Rezension: Drei Meinungen zu The Mandalorian and Grogu

Am 20.05.2026 startet nach 6 1/2 Jahren Abstinenz von Star Wars im Kino endlich wieder ein neuer Film aus der weit, weit entfernten Galaxis in den Lichtspielhäusern. Den Film von Autor und Regisseur Jon Favreau mit dem Titel Star Wars: The Mandalorian and Grogu konnten sich unsere Redakteure Jürgen, Max und Lukas bereits ansehen und teilen euch hier ihre spoilerfreie und durchaus unterschiedliche Meinung mit.

Jürgen

Viele werden sich fragen, ist The Mandalorian and Grogu Star Wars fürs Kino? Da muss man sich erst mal fragen, was hat denn Star Wars im Kino so besonders gemacht? Waren es die besonderen Fähigkeiten der Jedi oder die faszinierenden Welten, die verschiedenen liebenswürdigen oder hassenswerten Kreaturen oder der gebrauchte Look? Hat die Musik von John Williams Star Wars so besonders gemacht oder die Effekte von ILM? Waren es die Puppenspieler oder die Schauspieler, die selbst mit Maske beängstigend waren? Ich denke, es war die Mischung aus allen Elementen, die Star Wars so erfolgreich macht.

Nun sehen wir uns mal an ob der neueste Star Wars-Film einen Teil oder sogar alles davon mitbringt. Ich durfte den Film bereits zweimal komplett ansehen und werde euch hier meine Meinung zum neuesten Werk aus der weit, weit entfernten Galaxis spoilerfrei mitteilen.

Was muss ich vorher gesehen haben?

Nichts! Der Stand der Dinge wird am Anfang des Films geklärt und die Geschichte ist in sich abgeschlossen und bedarf daher keinerlei Vorwissen aus der Serie The Mandalorian oder anderen Filmen und Serien aus dem Star Wars-Universum. Dieses Problem von so großen Franchise-Filmen, tritt hier nicht auf. Jeder kann diesen Film für sich alleine genießen und dass mach meiner Meinung nach einen guten Blockbuster aus.

Die Story

Das Dunkle Imperium ist gefallen und die imperialen Kriegsherren sind weiterhin über die Galaxis
verstreut. Während die aufstrebende Neue Republik daran arbeitet, alles zu schützen, wofür die
Rebellion gekämpft hat, sichern sie sich die Unterstützung des legendären mandalorianischen
Kopfgeldjägers Din Djarin und seines jungen Lehrlings Grogu.

Mir hat die Story sehr gut gefallen. Selbst beim zweiten Mal schauen war mir nicht langweilig. Es ist eine kurzweilige Geschichte mit Action- und ruhigen Momenten. Wir erhalten ein solides Mando-Abenteuer, das darüber hinaus auch die Schwierigkeiten von Vater/Sohn-Beziehungen aufgreift und auf verschiedene Arten verarbeitet. Auf der einen Seite die offensichtliche zwischen Mando und Grogu und auf der anderen zwischen Jabba und Rotta the Hutt. Wir erhalten hier wunderbare Charakterentwicklungen die alleine schon den Film bereichern. Außerdem erfahren wir wie sich die Hutten zur Neuen Republik und dem Rest-Imperium positionieren.

Ist die Story groß genug fürs Kino? Ich sage klar ja. The Mandalorian and Grogu bringt zu der Story auch eine gute Portion an neuen Welten in das Star Wars Universum. Wobei Nal Hutta bereits in The Clone Wars in animierter Form gezeigt wurde. Mir gefällt die Umsetzung in Live-Action sehr gut und diese gab es bisher in dieser detaillierten Form noch nicht. Wir erhalten verschiedene tolle Settings, wie z.B. die Arena oder den Mond von Shakari.

Es ist ein Kopfgeldjäger-Abenteuer und kein Jedi-Abenteuer, aber Grogu bringt trotzdem wunderschöne Machtmomente in den Film. Dies führt auch immer wieder zu den Momenten in denen man merkt, dass es ein Star Wars Film ist, das Setting tut aber auch sein übriges dazu.

Bei der Sequel-Trilogie hatte ich das Problem, dass fast nur neue Kreaturen eingeführt wurden. Hier erhalten wir neue und alte Wesen aus fast allen Filmen.

