Rezension: The Clone Wars 4×04: „Krieger des Schattens“

In der heutigen Rezension begeben wir uns erneut unter Wasser und statten der Gungan-Stadt Otoh Gunga einen Besuch ab. Die Folge Shadow Warriors erschien am 30. September 2011 erstmals in den USA. Geschrieben wurde sie von Daniel Arkin und inszeniert von Brian Kalin O’Connell. Am 13. Mai 2012 konnten wir dann auch in Deutschland die Folge unter dem Titel Krieger des Schattens erstmals sehen.

„Wer ein Mensch wirklich ist, bleibt für das Auge unsichtbar“

Offizielle Folgenbeschreibung: „Padmé und Anakin gehen auf Naboo Gerüchten nach, dass die Gungans an der Seite von General Grievous und den Separatisten kämpfen wollen. Wie sich zeigt, will der Gungan-Minister Rish Loo auf Befehl Count Dookus sein Volk durch einen Trick dazu bringen, sich den Separatisten anzuschließen. Anakin muss einen Weg finden, das zu verhindern.“

Star Wars: The Clone Wars Episodenguide
Boss Lyonie ist handlungsunfähig. Jar Jar muss übernehmen.

Zum Inhalt: Ich bringe die Folge gerne mit zwei Schwächen in Verbindung. Zum einen ist sie viel zu schnell und konstruiert geschrieben und zum anderen hat sie einen vermeintlich zu großen Einfluss auf den Kriegsverlauf.

Kommen wir zum ersten Punkt: Ich bin prinzipiell kein Gungan-Gegner oder Feind von Epsiode I und Jar Jar Binks. Tatsächlich hat mir sein Auftreten in dieser Folge überraschend gut gefallen. Es ist nichts Verkehrtes daran, bei einer Folge auch mal zu lachen oder zu schmunzeln. Leider torpediert die eigentliche Handlung der Folge dieses eigentlich lustige Szenario. Ich meine, ein verkleideter und mit der Stimmimitation hadernder Jar Jar ist eigentlich eine lustige Darstellung eines Täuschungsversuchs. Doch im gleichen Atemzug treten die beiden ranghöchsten Anführer der Separatisten auf und ein Held aus dem ersten Krieg gegen die Droidenarmee stirbt. Es ist die Balance zwischen Anspruch in der Handlung und Komödie, die diese Folge nicht schafft. Sie leidet in großen Teilen unter einem zu schnellen Wechselspiel zwischen Quatsch und Ernsthaftigkeit. Das reißt einen entweder aus der Handlung raus oder lässt einen bestimmte Passagen nicht mit dem vielleicht nötigen Ernst erfahren. Das liegt meines Erachtens eben an der zu schnellen und zu konstruiert ablaufenden Handlung. Zufälligerweise sieht Jar Jar aus wie Boss Lyonie, zufälligerweise entlarvt nur Anakin das zugedröhnte Auftreten von Boss Lyonie und zufälligerweise treibt sich Count Dooku auch noch auf Naboo herum. Das wäre alles (zumindest die letzten beiden Punkte) verständlich, wenn man der Geschichte mehr Zeit zur Entfaltung gewährt hätte. So wirkt die Bedrohung von Theed leider zu keiner Sekunde real. Man kann nicht einschätzen, wie weit die Pläne der Gungans und Separatisten schon sind (anscheinend sehr weit) und warum dann erst so spät von Jar Jar (der ja Abgeordneter ist und somit im politischen Betrieb seines Volkes solche Tendenzen mitbekommen sollte) darauf aufmerksam gemacht wird.

General Grievous in „Ketten“

Der zweite Punkt ist der des zu großen Einflusses auf den Kriegsverlauf. Diese Schwäche korreliert meines Erachtens mit der ersten. Man konstruiert hier eine Handlung, die als Ausgangspunkt einen verwirrten Gungan Anführer hat und am Ende die Frage nach dem Kriegserfolg stellt. Dieser Bogen wird in 20 Minuten geschlagen und wirkt deshalb zwangsweise ungünstig aufgelöst oder insgesamt schlecht geschrieben. Wenn man Grievous unbedingt gefangen nehmen lassen muss, hätte man die Erzählung auch mal umkehren können und eine Befreiungsaktion vonseiten Dookus (der durch Sidious um dessen Wichtigkeit weiß) inszenieren können. Stattdessen lässt man eine Senatorin über das vermeintliche Schicksal des Krieges entscheiden und hat damit am Ende der Folge ein noch viel größeres Problem. Zum einen stirbt Captain Tarpals schlussendlich unnötigerweise und zum anderen wird die einsame Entscheidung Padmés nie wieder thematisiert. General Grievous, Anführer der Armee des Feindes und Hauptziel der Jedi in Episode III, hätte dingfest gemacht werden können. Auch wenn die Entscheidung von Padmé nachvollziehbar ist, so ist es die ausbleibende Reaktion des Senats keinesfalls. Ich will damit nicht sagen, dass man Anakin hätte opfern sollen oder ähnliches. Aber ich bin auch nicht der Autor. Wenn ich meine Charaktere in ein solches Dilemma hineinschreibe, muss ich es auch sinnvoll auflösen. Genau das geschieht meines Erachtens hier aber nicht. Nur um die Liebe zwischen Padmé und Anakin zu unterstreichen, brauche ich keine Folge mit einer solchen implizierten Tragweite, die dann aber zu bequem aufgelöst wird.

