Rezension: Star Wars #131: Die Herrschaft Kylo Rens, Teil 10 & Jagd nach dem Falken, Teil 5

Ich wurde geboren, dieses Schiff zu steuern. Und egal, wer es vorher geflogen ist… der Millennium Falke war mein.

Han Solo

Ganz frisch erschien am 23. Juni im 131. Heft von Paninis Heftserie das Ende der fünfteiligen Jagd nach dem Falken. Auch Legacy of Vader steuert auf sein Finale zu, das für Kylo Ren feurige Aussichten verspricht, doch zuvor kämpfen sich Han Solo und Chewbacca durch den Wüstensand auf den Status Quo von Episode VII zu. Feuer und Wüste – die Lektüre lädt mit Blick auf das Wetter perfekt dazu ein, sie durch einen einfachen Schritt nach draußen selbst nacherleben zu können.

Das Cover von Ramon Rosanas spannt stilistisch den Bogen zurück zum Cover der ersten US-Ausgabe der Han Solo-Reihe, wobei die Farbgebung von Guru-eFX nun vom Abendrot eines Sonnenuntergangs auf Jakku dominiert ist, anstatt vor dem abenteuerlichen Himmelblau des Auftakts. Auf der Comicshop-Ausgabe verspricht Derrick Chew, wie tief Ben Solo im neuen Kapitel seine Verbindung zu Vader verstärken wird. Matthias Wieland übersetzte die Hefte ins Deutsche.

Er ist Schmuggler, Rebell und eine der beliebtesten Figuren der gesamten Star Wars-Saga: Han Solo! Die Jagd nach seinem geliebten Schiff, dem legendären Millennium Falken, bekommt in dieser Ausgabe ihr großes Finale! Plus: Der 10. Teil der Legacy of Vader-Story.

Als allererstes fällt storyübergreifend auf, dass beide Ausgaben sehr dunkel gehalten sind. Verantwortlich sind dafür das nächtliche Jakku-Setting und die Tiefen von Vaders Festung, in denen Kylo Ren sich Soule-typisch verstörenden Machtvisionen stellt. Entsprechend dunkel sind auch die Kolorierungen von Nolan Woodard und Guru-eFX, aber leider ist die Druckqualität von Panini zumindest im gelieferten Rezensionsexemplar nicht auf ihrem üblichen Niveau. Die Schatten sind vollkommen schwarz und ohne unterschiedliche Verlagerungen der Intensität und in allgemein schattigen Szenen erkennt man fast nichts.

Aber über produktionstechnische Probleme hinaus ist Jagd nach dem Falken, Teil 5 leider inhaltlich so enttäuschend, wie der Durchschnitt der gesamten Miniserie, die zwar mit etwas Fantasie nun wieder grob zu Hans Dialogen mit Rey in Episode VII: Das Erwachen der Macht passt, über dessen Sinn und Unsinn man aber gerne diskutieren darf, wenn der ganze Sinn dieses Abenteuers von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Die Actionszenen sind überhastet, die Auflösung zu schnell und was als Entwicklung verkauft wird, ist nur der Schritt zurück zum Ausgangspunkt der Reihe.

Man kann also die komplette Miniserie aussparen, ohne etwas zu verpassen. Leider gibt sie dem gealterten Sequel-Han keine größere charakterliche Tiefe mit oder sorgt wie der Roman Im Schatten der Sith für ausgebauten Kontext der Filme und ihrer Figuren. Immerhin darf Ramon Rosanas, der die Gesichtsausdrücke des alten Han wunderbar einfängt, noch ein paar schöne Flashback-Panels und Bilder des Falken aus früheren Tagen liefern. Außerdem gibt es zum Schluss eine kleine, versöhnliche Szene mit Lando, die so völlig ausreichend ist, sollte sie das chronologisch letzte Mal sein, dass man die beiden Rebellionshelden gemeinsam anstoßen sieht.

Dagegen liefert Charles Soule auch in Die Herrschaft Kylo Rens, Teil 10 genau das; mehr Galaxis- und Charakter-Kontext für die Sequel-Ära. Dabei spiegelt er das Finale seiner epischen 25-teiligen Darth Vader-Geschichte, die ebenfalls in Paninis Heftreihe erschien, mit der Festung als Spielort und Machtvisionen als Teil der letzten inneren Schritte, die seine dunklen Hauptfiguren hier gehen müssen. Wie Luke Ross die abgedrehte Handlung hier bebildert, enthält ewige Star Wars-Ikonografie ebenso wie ungewöhnlich groteske Horror-Elemente. Ein Glanzstück ist dabei, wie Soule der Figur des Luke Skywalkers Tribut zollt und, soviel sei verraten, seinem letzten gesprochenen Satz in Episode VIII: Die letzten Jedi endlich nachträglichen Sinn verleiht. Die Sequel-Filme, Soules Vader-Reihe und Der Aufstieg Kylo Rens werden alle berücksichtigt und sind in der erzählerischen Logik wichtige Puzzlestücke, wie man es in allen Werken des begnadeten Comic- und Roman-Autors erlebt.

Fazit

Schlechte Zeiten, dann gute Zeiten hat man mit der diesmonatigen zweifachen Portion Star Wars-Comics. Wo Han Solo: Jagd nach dem Falken scheitert, nichts beizutragen hat und nicht mal bei Action oder Humor überzeugt, geht Soules Meisterstück über Kylo Ren Richtung (vorläufiges) Ende und lässt begeistert weiterlesen. Wenn man dem Raum um die Sequels und ihre kontroversen Ereignisse die Chance geben möchte, etwas mehr Kohärenz zu liefern, kommt man an Charles Soule nicht drumrum. Die mit Abstand besten Comics der Ära stammen aus seiner Feder.

Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


Und nun hinaus ins Schwimmbad, ins klimatisierte Kino, oder in einen abgedunkelten Raum mit Ventilator. Schnappt euch gute Star Wars-Lektüre – zum Beispiel den thematisch passenden Legends-Roman Millennium Falke, der über die Links im Datenbankeintrag noch erhältlich ist – dazu ein kaltes Getränk und kommt gut und gesund durch die Hitzewelle.

Die nächste Ausgabe erscheint am 21. Juli und enthält neben dem 11. Kylo-Kapitel auch den besonderen One-Shot Jar Jar, weswegen es neben den beiden obligatorischen Ausgaben noch ein zusätzliches Variantcover geben wird.

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