Rezension: Kopfgeld auf Han Solo

Dass dabei Unschuldige gestorben sind, tut mir leid. Aber so ist nun einmal Krieg. Leia Organa. Wenn Krieg ist, sterben immer Unschuldige, und diesen Krieg hat Ihre Seite begonnen, und das hätte sie nicht tun dürfen.

Boba Fett
Kopfgeld auf Han Solo (E-Book)
Kopfgeld auf Han Solo (E-Book)

Bei unserem Legends Rezensionen geht es heute mit dem chronologisch zweiten Sammelband der Tales-Reihe weiter. Nachdem wir uns in Tales from the Mos Eisley Cantina ausgiebig mit den Charakteren aus der Cantina-Szene aus Eine neue Hoffnung beschäftigt haben, beschäftigen wir uns in Tales of the Bounty Hunters mit den Kopfgeldjägern, die in Das Imperium schlägt zurück auf der Brücke der Executor anzutreffen sind. Das Original erschien im Dezember 1996 und damit ein Jahr nach Tales from Jabba’s Palace, der allerdings chronologisch mehr oder weniger danach spielt, weswegen wir ihn hier auch später behandeln werden.
Die deutsche Version des Buches heißt Kopfgeld auf Han Solo und erschien im Oktober 1998 zunächst bei Goldmann, später bei Blanvalet. Die Übersetzung wurde von Heinz Nagel angefertigt. Enthalten sind verhältnismäßig wenige Geschichten, nämlich lediglich fünf, was aber der begrenzten Anzahl an Kopfgeldjägern in der verbindenden Szene geschuldet ist. Dafür sind die Geschichten alle etwas länger, was ich wiederum begrüße.

Die erste Geschichte heißt Deshalb bin ich, wurde von Kevin J. Anderson geschrieben, der auch als Herausgeber des Buches fungiert, und handelt vom Attentäterdroiden IG-88. Wir begleiten den Droiden bei seinem ersten Boot-Vorgang und lernen ihn so kennen, wie er sich selber kennen lernt. Schnell wird klar, dass er nicht der einzige seiner Bauart ist, doch seine neuralen Verbindungen scheinen einzigartig zu sein. So kopiert er sein Bewusstsein auf die drei anderen baugleichen Modelle und erschafft so vier komplett identische IG-88s. Zur Unterscheidung geben sie ihren Namen die Buchstaben A bis D hinzu. Ihr Plan: Die Herrschaft über die Galaxis an sich reißen und das Leben auf eine höhere Stufe bringen. Zu diesem Zweck sollen Droiden die Organischen komplett unterwerfen. Das Lustige ist, dass ihnen das auch beinahe gelingt, doch dumme Zufälle und ein rachsüchtiger Boba Fett machen diesen Plan zunichte.

Ich habe diese Geschichte sehr genossen, denn IG-88 ist ein Charakter, dem ich eigentlich eine Menge abgewinnen kann. Dadurch, dass sein Plan sehr logisch ist, konnte ich ihm die ganze Zeit folgen und habe tatsächlich sogar ein wenig für ihn gehofft. Leider sind Droiden aber auch nicht vor Größenwahn gefeit und so geht der Gute an seinem eigenen Plan zugrunde. Der Droide, den wir auf der Executor sehen ist übrigens IG-88 B. Allerdings hat sich mindestens ein Fehler eingeschlichen, denn es wird behauptet, dass die Executor als Supersternenzerstörer acht Kilometer lang ist. Tatsächlich sind es jedoch 19 Kilometer. Außerdem kommt auch die gemeinsame Szene von IG-88 und Boba Fett im Raum über Tatooine aus Schatten des Imperiums vor, doch ich bin nicht sicher, wie die beiden Darstellungen der Szene ineinander greifen, da es zu lange her ist, dass ich den Comic gelesen habe und das Buch noch gar nicht (Sorry, hole ich demnächst nach).

Da die Geschichte von IG-88 einen langen Zeitraum abdeckt, bekommen wir auch viel von der galaktischen Geschichte in diesem Zeitraum am Rande mit. Letztlich geht es allerdings nur um den Droiden und seinen Plan, die Galaxis zu unterjochen. Ich fand diese Geschichte wie gesagt sehr gut.