Der Anfang

Ganz klares Manko ist, dass der Text „Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis…“ fehlt. Ich verstehe ja, dass man Star Wars neu ausrichten will und die Skywalker-Saga optisch von den Standalone-Filmen trennen will, aber das gehört zum Star Wars-Märchen einfach dazu und sollte nicht fehlen.

Star Wars war etwas Besonderes, weil es mit der Tradition eines typischen Film-Intros gebrochen hat und es statt der Aufzählung der Mitwirkenden einen Fließtext mit Informationen über den aktuellen Stand in der Galaxis gab.

Bei den beiden ersten Standalone-Filmen, Rogue One – A Star Wars Story und Solo – A Star Wars Story, wurde dies bereits abgeändert und es gab keinen Fließtext zu Beginn des Films. Hier verändert Jon Favreau noch mehr. Ich wurde bei The Mandalorian and Grogu im ersten Moment an die beiden anderen Standalone-Filme erinnert: Wir werden direkt in die Action geschmissen, wie jeder gute Star Wars Film beginnt. Aber nach der Anfangsaction kommt noch ein Intro, das eher an Top Gun erinnert. Das hat mich beim ersten Mal etwas irritiert, was aber nur einen kurzen Moment andauerte. Beim zweiten Mal schauen hat es nicht mehr gestört.

Die Musik

Die Mischung der Musik ist was ganz Besonderes. Ludwig Göransson hat es geschafft, die musikalischen Hauptthemen aus der Serie in den Film aufzunehmen, und seine Arrangements so mit Synthesizer und Gipsy-Sound zu verbinden, dass es zu den entsprechenden Szenen passt, aber auch auffällt, so wie die Cantina Band von John Williams. Als ich zum ersten Mal den Song „Shakari“ im Kino hörte, dachte ich „Wow gewagt, aber geil.“ Wir erhalten den typischen Mando-Sound mit viel Orchester à la John Williams, aber durchzogen mit den oben genannten Elementen.

Puppenspiel & CGI

In der Serie hat man aus Kostengründen lieber Puppen als CGI verwendet. Das wird im Film weiter so gehandhabt. Besonders bei den Anzellanern und Grogu fällt auf, dass es Puppen sind. Sie werden aber so gut gespielt, dass es Spaß macht, diesen Charakteren zu folgen. Größere Kreaturen sind dann aber trotzdem CGI und das ist an der Stelle auch wieder gut. Auch die Hutten sind meiner Meinung nach keine Puppen mehr, sondern CGI, was gerade bei Rotta ein besseres Bild abgibt. Die Szenen in der Arena haben sehr gute CGI-Effekte, aber bei einer Verfolgungsjagd ist die CGI sehr verschwommen. Hat da das Geld gefehlt, um es besser zu machen, und wollte man deshalb die teuren Details absichtlich weglassen? Ansonsten sind das Worldbuilding und die Details in den Szenen wie z.B. dem Foodtruck sehr gut gelungen.

Verbindungen

Wir erhalten schöne Verbindungen zu anderen Star Wars-Filmen wie Eine neue Hoffnung, Das Imperium schlägt zurück, Das Erwachen der Macht, Der Aufstieg Skywalkers oder Solo – A Star Wars Story sowie Serien wie The Clone Wars, The Clone Wars Legacy, Rebels, The Book of Boba Fett und – welch Wunder – The Mandalorian. Es gibt aber auch Anspielungen auf Filme außerhalb der Star Wars-Welt wie mit dem Foodtruck à la Kiss the Cook – So schmeckt das Leben!

(L-R) The Mandalorian (Pedro Pascal) and Fry Cook in Lucasfilm’s THE MANDALORIAN AND GROGU. Photo courtesy of Lucasfilm. © 2026 Lucasfilm Ltd™. All Rights Reserved.

Kleiner Tipp: Seht euch die Dejarik-Scene aus Eine neue Hoffnung vorher an.

Schauspielerische Leistungen

Nun kommen wir zu den schauspielerischen Leistungen und beginnen mit Pedro Pascal. Dieser brilliert wieder in seiner Rolle als Mandalorianer. Mit oder ohne Helm nimmt man ihm seine Gefühle ab und das Spiel zwischen den Hauptcharakteren Mando und Grogu wirkt wie das eines Vaters mit seinem Sohn.

