Rezension: Queen’s Peril von E.K. Johnston

Queen's Peril (02.06.2020)
Queen’s Peril (02.06.2020)

Nachdem E.K. Johnston und Disney-Lucasfilm Press letztes Jahr mit dem Padmé-Roman Queen’s Shadow gute Kritiken und Verkaufserfolge erzielen konnten, warten Autorin und Verlag nun mit einem „Nachfolger“ auf, der chronologisch allerdings vor Queen’s Shadow spielt. In Queen’s Peril von E.K. Johnston erfahren wir, wie Königin Amidalas Herrschaft begann, wie sie ihre Dienerinnen und Vertrauten rekrutierte und wie es ihnen allen während der Ereignisse von Die dunkle Bedrohung erging.

Nachdem ich Queen’s Shadow recht solide fand und der Kollege Julian auch regelrecht begeistert war, möchte ich euch heute nun meine Eindrücke von Queen’s Peril schildern. Bedenkt, dass ich den Roman freundlicherweise bereits Mitte Januar vom Verlag zur Verfügung gestellt bekommen habe und ich einige Zeit hatte, meine Meinung abzuwägen und zu reflektieren. Selten konnte ich ein Buch vor Veröffentlichung der Rezension derart „verdauen“ – danke dafür an Disney-Lucasfilm Press!

Ein Wiedersehen mit alten Bekannten! Padmés Dienerinnen in Episode I wurden über die Jahre in diversen Werken identifiziert und vorgestellt, nicht zuletzt sehr ausführlich und persönlich in Queen’s Shadow, sodass sie – ebenso wie Quarsh und Mariek Panaka – wie alte Bekannte wirken. Johnston muss die Figuren also nicht komplett neu definieren, wir lernen sie lediglich etwas früher kennen als bisher, doch wir wissen, wohin ihr Weg führen wird. Leider hat gerade Queen’s Shadow schon so viel „vorweg genommen“, dass auch die traumatischen Erlebnisse von Saché nicht überraschen können.

Der Fluch von Prequels? Ich hasse diese oft vertretene Binsenweisheit, dass Prequels nie so interessant sein können wie das Original, weil man weiß, wohin die Geschichte führt, da ich der Meinung bin, dass kompetente Autoren trotzdem überraschende Wendungen und vertiefende Hintergründe einbauen können. Vertretern dieser Ansicht unterstelle ich einen eklatanten Mangel an Vorstellungsvermögen. Nicht umsonst sind Rogue One und Episode III – beides Prequels – meine liebsten Star Wars-Filme, da sie ihre eigenen Wege gehen und trotzdem das spätere Material vorbereiten, und auch das Finale von The Clone Wars straft diese Ansicht Lügen. Konkret für Queen’s Peril muss ich aber sagen, dass E.K. Johnston es nicht geschafft hat, ihrem Prequel die nötige Spannung zu verleihen.

Der Aftermath-Effekt: Nur ungern vergleiche ich ein Buch mit Chuck Wendigs Star Wars: Aftermath, doch strukturell lädt Queen’s Peril geradezu dazu ein. Während wir Amidala und Co. in ihren ersten Amtshandlungen als Königin von Naboo folgen, gibt es immer wieder kurze Zwischenkapitel – ganz wie die „Interludes“ in Aftermath – die entweder die Vorgeschichte einer der „Handmaidens“ oder einen Blick in das Leben anderer Episode-I-Figuren liefern. Diese sind oftmals interessanter als die Haupthandlung, sodass sie genau wie bei Wendig eher ablenkend wirken. So wirkt Queen’s Peril leider eher wie eine Aneinanderreihung lose verknüpfter Anekdoten als wie eine logisch aufgebaute Handlung.

Die Zwischenkapitel: Erstere, die sich mit den Dienerinnen beschäftigen, sind zwar grundsätzlich interessant, verlaufen aber nach demselben Prinzip – am Ende erscheint ein ernster, militärisch anmutender Mann und bietet ihnen an, ihr Leben in den Dienst einer größeren Sache zu stellen. Wer sich von Quarsh Panakas Auftritt hier an Nick Fury erinnert fühlt, ist in guter Gesellschaft, und irgendwann wird diese Parallele auch etwas lächerlich. Die Kapitel mit Episode-I-Figuren – Darth Maul, Palpatine und Qui-Gon, beispielsweise – sind erfrischende Abwechslung, bieten aber – abgesehen von den stark simplifizierten Darstellungen galaktischer Politik bei den Palpatine-Kapiteln – wenig Mehrwert für und kaum Anbindung an die Haupthandlung. „Kapitel“ ist hier auch ein großzügig verwendetes Wort, denn meistens sind es nur kurze Absätze.

