Rezension: The Book of Boba Fett 1×04: „Der Sturm zieht auf“

Los, finde andere Banthas. Mach Bantha-Babys. Geh!

Boba Fett

In der heutigen Folge wird sich etwas mehr einer zentralen Beziehung der Serie angenommen, wir besuchen eine bekannte Szene das zweite Mal, nähern uns in mehreren Momenten mandalorianischen Mutterserien an und bespielen eine Map aus Star Wars Battlefront von 2015, während die Flashbackhandlung abgeschlossen und die Weichen für die verbliebenen drei Folgen gestellt werden. Regie führte diesmal Kevin Tranchaoen, geschrieben wurde die Folge, wie der Rest der Serie, von Jon Favreau.

Von Bacta zum Bantha, so lassen sich die ersten Momente der Episode beschreiben. Wir betreten in der ersten Hälfte zunächst einmal wieder die Handlungsebene der Rückblenden, nachdem diese in der letzten Folge ein wenig kurz kam. Boba ist nach der Auslöschung seines Tusken-Stammes allein auf seinem Bantha in der Wüste unterwegs und bei einem kurzen Abstecher zum von Bib Fortuna bewohnten Palast findet er heraus, dass sich sein Schiff (früher Slave I, heute nach ihrem Schiffstyp nur Firespray genannt) noch im dortigen Hangar befindet. Boba sieht ein, dass die Rückeroberung des Schiffes, welches schon seinem Vater gehörte, warten muss, und zieht wieder in das Dünenmeer hinaus.

Dort ertönt des Nachts das bekannte musikalische Theme aus The Mandalorian, während wir, nun aus Bobas Perspektive, eben die Leuchtsignale sehen, mit denen Fennec Shand in Kapitel 5: „Der Revolverheld“ vom Mando und Toro Calican geblendet wird. Schließlich findet Boba die im Sand liegende und sterbende Shand (wo wir auch den Shot vom Ende der damaligen Folge wiedersehen) und bringt sie zu einem Kybernetikexperten, der den Bikes nach zu urteilen auch Bobas neue Gang aus der letzten Folge ausgestattet hat. Zu sehr Star Wars-untypischer Musik und in einem sehr Star Wars-untypischem Setting, die nicht unbedingt meinem Geschmack entsprechen, wird Fennec zusammengeflickt und bleibt am Leben. Nach dem Aufwachen bildet ihr erstes Gespräch mit Boba in der Wüste den ersten großen, wirklich geteilten Charaktermoment der beiden in der Serie und stellt ihre Gemeinsamkeiten, aber auch ihre Unterschiede gut heraus.

Die beiden beschließen, gemeinsam in Bib Fortunas Palast einzubrechen und die Firespray zurückzustehlen. Bei der Planung erfahren wir auch erstmals von Bobas (zugegeben etwas dünner) Motivation, eines Tages selbst Verbrecherlord von Tatooine zu werden und ein kriminelles System nach seinen Vorstellungen zu errichten, in dem entbehrliche Kopfgeldjäger, die nur den Launen ihrer Auftraggeber entsprachen und stellenweise für diese gestorben sind, der Vergangenheit angehören sollen. Bei dem je nach Empfindung entweder albernen oder rührenden (siehe das einleitende Zitat… für mich definitiv ersteres) Abschied von Bobas treuem Bantha-Mädchen wird man gut daran erinnert, woher auch seine plötzliche Tierliebe stammt, die wir letzte Woche schon beim Rancor beobachtet haben.

Auf der Lego-Verpackung steht inzwischen nur „Boba Fett’s Starship“… also dürfen wir es dir klauen, oder?

