Am 16. April 2026 kamen nun auch Deutschleser:innen in den Genuss der großen neuen Deluxe-Ausgabe von Matthew Stovers gefeierter Roman-Adaption von Episode III: Die Rache der Sith. Diese kommt, wie auch die englische Ausgabe, mit zahlreichen Fußnoten und Anmerkungen des Autors daher und hat obendrein angesprühte Seitenränder, eine besondere Coverillustration sowie farbige Konzeptzeichnungsseiten am Anfang und Ende, die diesen fast 500 Seiten starken Jubiläums-Band abrunden. Ob es sich um eine gelungene Adaption, und damit – wie vom Verlag angepriesen – um mehr als nur eine Nacherzählung handelt und welche Schwäche des Films der Roman ausbessern kann, lest ihr in der folgenden Rezension.

Mehr als nur eine Nacherzählung: Wer Episode III nur als Film kennt, dessen Sichtweise wird sich durch den Roman völlig verändern.
Basierend auf dem letzten Film von George Lucas‘ epischer Star-Wars-Trilogie schuf Matthew Stover vor 20 Jahren einen Roman, der zu den besten des Star-Wars-Universums gehört, wenn nicht gar der gesamten Science Fiction. Anakin Skywalkers Hinwendung zur dunklen Seite der Macht, der Fall der Republik und der Aufstieg des Imperiums bewegen noch heute die Fan-Herzen. Diese beeindruckende Schmuckausgabe bietet neue Einblicke in die Entstehung eines Meisterwerks mit über 170 Kommentaren und einem neuen Vorwort des Bestsellerautors Matthew Stover.
Endlich ein gutes Buch
Auch wenn der Abschluss von George Lucas‘ Prequel-Trilogie mit einer gewissen Dramatik sowie visuell überzeugen konnte, bleiben das Drehbuch und besonders die Dialoge eine große Schwäche von Episode III: Die Rache der Sith. Ja, viele dieser haben als Meme mittlerweile Kultstatus erreicht, aber von wirklich guten oder tiefgründigen Dialogen kann man hier wohl kaum sprechen. Doch hier liegt eben die Stärke des vorliegenden gleichnamigen Romans, der nicht, wie so oft, einfach bloß 1:1 versucht, Szene für Szene in Romanform zu drucken, sondern sich viele Freiheiten nehmen darf, wie wir bereits im neuen Vorwort dieser Deluxe-Edition lesen können.
Dieser Adaption kann man wirklich nicht vorwerfen, dass sie sklavisch einen Film oder das Drehbuch dieses adaptiert. Stover weiß nämlich ziemlich geschickt die Schwächen des Drehbuchs auszubügeln, dabei aber stets die so geliebte Dramatik und Tragik des Kinofilms nicht zu vernachlässigen. Wenn ich hier an die vielen Star Wars-Adaptionen der letzten Jahre zurückdenke, konnte (und durfte vielleicht auch) keine dieser ansatzweiße das Potenzial eines anderen Formates, sei es nun ein Comic oder ein Roman, nutzen. Hier zeigt uns der Autor jedoch, wie das sehr wohl gelingen kann.
Was eine gute Adaption ausmacht
Stover weiß, wie er der Szenerie des Films angemessen neue Figuren vorstellt. Nämlich nicht nur mit einem kurzen Nebensatz. Nein, er nimmt sich teils Seiten, um uns Charaktere wie Count Dooku oder Mace Windu auf eine ganz eigene Weise einzuführen, die er passend zum Ton des Films und Buches mit der Phrase „Das ist [Figurenname].“ einleitet. Sein gutes Gespür für Adaptionen zeigt sich aber auch darin, dass er es eben schafft, spätere dramatische Ereignisse, durch viel Raum für die Beziehung zwischen Anakin und Obi-Wan oder auch Anakin und Padmé, noch viel greifbarer und nahbarer für uns Leser:innen zu machen. Wir können nun weit mehr in die Gedankenwelt der Figuren eintauchen, auch wenn sich Stover hier gegen eine klassische Ich-Erzähler-Perspektive entscheidet.
Genau das ist es, was eine wirklich gute Adaption ausmacht. Sie versucht bewusst nicht sklavisch jedes Bild und jede Szenerie 1:1 in Buchform zu pressen, sondern nutzt das, was das Medium ausmacht, um Emotionen oder auch Gedankengänge sichtbar zu machen, oder hat auch einmal den Mut, das ein oder andere bewusst auszulassen, um anderen Aspekten, die in einem anderen Medium vielleicht besser funktionieren, mehr Raum zu geben. Wir erleben so z. B. Vaders ersten Atemzug auf eine völlig neue Art und Weise, die uns der Film so nicht bieten konnte. Es werden jedoch auch Passagen hinzugedichtet und uns wird dadurch z.B. eine Abschrift des Gespräches zwischen den Vertretern des Jedi-Ordens und Palpatine gezeigt, die dann im imperialen Senat veröffentlicht wurde und zeigen soll, wie die Bevölkerung damit über die Ereignisse im Büro des Kanzlers manipuliert werden soll.
