Rezension: The Clone Wars 3×11: „Das Streben nach Frieden“

Mit der heutigen Rezension widme ich mich dem (aussichtslosen) Streben nach Frieden. Diese erneut von Daniel Arkin geschriebene Folge erschien unter dem Titel Persuit of Peace am 03. Dezember 2010 in den USA und wurde am 19. März dann auch in Deutschland ausgestrahlt. Regie führte dabei Duwayne Dunham.

„Die Wahrheit kann das Gespenst der Angst besiegen.“

Offizielle Folgenbeschreibung: „Count Dooku bricht die Friedensverhandlungen mit der Republik ab, aber Padmé gibt die Hoffnung nicht auf. Zusammen mit den Senatoren Bail Organa und Onaconda Farr will sie einen Beschluss zur Produktion neuer Klonsoldaten verhindern, der den Krieg nur verlängern und die Finanzen der Republik belasten würde. Aber die Verfechter des Friedens werden unter Druck gesetzt.“

Star Wars: The Clone Wars Episodenguide

Vorbemerkung: Ich habe lange überlegt, wie ich diese Rezension so perfekt wie möglich schreiben kann und wie ich gleichzeitig meine Begeisterung am besten zu begründen vermag. Ich hoffe, dass die folgenden Ausführungen beidem Rechnung tragen.

Der Senat debattiert.

Zum Inhalt: In meiner letzten Rezension sprach ich von der sogenannten Personifizierung des Bösen. Man erfuhr, wer formell die Gegenseite darstellt. Doch nur weil man das Böse personifiziert, ist es noch lange nicht identifiziert. Diese Folge ermöglicht diese Identifikation jedoch – wenn auch nur durch 30 Sekunden am Ende – wie keine andere Folge von Star Wars: The Clone Wars. Natürlich ist jedem klar, dass die Strippenzieher der Klonkriege weder Repräsentanten im Senat noch Abgeordnete im Parlament sind, sondern die Sith. Trennt man jedoch das Wissen der Zuschauer von dem Wissen der handelnden Personen, stellt diese Folge die einzig wirklich aussichtsreiche Aktion dar, die Pläne der Sith zu vereiteln. Natürlich ohne, dass die handelnden Personen von ihrem Verdienst Kenntnis erlangen. Doch dazu mehr bei der Analyse der Rede von Padmé.

Zunächst einmal muss ich gestehen, dass mich die Story der Folge – die Attentate auf Senatoren, um diese unter Druck zu setzen – eigentlich fast überhaupt nicht überzeugt. Man muss daran denken, dass die „Gefahr“ besteht, dass ein Friedensabkommen ausgehandelt werden könnte. Die Aufgabe der Einschüchterung und schließlich sogar des Mordes an Padmé dann solchen Amateuren zu überlassen, wirkt etwas zu gezwungen verharmlost, trotz der eigentlich ernsten Situation. Denn Anschläge auf Politiker aus politischen Gründen sind schließlich keine Erfindung von The Clone Wars. Doch trotz diesem eher schwachen Teil der Folge schafft sie es trotzdem noch zu meiner absoluten Favoritenfolge zu werden. Weshalb dies so ist, gilt es nun herauszufinden.

Die Profiteure des Krieges brüsten sich damit.

Die Gesetzesvorlage: Zu allererst gilt es zu klären, was überhaupt im Raum steht: ein Gesetzentwurf zur Finanzierung weiterer fünf Millionen Klonsoldaten. Dieser Gesetzentwurf wird begleitet von den utopischen Wucherzinsen von 25% vonseiten des Bankenclans. Wer sich noch an meine Rezension zu der Folge Korruption erinnern kann, wird wissen, dass ich die Visualisierung der Profiteure sehr hoch gelobt habe. Genau dieses Thema greift die Folge mit einer noch größeren Wucht auf. Die Profiteure in Form von Schulleitern und Spediteuren weichen Politikern, die eigentlich im besten Wissen und Gewissen für ihr Volk abstimmen sollen. Die Kinder als Opfer dieser Politik weichen eben diesem Volk, dass es zu verteidigen gilt. Unterstützt wird diese Zusammenarbeit für den persönlichen Profit noch durch eine überragende Detailverliebtheit in der Inszenierung der Folge. So sind beispielsweise im Hintergrund einer Szene die Senatorin von Kamino und der Muun des Bankenclans bei einem gemeinsamen Spaziergang und Gespräch zu sehen, die offiziell in der Folge nie miteinander sprechen – zufälligerweise die Profiteure eines weiteren Wettrüstens. Nun könnte man anmerken, dass es für Kamino ja durchaus rational sei, sich für mehr Truppen einzusetzen, aber wie wir in Queen’s Shadow gelernt haben, ist es die Aufgabe eines Senators, ein Gleichgewicht zwischen den Interessen des eigenen Planeten und den Bedürfnissen aller Welten der Republik zu finden – was direkt zu Padmés Rede überleitet.