Rish Loo spricht mit dem Feind.

Anmerkungen: In dieser Folge finden sich gleich mehrere Anspielungen auf andere Werke und historische Persönlichkeiten. Der Name des intrigierenden Ministers Rish Loo soll an Kardinal Richelieu erinnern, der historisch vor allem als Verfechter des Absolutismus unter Ludwig XIII galt, aber auch in der Literatur als Gegenspieler der Musketiere auftrat. Mit dem Titel der Folge bedient man sich erneut am frühen Schaffen Lucas‘ und lehnt den Titel Shadow Warriors an einen Film von Akira Kurosawa aus dem Jahre 1982 an, welchen George Lucas produzierte und der im Original Kagemusha heißt (siehe auch die Folge Kopfgeldjäger). Ebenfalls positiv hervorheben möchte ich die Zeile von Count Dooku, in welcher er meint, dass die Sith bereits alles kontrollieren und man sich dessen nur noch nicht bewusst sei. Dies lässt gerade meine Lieblingsfolge Das Streben nach Frieden wieder an Relevanz gewinnen. Als lustige Erfindung möchte ich zuletzt noch die „Ketten“ erwähnen mit denen General Grievous festgehalten wird. Wer will nicht drei blaue Bälle als Handschellen haben? Dieses Bild wird ihm bei den Weihnachtsfeiern der KUS sicher noch häufiger unter die Nase gerieben werden.

Animation: Wir befinden uns in der vierten Staffel und das bedeutet, dass ich in Zukunft eigentlich kaum noch etwas an der Animation zu kritisieren haben werde. Sowohl die Gungans als auch die Adaption der Stadt Otoh Gunga sind meines Erachtens gut gelungen. Auch der Regen und der Kampf gegen Grievous (so konstruiert er auch ist) sehen gut aus und vermitteln eine düstere Stimmung.

Anakin tappt in Dookus Falle.

Fazit: Mit dieser Folge habe ich keinesfalls einer meiner Favoritenfolgen rezensiert. ich möchte dabei aber erneut betonen, dass es nicht an den Gungans oder explizit an Jar Jar liegt. Meiner Meinung nach versucht diese Folge zu schnell eine zu vermeintlich wichtige Geschichte zu erzählen. Wieso man diesem Handlungsstrang (schon wieder Fehde und Krieg auf Naboo, es kehrt nach 10 Jahren zurück, etc.) nicht einen Arc spendiert hat, verstehe ich nicht. Natürlich hätte man die Folge, wie sie jetzt ist, nicht auf drei Folgen strecken sollen. Hingegen wäre ein Perspektivwechsel zur Rettung General Grievous‘ vonseiten Dookus umso spannender und (vielleicht auch) nachvollziehbarer gewesen.

vorherige Episode: Königreiche muss man sich verdienen (Staffel 4, Episode 3)
nachfolgende Episode: Unterwelt (Staffel 4, Episode 5)

3 Kommentare

  1. Ich finde deine Kritikpunkte mehr als berechtigt und obwohl ich mir bewusst bin, dass Padme Anakin liebt, wäre sie meiner Meinung nach nicht auf den Deal eingegangen, was auch in Episode 2 angedeutet wird. Als Padme aus dem Kanonenboot fällt und Anakin umkehren möchte, merkt Obi-Wan an, dass Padme ihre Pflicht vor alles stellt, häufig auch vor Anakin. Und in diesem Fall wäre es die Pflicht gegenüber der Republik und der Beendigung des Krieges. Deswegen kann ich zwar nachvollziehen, dass Padme dem Deal zustimmt, aber ich persönlich finde, dass passt nicht zu ihrem pflichtbewussten Charakter.

    1. Stimmt. Wenn man das noch mit in die Überlegung einbezieht ist nicht nur die ausbleibende Thematisierung von Padmés Entscheidung ein Kritikpunkt, sondern auch die Entscheidung an sich. Wie gesagt hätte man die Folge nicht mit einer solchen Tragweite schreiben sollen, wenn man am Ende nicht weiß wie man es sinnvoll und nachvollziehbar auflösen kann.

  2. Ich finde die Folge ganz okay.

    Erstmal finde ich die Idee mit Naboo und einem erneuten Krieg dort wirklich extrem cool und interessant.Zum anderen finde ich hat die Folge eine gewisse Düsternis da für die Bewohner von der Oberfläche alles auf dem Spiel steht.Ebenfalls positiv finde ich den Kampf der Gungans gegen Grievous und den Kampf Anakin gegen Count Dooku. Diese beiden Kämpfe sind finde ich wirklich sehr gut gemacht und zeigen uns nochmal richtig coole aktion.

    Was mich an dieser Folge aber stört ist der meiner Meinung der versuch Jar Jar als Boss Leonie darzustellen. Er spricht sich die ganze Zeit und benimmt sich extrem auffälig gegenüber den Gungans.Ich finde es schon einen ziemlichen Logikfehler das sogar Grievous erst nach einiger Zeit den Unterschied merkt.

    Letztendlifch finde ich die Folge ganz okay sie hat schöne Kämpfe aber leider auch einige große Logikfehler.Daher würde ich der Folge 3 von 5 Holocrons geben!

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