Sigourney Weaver mimt sehr souverän die erfahrene Offizierin der Neuen Republik. Leider ist ihre Screentime sehr begrenzt und daher bekommt ihr Charakter nicht die Tiefe, die sie verdient hätte. Ich hoffe, es bleibt nicht ihr einziger Auftritt im Star Wars-Universum.

(L-R) Colonel Ward (Sigourney Weaver) and Grogu in Lucasfilm’s THE MANDALORIAN AND GROGU. Photo courtesy of Lucasfilm. © 2025 Lucasfilm Ltd™. All Rights Reserved.

Jeremy Allen White gibt dem animierten Charakter Rotta the Hutt seine Stimme. Auch hier nimmt man der Figur ihre Emotionen ab. Die Stimme wurde perfekt passend zu dieser Figur gecastet. Ich bin gespannt, wie mir die deutsche Synchro dazu gefällt.

Mit Steve Blum haben wir einen weiteren Schauspieler, der einen Charakter aus einer animierten Serie auf die große Leinwand bringt. Im Film wirkt es, als ob man den Zeb aus Rebels betrachtet. Die Mimik, der Gang und die Ausstrahlung passen zu der Figur.

Und last but not least: Martin Scorsese brilliert als Stimme von Hugo, dem Foodtruck Besitzer.

Nur einer konnte mich durch sein Schauspiel nicht überzeugen. Jonny Coyne als Lord Janu fehlte irgendwie das gewisse Etwas, um der Figur Tiefe zu verleihen.

(L-R) Lord Janu (Jonny Coyne) and Hogsbreth (Matthew Willig) in Lucasfilm’s THE MANDALORIAN AND GROGU. Photo by Francois Duhamel.. © 2026 Lucasfilm Ltd™. All Rights Reserved.

Fazit

Eingangs habe ich verschiedene Fragen in den Raum gestellt. Die Antwort lautet, dass es eine Mischung aus allem war, was Star Wars so erfolgreich gemacht hat.

Ist The Mandalorian and Grogu Star Wars fürs Kino? Ja. Wir erhalten wieder Jedi-Momente durch Grogu, es werden faszinierende Welten gezeigt, die verschiedenen liebenswürdigen oder hassenswerten Kreaturen sind da und auch ganz klar aus Alt mach Neu. Die Musik kann auch hier ganz klar punkten und die GCI und Requisiten geben zwar nicht immer ein ganz klares Bild ab, sind aber dennoch gut anzusehen. Das Puppenspiel ist überragend und die Emotionen des Mandalorianers erkennt man trotz Helm.

Der Film beginnt mit einem Feuerwerk aus Action, hat aber auch schöne ruhige Momente. Wir erhalten die passende Mischung aus Action, Emotionen, Freundschaft und Familie.

Ich weiß jetzt schon, dass viele schreiben werden, dass man diesen Film auch direkt auf Disney+ hätte bringen können, aber ich finde, dazu ist er zu bildgewaltig. Es lohnt sich, ihn im Kino zu sehen. Ich habe bereits je zwei Folgen von Ahsoka und The Acolyte im Kino sehen dürfen, die ja ähnliche Effekte haben wie die Serie The Mandalorian. Diese wirkten im Kino aber nicht so gut wie ein echter Kinofilm à la The Mandalorian and Grogu.

Jon Favreau hat es geschafft, eine in sich geschlossene Geschichte zu erzählen, die im Kino funktioniert und das Star Wars-Feeling vermittelt. Wir erhalten ebenso eine Weiterentwicklung der Charaktere und Erklärungen für den Verbleib von alten Figuren. Die Schauspieler und der Komponist tragen ihren Teil dazu bei, dass ich nur beim Intro leicht verwirrt war und ansonsten einen wundervollen Star Wars-Film genießen durfte. Aufgrund des Intros und der manchmal etwas mäßigen CGI vergebe ich 4 von 5 Holocrons an den Film.