Die Frage nach dem „Warum?“ trieb mich bei diesem Buch mehrfach um. Man merkt, dass hier eine Person, die seit über 20 Jahren Fan von Padmé und ihrem Heimatplaneten Naboo ist, hier den persönlichen „Headcanon“ endlich offiziell ausleben darf. Das ist ein Gefühl, das man bei Star Wars sonst nur bei Timothy Zahn, Karen Traviss oder Dave Filoni sieht, wenn sie mit weitgehend freier Hand über Thrawn, Boba/die Mandalorianer oder Ahsoka Tano schrieben. Der Funke der Begeisterung, die E.K. Johnston für die Materie aufbringt, sprüht quasi von jeder Seite, doch bei so manchen Anekdoten aus Amidalas Leben bezweifle ich, dass diese Funken beim Leser das gewünschte Feuer entzünden werden, wenn man nicht schon genauso auf Naboo abfährt wie die Autorin. Genau wie bei Zahn, Filoni & Co. denke ich, dass es Zeit wird, Padmé nach diesem Buch einem anderen Autor zu überantworten, damit ihre Geschichte weniger von den Headcanon-Vorurteilen einer Person geprägt wird. Gerade die Perspektiven unterschiedlicher Autoren bereichern doch gerade ein geteiltes Universum!

Kinder an die Macht! Naboo ist ein Planet, bei dem man mit 12 oder 14 bereits in hohe – oder gar die höchsten – politische Ämter aufsteigen kann. E.K. Johnston schafft es, die kindlich-jugendlichen Belange der pubertierenden Protagonisten gut mit deren intellektueller Hochbegabung und ihrem poltisch-kulturellen Scharfsinn zu balancieren. Dennoch stellt sich gelegentlich die Frage nach dem „Warum?“, zum Beispiel als ein nächtlicher, geheimer Ausflug der Königin und ihrer Vertrauten zu einem Popkonzert dadurch auffliegt, dass die Dienerin, die lieber im Palast zurückgeblieben ist, mit ihrer Regelblutung einen Blutsensor des paranoiden Sicherheitschefs Panaka auslöst. Stellenweise fühlte ich mich wie in einer mittelprächtigen Sitcom und nicht wie in dem charakterfokussierten Politik-Thriller, der Queen’s Peril eigentlich sein möchte.

Die dunkle Bedrohung! Das letzte Drittel des Romans nimmt trotz der vorher eher launischen Spannungskurve, mit der ich nach dem mittelmäßigen Ahsoka und dem in der Hinsicht auch nicht gerade glänzenden Queen’s Shadow schon gerechnet habe, dennoch etwas Fahrt auf. Die Handlung überschneidet sich mit Die dunkle Bedrohung und wir erfahren, was Padmé – und vor allem ihre Dienerinnen – getan und gedacht haben, als sie gerade nicht im Film zu sehen waren. Manche Filmszenen werden zudem aus ihrer Perspektive dargestellt und vertieft. Dabei nutzt E.K. Johnston clevere Anspielungen auf die Filmhandlungen, um uns zu vergegenwärtigen, wo wir uns gerade in Relation zu den anderen Szenen befinden. Ein kurzer Satz wie der, dass auf Tatooine gerade ein kleiner Junge einen Engel erblickte, trifft genau ins Schwarze und mehr ist auch nicht nötig. Das ist schlichtweg großartig! Dennoch, die Darstellung der Jedi durch die Augen der Protagonistinnen gefiel mir nicht immer und weckte (ungute) Erinnerungen an Karen Traviss‘ Befangenheit bei dieser Sache.

Fazit: Queen’s Peril liefert genau das, was man nach der Lektüre von Queen’s Shadow von einem Prequel dazu erwarten würde – leider weitgehend ohne Spannung und ohne roten Faden, was noch eklatanter wirkt als bei Shadow. E.K. Johnston bleibt ihrer Linie treu, was ihre Fans freuen und ihre Kritiker ärgern wird, doch überrascht wird hier keiner. Ich möchte das Buch aber keinem Padmé-Fan madig machen – wenn ihr Queen’s Shadow über alle Maßen feiert, dann ist Peril bestimmt absolut euer Ding! So ende ich meine Rezension wie die von Queen’s Shadow mit einem Appell, doch lieber die angedeuteten Sequels zu Shadow zu liefern – und dann gerne mit anderer Autorenschaft. Die aktuellen Darth Vader-Comics von Greg Pak gehen hier bereits mit gutem Beispiel voran.

