Während die Serie Maul: Shadow Lord bereits ihr Finale gefeiert hat, schaffen wir es diese Woche gerade mal zum Mittelpunkt der dazugehörigen Mini-Comicreihe. Leider schmälert das den Eigenwert des Comics langsam aber sicher und damit tauchen wir ein in Shadow of Maul #3 – Hidden Figures.
Achtung: Wie immer besprechen wir im Marvel-Mittwoch die Handlung der Comics, sodass sowohl der Beitrag als auch die Kommentare Spoiler enthalten können.

Der Inhalt
Nachdem Lawson letztes Mal noch erfolgreich einen Deal verhindert hat, der das Gleichgewicht der Syndikate auf Janix gestört hätte, hat genau einer dieser Syndikatsführer ein kleines Wörtchen mit dem Captain zu bereden. Doch eins nach dem anderen. Wir beginnen mit einem etwas klischeehaften gedanklichen Monolog von Brander Lawson, der von den zwei Gesichtern seiner Stadt berichtet, dem bling bling und seiner Schattenseite. Ich ignoriere mal, dass man das mit Sicherheit schon über Coruscant und Nar Shaddaa in gleicher Art und Weise gesagt hat, während Lawson seinen Spaziergang durch die Stadt fortsetzt und dabei fast Opfer eines Mordanschlags wird.
Ich gestehe, ich hatte Fraxmoor bereits vergessen, doch ausgerechnet der dritte Offizier, der Lawson zur Seite gestellt wurde und ihn prompt verraten hatte, taucht hier wieder auf. Allerdings findet er ein ebenso unrühmliches Ende, denn als Lawson ihn verfolgt, landet Fraxmoor dummerweise im Verkehr und wird nach allen Regeln der Fahrkunst über den Haufen gefahren. Blöderweise kann Lawson nicht wirklich gut erklären, dass sein ehemaliger Kollege zuerst geschossen hat, und erhält daher unangenehmen Besuch von Inspektor Ruhl und seinen zwei Handlangern. Dieser findet die Reihe an Offizieren, die in Lawsons Umgebung sterben, höchst ungewöhnlich, insbesondere nachdem nun noch ein dritter Offizier namens Spinson Taryk verschwunden ist. Dabei schert sich Ruhl auch nicht darum, dass letzterer überhaupt nichts mit Lawson zu tun hat.

