Rezension: Bonus-Storys aus Myths & Fables und Dark Legends

Die beiden In-Universe-Märchenbände Star Wars: Myths & Fables und Star Wars: Dark Legends von Autor George Mann und Illustrator Grant Griffin haben Ende August jeweils um drei Geschichten erweiterte Neuauflagen erhalten. Dazu kommt, dass diese nur bei der amerikanischen Ladenkette Target erhältlich sind und auch dort oftmals schnell vergriffen waren. Florians ursprüngliche Rezensionen von Myths & Fables und Dark Legends sind damit plötzlich veraltet!

Disney-Lucasfilm Press hat uns freundlicherweise die erweiterten Ausgaben als PDFs zur Verfügung gestellt und wir – Florian und Tobias – wollen euch heute die insgesamt sechs Zusatzgeschichten in dieser Rezension vorstellen, damit ihr für euch selbst entscheiden könnt, ob diese die mühsame Anschaffung inklusive Umwege über amerikanische Bekannte oder Online-Auktionshäuser wert sind.

Myths & Fables – rezensiert von Florian

„The Sleeping Eye“

Finally, they could set aside their guilt and look out upon the stars with hope.

Auf dem Planeten Maldroth lebt seit Jahrtausenden eine Gruppe Rodianer, die vor einem schrecklichen Krieg ihrer Vorfahren dorthin geflohen ist und dort in Isolation und Schande ein Dasein fristet. Sie beobachten mehrere Konstellationen an ihrem Sternenhimmel, um zu erfahren, ob ihnen Erlösung für die Sünden ihrer Ahnen gewährt wurde – insbesondere das „Schlafende Auge“. Eines Tages tut sich dann allerdings etwas in jenem Sternbild – und wer gut aufpasst, kann in jenen Veränderungen vielleicht das Wirken der einen oder anderen filmischen Superwaffe erkennen.

Zu sehen, wie sich die Untaten der zerstörerischen Waffen des Imperiums und der Ersten Ordnung auf eine der Astrologie verfallenen Kultur auswirken, gefällt mir wirklich gut. Das ist ein interessantes Konzept und natürlich entsteht dadurch Folklore. Allerdings wirkt mir die Geschichte an sich dann doch zu plausibel, und wir betrachten irgendwie auch nicht die Folklore an sich, sondern folgen mit Toola einer konkreten Figur, die sich mit jenen Astrologie-Mythen auseinandersetzen muss. Alles in allem zwar eine nette Erzählung, aber nicht auf dem Niveau der vorherigen im Band.

„The Leviathan“

Even now the Mon Calamari speak of it in hushed tones and warn their children to avoid the trench, for fear that the beast might one day be woken again.

Der junge Mon Cala Carus widersetzt sich den Warnungen seiner Eltern und seines Volkes und begibt sich in einen tiefen Abgrund, dessen Mysterien ihn locken. Er möchte seinen Freunden und seinem Volk seinen Mut beweisen und zu wahrer Größe gelangen… doch dort unten lauert nur das Verderben.

Viele klassische Märchen und Erzählungen dienen als Warnung. „Geh nicht alleine in den Wald“, „Vertraue keinem Fremden“, „Geh nicht bei Dunkelheit hinaus“, „Gehorche deinen Eltern“ – all dies finden wir auch in unserem irdischen Märchenkanon immer wieder als Moral von der Geschichte, um Kinder durch abschreckende Beispiele zu erziehen. In diesen Geschichten gibt es auch immer jemanden, der sich der Warnung widersetzt und am Ende den Preis bezahlt. So ist es auch um The Leviathan bestellt, das sich nahtlos in diese Art von Erzählung einreiht. Das geschieht aber auf eine sehr spannende und atmosphärische Weise und der aufmerksame Kenner der Materie wird sogar tierische Verbindungen zu Tartakovskys Clone Wars-Mikroserie erkennen, sodass ich bestens unterhalten wurde.

„The Golden One“

Thus, balance was restored.

Diese Geschichte handelt – wie am Titel unschwer erkennbar – von der Mythologie der Ewoks und ihrem goldenen Gott, der es C-3PO in Die Rückkehr der Jedi-Ritter ermöglicht hat, sich bei den mörderischen Teddybären von Endors Waldmond Autorität zu verschaffen. Die Ewoks haben hier ihre eigene Vorstellung davon, wie Tag und Nacht entstanden sind, und ihr goldener Sonnengott ist Teil jener Erzählung.