Der Einbruch in den Palast erfolgt durch die Küche, in der zum ersten Mal einer der hasenartigen LEP-Droiden aus den Animationsserien in Live-Action auftauchen darf. Nach den Loth-Katzen haben wir hier also eine weitere niedliche Kreation aus einem Filoni-Werk, die in den Live-Action-Serien zu sehen ist. Bobas „Hasenjagd“ hat in mir leichte Fremdscham ausgelöst, vor allem weil sie sehr kurz nach der für seine Verhältnisse ebenfalls merkwürdigen Verabschiedung des Banthas stattfindet. Sicher, Boba Fett muss als Hauptcharakter einer Serie auch als Sympathieträger fungieren. Dass man seinen Charakter allerdings derart verändert, überrascht mich doch, vor allem, wenn man ihn mit seinen ebenfalls „netteren“ Auftritten in The Mandalorian vergleicht. Dort bekam ich aber noch nicht das Gefühl, es mit einer gänzlich neuen Figur zu tun zu haben.

Schließlich spielen sich Boba und Fennec durch die Map aus dem Battlefront-DLC zum Outer Rim, die den Hangar in Jabbas Palast dargestellt hat (dort war jedoch damals die Segelbarke geparkt) und erobern das Schiff zurück. Shand, deren Schuld laut Boba nun beglichen wäre, will allerdings noch eine Weile beim scheinbar Eindruck hinterlassenden Ex-Kopfgeldjäger bleiben und fragt, wo es mit dem Schiff als nächstes hingehe. Boba sagt, dass er noch ein paar alte Rechnungen zu begleichen hätte, und mäht mithilfe der Firespray die Nikto-Biker nieder, die seine geliebten Tusken auf dem Gewissen haben. Endlich darf Boba einen ersten richtigen Badass-Moment der alten Schule in der Serie haben. Daran schließt übrigens eine wirklich überraschende Szene an, die auch mein Highlight in der Folge darstellt: die Rückkehr zum Sarlacc.

So viel zu tausend Jahre…

Boba hat nämlich in seinem Delirium scheinbar vergessen, dass er nur mithilfe der Rüstung aus dem Sarlacc gekrochen war, denn er geht davon aus, dass sie sich noch in dem Wesen befindet. Über Sinn und Unsinn seiner Suche dort kann man also gerne diskutieren, was dabei herauskommt, ist aber wirklich großes Kino, wenn er das Schiff immer näher bringt, die Scheinwerfer anwirft und dann von CGI-Maul und -Tentakeln aus der Episode VI-Special-Edition, welche in der ersten Folge noch nicht zu sehen waren, angegriffen wird. Da hilft nur ein Abwurf der kultigen seismischen Bombe, die der Sarlacc schluckt. Abgeworfen wird sie allerdings von Fennec und Bobas Kommentar, sie solle nie wieder seine Knöpfe anfassen, lässt wie die stummen Blicke nach der Vernichtung der Nikto-Gang seine alte Charakterisierung durchscheinen. Er betritt schließlich die Leiche des Sarlacc und durchsucht sie nach der Rüstung, wird aber nicht fündig und Fennec merkt an, dass nur Bacta Bobas von der Säure beschädigte Haut heilen kann. Es kommt zu einem finalen Lagerfeuergespräch, welches kurz vor Bobas erstem Auftritt in The Mandalorian Staffel 2 stattfinden dürfte. Mit einem Sprung auf den bekannten Tod von von Bib Fortuna und Bobas Platznehmen auf dem Thron enden die Flashbacks, Boba wacht in der Gegenwart auf und ist wieder vollständig genesen (ein Schelm, wer bei dieser Wortwahl an aktuelle Themen denkt).

