Rezension: Han Solo: Kadett des Imperiums

Han Solos Zeit beim Imperium: Was im Film Solo: A Star Wars Story noch zu kurz kam, steht nun im Zentrum eines Comics. In Han Solo: Kadett des Imperiums dürfen wir erleben, wie der aufmüpfige Han es schafft, sich irgendwie in den Reihen angehender imperialer Offiziere durchzumogeln. Das könnte spannend werden, doch wie gut setzt der Comic seine Prämisse um?

Der am 24. September bei Panini erschienene Sonderband enthält sowohl den Hauptcomic Han Solo: Kadett des Imperiums als auch den One-Shot Beckett #1. Beim Hauptcomic arbeitete Autor Robbie Thompson mit Zeichner Leonard Kirk, den Tuschezeichnern Cory Hamscher und Daniele Orlandini sowie dem Koloristen Arif Prianto zusammen. Der Comic Beckett #1 wurde geschrieben von Gerry Duggan und koloriert von Jordan Boyd. Er unterteilt sich in drei kleine Kapitel, für die jeweils ein anderer Zeichner zuständig war, nämlich Edgar Salazar, Marc Laming und Will Sliney. David Nakayama gestaltete sowohl das Cover der auf Amazon erhältlichen Softcover-Ausgabe als auch das der auf 333 Exemplare limitierten Hardcover-Ausgabe, die ihr Comic-Fachhandel oder im Panini-Shop erhaltet. Beide Cover seht ihr unten abgebildet.

Doch nun zur Handlung des Comics. Und hier wird es leider schon schwierig, denn diese hat nicht wirklich viel Substanz. Es geht um Han Solo und seine Mitkadetten Kanina, Lyttan, Tamu und Valence. Während Valence ein vorbildlicher imperialer Soldat ist, bauen die anderen vier immer wieder Mist und bringen sich in Schwierigkeiten, doch der nachsichtige Offizier Yurib Nakan, der sich selbst im jungen Han Solo wiedererkennt, sorgt immer wieder dafür, dass ihre Strafen nicht so drastisch ausfallen.

Die Nachsicht beziehungsweise Inkonsequenz des Imperiums ist auch der erste Punkt, der mich an dem Comic stört. Die persönlichen Gefühle von Hans vorgesetztem Offizier sind natürlich nachvollziehbar, aber leider halte ich es nicht für glaubhaft, dass das Imperium nur auf Basis seiner Einschätzung ein Todesurteil widerrufen und jemanden befördern würde, der gerade seine Unfähigkeit bewiesen hat, Befehle zu befolgen. So toll können Hans Fähigkeiten als Pilot gar nicht sein, dass eine Maschinerie wie das Imperium seine strikten Regeln für ihn beugt und ihn als so wichtig erachtet, dass auf einmal das oberste Gebot des blinden Gehorsams für ihn aufgehoben ist. Ich denke, jede straff organisierte militärische Organisation würde lieber einen nicht ganz so genialen Piloten nehmen, der nicht aufmuckt, als einen genialen Han Solo, der ständig aus der Reihe tanzt. Insofern hat der Comic hier schon mal ein großes Glaubwürdigkeitsproblem: Han und seine Mitkadetten hätten mindestens schon zweimal hingerichtet werden müssen.

Han Solo selbst hat im Comic das Hauptziel, zu Qi’ra zurückzukehren. Allerdings schwankt er bei seinen Plänen dafür zwischen Naivität und extrem gut durchdachter Vorausplanung. Einmal stiehlt er einfach planlos eine TIE des Imperiums und glaubt, damit davonzukommen. Wie blöd kann man sein? Ein anderes Mal heckt er einen extrem komplexen und mehrschrittigen Plan aus, um an Informationen über Qi’ra zu kommen – auch nicht gerade Han-Solo-typisch. Letztendlich wäre es für Han doch auch ganz einfach, dem Imperium zu entkommen und zu Qi’ra zurückzukehren, wenn er einfach dieselbe Strategie anwenden würde, die er am Ende des Comics auch einer anderen Figur empfiehlt. Verhalten und Motivation von Han Solo sind also ziemlich unstimmig.