Max

Für mich ist Star Wars im Kino immer wieder ein besonderes Erlebnis. Die weit, weit entfernte Galaxis lässt sich eben auf der größtmöglichen Leinwand unter tosendem Sound am eindrucksvollsten erleben. Es ist eine besondere Ehre, das erste Leinwandabenteuer nach fast sieben Jahren bereits Wochen vor Kinostart sehen zu dürfen. Die ersten beiden Staffeln von The Mandalorian haben mich vor einigen Jahren Woche für Woche in ihren Bann gezogen. Die Westernstimmung, die spaßigen Charaktere, aber auch der Gesamtlook waren genau das, was ich mir von einer ersten Star Wars-Live-Action-Serie gewünscht habe. Obwohl mich die dritte Staffel nicht mehr allzu sehr catchen konnte und ich auch mit anderen Disney-Plus-Shows wie Obi-Wan Kenobi, The Acolyte oder The Book of Boba Fett meine Probleme hatte, konnte ich doch noch überall Anknüpfungspunkte finden, die mich begeistert haben. Dass alles an Star Wars-Content in den letzten Jahren von Andor überschattet wurde, muss ich wohl keinem erzählen. Auch abseits der Weltraumsaga zählt die 24-teilige Serie über den Aufstieg der Rebellion zur absoluten Meisterklasse der Erzählkunst. Meine Erwartungshaltung an The Mandalorian & Grogu lag irgendwo zwischen diesen beiden Extremen. Vor der Erstsichtung habe ich reines Popcornkino erwartet, ohne auf Tiefe wie bei Andor zu hoffen oder aber von seltsamen Entscheidungen à la The Book of Boba Fett enttäuscht zu werden. Konnte diese Erwartung erfüllt werden?

Die Story

Die Handlung des Films ist für ein Leinwandabenteuer dieser IP sehr klein gehalten. Zu Beginn des Films wird unseren Helden eine Aufgabe erteilt, die sich durch den gesamten Film zieht und einen für mich befriedigenden Abschluss findet. Es gibt keine großen Ausflüchte, die die nächsten drölf Spin-Offs und Serien ankündigen (von denen die Hälfte wahrscheinlich eh nicht erscheinen würde) und auch das übergreifende Narrativ dieser Ära, also der Wiederaufstieg des Imperiums, wird nur am Rande behandelt. Viel mehr wird hier das Huttenkartell beleuchtet und so eine einfache Geschichte erzählt, die auch ohne Vorwissen aus den Serien problemlos genossen werden kann. Bewusst wird hier Abstand von Handlungsbögen der Serien genommen, sodass auch reine Kinogänger oder komplette Star Wars-Neulinge dem Plot folgen können.

Die Charaktere

Ein großer Pluspunkt des Films sind die wirklich toll geschriebenen Charaktere. Din Djarin und Grogu überzeugen weiterhin durch ihre altbewährte Chemie, die trotz fehlender Mimik auf der einen Seite und der Nonverbalität auf der anderen Seite glaubhaft dargestellt wird. Zwar findet bei den beiden keine wirkliche Charakterentwicklung statt, doch Spaß macht es trotzdem, die herzerwärmenden Emotionen zu begutachten. Nebencharaktere wie Colonel Ward oder der aus Star Wars Rebels bekannte Zeb Orrelios könnten in ihrer Art unterschiedlicher nicht sein, aber liefern den Hauptcharakteren immer wieder schöne Vorlagen, um ihre eigenen Stärken zum Vorschein zu bringen. Der große Scenestealer in diesem Film ist für mich aber Rotta der Hutte, gespielt von Jeremy Allen White. Der einzige Erbe von Jabba durchlebt die wohl einzige Charakterentwicklung des Films (wenn auch eher seicht) und rückt Thematiken rund um Herkunft und seinen eigenen Umgang damit in den Vordergrund. Generell bin ich großer Fan der obskursten Figuren der Weltraumsaga und Rotta trifft da einfach einen Soft Spot bei mir. So umstritten der Star Wars: The Clone Wars-Kinofilm auch ist, als Sechsjähriger war ich damals absolut begeistert und freue mich noch heute darüber, dass wir einen rülpsenden und pupsenden Baby-Hutten zu Gesicht bekommen haben. Umso mehr feiere ich den Entschluss, das Huttenbaby Jahre später als muskulösen Gladiator darzustellen. Etwas dröger hingegen sind hingegen die Huttenzwillinge, die als Hauptschurken des Films fungieren. Dafür sorgt Embo als verlängerter Arm des Kartells für wirklich coole Action.

Die Effekte

Die Effekte ließen mich bei diesem Streifen etwas gespalten zurück. Das deutlich höhere Budget ist dem Film im Vergleich zur Serie zwar anzumerken, doch wirklich cineastisch wirkt es nicht. Optisch gesehen hätte so gut wie jede Szene auch ihr Debüt auf Disney Plus feiern können. Dafür überzeugen mich die verspielten Set Pieces und allen voran das wirklich hervorragende Puppenspiel umso mehr. Besonders die Anzellaner stießen mir da neben dem titelgebenden Grogu ins Auge.