Ich habe mich sehr gefreut, endlich einen der Mythen, von dem wir in den Filmen selbst erfahren, auf diese Art und Weise kodifiziert selbst nachlesen zu können. Durch Eingeborenenvölker wie die Gungans, die Ewoks oder die Aki-Aki bieten die Saga-Filme nämlich einiges an Anknüpfungspunkte für ein Werk wie Myths & Fables. Endlich wird dieses Potenzial auch genutzt! Einzig ob die derart explizite Gegenüberstellung des Wirken des Goldenen mit dem Wirken des goldenen Droiden am Ende der Geschichte nötig gewesen wäre kann man debattieren.

Lohnt sich diese Ausgabe?

Solltet ihr noch gar keine Ausgabe von Myths & Fables besitzen, auf jeden Fall. Habt ihr das Buch bereits gelesen und hat es in euch Durst nach mehr geweckt, dann auch absolut. Die drei neuen Geschichten fügen sich wunderbar in das Gesamtbild der Anthologie ein, auch wenn die Art der Veröffentlichung in einer händlerexklusiven Sonderausgabe ein gewisses „G’schmäckle“ hat, wie der Schwabe sagt. Ich war beim Lesen allerdings bestens unterhalten – und absolut hingerissen von Grant Griffins Illustrationen, ganz besonders denen zu „The Sleeping Eye“ und „The Leviathan“. Für die Zukunft würde ich mir weitere solche Geschichten wünschen, aber dann bitte als komplett separater Band und nicht als erweiterte händlerexklusive Spezialversion.

Dark Legends – rezensiert von Tobias

„The Sleep of Ages“

You are a foolish child, but you have not failed me, for you have brought me all that I could need.

Einst herrschte eine Prinzessin über ein Imperium weit entfernt im Wilden Raum. Diese Sage bekam die junge Archäologin Loreth als Kind immer wieder erzählt und sie wünscht sich nichts sehnlicher, als das Grab dieser bekannten und sagenhaft guten Prinzessin zu finden. Doch wie sie schon bald feststellen muss, ist die Prinzessin nicht das, was sie in den Legenden zu sein scheint.

Die erste neue Geschichte hat mir tatsächlich sehr gut gefallen. Sich in die Lage von Loreth zu versetzen und in der Legende einer guten Prinzessin einen Ansporn zu finden wirkte zu jeder Zeit glaubhaft. Einzig die Art, wie diese Geschichte erzählt wird, weist wieder eine gewisse doppelte Ebene auf. Die Legende ist ja eigentlich die der Prinzessin, den Großteil der Handlung nimmt aber Loreth als eine von vielen ein, die dieser Legende auf den Grund zu gehen versucht. Dadurch kommen wir in die Situation, dass wir Loreth quasi direkt begleiten und keine Legende lesen, die sie beinhaltet, denn diese Legende hätte niemand erzählen können.

„Bakurat“

And so we all get what we are due.

Eine alte Kunst, die lange vor der Zeit der Alten Republik praktiziert wurde steht in dieser Geschichte im Mittelpunkt: Das Bakurat! Darunter versteht man das Legen von Karten, die die Zukunft vorhersagen und gleichzeitig dafür sorgen, dass diese genau so eintreten muss. In der Zeit der Ersten Ordnung gibt es nur noch wenige Vertreter diese Kunst, wie beispielsweise Mila und ihren Droiden Sir Kron, die dem Piraten Barbas auf Takodana einen verhängnisvollen Ausblick auf seine Zukunft geben.

Das besondere in dieser Geschichte ist ihre subtile Anknüpfung an unzählig ähnliche Geschichten aus unserer Galaxie. Kartenlegen und die Vorherbestimmung einer Person; die Menge, die man über seine Zukunft wissen will und das was man tut, um diese zu verhindern, sind nicht nur bei X-Faktor gern gesehene Themen. Trotzdem kommt mit dem Star Wars-Kniff eine spannende, wenn auch nicht überaus originelle Geschichte zusammen. Leider schafft Mann es hier auch nicht die drei prophezeiten Schicksalsschläge so glaubhaft darzustellen wie beispielsweise in Buyer Beware. Trotzdem hat es Spaß gemacht die Geschichte zu lesen und auch wenn am Ende ein paar Kritikpunkte in puncto Glaubhaftigkeit bleiben, so muss man immer im Kopf behalten, dass eben alles unausweichlich so geschehen musste.

„A Bitter Harvest“

If you pour bitterness into something, it bears only bitter fruit.

Das Gastrecht ist heilig und diese Erfahrung muss auch Menir machen, der eigentlich ein glückliches Leben auf Batuu führt (hier möchte ich die Lobbyisten von Batuu beglückwünschen, die die Herausgeber dieser Werke dazu gebracht haben sehr viele Geschichten ihres Planeten einzubauen) aber von Verlustangst so zerfressen ist, dass er alles was er besitzt unbedingt schützen will. Als dann eines Tages ein Fremder Unterkunft erfragt und von ihm hinausgeschmissen wird, besiegelt er das Schicksal seines ganzen Dorfes.

