Mitte Juni erschien bei Blanvalet die Neuauflage des zweiten Bands der Bane-Trilogie. Mit Die Regel der Zwei geht ein Krieg zu Ende und neue Konflikte entstehen überall in der Galaxis. Ich habe das Werk mit der Neuveröffentlichung das erste Mal gelesen und damit recht frisch an meine Erstlektüre des ersten Teils angeknüpft (Rezension | JediCast). Warum der zweite Band einerseits genau jenes Popcorn-Kino bleibt, andererseits aber den Figuren mehr Zeit zum Atmen gibt, lest ihr in dieser Rezension.
Harte Schule

Der Roman knüpft recht nahtlos an den Epilog des ersten Bands an. Bane hat eine Schülerin und lehrt sie sogleich, dass die Sith allen anderen überlegen sind, wie wichtig Täuschung ist und dass es keine unnötigen Tode braucht. Was jedoch unnötig ist, hängt immer von der Tagesform und wohlfeilen Auslegung des entsprechenden Sith ab. Also keine Angst vor Samaritertum.
Zannah als zehnjährige Schülerin Banes nimmt diese Lektionen recht schnell an und weiß sie auch schnell gegen ihn zu verwenden. Etwa, wann es bei der Gedankenbombe zu einer familiären Begegnung kommt. Insgesamt hat mich der Einstieg als Anknüpfung an Band 1 direkt wieder in das Geschehen hineingezogen. Er bleibt dem ernsten und dunklen Ton treu und inszeniert unsere Sith des Vertrauens konsequent als Protagonisten mit einem Hang zu Antagonisten.
Zusätzlich werden die Jedi in diesen frühen Kapiteln – verkörpert vor allem durch Johun, den ehemaligen Schüler von Hoth – etwas plastischer dargestellt. Das sorgt dafür, dass im Laufe des Romans ab und an die Überlegung möglich ist, ob die Protagonisten-Rolle nicht doch wechseln sollte. Sollten wir als Leser nicht eigentlich mit den Jedi mitfiebern? Andererseits haben wir eine Reihe aufgeschlagen, die das Wort „Darth“ im Namen trägt. Und während sich moderne Kanon-Werke mit Darths als Titelhelden (siehe Meister des Bösen von Adam Christopher) noch zu oft herauswinden und uns eben nicht die Titelhelden als Protagonisten geben, verschreibt sich Drew Karpyshyn hier der Aufgabe, sowohl Bane als auch Zannah Motivationen, Ziele und innere Konflikte zu geben. Man kann mit ihnen mitfiebern – sogar, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Meistens. Also fast immer.
Auftrag verstanden
Denn im Laufe des Romans gibt es so manche Szenen, die mich fast angewidert und trotzdem zufrieden nickend zurückgelassen haben. Das liegt eben daran, dass es die reine Sith-Power-Fantasy ist, die uns da entgegenschlägt. Und da muss ich natürlich triumphierend jubeln, wenn sie das durchziehen, für das ich eine solche Reihe lese. Das ist genau der Grund, wieso ich die konsequente Darstellung der Dunklen Seite in Star Wars: The Old Republic bis heute einmalig finde. Eine komplette Fraktion ist dort spielbar, die nichts als dunkle und böse Absichten hat. Und man kann sie trotzdem selbst spielen und ist nicht dazu verdammt, sie zu bekämpfen.
Der Roman geht auch nicht leichtsinnig mit diesen Szenen um. Sie werden – nach bester Reportage-Regel – zwar recht trocken und neutral beschrieben, aber die Auseinandersetzung bei uns als Lesende und bei den Figuren im Nachgang, ist keineswegs neutral oder sachlich. Es geht eben darum, mit dem Präsentierten selbst in den Diskurs zu treten. Und das schafft der Roman. Ich habe lange darüber nachgedacht, wie es der zehnjährigen Zannah auf der Star Wake ging, nachdem sie getan hat, was sie tat. Das hätte ich vermutlich nicht, wenn mir Drew Karpyshyn die moralische und ethische sowie seelische Interpretation direkt mitgeliefert hätte. Manche Schlüsse sollten Lesende selbst ziehen dürfen, so bleiben sie auch in Erinnerung.
Die Perfektion dieser klinischen Mord-Präzision ist bei der Rahmenhandlung zu finden. Ab den ersten Kapiteln begleitet Zannah ein ungelöstes Puzzleteil und dieses wird erst ganz am Ende des Romans aufgelöst. Doch es wird aufgelöst und rückwirkend sind all die Anzeichen, wie es aufgelöst werden wird, eindeutig zu erkennen. Nur eben nicht plakativ.
