Rezension: The Bad Batch 1×06: „Stillgelegt“

Gute Soldaten…

Wrecker

Die seit Freitag auf Disney+ verfügbare sechste Folge der ersten Staffel von The Bad Batch setzt genau dort an, wo die letzte Folge aufgehört hat; auf Ord Mantell und in dem Lokal „Cid’s“, wie es über der Eingangstür in vertrauten Aurebesh-Lettern zu lesen ist. In dieser Folge namens Stillgelegt, im Original Decommissioned, erwarten uns ein weiterer zwielichtiger Auftrag, viele Relikte der beendeten Klonkriege und ein unerwartetes Wiedersehen mit bekannten Charakteren.

Ich schaff das. Ich schaff das….

Omega ist dabei, fleißig mit dem in der letzten Episode erbeuteten Lichtbogen der Zygerrianer zu üben. Dabei stellt sie sich jedoch mehr schlecht als recht an, wie ihr Lehrer Echo anhand ihrer Trefferquote festlegt. Schön zu sehen, dass unser Wunderkind aus der Retorte was das Kämpfen angeht noch keine Mary Sue ist, sondern die Zielsicherheit erst lernen und üben muss. Wobei sie dabei deutlich schlechtere Lehrer haben könnte als eine kriegserfahrene Truppe von Elitekämpfern. Es kommt zu einer kleinen Überraschung, als ihr Cid den Bogen aus der Hand nimmt und beweist, dass auch sie einiges draufhat. Tatsächlich ist Cid für mich in nur zwei Episoden durch ihre trockene Art, die Ausstattung in ihrem Büro und die nun präsentierten Kampfskills zu einer der interessanteren Charaktere der Serie geworden.

Vor der kleinen Show hat Cid jedoch noch einen neuen Auftrag für unsere Schaden-Charge in petto, von dem sie sich und ihnen erneut jede Menge Credits verspricht. Es geht darum, nach Corellia zu fliegen und dort aus einer Anlage, in der Kriegsschrott eingeschmolzen wird, den Kopf eines wertvollen Taktikdroiden zu stehlen, da dieses Wissen gegen das Imperium und seine Klontruppen eingesetzt werden könne und somit unfassbar lukrativ geworden sei.

Unsere Helden gelangen nun also auf der Unterseite eines aus Rebels bekannten Imperialen Frachtschiffes nach Corellia. Sehr erfreulich, nach dem kurzen Ausflug am Anfang von Solo: A Star Wars Story mehr von dem Planeten in einem audiovisuellen Medium im Kanon zu sehen. Leider bleibt das weitgehend auf den Anflug beschränkt, da wir uns schnell in das Setting der Verschrottungsanlage begeben, welche von der Atmosphäre her stark an die Droidenfabrik in Episode II: Angriff der Klonkrieger erinnert. Auch sehr schön, dass mit seiner Höhenangst einer der wenigen Charakterzüge von Wrecker aus dem Vierteiler in The Clone Wars Staffel 7 wieder aufgegriffen wird, als die Klone und Omega die von Polizeidroiden bewachte Anlage über einen Umweg betreten.

In der Anlage, in der uniformierte Arbeiter ihrer Tätigkeit des Einschmelzens von zahllosem Kriegsgerät der Separatisten nachgehen (was einen schönen Spiegel zur Fertigstellung ebendieser in der erwähnten Fabrik auf Geonosis bildet), finden sie auch recht schnell genau einen Kopf eines Taktikdroiden, der kurz davor ist, vernichtet zu werden. Bevor sie ihn jedoch in ihren Besitz bringen können, kommen ihnen zwei Arbeiterinnen zuvor, die sich als die Martez-Schwestern Rafa und Trace aus dem zweiten Mehrteiler vonThe Clone Wars Staffel 7 entpuppen. Ich war überrascht die beiden wiederzusehen und freue mich, dass dieser Auftritt ihrem Auftauchen in The Clone Wars nachträglich eine etwas größere Bedeutung zukommen lässt. Leider kam es jedoch während dem anschließenden Handgemenge immer wieder dazu, dass ich persönlich Schwierigkeiten hatte, die beiden aufgrund ihrer Verkleidung, die nur ihre Gesichter erkennbar machte, auseinanderzuhalten.

Hinter mich, Rafa! Äh, Trace! Äh, welche von beiden bist du nochmal?