Eine Sache, die ich an dem vorliegenden Roman jedoch kritisieren würde, ist, dass die Schlacht über Coruscant, die zu Beginn stattfindet, dann doch etwas sehr viel Raum einnimmt. Vieles, wie die Vorstellung neuer Charaktere, gelingt hier, aber die Passage zieht sich dann doch etwas zu sehr (ja, auch im Film ist, besonders die erste Sequenz bis zur Landung auf der Invisible Hand, ebenfalls etwas langatmig). Gerade zum Ende des Romans zieht dann das Pacing an, was natürlich auch zu den höchst dramatischen Ereignissen passt.
Eine ideologiekritische Betrachtung lasse ich hier jetzt einmal außen vor, über das „Gut“ und „Böse“ von Föderation und Republik habe ich ja schon etwas in meiner Rezension zu Die Maske der Angst von Alexander Freed geschrieben.
Anmerkungen zu den Anmerkungen
Nun noch ein paar Worte zu den Besonderheiten dieser neuen Edition, hauptsächlich zu den rund 170 Anmerkungen, Anekdoten oder Kommentaren des Autors. Ich muss gestehen, dass diese zunächst etwas meinen Lesefluss gestört haben, und ich mich sogar ertappte, erst einmal das Kapitel fertigzulesen und diese neuen Fußnoten zu ignorieren. Man muss jedoch dazu erwähnen, dass ich diesen Roman vorher noch nicht kannte und es Leser:innen, die den Roman vielleicht sogar schon einige Male gelesen haben, da mehr Interesse haben. Die Anmerkungen sollen uns jedenfalls ein paar Hintergründe zum Schreibprozess liefern. Stover hat besonders Freude daran, ein paar Kniffe und Tricks aus seinem Schreibrepertoire zu teilen. In Form der – ebenfalls neuen – Einleitung hat das aber für mich besser funktioniert, da ich hier nicht die Geschichte unterbrechen muss, um eine oder mehrere Fußnoten am Seitenende zu lesen.
Die Qualität der deutschen Ausgabe ist bis auf ein bis zwei unsauber gedruckte Seiten in Ordnung, wer aber empfindlich auf kleine Kratzer auf der Vorder- und Rückseite reagiert, sollte bei der Lektüre sorgsam mit dem Roman umgehen und den Papierumschlag dranlassen. Ebenfalls solltet ihr bei den angesprühten Seitenrändern ein weniger kräftiges Rot, wie auf der obigen Abbildung, erwarten. An der deutschen Übersetzung gibt es jedoch wenig auszusetzen, einige Tippfehler konnte ich dennoch entdecken.
Fazit
Die Behauptung aus dem Klappentext des Verlags „Mehr als nur eine Nacherzählung“ trifft definitiv zu. Es handelt sich bei Matthew Stovers Episode III: Die Rache der Sith um eine meist gelungene, handwerklich solide Adaption, die sich viele Freiheiten nehmen darf (aber der dennoch, wie im Nachwort erläutert, auch Grenzen gesetzt wurden) und die somit insbesondere die dürftigen Dialoge des Films ausbessern kann. Stover versucht zugleich auch die Dramatik, Tragik und Tragweite des Films einzufangen und mit gekonnt eingesetzten literarischen Mitteln Gedankengänge der Figuren und diese an sich greifbar zu machen.
Die Deluxe-Edition liefert außerdem als Bonus mal mehr, mal weniger interessante Fußnoten des Autors, und kommt mit einer dem Jubiläum angemessenen Hardcover-Aufmachung mit liebevoll gestalteten, farbigen Illustrationen auf der Buchinnen- und Außenseite daher. Man kann sich abschließend nur wünschen, dass uns in den kommenden Jahren mehr solch gewissermaßen freiere Adaptionen erwarten, bei der immer deutlich werdenden kreativen Bankrotterklärung Disneys, darf man sich aber wohl eher auf weitere seelenlose Remakes und Adaptionen ohne wirklichen Mehrwert einstellen.











Danke für den spannenden Artikel!
Kurze Frage zum Gewinnspiel: Zählen Audiobooks/Hörspiele und Sammalbände (bspw. die Prequel-Romanfassungen I-III) auch zu den Ausgaben des Filmromans? Je nach Datenbank-Abfrage ergeben sich da deutlich unterschiedliche Zahlen.
Oder auch die englische Versionen ?