Segensreicher Zeitsprung
Das Besondere an diesem Roman ist, dass es einen markanten Zeitsprung von zehn Jahren ungefähr nach einem Drittel des Romans gibt. Das bedeutet, wir springen nicht mehr unkontrolliert von Ereignis zu Ereignis und Lebensabschnitt zu Lebensabschnitt wie noch im ersten Band; ein Symptom, das mich immer wieder irritiert und fast atemlos gemacht hat. Nie durfte Bane irgendwo verweilen oder durchatmen, nie hatten wir die Chance, mehr über seine Motivation zu erfahren. Wichtige Abschnitte wurden teils nur rückwirkend zusammengefasst – wie etwa die Grabtour über Korriban.
Hier hingegen handeln alle Figuren chronologisch und abwechselnd, bis es zum Zeitsprung kommt. Nach diesem jedoch, vergehen auch nur wenige Wochen und keine Monate oder Jahre. Die Geschichte baut sich auf, alle wichtigen Stationen werden dabei in „Echtzeit“ geschildert und nichts Wichtiges nacherzählt oder übersprungen. So ist nicht nur der Handlung, sondern auch der Charaktermotivation viel leichter zu folgen. Zannahs Überlegungen rund um Banes Zustand bauen sich auf, haben ihren Höhepunkt nach einem Treffen auf Serenno und gipfeln dann im Finale. Banes Verzweiflung über seine Unfähigkeit wird immer wieder dargestellt, weshalb sich sein Ausbruch in der Mitte des Romans und der Endkampf so belohnend anfühlen. Selbst bei Figuren wie Johun sind die Zweifel an der Existenz beziehungsweise Nicht-Existenz verbleibender Sith durch die dargestellten Zwischenschritte tiefgreifender, als wenn er nur am Anfang und Ende aufgetreten wäre.
Die Macht als Skill
Wo das Buch jedoch nichts an seiner „Popcornigkeit“ verliert, ist in seiner Darstellung der Macht und des Kampfes. Es wirkt, als lese man das Storyboard eines Videospiels mitsamt den Fähigkeits-Tabellen und Move-Sets. Die Jedi haben einen Tank, einen Damage-Dealer und einen Healer aka Buff-Charakter dabei. Die Sith sind eher aufgeteilt in Hexer und Krieger. Es gibt ein Gleichgewicht an Macht und ein verändertes Stellschräubchen, kann die Kampfbalance verändern.
Es ist eben insgesamt ein sehr technokratisches Verständnis der Macht. Es wirkt, als seien alle Fähigkeiten und Manöver mathematisch berechenbar. Wie in einem Videospiel eben. Das ist nicht unbedingt negativ, aber es fällt auf. Denn durch diese Berechenbarkeit kann man dem Kampf und der Logik dahinter besser folgen, als wenn es irgendwann aus narrativer Notwendigkeit heißen würde: „Und da hat er plötzlich einen guten Schlag gelandet und siegt unerwarteterweise“. Nein, hier siegt niemand unerwarteterweise. Jede Attacke und jedes Manöver hat Vor- und Nachteile. Das macht den Kampf fair und nachvollziehbar. Nimmt dem ganzen aber etwas die Mystik und Besonderheit des Lichtschwert- und Machtkampfes; für manchen eventuell etwas zu sehr.
Fazit
Mich hat der zweite Band der Bane-Trilogie wesentlich mehr überzeugt als noch der Auftaktroman. Das liegt in einer noch besseren Mischung aus Charakterarbeit und Action. Statt unzähliger Zeitsprünge gibt es nur einen und der ist narrativ gut eingebettet. Die Figurenriege rund um Bane wird erweitert – für manche vielleicht zu sehr, denn die Frage, ob es noch ein Bane-Roman sei, ist berechtigt. Mich hat das jedoch nicht gestört. Vor allem, da wir uns ja alle denken können, wohin die Regel der Zwei unweigerlich führen wird. Also nur logisch, dass da bereits ein Verschieben des Fokus stattfindet. Ansonsten schafft es Karpyshyn sehr gut, seine Geschichte fortzusetzen; inklusive der bereits aus Band eins gewohnten Videospiel-Ästhetik.
Wir danken Blanvalet für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.










