Rezension: Age of Republic: Schurken

Nachdem ich neulich bereits den Comic-Band Age of Republic: Helden rezensiert habe, ist der nächste logische Schritt natürlich, mir nun auch das Gegenstück vorzunehmen, nämlich Age of Republic: Schurken. Auch dieser am 23. Juni bei Panini erschienene Band ist wieder eine Sammlung kurzer Comic-Geschichten aus der Prequel-Ära, bei denen dieses Mal jeweils eine Figur der bösen Seite im Mittelpunkt steht. So bekommen wir je eine Geschichte zu Darth Maul, Jango Fett, Count Dooku, General Grievous und Asajj Ventress.

Geschrieben wurden sämtliche Geschichten des Bandes von Jody Houser. Bei vier der fünf One-Shots arbeiteten Zeichner Luke Ross und Kolorist Java Tartaglia zusammen an den Illustrationen. Lediglich bei der kurzen Geschichte zu Asajj Ventress, die aus dem Age of Republic Special stammt, waren Zeichner Carlos Gómez und Kolorist Dono Sánchez-Almara für die Bebilderung zuständig.

Der Sammelband ist als Softcover mit Cover-Illustration von Leinil Francis Yu und Jesus Aburtov überall im Handel, u.a. auch bei Amazon, erhältlich. Das auf 333 Exemplare limitierte Hardcover von Pepe Larraz und Guru-eFX könnt ihr nur im Comic-Fachhandel oder direkt bei Panini kaufen.

Darth Maul in „Asche“

Im ersten Comic des Bandes begleiten wir Darth Maul durch die unteren Ebenen Coruscants, wo er Bekanntschaft mit einem unbewusst machtbegabten Kriminellen macht, für den diese Begegnung am Ende nicht gut ausgeht. Mauls Meister Sidious ist von den undurchdachten Gewalt-Eskapaden seines Schülers weniger begeistert und will ihm stattdessen auf Malachor zeigen, was seiner Meinung nach für Sith wirklich wichtig ist. Dies erlebt Maul in einer Vision der dunklen Seite, in welcher er sich bewähren muss.

Der Comic hebt wunderbar den Kontrast zwischen dem ungeduldigen und auf Kampf fixierten Maul und dem langfristig taktisch planenden Sidious hervor und zeigt, welche Stärken Maul als Sith mitbringt und was er noch lernen muss. Besonders gut gefällt mir dabei die Vision, in der Maul von einer arglosen Zabrak-Familie fälschlicherweise für einen Jedi gehalten wird. Hier sehen wir, welchen alternativen Weg Maul hätte einschlagen können, wenn er sich nicht für die dunkle Seite entschieden hätte. Für meinen Geschmack zu ausführlich wird zu Beginn die Geschichte über Maul und den Kriminellen aus der Unterwelt Coruscants erzählt. Es wird hier recht viel Kontext zu den kriminellen Aktivitäten und Akteuren gegeben, was sich dann aber als komplett überflüssig herausstellt, da es in der zweiten Hälfte des Comics gar nicht mehr um dieses Thema geht. Die Zeichnungen sind gut gelungen. Gerade Mauls und Sidious‘ bösartige Emotionen kommen auf den detaillierten Gesichtern gut zur Geltung. Die teilweise schräge und überlappende Anordnung der Panels in Kampfszenen unterstützt den Eindruck von Dynamik. Mein einziger kleiner Kritikpunkt ist, dass Schatten und Dunkelheit oft mit über den Bildausschnitt gelegten schwarzen Punkten dargestellt werden, die wie ein grober Druck aussehen. Das gefällt mir persönlich nicht so gut, ist aber sicherlich Geschmackssache.

Jango Fett in „Lektion“

In dieser Geschichte erleben wir das Vater-Sohn-Gespann Jango und Boba Fett gemeinsam auf einer Mission. Zusammen mit drei weiteren Kopfgeldjägern sollen sie die Tochter einer reichen Twi’Lek-Familie zurückbringen, die mit einem jungen Falleen mit Beziehungen zur Schwarzen Sonne durchgebrannt ist. Die Mission an sich ist schnell erledigt, doch dann versucht jeder der Kopfgeldjäger, einen größtmöglichen Anteil des Kopfgeldes selbst einzustreichen. In dieser Situation muss der junge Boba sich bewähren und bekommt die titelgebende Lektion erteilt.