„Die Lebewesen die mich interessieren, sind meine Wähler. Ihnen habe ich mein Amt zu verdanken.“

Senator Christo zu Padmé und Onaconda Farr
Padmé spricht zum Souverän.

Padmés Rede: Ich hatte in Star Wars: The Clone Wars nun wahrlich selten eine Gänsehaut, doch Padmés Rede mit der dazugehörigen Visualisierung gehörte definitiv zu einem dieser Momente. Er ist nicht besonders tragisch, nicht besonders bildgewaltig, aber genau deshalb so realitätsnah. Padmés Rede ist keine perfekte, rationale Rede, sondern eine ehrliche. Greifen wir nämlich das auf, was in Queen’s Shadow auch Padmé zunächst lernen musste (die Interessen aller in Einklang zu bringen), so stellt man sehr schnell fest, dass ihre Rede eben, im Gegensatz zu den Profiteuren des Krieges, nicht von eigennützigen Interessen geleitet ist. Naboo ist, wie wir auch in manchen Folgen sehen können, vom Krieg nicht so hart getroffen wie viele andere Planeten, doch trotzdem zieht sie das Leiden dieser anderen Planeten als Begründung heran, gegen mehr Krieg zu stimmen. Hier kommt ein weiterer Kniff in ihrer Argumentation hinzu. Während die Befürworter der Aufrüstung darin eine Erhöhung der Sicherheit sehen, ist es de facto nichts weiter als die Befeuerung eines Wettrüstens. Mehr Waffen beenden einen Krieg nicht. Was einen Krieg jedoch zum Schlechten wenden kann, ist der Verlust des Rückhaltes in der eigenen Bevölkerung. Denken wir kurz mal an die Klonsoldatenbars auf Coruscant, wird schnell klar, dass Klone nicht unbedingt gern gesehen sind in der Republik. Wieso? Weil es Klone gibt und weil Coruscant gleichzeitig aber eigentlich sicher vor Angriffen ist, scheint eine falsch kanalisierte Wut der Bevölkerung auf die Klone denkbar zu sein. Sozialleistungen werden gekürzt, wie Padmé feststellt, und gleichzeitig werden immer mehr Klone bestellt, die in einem Krieg kämpfen, den die meisten auf Coruscant nur aus den Nachrichten kennen. Das schürt Ressentiments und surreale Ängste – nicht nur im Star Wars-Universum.
Dass Padmé schließlich auf die individuelle Nennung ihrer Dienerin Teckla Minnau zurückgreift, um das alles zu verdeutlichen, gibt der Rede den letzten Schliff:

Teckla Minnau…

Teckla ist eine meiner Assistentinnen. Ihre Kinder können sich nur alle zwei Wochen ein Bad erlauben. Und sie haben kein Licht, mit dem sie lesen oder abends lernen können. Die Republik konnte diese Grundversorgung immer garantieren! Und heute?

Heute gibt es jene, die dieses Geld in den Krieg stecken wollen, ohne zu bedenken, was ein Mensch zum Leben braucht. Wenn nicht für Menschen wie Teckla und ihre Kinder, für wen kämpfen wir dann?
Mein Volk, euer Volk, all unsere Völker – dieser Krieg sollte sie alle vor Leid bewahren nicht es vergrößern. Ich unterstütze unsere tapferen Soldaten, ob sie aus Klonfabriken stammen oder von einem der zahllosen Systeme, die der Republik gegenüber loyal sind.

