Unter dem Label Star Wars Visions ist in den letzten Jahren eine Reihe recht interessanter und innovativer Werke erschienen, die sich als Animationsfilme, Comics oder Mangas etwas freier und mit deutlich japanischem Einschlag des Themas Star Wars annehmen. Heute hat VIZ Media zur San Diego Comic-Con einen neuen Manga veröffentlicht, der von Eiichi Shimizu geschrieben und von Tomohiro Shimoguchi gezeichnet wurde. Auch das Cover stammt von Tomohiro Shimoguchi. Der Manga umfasst 208 Seiten und ist bei den üblichen Händlern erhältlich. Der Titel steht aber in keinem direkten Zusammenhang mit der dritten Staffel der Star Wars Visions-Kurzfilme, die bei Disney+ erschienen ist und zeitweise ebenfalls den Titel Tsukumo trug.
Der Inhalt

Eiichi Shimizu hat für sein Erstlingswerk im Star Wars-Universum ein klassisches Motiv gewählt: Nagai Tsukumo ist ein Jedi-Ritter, der die Order 66 bislang überlebt hat, dem das Imperium aber schon auf den Fersen ist.
Aber dann kommen die Dinge etwas anders, als es sich Tsukumo, das Imperium und auch wir Leser gedacht haben. Tsukumo entkommt zwar einer Vergiftung durch missliebige Dorfbewohner, ist jedoch stark geschwächt. In seiner isolierten Lage stößt er plötzlich auf zwei Droiden, die ebenfalls außerhalb der Gesellschaft stehen und auf der Suche nach dem Paradies für Droiden sind, von dem man in Legenden, die man sich unter Droiden erzählt, gehört hat. Gemeinsam machen sie sich auf, diesen mythischen Ort zu finden und sein Geheimnis zu entdecken.
Aber das Imperium will ja möglichst schnell alle Jedi zur Strecke bringen, und so hat man den Inquisitoren noch einen neuen, experimentellen Jagd-Droiden, den sogenannten Jedi-Killer, zur Seite gestellt, der den Auftrag erhalten hat, der Spur von Tsukumo zu folgen, und das tut er dann auch. Und so beginnt die Jagd nach einem Utopia und einer Zukunft, die es vielleicht für keinen der drei so geben wird.
Damit dieser neue, experimentelle Droide seine Arbeit besonders gut machen kann, lernt er alles über die Jedi und wie immer führt zusätzliches Wissen zu neuen Fragen. Fragen, die nicht immer durch bereits aufbereitetes Wissen beantwortet werden können. Und so hat der Jedi-Killer auch einige Fragen an den Jedi, als er ihn und die beiden anderen Droiden aufgespürt hat. Und während die beiden Droiden Dee-Seven und Ee-Ten ihre Suche nach dem Droiden-Paradies dahingehend umwandeln mussten, dass sie diesen legendären Ort ihrer Träume erst selbst erschaffen müssen, steht der Killer-Droide vor einer ganz anderen Transformation, die er sich nie erträumt hätte, und einer ganz anderen Zukunftsperspektive, in der vielleicht der totkranke Nagai Tsukumo doch auch noch irgendwie einen Platz hat.
Die Umsetzung

Eiichi Shimizu und Tomohiro Shimoguchi sind zwar neu im Star-Wars-Universum, aber man merkt sofort, dass sie schon ein eingespieltes Team sind, das für Reihen wie Linebarrels of Iron (25 Bände) oder Ultraman (als Manga bislang 22 Bände) verantwortlich zeichnet.
Inhaltlich ist Shimizu in dieser Story in seinem Element: Sci-Fi-Geschichten mit einem philosophischen Unterton sind ja genau sein Ding, und die Figurenkonstellation aus einem angeschlagenen Jedi, zwei Droiden mit eigenen Ideen und Vorstellungen und einem Gegner, der erstmal feststellen muss, was er eigentlich selber will, ist ja auch klassisch für seine Geschichten.
Shimizu kommt dabei mit ganz wenig Text aus, da in der asiatischen Tradition die Leser die inneren Auseinandersetzungen lieber selbst reflektieren und nachfühlen wollen, als alles vom Autor haarklein vorgekaut zu bekommen. Die durch ihre klaren, kontrastreichen Kanten und Linien bestimmten, detaillierten Zeichnungen von Shimoguchi erleiden durch das dynamische Action-Paneling keinen Qualitätsverlust. Dabei stehen die Aktionsequenzen in einem weiteren, gewollten Kontrast zu den ansonsten eher stillen Szenen, die eine gewisse Ruhe und Fokussierung ausstrahlen. Sie verstärken die Ernsthaftigkeit und Reflexion, die diesen Manga von Anfang an durchdringen. Es geht um das Sein und das Werden, in unterschiedlichen Konstellationen. Als sterbender Mensch, als einfache Roboter, die aber eigene Gedanken und Vorstellungen entwickelt haben, und als hochintelligente Tötungsmaschine, die lernt und anfängt, eigene Fragen und Moralvorstellungen zu entwickeln. Dementsprechend stellen auch die Kampfszenen immer ein intellektuelles Kräftemessen dar, wobei es am Ende nicht um Sieg und Niederlage, sondern um Erkenntnis und Selbstbefreiung geht. Darum, von einer fremdbestimmten Sache zu einem selbstbestimmten Akteur mit einer Sicht auf die Welt (und einer Seele) zu werden und zu sein.
Diese Reflexion über das Wesen der Dinge findet ihren Niederschlag auch im Titel, der sich vom japanischen Volksglauben der Tsukumogami, den beseelten Objekten, herleitet. Zwar würden die meisten Star Wars-Fans ohne großes Zögern bestimmten Droiden eine Persönlichkeit und vielleicht auch eine Seele zuschreiben, aber was führt zum Übergang vom einen zum anderen, was macht den Unterschied aus und wie kann diese Verwandlung herbeigeführt oder beeinflusst werden? Fragen und daraus entstehende Problemstellungen, die auch in unserer Gesellschaft mit dem Vordringen immer intelligenter werdender Roboter aus den Fabrikhallen in unser Alltagsleben und damit verbunden ihrem Wandel hin zu persönlichen Helfern und Begleitern immer wichtiger werden.
Fazit
Ein hervorragender Manga, der sowohl inhaltlich als auch zeichnerisch voll zu überzeugen vermag und uns Leser neugierig zurücklässt, wie diese Geschichte weitergeht.