Seine Mitkadetten bleiben recht farblos und scheinen hauptsächlich dazu da zu sein, Verknüpfungen zu anderen Comics herzustellen. Die Brüder Lyttan und Tamu Dree, die auch in den TIE Fighter-Comics auftreten, sind vollkommen farblose Mitläufer, die sich durch nichts besonders hervortun. Etwas interessanter ist da schon der verbissene und karrieregeile Beilert Valence, der ursprünglich den klassischen Legends-Comics entstammt und auch in Target Vader als Kopfgeldjäger auftritt. Allerdings ist er die meiste Zeit nicht bei den Abenteuern der Gruppe dabei. Kanina Nico hat zwar wenigstens eine Hintergrundgeschichte, diese ist aber so minimalistisch ausgearbeitet, dass das Ende des Comics, das sich auf diese Hintergrundgeschichte bezieht und wohl emotional wirken soll, mich völlig kalt ließ. Auch wird nie klar, wieso Kanina sich dem Imperium angeschlossen hat. Alles in allem kann der Comic mit seinen Figuren also nicht punkten.

Auch was den Aufbau angeht, fehlt mir der rote Faden. Der Comic beginnt irgendwo, wandert planlos und episodisch umher und endet irgendwo anders. Anfang und Ende haben nichts miteinander zu tun, es gibt keinerlei Problem oder Aufgabe, die gelöst wird, und die Geschichte hätte genauso gut zwanzig Seiten vorher enden können oder noch zwanzig Seiten weiterlaufen können. Insgesamt eine unbefriedigende Angelegenheit.

Die Zeichnungen sind ganz in Ordnung. Allerdings könnte der Comic-Han Alden Ehrenreich für meinen Geschmack schon noch etwas ähnlicher sehen. Außerdem habe ich in den Action-Szenen oft nicht so recht verstanden, was vor sich geht. Letzteres liegt aber wohl nicht an den Zeichnungen allein, sondern auch daran, dass in den Dialogen zu wenig Information gegeben wurde.

Im Bonus-Comic Beckett #1 sind die Zeichnungen wesentlich schöner anzusehen. Allerdings ist die Handlung rund um einen Diebstahl von ein paar Blanko-ID-Chips nicht die galaktisch Relevanteste und wird leider auch wieder mit unnötiger Tentakelmonster-Action gestreckt. (Was haben Comics immer mit Tentakelmonstern? Gibt es echt Comic-Leser, die jede Woche voller Vorfreude darauf warten, dass es endlich wieder Tentakelmonster zu sehen gibt? Falls das auf euch zutrifft, schreibt es in die Kommentare.) Warum man den Comic nun in drei Teile aufteilen musste, die von unterschiedlichen Zeichnern gezeichnet werden, erschließt sich mir aber nicht. Als ich ursprünglich die Ankündigung mit den drei Titeln las, dachte ich, dass es sich um separate und in sich abgeschlossene Kurzgeschichten handeln würde. Das ist aber nicht der Fall. Es handelt sich stattdessen um eine einzige fortlaufende Geschichte. Diese hätte man gut auch von einem einzigen Zeichner verwirklichen lassen können. Die Aufteilung unter mehreren Künstlern schadet allerdings auch nicht und die Zeichenstile sind nicht so gravierend unterschiedlich, dass es für Verwirrung sorgen würde.

Was die Übersetzung angeht, leistet sich dieser Band leider wieder einige Rechtschreib-Patzer. Neben dem klassischen „tod oder lebend“ und „ihn“ statt „in“ steht auch an einer Stelle „Flottemakademie“. Und ob Han Solo nun ein regional eingefärbtes „Moin, allerseits!“ von sich geben muss, darüber kann man sich auch streiten. Mich hat es jedenfalls aus der Geschichte rausgerissen, ihn so „schnacken“ zu hören.

Insgesamt hatte ich mit dem Band Han Solo: Kadett des Imperiums wenig Spaß. Die Handlung wirkt unrund und unlogisch und auch mit seinen Figuren und Zeichnungen kann der Comic nicht punkten. Auch der One-Shot Beckett #1 ist keine Pflichtlektüre. Insgesamt bekommen wir in beiden Geschichten wenig Relevantes schlecht erzählt. Deshalb gibt es auch nur zwei Holocrons und keine Leseempfehlung von mir.

Bewertung: 2 von 5 Holocrons
Bewertung: 2 von 5 Holocrons

Wie hat euch der Comic gefallen?

Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

Han Solo: Kadett des Imperiums (Dienstag, den 24. September 2019)

Han Solo: Kadett des Imperiums (24.09.2019)
Medium:Comic
Mitwirkende:
Cover:David Nakayama
Verlag:Panini (Verlagsseite)
Formatinfos:
  • Softcover
  • 160 S.
  • 978-3-7416-1413-2
  • 20,00 €
Reihen:
Ära:Dunkle Zeiten
Timeline:13 VSY
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