Doch wenn wir unser Volk weiter verarmen lassen, dann wird uns Dooku nicht auf dem Schlachtfeld schlagen, sondern in unseren eigenen Häusern. Darum ist es unsere Pflicht und unsere Verantwortung, das Leben der Bevölkerung um uns herum zu schützen, indem wir das Gesetz zu Fall bringen!

Padmés Rede vor dem Senat
Palpatine ist und bleibt siegessicher.

Der Strippenzieher spricht: Was ich ebenfalls noch etwas ausführlicher behandeln möchte, ist die Tatsache, dass Palpatine in dieser Folge erstmals in der Serie deutlich über die Verunsicherung spricht, die aus der freien Rede einer Senatorin erwachsen kann. Bisher traten immer andere an seiner Statt auf, sobald es darum ging, Gesetze zu Fall zu bringen. Wir erinnern uns an die Kehrdroiden – entsendet von Grievous und organisiert von Dooku. Natürlich weiß man, wenn er als Sidious in Holos auftritt, dass es Palpatine ist. Aber eine so Demokratie-kritische Ansprache in der Robe des Kanzlers ist eine Singularität in der Serie. Diese Freiheit nahm er sich sonst nur nach der Ausrufung der Order 66 heraus. Auch sein Verweis auf den „jemanden“, der alle Macht im Universum besitzt, untermauert die Absurdität dieses Konfliktes, die ich nun im Folgenden unter Berücksichtigung auch der letzten Folge noch einmal verdeutlichen möchte.

Die Absurdität des Konfliktes: Wenn ich im vorherigen Abschnitt anmerke, dass Palpatine über die Verunsicherung spricht, meine ich nicht, dass er verunsichert ist. Denn – und dass haben beide Folgen meines Erachtens zusammen sehr gut unterstrichen – eine friedliche Lösung des Konfliktes ist nicht möglich. Wieso nicht? Nicht aufgrund der Anschläge im letzten Moment, oder der Meinungsführung von Palpatine, sondern weil es keinen wirklichen Konflikt gibt. Die Ideale der KUS und der Republik werden nicht auf den Schlachtfeldern irgendwo im Outer Rim verteidigt. Dieser Konflikt dient nicht dazu, dass Meinungen aufeinanderprallen und Interessen verteidigt werden. Dieser Konflikt dient der Aushöhlung des Senats – eine Nebenwirkung der zunehmenden Korruption und Postdemokratie – und der Usurpation von Macht mit scheinbar legalen Mitteln (Notstandsvollmachten, die nie wieder abgegeben werden). Getreu dem Motto: „Wie der Wolf in die Schafherde einbricht, so kommen wir.“ Schlussendlich münden alle Anstrengungen in diesem Konflikt bei einem Agitator, der beide Seiten benutzt und am Ende der zwei Folgen, trotz aller Bemühungen beider Seiten um Frieden, siegessicher und kalt auftritt. Damit konterkariert er alle Bestrebung, die im scheinbaren Rahmen der Demokratie unternommen wurden, und verdeutlicht somit die Absurdität dieses (Schein)Konflikts.

Palpatine: „Ist es nicht bemerkenswert, auch wenn jemand alle Macht in der Galaxis besitzt, können doch die Worte einer einzigen Senatorin die Gedanken von Millionen beeinflussen!“
Mas Amedda: „Was gedenkt Ihr in dieser Sache zu unternehmen?“
Palpatine: „Fürs Erste müssen wir an den Prinzipien unserer Demokratie festhalten. Lassen wir die Mühlen des Senats nur mahlen…“

Abschlusssequenz der Folge: Palpatine resümiert.
Padmé bittet Teckla um Rat.

