Marvel: Autoren-Interview und Vorschauseiten zur neuen Darth Vader-Serie

Auf Marvel.com wurde ein Interview mit Charles Soule über dessen neue Darth Vader-Comicserie veröffentlicht, die am Freitag angekündigt wurde und im Juni an den Start geht. Dazu hat Marvel auch drei nicht kolorierte Vorschauseiten von Giuseppe Camuncoli online gestellt, die den Stil der neuen Serie erahnen lassen und zudem auch Soules Aussage bekräftigen, dass die Geschichte direkt an Episode III: Die Rache der Sith anknüpfen wird.

Forrest C. Helvie für Marvel.com: Bevor wir uns den Sith-Angelegenheiten widmen, muss ich fragen: Wie bereitest du dich mental darauf vor, Star Wars zu schreiben?
Charles Soule Seit ich ungefähr fünf Jahre alt war, hat Star Wars sowieso dauerhaft einen nicht unerheblichen Teil meines Geistes eingenommen – um Star Wars zu schreiben, muss ich das also nur ein wenig anheizen. Ich schaue auch gerne die Filme und Serien, die für die Epoche, in der ich mich bewege, relevant sind. Und ich habe so gut wie möglich versucht, alle Romane zu lesen, die seit dem Beginn der Epoche des neuen Kanons veröffentlicht worden sind. Und natürlich auch die Comics, die alle ziemlich fantastisch sind.

Bereitet es dir je Sorgen, wenn du daran denkst, dass du Star Wars-Kanon schreibst? Wie viel Druck übt das auf dich aus?
Ich war am Anfang nervös, als ich meinen ersten Auftrag bekam, Lando zu schreiben. Man will ja keinen Mist bauen. Aber Star Wars ist weit und tief und das Wichtige war für mich wirklich, mir darüber klar zu werden, dass nichts, was ich tun könnte, es je zerstören würde. Das liegt vor allem an den tollen Leuten in der Lucasfilm Story Group, deren Aufgabe es ist, sicherzustellen, dass ich Star Wars nicht zerstören kann. Es macht wirklich Spaß, sogar die für den Kanon extrem wichtigen Dinge wie Poe Dameron oder die neue Darth Vader-Serie. Es ist ein Privileg, keine Last.

Charles, du hast sowohl Obi-Wan und Anakin als auch Poe Dameron und Lando geschrieben. Jetzt wirst du dich in deiner zweiten Serie gemeinsam mit Giuseppe Camuncoli ab Juni dem dunklen Lord der Sith selbst zuwenden, Darth Vader. Wie kam diese Gelegenheit zustande?
Sie haben gefragt und ich habe ja gesagt! Dieser Zeitabschnitt kurz nach Episode III: Die Rache der Sith ist ein sehr fruchtbarer Boden für Star Wars und er ist noch weitestgehend unerforscht. Lucasfilm und Marvel wollten mehr mit Darth Vader machen, besonders nach seinen prominenten Auftritten in Rogue One und Rebels, und ich bin einfach der Typ, der Glück hatte und den Anruf bekam.

Warum war es für dich der beste Ausgangspunkt, deine Geschichte in der Periode direkt nach Star Wars Episode III: Die Rache der Sith spielen zu lassen?
In jeder Geschichte, ob Comic oder nicht, braucht man Drama und Konflikte und man möchte, dass der Protagonist ein überzeugendes Ziel hat oder sich einer Herausforderung stellen muss. Dadurch, dass die Vader-Serie in diesem Zeitrahmen spielt – als Vader gerade erst die Rüstung angelegt wurde, nachdem er von Obi-Wan besiegt wurde – bekommen wir all das. Darth Vader hat alles verloren, inklusive seinem Körper und seinem Gesicht. Er versucht eigentlich herauszufinden, wer er ist. Es ist eine tolle Geschichte, die ich da erzählen darf: ein schrecklich mächtiger dunkler Zauberer, der nichts zu verlieren und eine Galaxie zu unterjochen hat. Viel epischer als das wird’s nicht.

In Anbetracht des Ausgangspunkts der Serie werden wir ja bestimmt einen jungen Darth Vader sehen, der versucht, sich seinem neuen Meister, Imperator Palpatine, zu beweisen, indem er Jagd auf jegliche verbliebene Jedi macht, die nach Order 66 noch am Leben sind. Zweifelt er noch manchmal an der Vertrauenswüdigkeit seines Meisters oder bleibt Vader zu diesem Zeitpunkt komplett überzeugt?
Vader ist komplett überzeugt. Ich meine, was sonst hat er noch, wenn man es aus psychologischer Perspektive betrachtet? Palpatine ist alles, an was er sich noch klammern kann; er bietet ihm eine Rolle, einen Platz und Macht. Darth Vader ist an einem Tiefpunkt angelangt. Alles, was er will, ist das, was Palpatine ihm geben wird: eine Entschuldigung dafür, ganz im Hass und Schmerz aufzugehen. Warum sollte er das hinterfragen?