Die Musik

Der Soundtrack des Films setzt unverkennbar an die mittlerweile ikonifizierte Musik der Serie an. Ludwig Göransson rockt weiterhin und darf sich hier zusätzlich noch an wirklich coolen Technoelementen bedienen, die vor allem auf dem an Blade Runner anmutenden Schmugglerplanet Shakari zum Tragen kommen.

Das Worldbuilding

Wie bereits eingangs angedeutet, sollten ZuschauerInnen hier nicht allzu große Hoffnungen auf Anspielungen zum großen Overarching Narrative dieser Epoche erwarten. Zwar finden sich an nahezu jeder Ecke Anspielungen an vergangene Filme, Serien, Videospiele, Comics, Romane und Co., doch dienen diese mehr dem Szenenbild als der Forterzählung der Saga. Der Film erzählt eine Geschichte für sich und das ist auch absolut okay so. Mittlerweile bin ich bei Franchisefilmen sogar schon froh, wenn sie für sich stehen und nicht nur als Sprungbrett für das nächste noch größere Kinoabenteuer dienen.

Mein Fazit

The Mandalorian and Grogu hat das Herz am rechten Fleck. Es ist ein anderer Star Wars-Film als wir sonst von der großen Leinwand gewohnt sind, und im Vergleich zur Skywalker Saga, aber auch den beiden Spin-Offs extrem klein gehalten. Warum genau diese Geschichte fürs Kino gewählt wurde, ist mir nicht ganz erklärlich, so hätte sie sicherlich auch drei Folgen der Disney-Plus-Show füllen können, aber trotzdem habe ich mehr als unterhalten gefühlt. Ein schöner Kinoabend mit Freunden oder Familie ist hier allemal drin. Es ist eben Popcornkino. Nicht mehr, nicht weniger. Ich gebe 3 von 5 Holocrons.

(L-R) Mandalorian (Pedro Pascal) and Grogu in Lucasfilm’s THE MANDALORIAN AND GROGU. Photo courtesy of Lucasfilm. © 2025 Lucasfilm Ltd™. All Rights Reserved.

Lukas

Star Wars begeistert. Star Wars enttäuscht. Star Wars polarisiert. Star Wars bewegt. Bisher zumindest, denn nun ist etwas passiert, das man nie geglaubt hätte, zu denken, geschweige denn zu schreiben. Star Wars ist völlig trivial geworden.

Wer The Mandalorian and Grogu nicht anschaut, verpasst nichts. Nichts Gutes, nichts Schlechtes, nur eben einfach… nichts. Der Film hat keinen übergeordneten Spannungsbogen, er hat fünf (!) einzelne nacheinander, die sich ablösen. Er macht einem nie klar, wo er eigentlich hin will, weil er es selbst nicht weiß. Statt fünf Akte eines großen Bogens zu erzählen, wie es ein Film über 130 Minuten machen muss, um die Zuschauenden bei der Stange zu halten, wiederholt er in der Quest-artigen Videospiel-Logik der Serie nur ständig den gleichen Aufbau aus Exposition, Problem und erleichternder Auflösung. Das wirkt aber ohne die Unterteilung in einzelne Episoden, wie es bei der Serie mitunter gut funktioniert hat, so, als ob man zu schnell ein Gericht isst und eigentlich bereits satt ist, leider im bezahlten Fünf-Gänge-Menü aber noch weiteressen muss, denn man hat ja Geld dafür bezahlt und möchte auch nicht, dass die anderen komisch gucken, wenn man jetzt das „Restaurant“ verlässt. Es wurde aber bereits alles probiert, was es zu probieren gibt, also muss man’s jetzt auch durchziehen.

Die Laufzeit des Films ist eindeutig zu lang geraten dafür, dass er paradoxerweise kein Epos sein will, sondern ein harmloses, niedrigschwelliges, anspruchsloses Vier-Quadranten-Abenteuer. Dazu kommt, dass die Verantwortlichen bei Lucasfilm in den letzten Jahren immer häufiger ein Händchen dafür zu haben scheinen, Geschichten ins falsche Medium zu packen. Obi-Wan Kenobi hätte ein Film sein müssen, Ahsoka eine Animationsserie und nun The Mandalorian Anzellan and Grogu doch besser mehrere Episoden einer vierten Staffel.