Den Abschluss macht eine in meinen Augen sehr gute Geschichte, sofern man sie von der Moral rückwärts aus betrachtet. Der Farmer hat alles und verweist den Gast unfreundlich des Hauses, nachdem seine Frau ihn einlud die Nacht dort zu verbringen. Die Art wie diese Handlung ihn erst ganz am Ende direkt betrifft und er als letzter feststellt, dass es seine Schuld war, hat gut zu dem leicht ignoranten Menir gepasst. Gerade die Botschaft, dass man Hass erntet wenn man diesen sät, lässt darauf schließen, dass dies hier eine rein erfundene Geschichte ist, die mit dem Bild der Ernte genau diese Botschaft beziehungsweise Moral zu inszenieren versucht. In meinen Augen ist das sehr gut gelungen, auch wenn der Grund für die Verlustangst Menirs mir nicht gut genug etabliert wurde. Doch wir reden hier über Märchen und Legenden, und da ist zum Zwecke der zu vermittelnden Moral ein böser Herrscher eben böse und ein edler Ritter eben edel.

Lohnt sich diese Ausgabe?

Wer die ursprüngliche Ausgabe nicht besitzt, sollte natürlich auf jeden Fall zugreifen! Wer dazu eine Einschätzung möchte, kann gerne Florians Rezension zu dieser Ausgabe nachlesen. Allen anderen kann ich sagen, dass alle drei neuen Geschichten zwar ganz gut gelungen sind, aber in der Gesamtbetrachtung die erneute Anschaffung nicht wert sind. Wenn man dann noch hinzunimmt, dass diese Ausgabe dank der US-Zentrierung des Star Wars-Marktes nur über Umwege und deutlich teurer (Versand etc.) zu erstehen ist, lohnt sie sich wirklich nur für Komplettisten.

Wir danken Disney-Lucasfilm Press herzlich für die digitalen Rezensionsexemplare!

Gewinnspiel [BEENDET]

Unsere Pressekontakte bei Disney konnten uns zwar leider keine physischen Exemplare dieser beiden Ausgaben organisieren, aber dafür haben wir ja gute Fandom-Kontakte in den USA, die das für uns erledigen konnten. Da wir euch mit den Rezensionen der Bonusgeschichten nicht nur „teasen“ wollten, haben wir keine Mühen gescheut und euch frisch aus den USA je ein Target-Exemplar von Myths & Fables und Dark Legends organisiert, die ihr nachfolgend gewinnen könnt.

Beantwortet dafür einfach folgende Frage, wählt im Formular euren Wunschpreis und ihr landet im Lostopf.

Welche alte Form des Kartenlegens im Star Wars-Universum müsstet ihr anwenden, um zu erfahren, ob ihr bei diesem Gewinnspiel gewinnen werdet?

Das Gewinnspiel ist beendet! Die Antwort war „Bakurat“ und von allen, die das wussten, haben folgende Glückspilze gewonnen:

  • Myths & Fables geht an Sebastian M. aus Münster
  • Dark Legends geht an Maximilian W. aus Grünwald

Herzlichen Glückwunsch!

Teilnahmebedingungen

  • Die Preise werden unter allen Einsendungen verlost.
  • Nur eine Einsendung pro Person/Familie/Haushalt!
  • Einsendeschluss ist Sonntag, der 04. Oktober 2020, um 23:59
  • Die Preise werden nur innerhalb der Bundesrepublik Deutschland, Österreich und der Schweiz versendet!
  • Sämtliche gesammelten Daten dienen nur dem Zweck des Preisversands und werden nach dem Ende des Gewinnspiels und dem Versand der Preise wieder gelöscht.
  • Alle Angaben ohne Gewähr! Eine Barauszahlung der Gewinne ist ausgeschlossen.

In diesem Sinne: Möge die Macht mit euch sein!

8 Kommentare

    1. Als kleines Update: Wir haben inzwischen von Lucasfilm eine Teilantwort erhalten, können diese aber noch nicht öffentlich teilen, da Lucasfilm gerne abwarten würde, wann diese GE-Sonderausgabe tatsächlich erscheinen wird, bevor sie die Details dazu publik machen. Wegen der Pandemiesituation ist die Verfügbarkeit des Buches im Park nämlich noch nicht fest terminiert.

      Immerhin: Man versicherte mir, es sei ein schönes In-Universe-Artefakt geworden.

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