Rezension: Die Hohe Republik – Das Herz der Drengir von Cavan Scott

Nachdem auch der zweite und dritte Handlungsbogen der Marvel-Comicreihe zur Hohen Republik hierzulande in der Panini-Heftreihe veröffentlicht wurden, erscheint heute der Sammelband Das Herz der Drengir bei Panini und sammelt sowohl den gleichnamigen dreiteiligen Handlungsbogen als auch den Zweiteiler Schatten der Nihil. Beide Arcs wurden von Cavan Scott geschrieben und abwechselnd von Ario Anindito und Georges Jeanty gezeichnet.

Das Herz der Drengir

Der erste Teil des Sammelbandes befasst sich mit der Lösung des Drengir-Problems und legt dabei natürlich wieder den Fokus auf die Hauptfigur der Reihe: Keeve Trennis. Nachdem am Ende des vorherigen Handlungsbogens, Es gibt keine Angst, das Opfer ihres Meisters die Lage vorerst retten konnte, ist die Drengir-Bedrohung weiterhin Realität in der Galaxis. Der Handlungsbogen funktioniert insgesamt sehr gut, da er sich trotz der großen Schlachtfelder, die wir ab und an mit Avar und der huttischen Verbündeten Myarga besuchen, Zeit nimmt, sich auf Keeve und ihren Meister Sskeer zu fokussieren.

Die Beziehung zwischen den beiden und die Sorgen ob seines Zustandes seitens Keeve wirken insgesamt sehr nachvollziehbar. Keeve erkennt in diesem Handlungsbogen immer mehr, was zur zentralen Botschaft der Reihe werden soll: Sie selbst kann und muss auch ein Stück weit Verantwortung übernehmen. Im ersten Handlungsbogen lernen wir sie noch als Person kennen, die sehr stark zu anderen aufschaut und diese Seite kommt auch jetzt noch bei ihr durch. Wenn mein Meister schon keinen Erfolg hat, wie soll ich es dann schaffen? Doch diese Zweifel werden gemischt mit immer mehr Mut, ihrerseits Versuche zu unternehmen, aktiv in den Ausgang des Konfliktes einzugreifen und dabei am Ende eine zentrale Rolle zu spielen.

Darüber hinaus schafft es Cavan Scott, eine spannende Parallelhandlung zu seinem Roman Im Zeichen des Sturms zu erzählen und damit zu erklären, warum die anderen Jedi auf Valo prominent abwesend waren. Das Ganze wirkt auch nachvollziehbar, da man ja nicht wissen konnte, dass eine solche Attacke auf die Republik-Schau zu erwarten war und die Drengir als das dringlichste Problem ablösen würde. Zudem baut er auch die Spezies der Drengir spannend aus und kreiert dadurch einige Szenen, in denen Keeve sich einer Selbstfindung stellen muss. Außerdem gelingt es ihm, andere Figuren sinnvoll einzubeziehen, wie etwas die Wegsucherin Orla aus In die Dunkelheit oder Cohmac Vitus samt Padawan Reath Silas aus selbigem Werk. Lediglich bei OrbaLin ist ihm wohl ein Dopplungsfehler unterlaufen, dessen Erklärung uns der Autor noch schuldig bleibt, denn diese Figur ist sowohl auf Valo als auch auf Mulita zugegen.

Mein einziges Problem mit dem Handlungsbogen stellt für mich das Ende dar. Es wirkt natürlich sehr Jedi-haft, wenn wir an den Schutz von Leben denken, auch wenn ich nicht davon ausgehe, dass man den Drengir Wehrlosigkeit unterstellen kann. Die finale Entscheidung und auch der Ort, an dem man das Ganze zwischenlagern möchte, wirken für mich zu stark in Richtung einer erneut aufflammenden Bedrohung inszeniert, die – den Argumenten der Hutten folgend – hätte verhindert werden können.

Schatten der Nihil

Im zweiten Handlungsbogen des Sammelbands, welcher nur aus zwei ursprünglichen US-Heften besteht, widmet sich die Comicreihe nun auch mehr der Nihil-Bedrohung, nachdem die Drengir vorerst besiegt wurden. Nach Valo will Avar nichts mehr, als den Nihil das Handwerk zu legen, und rennt mit ihren Vorstößen gegen Wände beim Rat der Jedi – einschließlich ihres alten Freundes Stellan Gios. Also wird in Eigeninitiative ein Kreuzzug – pardon, eine „strategische Antwort“ – geplant, bei dem Keeve und Terec sich bei den Nihil einschleichen sollen, um mehr über ihre neue Befehlsstruktur zu erfahren.