Omega versucht anschließend mutig, mithilfe ihres Bogens den Droidenkopf zu bekommen, trifft dabei jedoch ein Druckrohr, sodass die wunderschön feurig animierte Anlage in Alarmbereitschaft gesetzt und fortan von zahlreichen Polizeidroiden gestürmt wird. Es kommt zu ansehnlichen Actionszenen, in denen genretypisch bis zum Ende jedes Mitglied der Einheit in einem Heldenmoment glänzen darf. Innerhalb dieser Action kommt, was kommen musste und in den letzten Folgen immer wieder angedeutet wurde; Wrecker bekommt wieder einmal eins auf die Mütze, woraufhin erstmals sein Inhibitorchip aktiviert zu werden scheint. Ich hätte gedacht, dass die Serie uns diesen Moment noch etwas vorenthalten würde und bin auch hier überrascht, dass es jetzt schon langsam soweit ist.

Während sich die anderen Klone mit den Martez-Schwestern verbünden, um gegen die Droiden anzukommen, flüstert Wrecker wie schon sein ehemaliger Kollege Crosshair das Kredo der Order 66 vor sich hin und scheint die Nerven zu verlieren, fängt sich dann aber schnell wieder und steht den anderen mit seinem persönlichen Heldenmoment bei. Trace kommt währenddessen auf die Idee, die schrottreifen B1- und B2-Kampfdroiden durch die programmierten Befehle im Kopf des Taktikdroiden zu aktivieren, um sich mithilfe einer Armee aus der Anlage heraus zu kämpfen. Wirklich seltsam, dass ausgerechnet Echo bei der Umsetzung dieses Planes anmerkt, dass er ja nie gedacht habe, für ihn kämpfende Droiden zu sehen, wo doch schon bei der Mission in der Zitadelle in The Clone Wars Staffel 3 umprogrammierte Kampfdroiden in seinem Team waren. Das haben die Autoren scheinbar einfach vergessen. Omega schafft es bei der Flucht ins Freie auch endlich, ihre Kraft beim Schießen mit dem Bogen richtig einzusetzen und macht so einen weiteren Schritt in ihrer Entwicklung.

An dieser Stelle sei positiv erwähnt, dass mir diesmal die Musik in der Folge an mehreren Stellen besonders aufgefallen ist. Kevin Kiner hat sowohl das wiederkehrende Maintheme beim Ausbruch aus der Anlage in einer epischen neuen Form verwendet, als auch zuvor mit seinen typischen, an Blade Runner erinnernden Tönen die Situation untermalt. Bisher war die Musik in der Serie zwar eher unauffällig im Hintergrund aktiv, hier in der Folge hat sie mir jedoch besonders gut gefallen.

Jetzt kannst du uns auseinanderhalten!

Im Verlauf des Gefechtes wird der Droidenkopf schließlich zerstört, wodurch die Mission für Cid gescheitert ist. An der gelandeten Silver Angel, demselben Schiff, das die Schwestern schon in The Clone Wars geflogen sind, kommt es dann zur Verabschiedung, bei der Tech offenbart, dass er die Daten des Droiden heruntergeladen habe, als er auf sein System zugegriffen hat. Die Schwestern (deren unterschiedliche Frisuren jetzt erkennbar und sie somit endlich unterscheidbar sind) sollen diese für ihr zuvor von ihnen erwähntes Ziel einsetzen, die frühe Bekämpfung des jungen Imperiums. Ein starker Moment von Hunter, der die Erfüllung des Auftrages für ein größeres Ziel opfert.

Der R7-Droide an Bord der Silver Angel sieht übrigens verdächtig nach R7-A7 aus, Ahsokas altem Droiden seit der ersten Staffel The Clone Wars. Zuletzt haben wir ihn zerstört, aber geborgen neben Ahsokas Y-Flügler im Finale der Vorgängerserie gesehen.

Bevor die Folge endet, kommunizieren die Schwestern noch mit einer Hologrammgestalt, die sie über das Erlebnis mit der desertierten Klontruppe informieren (und R7 hat plötzlich eine ganz andere Farbgebung, als in der Szene davor…). Der Abspann rollt auch bereits, ohne dass uns die Gestalt enthüllt wurde, was die Frage aufwirft, mit wem wir es hier zu tun haben, auch wenn in der deutschen Synchro von „ih[m]“ und somit einem Mann die Rede ist.. Oder ist es Ahsoka selbst? Ein anderer Jedi in Robe? Captain Rex? Oder gar Bail Organa? Wenn es wirklich ihr R7 sein sollte, dann müsste Ahsoka den beiden Schwestern seit dem Ende der Klonkriege bereits einen Besuch abgestattet haben, während Rex wie wir wissen schon bei Cut auf Saleucami war. Da stellt sich die Frage, was genau die beiden aktuell vorhaben und ob sich hier bereits früheste Anzeichen der organisierten Rebellion finden. Sollte es sich so herausstellen, hoffe ich jedenfalls nicht, dass sich Kloneinheit 99 dieser hypothetischen Bewegung einfach anschließt und die Serie fortan wirklich in Rebels 2.0 verwandelt wird. Und ich hoffe als Kanonleser, dass der ohnehin schon durch das Finale von The Clone Wars teilweise überschriebene Roman Ahsoka nicht vollends obsolet wird.