Die zweite Geschichte wurde von Dave Wolverton geschrieben, der ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt im Star Wars Legends-Bereich ist. Sie heißt Payback und handelt von Dengar. Dieser ist zu Beginn kein klassischer Kopfgeldjäger, denn er scheint eine Art imperialer Attentäter zu sein. Nachdem wir der Geschichte und damit Dengar ein wenig folgen, erfahren wir, dass er bei einem Rennunfall auf seiner Heimatwelt Corellia beinahe umgekommen wäre, hätte das Imperium ihn nicht gerettet. Aber wir alle wissen, dass die Imperialen nicht aus Nächstenliebe handeln, und so wurde Dengar unfreiwillig zu einem Killer umoperiert. Das geschah, indem ihm Teile des Gehirns entfernt wurden, die für Emotionen zuständig waren, und stattdessen diverse technische Geräte eingebaut wurden. So hat er beispielsweise die Möglichkeit, besser hören und sehen zu können als normale Menschen. Außerdem wurden ihm diverse Drogen verabreicht, die ihn körperlich stärker machten. Das Problem, welches aus Dengar erwuchs, war, dass er sich seine Ziele selber aussuchte und letztlich auch Geld dafür nahm. Im Prinzip war er also ein durch das Imperium subventionierter Kopfgeldjäger. Seine Motivation war dabei, Han Solo zu töten, da dieser der Gegner in jenem verhängnisvollen Rennen war. Seine Opfer sehen Solo also alle ein wenig ähnlich. Mit der Zunahme seiner imperialen Ziele geriet er dadurch letztlich auf die Abschussliste des Imperiums und begegnete Lord Vader, wodurch wir zu der Szene auf der Executor kommen.
Dengars Geschichte ist der Beginn einer Liebesgeschichte, die eigentlich sehr romantisch wirkt. Letztlich ist es aber nur eine Zusammenfassung von Dengars Leben bis in Episode VI hinein, denn, wenn ich das richtig sehe, werden die meisten Teile dieser Geschichte von Schatten des Imperiums und der Kopfgeldjägerkrieg-Reihe deutlich umfassender behandelt. Trotzdem ist Dengars Geschichte gut geschrieben und definitiv eine gut lesbare Story.

Die bereits dritte Geschichte heißt Der Pelz, ist die Geschichte von Bossk und wurde von Kathy Tyers geschrieben. Tyers ist ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt im Legends-Universum, So hat sie in den Tales mehrere Geschichten geschrieben, Der Pakt von Bakura kreiert und auch zur Das Erbe der Jedi-Ritter-Reihe beigetragen. Bossks Geschichte ist dabei weder das Anfang, noch das Ende der Karriere des Kopfgeldjägers. Allerdings startet sie auf der Brücke der Executor, in der gemeinsamen Szene dieses Sammelbandes. Denn Bossk will eigentlich gar nicht Han Solo fangen, sondern Chewbacca. Beide hatten den Trandoshaner wohl einmal ein kleines bisschen geärgert und dieser ist nun leicht verstimmt. Allerdings bekommt er unverhoffte Hilfe vom Wookiee Chen und der Menenfrau Tinian, die offenbar ebenfalls etwas gegen Solo und Chewbacca haben. Tatsächlich jedoch verfolgen die beiden den Plan, Bossk zu hintergehen und zeitgleich dem Imperium eins auszuwischen.

Die Geschichte ist superspannend geschrieben und dadurch, dass man Chen und Tinian als zusätzliche Protagonisten hat, wirkt Bossk, dessen Geschichte das ja eigentlich ist, eher als Antiheld und man will eigentlich nicht, dass er sein Ziel erreicht. Trotzdem sieht es die meiste Zeit über sehr gut für den Jäger aus. Ich für meinen Teil habe bei dem Ende allerdings eine große Befriedigung empfunden, auch wenn laut der jedipedia.net Bossks „Geschichte“ damit nicht beendet ist, lediglich Der Pelz. Trotzdem fand ich Tyers‘ Werk sehr gut und erfrischend.

Die vierte Geschichte heißt  Zukunftsvarianten und handelt vom Kopfgeldjägerduo Zuckuss und 4-LOM. Geschrieben wurde sie von M. Shayne Bell. Zuckuss ist dabei ein Gand von Gand, der durch einen nicht-kooperativen Auftrag schwer verletzt wurde. Gand sind nämlich Ammoniak-Atmer und Sauerstoff ist giftig für sie. Entsprechend muss Zuckuss immer einen Schutzanzug tragen, wenn er auf der Jagd ist. Dieser wurde allerdings beschädigt und so atmete der Kopfgeldjäger Sauerstoff ein, was ihm die Lungen verätzte. Nun benötigt er Geld für neue.

4-LOM war ein Protokolldroide und interpretierte seine Programmierung einfach so, dass es sinnvoller wäre, die Wertgegenstände der Passagiere auf dem Schiff, auf dem er diente, selber zu beschützen, statt den Fleischlingen diese Bürde zu überlassen. Statt die Dinge aber zurück zu geben, behielt er sie einfach. So wurde er vom Protokolldroiden zum Meisterdieb und letztlich zum Kopfgeldjäger.

