, wo Opferzahlen nüchtern gegeneinander aufgerechnet werden, seine Menschlichkeit behält.

Padmé Amidala in „Eine Brücke“

Padmé Amidala und ihre Zofen Dormé und Moteé machen sich in diesem Comic auf den Weg zum neutralen Planeten Clabron, dessen Großminister Padmé zu Verhandlungen eingeladen hat. Doch kaum angekommen, werden die drei Frauen auch schon beschossen.

Der Comic erzählt mit einem erneuten Attentat auf Padmé eine Geschichte, die nicht wirklich neu und recht erwartbar ist. Dennoch repräsentiert dieser Comic die Essenz der Figur Padmé als idealistische Kämpferin für den Frieden sehr gut und passt damit ins Konzept des Bandes. Auch die Zeichnungen sind wieder durchweg schön anzusehen. Ärgerlich ist jedoch ein krasser, bedeutungsverändernder Übersetzungsfehler. So unterhalten sich die Zofen in einer Szene darüber, ob es schlau ist, dass Padmé eine Beziehung mit Anakin führt. Dabei sprechen sie im englischen Original über Anakin als „the Jedi“. Dies wurde hier aber im Plural als „die Jedi“ übersetzt. So macht der Dialog zwischen den Zofen keinen Sinn mehr, da sie Dinge sagen wie „Unsere Lady ist viel, aber nicht subtil. Und die Jedi sind es noch viel weniger.“ (Eigentlich geht es bei der Aussage darum, dass Anakin und Padmé ihre Liebesbeziehung nicht gut genug geheim halten und in der Szene davor von einer Zofe beim Küssen „erwischt“ wurden.) Ein solcher sinnentstellender Übersetzungsfehler darf eigentlich nicht durchrutschen.

Mace Windu in „Die Waffe“

Mace Windu befindet sich in diesem Comic in Gefangenschaft bei einer Terroristengruppe, die Kinder entführt und sie als Kämpfer einsetzt.

Der Comic ist recht kurz und wenig komplex. Es wird versucht, Mace Windu nicht nur, wie üblich, als einen spektakulären Kämpfer darzustellen, sondern ihn auch als jemanden zu zeigen, der sich um die andere Wesen sorgt. Allerdings unterläuft der Comic seine eigene Intention dadurch, dass letztendlich doch ein großer Teil der Seite aus Kampfszenen besteht. Die menschliche Seite von Windu kommt dann erst im letzten Panel zum Vorschein. Auf mich hat dieses Ende keinen runden Eindruck gemacht, da die von Windu formulierte „Moral der Geschichte“ für mich zu wenig im Comic selbst sichtbar wird. Meiner Meinung nach hätte man aus der Geschichte vielleicht mehr machen können, wenn mehr Seiten für die Ausarbeitung der Figuren zur Verfügung gestanden wären. Der Zeichenstil hebt sich deutlich vom eher „realistischen“ Stil der vorigen Comics und ist deutlich stilisierter. Die gruselige Atmosphäre des Höhlensystems, in dem die Terrorgruppe ihren Sitz hat, wird sowohl durch die Farbgebung als auch durch das das Outfit und die Tierschädelmaske des Anführers gut eingefangen.

Captain Rex & Jar Jar Binks in „501. plus eins“

In diesem Comic will sich Rex als guter Anführer beweisen, indem er allein einen gefährlichen Angriff auf eine feindliche Stellung startet. Dabei bekommt er unverhoffte Hilfe von Jar Jar Binks.

Der Comic soll wohl das lustige Anhängsel dieses Bandes darstellen, wirkt aber auf mich wie eine dieser schrecklichen The Clone Wars-Folgen mit Jar Jar, die man am liebsten überspringt. Nicht nur, dass es dämlichen Jar-Jar-Humor gibt (ihm fällt ein Lichtschwert aus der Hand, weil es „bisschen glitscherig“ ist), nein, auch Captain Rex stellt sich dumm wie Brot an. Was bitte ist das für eine dämliche Idee, auf eigene Faust ganz allein den Feind anzugreifen, weil man vorher in der taktischen Besprechung herausgefunden hat, dass man es selbst mit mehreren Leuten nicht schaffen würde und in kürzester Zeit alle tot wären? Und das passiert noch nicht einmal in einer Notsituation, in der es nicht anders geht, als dass einer sich opfert, sondern ist einfach absolut unnötig. Ich kann jedenfalls weder mit dem Humor noch der Story des Comics etwas anfangen. Auch die Zeichnungen sind hier nur „okay“, aber nicht auf dem Niveau der anderen Comics.

Fazit

Trotz des dämlichen Bonuscomics enthält Age of Republic: Helden in der Mehrzahl gute bis sehr gute Comics, die ihren jeweiligen Protagonisten gerecht werden. Tatsächlich funktioniert jeder einzelne Comic sehr gut als „Vorstellung“ der jeweiligen Figur. Würde man einer Person, die die Figuren noch nicht kennt, den Comicband zu lesen geben, hätte sie danach wohl einen guten ersten Eindruck davon, wer die Figuren sind und mit welchen Konflikten oder Problemen sie jeweils zu kämpfen haben. Insofern ist das Konzept des Bandes gut aufgegangen und bietet insgesamt ein spannendes Leseerlebnis. Dafür vergebe ich vier von fünf Holocrons.

Bewertung: 4 von 5 Holocrons
Bewertung: 4 von 5 Holocrons

Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

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