Doch bevor Ruhl und Konsorten sich Zugang zu Lawsons Apartment verschaffen können, werden sie ausgeknockt, inklusive Lawson, der erst Two-Boots kontaktiert und dann nach dem Rechten sieht. Dabei kassiert er nicht nur eine Portion Schlafgas, sondern auch eine metallene Faust des Kriminellen Vario. Als Lawson wieder zu sich kommt, darf er kopfüber hängend eine Unterhaltung mit dem charismatischen Verbrecherboss führen, der ihn erstmal beruhigt, dass Rylee Lawson – Branders Sohn – unbeschadet in der Wohnung der Lawsons schläft. Viel wichtiger ist aber Varios Enthüllung, dass ihm durchaus klar ist, dass Lawson ihm kürzlich den Tipp über Nico Deemis‘ bevorstehenden Deal zukommen hat lassen. Dank dieses „Gefallens“, wie Vario es nennt, lässt der Kriminelle Lawson nicht nur unbeschadet, sondern offenbart ihm auch, dass er Inspektor Ruhls Vorgesetzten peinliche Aufnahmen des Inspektors und seiner Handlanger hat zukommen lassen. Damit dürfte Lawson zumindest von Ruhl nicht mehr gestört werden. Wer Fraxmoor auf ihn gehetzt hat, weiß aber auch Vario nicht, er war es zumindest nicht. Mit einer üblichen Warnung, seinen Job nicht zu gut auszuführen, verabschiedet sich Vario, sodass Lawson wenig später von Two-Boots aus seiner Hängepartie gerettet werden kann. Doch der Verdacht eines Spions in den eigenen Reihen erhärtet sich damit nur noch weiter.
Andernorts auf Janix treffen wir für drei Seiten wieder Maul, der den vermissten Offizier Spinson Taryk verhört und ausgerechnet die Pläne und Codes für Nico Deemis‘ Bank haben will. Taryk arbeitet inzwischen im Archiv der Sicherheitsbehörde, was ihn prädestiniert, an diese Daten heranzukommen. Und obendrein hätte unser Zabrak auch gerne noch die Dienstpläne der Polizeikräfte. Wir gehen also von Mauls Seite mit großen Schritten auf die Serie zu.
Die Umsetzung
Vorab sei gesagt, dass ich am Wochenende Shadow of Maul angeschaut habe, was sich zugegebenermaßen auch auf meinen Eindruck des Comics niederschlägt. Keine Sorge, es kommen keine Serienspoiler, aber ich kann nur den Kopf schütteln, wer da nicht aufgepasst hat beim Planen der Veröffentlichungen. Ich saß bereits am Sonntagabend da und habe mich gefragt, was mir der Comic jetzt noch bringen soll, nachdem die Serie bereits gelaufen ist. Zu viele Figuren treten in der Serie auf, die hier im Comic eine wichtige Rolle spielen, und zu wenig Eigenwert bleibt nun im Comic. Da gerade gleichzeitig zum Jubiläum von Rogue One parallel ein paar One-Shot-Comics zu den Hauptcharakteren erscheinen, kann man die Situation teilweise natürlich vergleichen. Der bereits erschienene Comic zu Cassian Andor ist handlungstechnisch genau zwischen der Serie Andor und Rogue One eingebettet, sodass zurecht angemerkt wurde, dass er eher Nostalgie fördere, als auf eigenen Beinen zu stehen. Bei Cassian Andor habe ich noch argumentiert, dass der Bezug zum jubiläumsfeiernden Film und die davor spielende Serie Andor nicht viel Raum lassen, um eine eigenständigere Handlung zu erzählen. Da störte es mich nicht so sehr wie hier. Vielleicht liegt es daran, dass zwischen den jeweiligen Veröffentlichungen von Film, Serie und Comic viel mehr Zeit vergangen ist?
Man weiß von vornherein, wohin alles führt, was mit den Charakteren im Einzelnen passiert, und ist dennoch unterhalten, weil dazwischen genug Zeit lag, um bewusst noch einmal zu diesen Figuren zurückzukehren. Im Gegensatz dazu hat hier bei Maul die Animationsserie gewissermaßen den Comic überholt, auch wenn das Cover immer noch von einem „Prelude to the upcoming show“ spricht. Vielleicht liegt es auch daran, dass Maul immer noch in typischer Drahtzieher-Manier im Hintergrund herumlümmelt, aber trotz des namengebenden Titels nicht in die Handlung involviert ist? Am Ende ist es vielleicht dann doch wieder das Marketing, das mich enttäuscht zurücklässt. Natürlich wirbt man mit dem Namen Maul vorrangig für das Interesse. Und natürlich sind wir inhaltlich ja auch nicht so weit weg, dass hier quasi komplett falsche Tatsachen vorgetäuscht werden. Aber trotzdem bleibt bei mir ein fader Beigeschmack zurück, wenn ich daran denke, wie wenig von dem Titel im Comic steckt. Das hier ist bisher eher Law & Order: Star Wars als Shadow of Maul.






Wie schon in den vorigen Ausgaben ist auch hier nichts an Musabekovs Zeichenstil auszusetzen. Er verleiht der Handlung das nötige Noir-Feeling durch die jeweiligen Schattierungen, während Luis Guerrero das Ganze durch seine Kolorierung perfekt verstärkt. Auch die einzelnen Charaktere gelingen sehr gut, von unbekannteren Figuren bis hin zu Maul. Ein besonders schöner Trick für eine Comicseite war das Umdrehen des Blickwinkels: Während wir auf den oberen vier Panels quasi richtig herum sehen, wie sich Lawson abmüht, aus seiner Kopfüber-Lage herauszukommen, dreht Musabekov die Perspektive in den unteren Panels um. Da haben wir Lawsons Blickwinkel und sehen Two-Boots verkehrt herum.
Fazit
Die Handlung ist in der Ausgabe solide, ich würde sogar sagen, sehr gut gelungen. Mein Wermutstropfen ist, dass in einer Minireihe mit dem Namen Shadow of Maul mal wieder wenig Maul drinsteckt, weil er ja erst in der Serie seinen großen Auftritt feiern darf. So beschränken wir uns hier bisher immer auf die letzten drei Seiten, während wir es davor zugegebenermaßen spannend mit einer Kriminalgeschichte a la Law & Order zu tun haben.
Mit Shadow of Maul #4 geht es am 10. Juni weiter. Am 27. Mai erscheint Galaxy’s Edge: Echoes of the Empire #2.
Wir bedanken uns bei Marvel für die Bereitstellung der digitalen Vorabexemplare, ohne die unser Marvel-Mittwoch nicht möglich wäre.