Mit Blick auf die nächste Folge bin ich sehr gespannt, wie Cid darauf reagieren wird, dass die Truppe nach dem Erfolg in Folge 5 diesmal mit leeren Händen zurückkehren wird, vorausgesetzt, es gibt keine weitere Kopie der Taktikdaten. Die Haupthandlung macht in dieser Folge wieder größere Schritte, indem Wreckers Kopfschmerzen einen vorläufigen Höhepunkt erreichen, der noch Konsequenzen haben wird, wir mit dem Auftauchen der Schwestern weitere Bekannte wiedertreffen und auch für Nostalgie Platz ist, wenn die Kampfdroiden aufwachen und in ihrer typischen Art das Geschehen und ihr Schicksal kommentieren. Jedoch wirkte auf mich das Erzähltempo in der Folge an manchen Stellen etwas zu hektisch und auch die Schnitte liefen nicht immer ganz glatt. Nichtsdestotrotz hat mir die Folge nach den letzten wieder besser gefallen und ich freue mich darauf, nächste Woche zu erfahren, wie es weitergeht.

6 Kommentare

  1. Tja, manchmal ist es schon komisch. Für mich war diese Folge bisher am schlechtesten und ich habe mich über einige Dinge sehr aufgeregt. Abgesehen davon, dass ich das Verhalten sowohl von der Schaden-Charge als auch von den Martez-Schwestern über die ganze Folge hinweg sehr unglaubwürdig fand, bin ich wohl auch die einzige, die es nicht gut findet, dass man hier einem Kind mit Leichtigkeit und ohne Relativierung das Schießen beibringt, als wäre es das Tollste von der Welt und davon redet, sie zur Soldatin ausbilden zu wollen. Finde ich zum einen moralisch fragwürdig, zum anderen ist es für mich aber auch eine vertane Chance, mal einen anderen Charaktertypen jenseits von „Wächst in einer rauen Galaxis auf und muss zu kämpfen wissen.“ zu entwickeln.

  2. Ich bin da größtenteils bei Lukas. Die Folge hat mir ebenfalls besser gefallen als die Vorgänger und ich fand es richtig, dass Wreckers Kopfschmerzen endlich weiter ausgeführt wurden. Die Martez Schwestern waren für mich eine Überraschung, aber eine gute. So sind sie wenigstens nicht sinnlos ins Universum eingeführt worden.
    Dass Omega zu einer Soldatin in irgendeiner Form ausgebildet wird, finde ich ebenfalls logisch. Immerhin ist sie ein Klon von Kamino und reist mit einer Gruppe gezüchteter Soldaten herum. Etwas anderes bleibt da gar nicht übrig, auch wenn sie wahrscheinlich gegen Ende der Serie darüber stehen wird.

  3. Ich finde, die Folge fühlt sich sehr stark so an, als ob sie für ein Computerspiel geschrieben wurde. Vielleicht ist das aber auch der Gamer in mir, der auf bestimmte Settings einfach entsprechend reagiert. 🙂

    Die Idee mit der Nutzung des Tactical Droid-Kopfes kam aber von Trace, nicht von Tech, er hat nur mit zusätzlicher Hardware und bei der Umprogrammierung geholfen.

    1. Handlungen, die an ein Videospiel erinnern sind für mich ein zweischneidiges Schwert. Das kann für einzelne Folgen gut funktionieren, weil die Galaxis solche Situationen eben häufig auch hergibt. Andererseits kann es aber auch vorkommen, dass sich der Großteil einer Staffel wie das Abhaken von einzelnen Quests anfühlt, die du zur Erfüllung der „Hauptmission“ brauchst, (wie streckenweise bei der zweiten Staffel von The Mandalorian). Bin mal gespannt, wie hier bei The Bad Batch das Fazit am Ende der Staffel aussehen wird.

      Die beiden Namen tippen sich aber auch ähnlich, wurde korrigiert. 😉

      1. Es war weniger das Gefühl, dass die nur Quests abarbeiten, als vielmehr das Shooting House Szenario in der Fabrik für uns alte Ego-Shooter-Spieler, welches mich getriggert hat. 🙂

        Bislang hat die Storyentwicklung bei mir nicht das Gefühl verursacht, dass da nur Questen abgearbeitet werden, mehr dass es Schritt-für-Schritt vorangeht. Sie sollten jetzt aber auch nicht 5 Folgen lang bei Cid bleiben und nur Missionen abarbeiten, denn dann könnte es sich doch in diese Richtung entwickeln. Aber im Augenblick ist es noch glaubhaft, dass sie erstmal Ressourcen fürs Weiterleben und einen Plan entwickeln müssen.

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