Rezension: Eyes Like Stars von Ashley Poston mischt Star Wars-Geschichte mit großen Gefühlen

Mit Eyes Like Stars erscheint am 21. Juli der Auftakt einer neuen Publishing-Initiative im Star Wars-Franchise. Die 2025 angekündigte Sparte der „Genre Fiction“ soll jeweils ein bestimmtes literarisches Genre in den Vordergrund stellen und dabei eine Geschichte aus der weit, weit entfernten Galaxis erzählen. Zu Beginn liefert uns die renommierte Romance-Autorin Ashley Poston eine YA-Liebesgeschichte, die zeitlich zum Aufstieg der Ersten Ordnung spielt. Ob dabei wirklich die Romantik im Vordergrund steht oder sich Sci-Fi und Liebe die Waage halten, erfahrt ihr in dieser Rezension.

Die Ausgangslage

Eyes Like Stars von Ashey Poston begleitet die 18-jährige Ardent, die mit ihrer Familie und ihrer Crew das Kreuzfahrtschiff Starfarer betreibt und Reisende durch historisch signifikante Ortschaften der Galaxis tourt. Als sie durch einen heimlichen Ausflug auf den außergewöhnlichen Sian trifft und diesen auf dem Schiff ihres Vaters mitschmuggelt, beginnen die Ereignisse sich zu überschlagen.

Die Qualität

Der erste Eindruck eines Buches kann bekanntlich hohe Erwartungen schaffen, und Eyes Like Stars begeistert direkt zu Beginn mit einer einzigartigen Aufmachung. Als Lesende werden wir durch einen Reiseplan und entsprechende Trennseiten im Buch wie ein Passagier mit auf die Reise genommen. Die Idee einer Rundreise durch die Galaxis ist dabei grundsätzlich sehr kreativ, allerdings folgen wir natürlich eher den Protagonist:innen und bekommen so leider etwas weniger von der Tour mit, als ich gehofft hatte. Dennoch beginnt das Buch direkt spannend. Es ist erfrischend, mal wieder einen Star Wars-Roman aus der ersten Perspektive zu lesen und macht für charakterfokussierte Geschichten wie Liebesromane auch durchaus Sinn. Ardent als Erzählerin hat mir gut gefallen, da Ashley Postons angenehmer Schreibstil und leichter Humor einen förmlich durch die Seiten fliegen lassen. Das Buch ließ sich schnell lesen und hat genügend Geheimnisse aufgebaut, um eine richtige Sogwirkung zu entwickeln. Damit man ausreichend mitfühlt, braucht eine Geschichte jedoch vor allem eines: nahbare Charaktere. Mit Ardent hat Ashley Poston eine authentische junge erwachsene Figur gezeichnet, mit der man schnell mitfühlen konnte. Die Geschichte zentriert Konflikte, in denen sich vermutlich viele Lesende wiederfinden werden: Wann ist ein Zuhause ein Gefängnis? Was möchte man vom Leben, und sind das überhaupt Dinge, die man selbst will, oder die man nur von seinen Eltern übernommen hat? Durch Ardent werden vor allem auch ambivalente Gefühle betrachtet – man kann Menschen widersprechen und trotzdem deren Beweggründe verstehen.

Was an Ardent so toll ausgearbeitet ist, blieb für mich bei Sian jedoch etwas blass. Auch wenn dieser Charakter zunächst verwogen und unnahbar sein soll, so blieb er auch über den Roman hinweg nicht unbedingt die Person, die mein Herz hätte erobern können. Ich mochte ihn zwar, fand seine Handlungen nachvollziehbar und seinen Hintergrund bewegend, konnte aber nicht vollends von ihm mitgerissen werden, was vielleicht auch an der Länge des Romans liegen könnte. Mit circa 350 Seiten ist das Buch eher kurz und das schnelle Pacing merkt man auch. Stellenweise hätte ich mir mehr Raum zum Vertiefen der Gefühle gewünscht. Allerdings wurde dadurch auch nicht sinnlos hin- und hergereist (wie manche Serien des Franchises es sich zur Gewohnheit gemacht haben), und die Konflikte wurden nicht künstlich in die Länge gezogen. Besonders mochte ich, dass Poston den Lesenden genaue Angaben liefert. Wir erfahren das exakte Alter von Personen und auch Reisezeiten in Stunden. Da Star Wars bei solchen Details gerne mal schwammig bleibt, fand ich das einen willkommenen Zusatz. Positiv anmerken möchte ich auch noch, dass Eyes Like Stars die Historie der Galaxis gut einordnet und den Faschismus beim Namen nennt. Ich weiß zwar nicht, ob dieser Begriff in-universe überhaupt verwendet wird, aber es ist mir auf Kosten dafür, dass man eine klare Botschaft übermittelt, ehrlicherweise auch egal.