Geht ein Wookiee mit Schlagringen in ’ne Bar…

Das bedeutet, dass die Gegenwartshandlung nun ungebremst voll durchstarten darf. Der Daimyo zieht sich an und will sich wieder in Mos Espa zeigen, wo es sich Black Krrsantan in Garsas Zuflucht gemütlich gemacht hat. Sein Pegel (wie viel verträgt wohl ein Wookiee?) und eine Gruppe glücksspielender Trandoshaner, gegenüber denen er durch seine Vorgeschichte jedoch einige Vorurteile hegt, bringen ihn dazu, seine Wut an ihnen auszulassen. Garsa betritt die Szene, versucht, ihn zu besänftigen, und bietet ihm sogar an, seine Drinks aufs Haus gehen zu lassen. Santy bleibt allerdings Santy, reißt in bester Wookiee-Manier einem Trandoshaner den Arm aus, bezahlt seine Rechnung und geht. Fett, der die Szene mit angesehen hat, bietet ihm im Gehen Arbeit an und als nächstes sehen wir Krrsantan in Bobas Palast Wache halten, als sich dieser zu einem Bankett mit den Anführern der drei Stadtteile Mos Espas trifft. Er bietet ihnen eine Zusammenarbeit an, um Widerstand gegen die Pykes zu leisten. Trotz des sich bemerkbar machenden Rancors unter ihnen lehnen sie ein militärisches Bündnis allerdings (noch?) ab, machen sich Boba aber auch (noch?) nicht zum Feind. Als sie den Palast verlassen, stehen Fennec und Boba auf dem Balkon, sie weist ihn darauf hin, dass man gute Kämpfer auch kaufen kann, und mit dem verheißenden, erneuten Abspielen des Mando-Themes endet die Folge…

…was mehr als dafür spricht, dass wir demnächst Din Djarin, den Mandalorianer, in der Serie sehen werden! Sollte sich dies bewahrheiten, dürfte man damit man auch einen ersten Einblick erhalten, wie es ihm seit dem Finale von Kapitel 16: „Die Befreiung“ ergangen ist und wo er nun ohne Grogu steht. Darüber hinaus stellt sich für mich die Frage, ob eventuell noch weitere bekannte Kopfgeldjäger infrage kommen, die Boba zur Seite stehen könnten. Ich bin sicher, die einen oder anderen Fans wären in diesem Fall sehr glücklich. Da wir in der Folge auch die letzten Schnipsel aus Trailern und TV-Spots gesehen haben (ich verweise gerne auf unsere Übersicht), könnte die Serie nun bald mit einigen Überraschungen und Entwicklungen punkten. Es bleibt spannend.

Außerdem finde ich es interessant, festzustellen, dass die Folgen, bei denen es nicht Robert Rodriguez ist, der Regie führt, nicht nur eine weniger kurze Laufzeit haben, sondern mir auch besser gefallen. An meine bisherige Lieblingsfolge, Kapitel 2: „Die Stämme von Tatooine“ kommt die heutige nicht ganz ran, dafür war mir Fennecs Cyber-OP in der Inszenierung zu out-of-universe und Bobas seltsame Fremdschäm-Momente, die seinen Charakterwandel deutlich machen sollen, nahmen diese Folge trotz einiger cooler Szenen etwas überhand.

Der Rezensent vergibt 3 von 5 Holocrons!
Der Rezensent vergibt 3 von 5 Holocrons!

Ein Kommentar

  1. Es ist meine 2. Lieblingsfolge bisher (die Beste bisher ist 3).
    Der Flashback war ausnahmsweise mal interessant doch zu lang, das Deus Ex Machina Atmosphäre mochte, hier wurde halt das untypische Star Wars Musik und dergleichen eingesetzt um den Unterschied zur „Jugend“ darzustellen was ich recht gut gelungen fand :’D
    Sehr gut das alle Trailer Szenen nun vorbei sind, wer weiß die Ziehmutter von Boba erwarte ich nicht 🤔 (kein Plan ob die mal starb oder so 😅), Cad Bane will ich nicht sehen der ist zu sehr Abschaum 🤔 Bosk kein plan ob der noch lebt, doch den möchte ich gern wiedersehen xD
    Kopfgeldjäger die sterben alle immer so schnell weg 😅
    Ich bin gespannt auf die nächste Folge 😎👍

    Am überraschendes wäre ja Omega 🤔 der jedoch die komplette Spannung von Bad Batch dann nimmt. 😅

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