Rezension: Die Hohe Republik: Am Rande des Gleichgewichts: Vorahnung – mit Gewinnspiel!

Mit dem vierten Band der Mangas aus der Hohen Republik liefert Panini die recht entkoppelte Geschichte rund um Yoda. Der Band trägt daher auch nicht klassisch die Bezeichnung „Band 4“ im Namen, sondern ist eine Art eingeschobene Geschichte mit dem Titel Vorahnung. Das macht diesen Band jedoch nicht unwichtig, ganz im Gegenteil ist es wohl der bisher stärkste der ganzen Reihe.

Der kleine, grüne Mann

Yoda ist eine der Figuren, die bei der Hohen Republik eine Gratwanderung darstellen. Zeigt man zu viel mit ihm und von ihm, wird die Bedrohung schnell entschärft. Immerhin überlebt er die Hohe Republik ziemlich sicher und sitzt auch 200 Jahre später noch im Jedi-Rat. Auf der anderen Seite ist seine Rolle als Großmeister in einer solch großen Krise nun mal relevant und sollte auch gezeigt werden. Gerade nachdem sich die erste Phase noch zu sehr mit ihrem Sabbatical und dem anschließenden Verschwinden rausgeredet hat, nur um mit einer Mumie aka Azlin Rell zurückzukehren, habe ich mir eine größere Rolle in der dritten Phase gewünscht – zumindest eine Rolle, die wir auch sehen dürfen.

Genau das liefert dieser Manga und schließt dabei sogar noch eine große und wichtige Lücke zum finalen Roman des Projekts. Yoda muss hier zeigen, wie er sich gegen einen Namenlosen behaupten kann. Er muss dabei auch lernen, auf die Lehren anderer zu bauen, die mehr Erfahrung im Umgang mit diesen Wesen haben. Gleichzeitig aber auch den typischen Yoda-Weg gehen. Der Manga schafft es von Beginn an, einen roten Faden und einen Twist aufzubauen, der sich im Verlauf des Bands immer mehr verstärkt und dann schlussendlich funktioniert. Daniel José Older schafft es, in Yodas Abenteuer mit dem Namenlosen noch einmal eine neue Facette zu zeigen. Am Ende hilft diese neue Erkenntnis sogar dabei, die Ausgangslage in Die Prüfungen der Jedi besser herzuleiten.

Die Schönheit des Grauens

Die Namenlosen wurden bereits in vielen Comics visuell dargestellt, genauso wie ihre Auswirkungen auf die Rezipienten ihres Machthungers. Doch trotzdem schafft es Haining mit dem Spiel von Perspektive, Visionen und Schattenwurf trotz Schwarz-Weiß-Optik, ein stimmiges Gesamtbild zu liefern. Yoda allein sieht sehr detailliert aus und glänzt in fast jedem Panel. Die Figuren sind sehr viel detailreicher als in manch anderem Manga und der Effekt der Namenlosen wirkt trotz allem frisch und unverbraucht.

Dazu tragen vollseitige Motive wie Yoda mit blutenden Augen oder ein sich windender Namenloser bei. Der Band strotzt nur so vor guten Bildern und sorgt durch künstlerische Kniffe wie Striche durchs Bild oder verschwommene Hintergründe für Dynamik in den Actionsequenzen. Sogar Yoda bleibt durch die hervorragende Leistung von Haining immer im Fokus, obwohl er meist das kleinste Wesen im Panel ist.

Eine Selbstfindung

Yoda rennt durch eine Location, kämpft in bester Jedi-Manier defensiv und philosophiert dabei über das Leben und den richtigen Umgang mit einer Bedrohung. Das klingt wie ein bekanntes Patentrezept und das wird in diesem Band ebenfalls wieder angewandt. Aber es wird hier und da mit Nuancen verfeinert. Sei es der machtsensitive Gegenspieler, der sich selbst vor dem Namenlosen in Acht nehmen muss, oder die penetrante Stimme von Marchion Ro, der sich unterhalten lassen will, nur um am Ende zu erkennen, dass Yoda sein Spiel nicht mitspielen wird.

Der grüne Meister ist dabei immer genau die Frohnatur, die wir aus vielen anderen Werken kennen. Er nimmt seinen Auftrag ernst, sich selbst aber nicht immer und geht seinem Ziel – dem Schützen von Leben – mit allem Nachdruck nach. Die Gedanken an Themen wie Angst, Verantwortung, Vertrauen und Empathie ergänzen sich sehr gut mit der Handlungsebene und bilden damit eine Einheit, die dieses Werk zu einer stimmigen Gesamtaussage bringt.

Fazit

Vorahnung ist ein Manga, der auf Handlungs- und Erzählungsebene fast immer im Einklang ist. Er fokussiert sich auf eine Figur, die eine Aufgabe hat und am Ende eine Erkenntnis mitnimmt, die für die finale Welle der Hohen Republik zumindest einen weiteren Baustein zuliefert. Das sorgt für ein stimmiges Gesamtbild, das nicht durch drei weitere Werke in drei weiteren Formaten ergänzt werden muss. Es zeigt uns kurz vor knapp den Umgang des Großmeisters mit der Namenlosenbedrohung und macht ihn dabei nicht zum Über-Jedi, findet aber einen Twist, der der Rolle des grünen Jedi-Meisters angemessen ist – dabei aber immer auch an die Errungenschaften anknüpft, die andere Jedi vor ihm erreicht haben.

Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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Star Wars: Die Hohe Republik ist ein mehrjähriges Buch- und Comicprogramm, das hunderte Jahre vor den Skywalker-Filmen spielt und die Jedi in ihrer Blütezeit zeigt. Weitere Infos, News, Podcasts und Rezensionen gibt es in unserem Portal und in der Datenbank. Beachtet auch unsere Guides zur Lesereihenfolge von Phase I, Phase II und Phase III.

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