Ein Bereich, der oft vernachlässigt wird, ist die Beziehung zwischen Vader und Sidious: Werden wir sehen, welche Art von Training Vader unter der Anleitung seines neuen Meisters erhält?
Ein bisschen, ja. Es gibt ein paar Dinge, die Vader noch nicht über die Mythologie und Techniken der Sith lernen konnte. Im Grunde ist Darth Vader aber bereits ein Dunkler Lord der Sith. Er weiß alles, was er wissen muss, und er ist unglaublich begabt. Deshalb hat Palpatine ihn ja überhaupt erst als Schüler angenommen. Es gibt ja einen Grund, weshalb er in Episode III bereits „Lord Vader“ genannt wird. Er muss sich vielleicht noch an den Anzug gewöhnen, aber er hat sich hier dennoch schon so ziemlich voll entfaltet.

Wenn man sich seine Mission anschaut – die überlebenden Jedi zu suchen und zu zerstören – stellt sich die Frage, ob es noch irgendwelche bekannten Jedi-Ritter oder -Meister gibt, denen man begegnen könnte?
Vielleicht! Aber wenn ja, dann glaubt ja nicht, dass ich das hier einfach so verraten würde!

Natürlich braucht man die richtigen Werkzeuge, um einen Jedi zu töten, nämlich ein Lichtschwert. Die Reise zum Bau des eigenen Lichtschwerts war oft einer der letzten Schritte für einen Jüngling, bevor sie in den Rang des Padawan erhoben wurden. Wie geht Vader denn dabei vor, diese Reise auf seinem Weg zum Sith-Lord zu absolvieren?
Darum geht es im ersten Handlungsbogen und der hat es in sich. Genauso wie – soweit wir das bisher wissen – bei fast allem am Sith-Dasein geht es um Zorn und Schmerz. Das ist aber auch spannend; es fällt Vader nicht leicht, sein Ziel hier zu erreichen, und zwar ganz und gar nicht.

Wenn man sich Anakins Kampfstil in Die Rache der Sith anschaut und ihn mit seinem neuen Stil als Darth Vader vergleicht, dann gibt es ein paar klare Unterschiede, die zweifellos in der schweren, robotischen Rüstung begründet sind. Welche anderen Anpassungen in seinem Leben als Mann und Krieger wirst du erkunden?
Ich würde sagen, dass der erste Handlungsbogen – und gewissermaßen auch der weitere Verlauf der Serie – davon handeln, wie Vader sich seine neue Identität aneignet. Er ist körperlich bereits Vader und psychologisch auch schon weitgehend, aber hin und wieder wird noch etwas Feinabstimmung stattfinden. Ich will aber nicht zu viel auf seine Existenzangst eingehen. Abgesehen von der ersten Seite der Serie werden wir beispielsweise seine Gedanken nicht schriftlich wiedergeben. Alles, was wir über Vader erfahren, entspringt dem, was er tut, und zu einem geringeren Grad auch dem, was er sagt; auch wenn er nicht sonderlich viel redet. Ich schreibe ihn ein bisschen wie Jason in Freitag der 13.: einfach eine unaufhaltsame Naturgewalt, das Letzte, was man jemals sehen möchte – und wenn man ihn sieht, dann ist er wahrscheinlich auch das Letzte, was man jemals sehen wird.

Eine Sache, die ich bei der aktuellen Star Wars Rebels-Fernsehserie interessant finde, ist, wie gut das Inquisitorenprogramm etabliert war und wie sehr es einer Art Zuchtprogramm für neue Schüler ähnelte. Ist das etwas, das du in deiner Serie erkunden wirst, und wenn ja, welche Rolle wird Darth Vader bei seiner Entwicklung spielen?
Ja… aber ich will zu diesem Zeitpunkt noch nicht mehr darüber sagen. Die Inquisitoren sind definitiv ein Teil der Geschichte und wir werden – im Laufe der Zeit – viel mehr über das gesamte Inquisitorius-Programm und Vaders Rolle dabei erfahren.

Letzte Frage! Was, abgesehenvon der Ära, wird diese Darth-Vader-Geschichte von der vorangegangenen Darth Vader-Serie unterscheiden?
Ich schreibe sie! Giuseppe Camuncoli zeichnet sie – und leistet übrigens unglaubliche Arbeit! Alles Weitere werden wir die Leser entscheiden lassen.

Was meint ihr zu Soules Äußerungen und den beiden Vorschauseiten? Alles zu dieser Reihe findet ihr auch in unserer Datenbank.

Die Kollegin Ines hat bei der Übersetzung tatkräftig mitgeholfen.

Über den Autor

Florian

Florian
Florian ist Gründer und Admin der Jedi-Bibliothek sowie angehender Englisch- und Spanischlehrer. Er arbeitet außerdem für das Offizielle Star Wars Magazin als Übersetzer und betreut für die Panini-Heftreihe die "Skytalker"-Leserbriefe. Er sammelt vor allem Romane und Comics, doch weiß auch ein schönes Sachbuch zu schätzen. Außerdem hat er bis vor Kurzem Star Wars: The Old Republic gespielt und schaut für sein Leben gern Serien.

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