Die dritte Hauptperson kommt ebenfalls in Episode V vor, jedoch nicht in der Szene auf der Brücke der Executor, sondern unten auf dem Eisplaneten Hoth. Es ist Controller Toryn Farr. Das ist die Frau, die in der Schlacht von Hoth noch nach Leia und Han die Basis verlässt.

Ich muss ganz ehrlich sein, bisher hat mir diese Geschichte am besten gefallen. Sie hat Höhen und Tiefen und liest sich fast wie ein eigener Roman. Ich konnte mich in alle Charaktere gut hineinversetzen und ihre Motive verstehen. Die Geschichte ist alles andere als berechenbar, wenn auch wegen ihres Umfeldes in der Tales-Reihe etwas kurz geraten. Trotzdem definitiv eine unglaublich lesenswerte Geschichte, die auch die des letzten Transporters von Hoth erzählt. Einfach klasse gemacht. Schade, dass von Bell keine weiteren Geschichten im Star Wars-Universum existieren.

So, die letzte Geschichte in Kopfgeld auf Han Solo wurde von Daniel Keys Moran geschrieben, handelt von Boba Fett und heißt Der letzte, der auf den Beinen bleibt. Da ich ein großer Fett-Fan bin, habe ich mich sehr auf diese Geschichte gefreut, leider wurde ich recht hart enttäuscht. Die Geschichte beginnt mit Fetts Verbannung von Concord Dawn und endet im Jahre 19 nach der Schlacht um Yavin in einer gemeinsamen Szene mit Han Solo. In der Zwischenzeit werden diverse Stationen in seinem Leben abgehandelt, ähnlich, wie in den Biografie-„Romanen“ von Ryder Windham. Das an sich ist noch kein Grund, die Geschichte schlecht zu reden. Es kommt sogar ein anderer Charakter der Tales-Reihe vor: Kardue’sai’Malloc, der Devaronianer aus der Geschichte Imperium Blues aus Sturm über Tatooine.

Das Ding ist, dass diese Geschichte uralt ist und sich über einen unglaublich langen Zeitraum erstreckt. Und leider entsprechend unglaublich viele Kontinuitätsfehler des alten Legends-Bereiches einbaut. Die größten möchte ich kurz erwähnen: Es wird gesagt, dass Boba Fett nicht der richtige Name sei, sondern nur ein neuer Name, den Fett sich selber gegeben habe, nachdem er verbannt wurde. Sein richtiger Name sei Jaster Mereel. Mit dem Erscheinen von Angriff der Klonkrieger, welches offensichtlich eine höhere Kontinuitätsstufe hat, wird dieser Fakt allerdings falsifiziert. Der Name Jaster Mereel von Concrod Dawn wird in einem Jango-Fett-Comic später als Ziehvater Jangos genutzt.
Das Zweite ist das Fehlen Chewbaccas im Han Solo Teil der Story. Dieser scheint „weg“ zu sein, impliziert tot. Allerdings sind wir hier erst im Jahr 19 NSY. Chewbacca hat noch etwas mehr Lebenszeit vor sich. Für einen Wookiee zwar nicht mehr allzu viel, aber immerhin. Auch wird gesagt, dass Fett nie „eine Frau in die Arme geschlossen“ hat. Ebenfalls einfach falsch.

Zusammenfassen lässt sich die Geschichte mit einer „Moral“ in der Geschichte, welche ebenfalls von Boba Fett zum Besten gegeben wird: „Sex zwischen Unverheirateten ist unmoralisch“.  Die Geschichte ist alt und überholt, war mal gut, ist es aber nicht mehr.

Wie bei Sturm über Tatooine gebe ich keine Holocron-Bewertung ab. Jede Geschichte ist anders und die meisten haben ihre Vorzüge und ihre Schwächen.  Abgesehen von der letzten Geschichte ist der Band definitiv wieder zu empfehlen.

Ein Kommentar

  1. An sich ist es kein Fehler. Ursprünglich war es so, dass die Executor-Klasse nur 8 Kilometer lang ist. Das passt auch proportional eher zu den Aufnahmen, wo die Executor in Ep. 6 auf den Todesstern fällt. Die Länge wurde jedoch später nachträglich geändert.

    Ursprünglich sollte die Eclipse auch doppelt so groß, wie die Executor sein. Deswegen wurde ihre Größe auf 17 Kilometer betitelt. Aber als aus 8 irgendwann 19 Kilometer wurden, war das an sich stärkere und bessere Schiff plötzlich kleiner, was mich zum Beispiel immer verwundert hat.

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