An ein paar wenigen Stellen hätte der Roman dann wiederum etwas mehr Editing vertragen können – das ist Meckern auf hohem Niveau, aber zwischendrin sind mir kleinere Ungereimtheiten wie Wiederholungen aufgefallen. Das stört einen aber wahrscheinlich nur, wenn man wie ich eher langsam und visuell liest und gerne mal über doppelt gehobene Arme (Beispiel frei erfunden) stolpert.

Small Galaxy Syndrome?

Bereits der Klappentext kündigt an, dass mit Cameos zu rechnen ist. Rückblickend bin ich froh, dass ich diesen erst nach dem Roman gelesen habe, da ich es immer besser finde, von so etwas ehrlich überrascht zu werden. Natürlich nehme ich euch das nicht vorweg, kann euch aber sagen, dass ich einen bestimmten Charakterauftritt sehr mochte. Insbesondere da man als Fan schon bei der Beschreibung weiß, um wen es sich handelt, und mehr Wissen als die Figuren der Geschichte besitzt, macht das einfach Spaß. Weitere Cameos im letzten Drittel des Romans hätte es für mich allerdings nicht gebraucht. Immerhin bereisen wir auf der Tour ja schon das Einmaleins der Star Wars-Planeten, da braucht es für mich nicht auch noch diverse ikonische Figuren. Es relativiert nämlich schlussendlich die Entwicklung der Charaktere, wenn final doch die Außeneinwirkung von bekannteren Gesichtern Teile der Handlung bis hin zur Konfliktlösung steuert. Andererseits mochte ich die Botschaften und Lektionen der Figuren dazu, was es bedeutet, Geschichte(n) zu erzählen und Teil davon sein zu wollen.

Eyes Like Stars ist sehr figurenzentriert, und Poston schafft es, in nur wenigen Sätzen ganze Charaktere zum Leben zu bringen. Die Crew der Starfarer zum Beispiel ist mir direkt ans Herz gewachsen, hat aber leider – sicherlich auch auf Kosten dieser Cameos – viel zu wenig Platz in der Geschichte bekommen. Wenn man schon so liebenswerte Figuren erschafft, dann dürfen diese gerne auch zur Handlung beitragen. Zukünftige Genre-Fiction-Werke können sich hier gerne eigenständiger machen und auf ihre eigene Story vertrauen.

Why not both?

Und, ist Eyes Like Stars jetzt mehr Romance mit Star Wars als Hintergrundsetting oder ist es eine Star Wars-Geschichte, in der ein bisschen Liebe vorkommt? Nun, die Bewertung dessen hängt wahrscheinlich davon ab, was man als Lesende gewohnt ist. Angekündigt wurde die Initiative ja eher als Serie, in der Star Wars als Medium für einen neuen Fokus dient. Persönlich würde ich aber sagen, dass es sich hier einfach um eine mehr charakter- als storyfokussierte Star Wars-Geschichte handelt. Teilweise hat sich der Roman sogar mehr nach einem High Republic-Buch angefühlt (obwohl es in einer anderen Ära spielt), als manch High Republic-Buch es hat. Tatsächlich wirkt der Roman so sehr nach Star Wars, dass man es keinem Romance-Lesenden in die Hand drücken sollte, der nicht zumindest marginal an dieser Galaxis interessiert ist. Andersrum funktioniert es für Star Wars-Fans, die mehr Romance in ihrem Bücheregal sehen wollen, dafür wahrscheinlich deutlich besser – auch wenn wir dafür vielleicht zu viel Bekanntes geboten bekommen. Eyes Like Stars ist somit für mich vergleichbar mit dem anderen Liebesroman mit Sternen im Titel: Lost Stars. Wobei letzteres deutlich tiefergehend ist und mit größerer Tragweite daherkommt, eignen sich beide als Literatureinstieg für Fans. Ich denke, die Richtung, in die man sich hier bewegt, ist eine sehr interessante, aber Lucasfilm Publishing darf sich gerne noch mehr trauen und wirklich aufs Ganze gehen.

Fazit

Eyes Like Stars ist ein gelungener, wenngleich auch nicht ganz makelloser Auftakt einer neuen Publishing-Initiative, die Genres in den Fokus rückt und Star Wars diversifizieren soll. Der Roman überzeugt mit Postons nahbarem, angenehmem Schreibstil und einer emotional nachvollziehbaren Protagonistin, lehnt sich aber noch zu sehr an bekannte Marker der Star Wars-Geschichte. Die Charakterentwicklungen behandeln einige für junge Erwachsene relevante Themen, in denen sich viele Lesende auch auf ihre Jugend rückblickend wiederfinden werden. Damit richtet sich das Buch an eine Zielgruppe, die einen leichten Star Wars-Roman lesen möchte, der die Galaxis nicht verändern, einem aber eine spaßige Lesezeit beschaffen wird.

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