Das hier soll trotz meinem Entsetzen darüber, wie unfassbar beliebig der zwölfte Krieg der Sterne-Film aber nun daherkommt – immerhin hat Disney die Anzahl der Kinofilme aus diesem Universum jetzt verdoppelt! – nicht nur ein Verriss sein, deswegen nun die positiven Aspekte.

Zunächst einmal die Musik. Ludwig Göransson rockt einfach, vor allem durch die Boxen des Kinosounds. Seine wuchtigen, untypisch kreativen und einzigartigen Klänge, die sich um das beispiellos geniale, aber dennoch variierbare The Mandalorian-Theme bewegen, tragen die überschaubaren Emotionen, die der Film dann und wann auslöst. Außerdem macht tatsächlich der Anfang durchaus Spaß und sofort klar, dass sich der Film auf einem höheren Scale bewegt, als die Serie, aber doch auf einem deutlich niedrigeren, als die ersten elf Star Wars-Filme. Außerdem stich das Worldbuilding um diverse Orte, Spezies und Kreaturen, die übermäßig stark selbst im Figuren-Ensemble repräsentiert sind, heraus. In derartigem Umfang gab es das noch nicht auf der großen Leinwand und der Literatur-Fan wird spätestens hellhörig, wenn eine ganz bestimmte Organisation, die ein Original des frühen Kanons ist und meistens in Romanen, Comics und Sachbüchern nur Erwähnung fand, tatsächlich ein actionbringender Teil der Geschichte sein darf.

Ansonsten ist da nichts, was man nicht schon Dutzend Mal gesehen hat. Din Djarin ist badass, Grogu ist niedlich und auf dem heimischen Bildschirm machte das alles fundamental mehr Spaß, als Jahre nach der letzten Staffel im aufgeblähten IMAX-Format. Und vom überraschungsarmen Film selbst hat man leider schon zu viel im Marketing gesehen, denn abgesehen von einigen Einstellungen im Finale, ist im Prinzip jedes Szenario und jeder wichtige Moment bereits in den Trailern gezeigt worden. Das geschickt zu vermeiden war vor zehn Jahren, als es um die Werbung der neuen Filme ging, noch eine ganz eigene Disziplin.

Für wen ist also dieser Film? Offenkundig soll er für alle sein und besonders zahlungskräftige Familien, die das Box-Office schnell in die Höhe treiben können, ansprechen. Man darf zum Verständnis nicht zu viel in der Materie stecken müssen, denn das würde ja abschrecken (man beachte die letzten Marvel-Flops). Den kleinen süßen Grogu kennt man aber mindestens von den zahlreichen Schlüsselanhängern an Rucksäcken, im Kino gibt es dann also mehr von der Niedlichkeit für die einen und mehr von der Sternen-Action für die anderen. Wenn man es aber allen recht machen will und gleichzeitig nichts Fundamentales zu erzählen hat, bei dem es für die Figuren um etwas geht, bei dem man mitfiebert, dann hat man ganz schnell ein Problem und alles ist nach dem Kinobesuch schnell wieder vergessen. Und wer kauft noch Merchandise um einen Kinobesuch herum, wenn man sich so bald danach nicht mehr an ihn erinnern wird?

(L-R) Colonel Ward (Sigourney Weaver) and Grogu in Lucasfilm’s THE MANDALORIAN AND GROGU. Photo courtesy of Lucasfilm. © 2025 Lucasfilm Ltd™. All Rights Reserved.

Als Fazit kann ich leider nur ziehen, dass man beim besten Willen absolut keinen Grund finden kann, warum man den Film anschauen sollte. Selbst mit keiner Erwartung hat er enttäuscht und da ist das fehlende „Es war einmal vor langer Zeit, in einer weit, weit entfernten Galaxis….“ und die furchtbaren Credits nach dem Intro nur das kleinste Symptom dafür, dass Star Wars im Kino hier seine Magie verloren hat.


Mit welchen Erwartungen geht ihr ins Kino? Und falls ihr den Film schon gesehen habt, wie hat er euch gefallen? – Lasst uns eure Meinung in den Kommentaren wissen.

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