Das ist unsere Chance, dass alles so wie früher wird.
Han Solo
Am 17. März ging es im Comicheft Star Wars #128 von Panini mit den beiden aktuellen Geschichten zu Vater und Sohn Solo jeweils weiter. Die abgedruckte Reihenfolge findet sich nun auch in der Verteilung der Cover wieder. Han und Wookiee-Kumpel Chewbacca durften prominent die Kiosks und Bahnhofsbuchhandlungen zieren, während das Cover mit Kylo Ren gegen die uralte überlebende Jedi Grandea in den Comicshops auslag. Und das ausfaltbare doppelseitige Cover-Poster in der Heftmitte von #127 war wie beim letzten Mal, als es plötzlich auftauchte, wohl schon wieder eine Eintagsfliege, denn #128 muss ohne Poster auskommen.


Han Solo und der Wookiee Chewbacca setzen ihre Suche nach dem populärsten aller Raumschiffe der Star Wars-Saga fort: dem Millennium Falken. Und auf ihrer rasanten Jagd begegnen sie nicht nur tödlichen Raptor-Droiden …
Außerdem: In der Legacy of Vader-Fortsetzung tritt Kylo Ren gegen einen Überlebenden der Order 66 an.
Es wird nicht ganz deutlich, was in diesem Verlagstext ausgesagt werden möchte. Die neu konzipierten Raptor-Droiden kommen in Han Solo: Jagd nach dem Falken, Teil 2 zwar tatsächlich in wenigen Panels vor, spielen aber keine große Rolle in der diffusen Handlung des Hefts. Generell fällt Rodney Barnes‘ Story im Vergleich zum unterhaltsamen Auftakt seltsam ab und so wird die Suche der beiden früheren Rebellionshelden zu einer sprunghaften, wenig nachvollziehbaren Hatz von Schießerei zu Schießerei. Dialoge, Charaktermomente, Beziehungen, Begründungen von Entscheidungen und das Worldbuilding der verschiedenen Orte bleibt dabei so sehr auf der Strecke, dass auch nochmaliges Lesen nicht wirklich deutlich macht, wie hier der Ablauf eigentlich ist. Der zweite Teil des neuen Abenteuers für Solo und Chewie ist nun seltsam undurchdacht und folgt keinem erkennbaren Faden.
Die Zeichnungen von Ramon Rosanas können trotz ihres typischen tollen fotorealistischen Stils auch nicht helfen, einen Überblick beim Geschehen zu bekommen. Die Kämpfe sind so knapp gehalten, dass wenig Raum für inszenatorische Entscheidungen bleibt. Die wortreicheren Konfrontationen bestehen nur aus simplen zweidimensionales Rechts-Links-Kompositionen, in denen nicht viel passiert. Einziger Lichtblick ist eine nostalgische Flashback-Seite, auf der man kurz die glückliche Solo-Familie auf dem Millennium Falken und die gewohnte Qualität des Duos Rosanas/Guru-eFX zu sehen bekommt.
Daneben ist in Matthias Wielands deutscher Übersetzung, an der es seit meiner Zeit an dieser Rezensionsreihe immer wieder Dinge zu kritisieren gab – man erinnere sich an die inkonsequente Grammatik von Yoda in dessen gleichnamiger zehnteiliger Serie – am Anfang ein unangenehmer Fehler unterlaufen. Chewbacca führt auf der ersten Seite ein Hologespräch mit einer wichtigen Person aus seinem und Hans Leben, wodurch man einen interessanten Einblick in die Beziehung der Person mit beiden zu diesen Zeitpunkt kurz vor Episode VII erhält. Doch rät ihm die Person, er solle „nach Malla“ zurückkehren. Nur ist mit Malla natürlich keine Welt, wie es Wieland beim Übersetzen von „to Malla“ (nicht Simone oder Sophia) scheinbar gedacht hat, sondern natürlich seine Wookiee-Ehefrau gemeint. Um das zu wissen, müsste man auch nicht tief in der Materie drinstecken, sondern einfach in das letzte ebenfalls von Wieland rezensierte Heft reinschauen, wo Han seinen altem Kumpel aus dem idyllischen Familienleben mit Malla und Lumpy Waroo herauszog.