Anmerkungen: Wie ich bereits einmal im Haupttext erwähnt habe, hat mich in dieser Folge die Inszenierung sehr positiv überrascht. Das Wortgefecht mit all den Zwischenrufen zu Beginn der Folge zeichnet ein anderes Bild, als man es bisher von Senatsdebatten in The Clone Wars kannte. Natürlich gab es schon immer Zwischenrufe aus den Rängen, aber dass nahezu zehn Senatoren im Zentrum des Plenums streiten und sich Anschuldigungen in dieser Deutlichkeit an den Kopf werfen, ist meiner Meinung nach eine gute Abbildung der politisch-parlamentarischen Realität.
Die Inszenierung der Rede ist ebenfalls sehr gut gelungen. Man erhält erstmals einen Eindruck, dass Senatsdebatten auch in den Straßen Coruscants übertragen und konsumiert werden. Politik ist also in dieser Hinsicht ein Stück weit nahbarer, als man es vielleicht erwartet hat. Gerade diese Bilder machen Padmés Rede umso eindringlicher.
Ebenfalls hat mich diese sehr an House of Cards erinnernde Zusammenfassung der Geschehnisse von Palpatine überzeugt. Wenn er beginnt, über die Macht einer Senatorin zu reden, scheint es, als ob er direkt zum Zuschauer spricht, und erst kurz darauf wird deutlich, dass er zu Mas Amedda spricht.
Ein weiteres schönes, eher witzigeres Detail ist der Kaf-Becher, der dem Polizeidroiden in seinem „Streifenspeeder“ aus der Hand fliegt, als dieser von der vorbeifliegenden Padmé überrascht wird.

Animation: Wie immer in der dritten Staffel haben wir es hier mit einer Folge zu tun, die sehr schön aussieht, ansonsten aber – gerade durch die bekannte Umgebung – keine besonderen Landschaften oder ähnliches hervorbringt (siehe bspw. Raxus in der letzten Folge).

„Lassen wir die Mühlen des Senats nur mahlen.“

Fazit: Wie ich Podcast schon angemerkt habe und angemerkt bekam, ist meine Favoritenwahl etwas spezieller. Natürlich gibt es Folgen mit mehr cineastischem Wert, natürlich gibt es Folgen mit mehr Charakterentwicklung und natürlich mag es Folgen geben, die anscheinend auch einen größeren Impact auf die Gesamtgeschichte haben. Doch in diesen beiden, aber vor allem in dieser Folge, wird deutlich, dass all diese anderen Episoden und Geschehnisse im Krieg nur der fälschlichen Annahme entspringen, es gäbe eine tatsächlichen Konflikt. Eine falsche Annahme, die hier angedeutet und verdeutlicht wird und dann in Episode III Vertretern der KUS (man denke an Mustafar), der Republik (die Ausschaltung des Senats und die Zerstörung der Demokratie) und des Jedi-Ordens (ihre fast vollständige Auslöschung) erst final bewusst wird.

„Was ist nur aus der Demokratie geworden und wieso scheint das niemanden zu interessieren?“

„So geht die Freiheit zu Grunde: mit donnernden Applaus!“

Padmé in dieser Folge gegenüber Padmé in Episode III

vorherige Episode: Helden auf beiden Seiten (Staffel 3, Episode 10)
nachfolgende Episode: Mord im Senat (Staffel 2, Episode 15)

Über den Autor

Tobias
Tobias begeistert sich für so ziemlich alles aus dem Star Wars Universum. Primär interessieren ihn Romane und Videospiele aus einer weit weit entfernten Galaxis. Im normalen Leben studiert er in Bamberg Politikwissenschaft und Geschichte.

1 Kommentar

  1. Schosch

    Ich finde die Folge ganz okay.

    Was mich hier erneut nervt sind die Kopfgeldjäger und ihre einschüchterungsversuche. Ich finde es nervt einfach das man Kopfgeldjäger so in die Handlung einbinden muss. Auch den Politischen Aspekt fand ich extrem langweilig obwohl er gute Elemente hatte wie zum beispiel das die meisten Senatoren sich um ihr eigenes Wohl kümmern und nicht an andere denken.

    Auch Padmes Rede am Ende fand ich sehr schön und hat schön gezeigt das es auch Senatoren gibt ( Padme Amidala, Bail Organa, Mon Mothma) die sich wirklich für das wohl aller völker in der Galaxis einsetzen.

    Alles in allem finde ich die Folge langweilig, da sie aber auch gute Aspekte hat und eine schöne Rede am Ende würde ich ihr 3 von 5 Holocrons geben!

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