Wir danken Disney-Lucasfilm Press recht herzlich für die frühzeitige Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

9 Kommentare

  1. Als ich von diesem Prequel erfahren habe, habe ich meine Erwartungen erstmal runtergeschraubt. Mittlerweile hoffe ich einfach nur noch (wie bei einer leicht verdaulichen Clone Wars-Folge und auch Queen’s Shadow) gut unterhalten zu werden. Klingt so, als würde das Buch genau das, aber auch nicht mehr, können.

  2. Okay, also ein Buch für zwischendurch. Mann kann von den Geschichten die Johnston schreibt halten was man will, aber unterhalten haben mich ihre anderen zwei Bücher alle mal.
    Nur irgendwie (weiß nicht genau warum) habe ich im letzten Padme Buch eine Abneigung gegen Naboo entwickelt. Er ist mir zu perfekt. Auch die Menschen dort. Das Teenager soviel Verantwortung bekommen und handeln wie Erwachsene hat es auch nicht besser gemacht. Aber wie immer lass ich mich gerne von Gegenteil überzeugen.
    Danke für die Rezension.

  3. Habe bisher 25% des Buches gelesen und bin ganz zufrieden damit. Ziemlich genau das was ich erwartet hatte. Auf jeden Fall schön wieder etwas um Ep.I zu lesen, da darf man gerne noch mehr Lücken füllen (sowohl davor als danach)…

    1. Update: Habe das Buch inzwischen ausgelesen und schließe mich doch eher deiner Bewertung an. Die Spannung fehlt über weite Strecken einfach. Shadow ist definitiv das bessere der beiden Bücher. Trotzdem hoffe ich auf einen weiteren Queen’s …. Roman.

  4. Ich habe das Buch auch endlich gelesen und muss sagen, dass E.K. Johnstons Bücher echt immer schlechter werden. „Ahsoka“ war mittelmäßig, „Queen’s Shadow“ hatte keinerlei Spannung und erkennbare durchgehende Handlung. „Queen’s Peril“ ist nun nochmals eine Stufe darunter anzusiedeln.

    Der Roman wird der Figur Padmé nicht gerecht, denn er stellt sie nicht als eine echte Person dar, sondern als ein Abziehbild ohne echten Charakter. Auch beim Worldbuildung fehlen meiner Meinung nach wichtige Elemente. So hätte der Roman sich zwingend der Frage annehmen müssen, WARUM Naboo so junge Königinnen wählt und welche Auswirkungen das hat. Auch ist mir das ganze Personal am Hof viel zu zahm. Ich meine, diese erwachsenen, erfahrenen Politiker haben eine 14-jährige Königin vor der Nase und keiner kommt auf die Idee, dass man die leicht beeinflussen und für eigennützige Zwecke einspannen könnte? – Come on!

    Die zerfledderte Erzählweise im letzten Drittel, bei der vorausgesetzt wird, dass der / die Leser(in) selbst Szenen aus Episode I einfügt, geht gar nicht! Nicht, weil man nicht erwarten könnte, dass die Zielgruppe Episode I kennt, sondern weil so der Flow komplett verloren geht und man. Man stolpert über diese Lücken. Die fehlende Handlung ist zwar klar, aber ohne Unterstützung des Romans kann man die dazugehörigen Emotionen nicht abrufen und verliert die Bindung zu der Geschichte, mit der man mitfiebern soll. Ehrlich gesagt, ist das, was die Padmé und die Handmaidens off-screen machen auch nicht sooooo interessant, dass es einen großen Mehrwert ergeben hätte – bis auf die angesprochene Sache mit Saché. Dass Johnston diese Saché-Geschichte erzählen wollte, ist wohl der einzige Grund, warum wir uns mit so einer schlechten Nacherzählung von Episode I herumquälen müssen. Ansonsten hätte man den Roman auch sehr gut direkt vor Episode I beenden können. Das wäre eine viel rundere Geschichte gewesen.

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