Rezension: Star Wars #129: Die Herrschaft Kylo Rens, Teil 8 & Jagd nach dem Falken, Teil 3

Wir glauben an den Schatten und die Macht, die er uns verleiht. Wir glauben an das Ren und die Freiheit, die es offenbart.

Tava Ren

Am 21. April veröffentlichte Panini Nummer 129 des monatlichen Star Wars-Comichefts mit je einer neuen US-Ausgabe der beiden laufenden Serien Legacy of Vader und Han Solo: Jagd nach dem Falken. Darin bekommen es zunächst der alte Haudegen und sein Wookiee-Gefährte mit den Irving-Boys zu tun, bevor es sie in die westlichen Gebiete in Jakku verschlägt, wo sie ihrem lieben Schiff schon ganz nahe sind. Außerdem kehren die Ritter von Ren auf die Seiten der Star Wars-Heftserie zurück und mit ihnen eine neue Anführerin, die sich als potenzielle Bedrohung auf Augenhöhe für Kylo Ren herausstellen könnte. Alle gemeinsam sind auf Derrick Chews epischem Kiosk-Cover abgebildet, während das bekannteste Pilotenduo der Galaxis auf dem Comicshop-Cover vom Serienzeichner Ramon Rosanas eine Meinungsverschiedenheit austrägt.

Han Solo und sein Wookiee-Kumpel Chewbacca geraten an die gefährlichen Irving-Boys! Können sie es mit den berüchtigten Brüdern aufnehmen, die den Falken gestohlen haben? Auch enthalten: Die Fortsetzung der Legacy of Vader-Comicserie, in der die Ritter von Ren zurückkehren …

Han Solo: Jagd auf dem Falken, Teil 3 umfasst nach dem kurzen Einblick im letzten Heft nun ausführliche Flashbacks, was die Hauptstory spürbar ausbremst. Dass diese nur in kleinen Schritten vorangeht – denen man zum Glück wieder deutlich nachvollziehbarer folgen kann – tut der Reihe nach dem völlig diffusen zweiten Kapitel gut. Die Inhalte der Rückblicke selbst sind darüber hinaus äußerst spannend, denn sie gestatten interessante Einblicke in das selten gezeigte Solo-Familienleben. Nun sieht man, wie die gut bekannten Charaktereigenschaften von Han und Leia, die man dank den Filmtrilogien und zahllosen Comics in- und auswendig kennt, in die Rolle als liebende Eltern übertragen werden. Die Flashbacks haben also eine Daseinsberechtigung und dürfen sich anstatt der Gegenwartshandlung als das Highlight in der mittleren von Rodney Barnes‘ Miniserie bezeichnen.

Im Jetzt wird allmählich Vollgas in Richtung Jakku gegeben. Damit fängt die Story aber leider langsam an, nicht mehr so wirklich zum Auftritt von Han und Chewie in Das Erwachen der Macht zu passen, auf den die Miniserie eigentlich zusteuert. Bislang ist nichts davon zu sehen, dass die beiden mit dem riesigen Frachter Eravana wieder als Schmuggler – zum Beispiel „für König Prana“ – unterwegs sind oder eine „größere Mannschaft“ haben, die beim Transport der Rathtare nicht mehr unter ihnen weilen wird. Außerdem passt es nur bedingt zu den Ereignissen im Film rund um die erste Begegnung mit Rey, Finn und BB-8, dass es Han bereits vorher auf die Spur zu Unkar Plutt und nach Jakku verschlagen hat. Es bleibt abzuwarten, inwieweit die beiden abschließenden Ausgaben noch den Bogen schaffen, sich organisch in die Folgerichtigkeit in Bezug auf die Dialogzeilen und Situation aus Episode VII einzugliedern.

Meisterhaft gelingt das dagegen Charles Soule mit Legacy of Vader: Die Herrschaft Kylo Rens, Teil 8. Beinahe nebenbei und in der Erzählung von Cardo, einem der Ritter von Ren, wird nämlich nach über zehn Jahren endlich dem denkwürdigen regnerischen Abschnitt aus Reys berüchtigter (und nach wie vor kryptischer) Machtvision in Episode VII Kontext gegeben. Soule schenkt uns Antwort auf die bislang unklaren Fragen, wann diese Vision zeitlich stattfand, was für ein Ort es ist, wen Kylo Ren niederstreckt und welchen Wendepunkt dieser Kampf in seinem Leben darstellte. Nebenbei sind die Erweiterungen vor und nach der Szene, die sich mit der Vision doppelt, episch von Stefano Raffaele in Szene gesetzt und schaffen einen epischen Star Wars-Comic-Moment. Außerdem wird damit eine wichtige Brücke zwischen dem Ende von Der Aufstieg Kylo Rens und den Film-Auftritten des Schurken geschlagen und die Abwesenheit der Ritter während Episode VII und VIII erklärt.

Deren Lore wird nach ihren immer wieder coolen Comic-Auftritten unter Soule sinnvoll erweitert. Mit ihrer neuen Anführerin Tava Ren, die sogar ein rotes Lichtschwert schwingt, wird eine spannende Figur präsentiert, deren unvermeidbare Konflikte mit Ben interessant werden dürften. So wie in der Erststory die Haupthandlung abbremste, um in Flashbacks das Familienleben der Solos zu zeigen, pausiert für diese Ausgabe die Handlung der Zweitserie rund um Kylo Ren, um sich ganz den Rittern und der Einführung von Tava als wichtige neue Figur zu widmen. Nach dieser ausreichenden und wohltuenden Charakter-Einführung darf es in der kommenden Ausgabe aber gern wieder krachen und mit dem großen Bogen um die Herrschaft Kylo Rens vorangehen.

Fazit

Nach dem chaotischen Eintrag fängt sich die Jagd nach dem Falken wieder und glänzt durch Rückblenden, deren Inhalt viel spannender ist, als die eigentliche Handlung. Die neigt sich allmählich gefährlich hin zum Bruch mit der Kontinuität und muss noch zeigen, wo sie sich in Bezug auf die sich nähernde Episode VII einordnet. Dagegen baut Charles Soule in Legacy of Vader erneut wertvolle Brücken und schafft in der achten Ausgabe eine unverzichtbare Ergänzung für eine von J. J. Abrams‘ nie aufgelösten Mysteryboxen aus dem über zehn Jahre alten Kinofilm.

Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


Die nächste Ausgabe #130 ist am 19. Mai und damit erst kürzlich erschienen. Die Sammelbände zu den enthaltenen Serien erscheinen am 16. Juni (Legacy of Vader, Band 1: Die Herrschaft Kylo Rens) – bereits bei Amazon¹, Thalia¹ und bei Panini¹ auch als limitiertes Hardcover vorbestellbar – und am 18. August (Han Solo: Jagd nach dem Falken). Letzterer kann im Softcover ebenfalls bei Amazon¹ und Thalia¹ vorbestellt werden.

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