Obwohl ich persönlich kein großer Fan der Fetts oder von Kopfgeldjägern an sich bin, hat mir diese Geschichte gut gefallen, da die Beziehung zwischen Vater und Sohn hier im Mittelpunkt steht. Man merkt deutlich, wie stolz Jango auf seinen Sohn ist, wie gut er ihn ausbildet und wie sehr er auch schon auf Bobas Fähigkeiten vertraut und sich darauf verlässt, dass der Kleine auch mal allein zurechtkommt. Gleichzeitig wird klar, dass mit Jango und Boba nicht zu spaßen ist. Rückblenden zu Jangos Rekrutierung als Erbgutspender für die Klonarmee der Republik runden den Comic ab und sorgen dafür, dass eigentlich alle wichtigen Elemente, die man über die beiden Protagonisten wissen muss, in dieser Geschichte anklingen. Besonders gefreut habe ich mich als Fan von Schatten des Imperiums auch über den Auftritt eines Falleen. Auch die Zeichnungen sind wieder sehr schön anzusehen. Die Gesichtszüge des jungen Boba treffen, wie in Episode II, genau das richtige Mittelmaß zwischen niedlich und gefährlich. Auch die relativ kräftige Farbgebung gefällt mir gut. Schön, dass Geschichten über Kriminelle und Kopfgeldjäger auch mal tagsüber stattfinden dürfen und nicht nur in nächtlichen, düsteren Gassen.

Count Dooku in „Der Preis“

Im Mittelpunkt des dritten Comics steht Count Dooku, der für seinen Meister Sidious auf Sullust neue Allianzen mit einem kriminellen Syndikat schmieden sollt. Dort trifft er auf den jungen Jedi-Ritter Jak’zin, der als Kind Dooku noch als Jedi im Tempel erlebt hat und immer noch großen Respekt für ihn hat. Jak’zin ist im Auftrag des Jedi-Rats dort und soll ebenfalls das Syndikat auskundschaften. Dooku nutzt den Vertrauensvorschuss, den er von dem Jedi bekommt, aus, und lässt sich von ihm zu der Verbrechervereinigung führen.

Dieser Comic ist mein persönlicher Favorit im gesamten Schurken-Band, denn das Verhältnis zwischen Dooku und den Jedi, nachdem dieser nicht mehr Teil des Ordens ist, ist eine extrem spannende Angelegenheit, über die ich bisher noch nicht so viel gelesen habe. Dookus Wandelbarkeit wird hier wunderbar dargestellt: Er spielt perfekt den Businessman, der neue Geschäftsverbindungen aufbauen will, schlüpft aber genauso leicht wieder in die Rolle des Jedi-Meisters, der dem Jedi-Orden angeblich noch immer sehr verbunden ist und nur helfen will. Erst am Ende zeigt er dann sein wahres Gesicht als Sith-Lord. Somit nutzt der Comic auf interessante Art und Weise sämtliche Seiten von Dookus schillernder Persönlichkeit. Dass der Jedi Jak’zin so naiv auf Dookus Täuschungen reinfällt, mag zwar überraschen, ist aber durchaus nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass er Dooku von Kindesbeinen an als Legende kennengelernt hat. Auch in diesem Comic sind die Zeichnungen ausnahmslos gut gelungen. Die Kolorierung, die viel mit Rottönen arbeitet, passt gut zu Dooku als Sith. Der einzige Aspekt, der mir an dem Comic nicht gefällt, ist die Tatsache, dass der Togorianer Jak’zin, also ein Nichtmensch, wie ein Tiger aussieht. Wenn in Star Wars-Comics solche Aliens auftreten, die einfach eins zu eins aussehen wie ein Tier von der Erde, dann hat das für mich immer einen gewissen Trash-Faktor und ich kann das nicht ganz ernst nehmen, weil ich davon aus der Immersion gerissen werde. Hier hätte ich also lieber eine der zahlreichen originelleren Alien-Spezies gesehen, die Star Wars zu bieten hat, auch wenn man es dem Zeichner Luke Ross lassen muss, dass er den Tiger-Gesichtszügen sehr viel Individualität und Leben eingehaucht hat. Man sieht in jedem Panel, dass es sich bei Jak’zin, trotz seines raubtierhaften Aussehens, um ein für die Galaxis viel zu naives und nettes Wesen handelt.

General Grievous in „Brenne!“

General Grievous jagt und tötet in diesem Comic ein Meister-Padawan-Team und gelangt dadurch in einen alten, verlassenen Jedi-Tempel, dem er seine Geheimnisse entlocken will. Doch in einer Macht-Vision bekommt der Cyborg zu hören, was er gar nicht gerne hört: dass er selbst und sein Verständnis der Macht klein und nichtig sind.