Vom irritierenden zweiten Kapitel der Miniserie geht das Heft, schon wieder ohne Poster in der Mitte, über zu Die Herrschaft Kylo Rens, Teil 7. Aber auch hierzu hat sich ein inhaltlicher Fehler in den Verlagstext geschlichen, denn Solos Sohn bekommt es nicht mit „eine[m] überlebenden Jedi“ zu tun, sondern mit einer überlebenden (ehemaligen) Jedi. Vielleicht ist es einfach Zufall, dass sich gerade bei dieser Ausgabe Fehler in der redaktionellen Genauigkeit häufen. Immerhin liefern Charles Soule und Luke Ross souverän ein neues Kapitel auf genau dem Niveau, das man von Legacy of Vader gewohnt ist.
In erster Linie geht es um die Vorgeschichte, Fähigkeiten und Persönlichkeit der im letzten Heft eingeführten Grandea, der sich Ren entgegenstellt, um sein Scheitern bei Luke Skywalker auf Crait durch das Niederstrecken eines überlebenden Mitglieds des Jedi-Ordens für sich zu korrigieren. Doch Grandea macht es ihm nicht leicht und so wird der schneebedeckte Ausflug des Obersten Anführers zu einer Prüfung im Geist und nicht in der rohen Gewalt der Dunklen Seite.
In der langen Vorgeschichte, die mit der Order 66 beginnt, kommt es natürlich auch zum obligatorischen Flashback-Auftritt von Vader, der auf der Bucket Liste eines jeden Hefts stehen muss. Soule schafft es aber, den Auftritt des Sith-Lords nie wie reinen Selbstzweck aussehen zu lassen, sondern immer logisch und folgerichtig mit perfektem Umfang in die Gegenwartshandlung einzubauen. Nur zeichnet Luke Ross Bens Großvater bei diesem Auftritt so seltsam proportioniert, dass man extra nachschauen musste, ob es auch ja keinen Zeichnerwechsel mitten im Heft gab. Dem ist nicht so und der Rest der Ausgabe sieht so hervorragend aus, wie man es von Ross gewohnt ist, sowohl bei Gesichtern, als auch Rüstungen.
Flankiert wird Vader beim Kurzauftritt von Figuren, die man noch gut aus Soules Darth Vader-Heften (#34 bis #49) und Delilah S. Dawsons Roman Die Inquisitorin kennt. Es wird also aufs Neue deutlich, dass sich Legacy of Vader nicht nur als Fortsetzung von Soules Miniserie Der Aufstieg Kylo Rens (#59 und #60) versteht, sondern auch als geistiger Nachfolger der 25 US-Hefte Darth Vader. Der Autor hat eine große, übergeordnete Idee davon, wie er die Geschichte der Skywalker-Familie in Literaturform vertieft, die er in den Jahren, die er nun schon an Comics aus der Galaxis arbeitet, konsequent verfolgt. Zwar kann man mit dem Start jeder neuen Reihe auch nur mit dem Wissen um die Filme problemlos einsteigen, doch zahlt sich mit diesen Verknüpfungen auch die jahrelange Treue für die Leserschaft aus und zeigt, dass man seit jeher einer großen, zusammenhängenden Sache zusieht.
Fazit
Während es auf der Jagd nach dem Falken erzählerisch chaotisch zugeht und die Geschichte schon im zweiten von fünf Teilen stärker auseinanderfliegt, als die schnellste Schrottmühle der Galaxis, wird Legacy of Vader in einem weiteren tollen Kapitel fortgesetzt, das den Bogen bis zu den Klonkriegen und Charles Soules genialer Darth Vader-Reihe spannt.
Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
In Star Wars #129 gingen am 21. April beide Reihen weiter. Wenn entweder das Heftformat für euch nichts ist, oder ihr euch Paninis Comics gern noch gebunden ins Regal stellt, erscheinen schon bald die entsprechenden Sammelbände. Legacy of Vader: Die Herrschaft Kylo Rens, Band 1 (von 2) macht im Juni den Anfang und ist bei Panini – dort neben dem regulären Softcover oder als limitiertes und hochwertiges Hardcover – oder bei den großen Onlineshops Amazon und Thalia vorbestellbar. Han Solo: Jagd auf den Falken mit der kompletten Miniserie folgt im August und kann bislang bei Amazon und Thalia vorbestellt werden.