Der Comic arbeitet eher mit Bildern als mit Sprache. Es finden kaum Dialoge statt. Hauptsächlich beobachten wir Grievous beim Kampf und beim Eindringen in den Tempel, während wir in den vereinzelten Erzähltext-Boxen seine Gedanken in Ich-Form präsentiert bekommen. Grievous denkt eigentlich die ganze Zeit nur darüber nach, wie toll er selbst ist und was für Versager doch die Jedi sind. Dieser Einschätzung widerspricht dann die Vision im Tempel, doch am Ende lernt Grievous nichts daraus, sondern bleibt bei seiner uneinsichtigen Denkweise. Als Handlung für einen Comic ist das für meinen Geschmack etwas wenig und etwas schwach. Grievous ist sowieso nicht der interessanteste Charakter und wird meist nur kämpfend dargestellt. Der Comic versucht ihm noch etwas Tiefe zu geben, indem der Cyborg-General während der Macht-Vision teilweise ohne seine kybernetischen Verbesserungen, nur als einfacher Kaleesh dargestellt wird. Trotzdem bleibt bei mir von der gesamten Geschichte eigentlich nur hängen, dass Grievous arrogant und unbelehrbar ist und eine Figur bleibt, der ich nichts abgewinnen kann. Positiv hervorzuheben ist aber auch hier wieder die zeichnerische Umsetzung. Die farbenfrohen Illustrationen lassen den Planeten Ledeve, auf dem die Geschichte spielt, wie eine Fantasy-Welt wirken und sind wirklich schön anzusehen. Von dem geheimnisvollen Jedi-Tempel mit seinen alten Statuen hätte ich gern noch mehr gesehen.

Asajj Ventress in „Schwestern“

Im letzten Comic des Bandes kehren wir wieder auf die unteren Ebenen Coruscants zurück, wo Asajj Ventress gerade den Auftrag entgegennimmt, für ein Kopfgeld Ahsoka Tano zu jagen. Allerdings bekommt sie mit, wie zwei kleine Mädchen von einem großen Schläger abgezogen werden. Sie fühlt sich daran erinnert, wie sie selbst ihre Schwestern verloren hat, und beschließt, den Mädchen zu helfen.

Da der Comic kürzer ist als die anderen, kann er natürlich keine so komplexe Geschichte erzählen. Die Geschichte von Rettung zweier hilfloser Mädchen scheint mir trotzdem ein wenig klischeehaft und wenig originell. Trotzdem schafft es der Comic damit gut, zwei Seiten der Asajj Ventress zu beleuchten: die skrupellose Kopfgeldjägerin und die loyale Nachtschwester von Dathomir, die um ihre Schwestern trauert. Gar nicht gut gefallen haben mir in diesem Comic leider die Zeichnungen von Carlos Gómez und Kolorationen von Dono Sánchez-Almara, die im starken Kontrast zu den anderen Comics stehen, die ja von Luke Ross und Java Tartaglia bebildert wurden. Die Bilder sind hier sehr viel unruhiger, es ist „zu viel los“ auf einer Seite und ich verstehe nicht ganz, wieso die Farben auf den unteren Ebenen Coruscants so knallig sein müssen. Das tut teilweise schon den Augen weh. Am schlimmsten finde ich die beiden Mädchen, die aussehen, als wären sie einem Manga entsprungen: große Augen, große Ohren, knallrosa bzw. knallblaue Haare und Outfits in denselben Farben, kurze Röckchen und goldene Superhelden-Metallstulpen an den Unterarmen. Ihr ganzes Aussehen wirkt für mich nicht sehr passend für Star Wars. Optisch ist der Comic für mich also insgesamt wenig ansprechend.

Fazit

Wie auch schon der Vorgänger-Band Age of Republic: Helden schafft es auch der Band zu den Schurken der Republik, seine Protagonisten gekonnt in Szene zu setzen. In jedem einzelnen Comic wird klar, was die zentralen Charaktereigenschaften und Konflikte des jeweiligen Protagonisten oder der Protagonistin sind. Durch die häufige Arbeit mit Rückblicken auf zentrale Lebensereignisse der Figuren, bekommen Leser hier wirklich einen guten Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt der Schurken. Wegen kleinerer Kritikpunkte an Handlung und Zeichenstil einiger Comics komme ich insgesamt, wie auch schon beim Vorgängerband, auf gute vier von fünf Holocrons und kann euch definitiv empfehlen, euch den Comicband zu gönnen.

Bewertung: 4 von 5 Holocrons
Bewertung: 4 von 5 Holocrons

Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

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