Der Zweiteiler funktioniert vor allem als Bindeglied zwischen der zweiten und dritten Welle sehr gut, da er auf Ereignisse aus Aus den Schatten und dem Hörspiel Tempest Runner Bezug nimmt und dabei die Geschichte etwas weiterspinnt. Leider schafft er es ansonsten eher nicht, mich zu überzeugen. Die ganze Idee und Umsetzung des Undercover-Einsatzes bei den Nihil ist dazu einfach zu oberflächlich und kurz gehalten. Das liegt natürlich am begrenzten Umfang von nur zwei Comicheften, aber ist keine Entschuldigung dafür. Hier sehen wir eines der besten Beispiele des von uns oft erwähnten gehetzten Eindrucks bezüglich der insgesamt 15-teiligen Comicreihe der ersten Phase der Hohen Republik, die locker auch 20 oder 25 Ausgaben hätte umfassen können, um Entwicklungen mehr Zeit einzuräumen. So wirkt die ganze Mission wie ein 20 minütiger Ausflug und weniger wie eine wirkliche Mission.

Daraus folgt auch, dass die moralische Entscheidung vor die Keeve in dieser Ausgabe gestellt werden soll, nicht so wirklich funktionieren will. Zu leicht schafft sie es, immer wieder die eigentliche Entscheidung abzuwenden, bis sie sich dann von alleine erledigt hat, da die Entscheidung für sie getroffen wird. Moralische Grauzonen wie angedeutet, werden also nur sehr oberflächlich – wenn überhaupt – angekratzt. Somit wird auch die Charakterentwicklung nicht wirklich vorangetrieben und am Ende bleibt als wichtigste Funktion dieses kurzen Ausflugs in die Nihil-Basis nur die Bekanntschaft mit der Bedrohung, die die dritten Welle dominieren wird. Alles in allem also der schwächste der insgesamt vier Handlungsbögen – einschließlich des noch kommenden Das Ende der Jedi.

Die Zeichnungen

In puncto Zeichnungen wird es in diesem Sammelband auch etwas schwerer. Insgesamt sind sie weiterhin auf einem tollen Niveau, aber man merkt leider immer wieder den Wechsel beim Detailgrad mancher Figuren und Orte. Das liegt daran, dass der Zeichner mehrmals im Sammelband und damit auch innerhalb der Handlungsbögen wechselte. Während Georges Jeanty bei Das Herz der Drengir die ersten beiden Einzelhefte zeichnete, übernahm Ario Anindito, der Zeichner des kompletten ersten Handlungsbogens, nur Heft 3. Selbst der Zweiteiler Schatten der Nihil wurde zwischen den beiden aufgeteilt und Ario Andindito übernahm den ersten Teil, während Georges Jeanty den zweiten Teil übernahm. Dadurch merkt man zum einen natürlich auch einen qualitativen Unterschied, der aber nicht so drastisch ausfällt als dass dies ein Problem wäre. Hingegen wirkt es einfach unschön, wenn innerhalb eines Handlungsstrangs zu oft gewechselt wird und dieser Wechsel selbst bei einem Zweiteiler erfolgt. Im Idealfall hätte Georges Jeanty wohl einfach Das Herz der Drengir komplett zeichnen sollen, während Anindito sich um Schatten der Nihil kümmert. Das allein hätte zur Konsistenz ungemein beigetragen. Nichtsdestotrotz bleiben die Comics in puncto Zeichnungen auf einem hohen Niveau, auch wenn hier und da etwas mehr Detailarbeit bei den Figuren auf Jeantys Seite wünschenswert gewesen wäre.

Fazit

Der zweite Sammelband zur Marvel-Reihe der Hohen Republik überzeugt im ersten Teil durch seine Charakterarbeit und seine Erklärung der parallelen Ereignisse zu Im Zeichen des Sturms. Auch der zweite Teil des Sammelbandes funktioniert gut als bindendes Element der zweiten Welle hin zur dritten, schafft es dafür aber weniger, mit seiner inhaltlichen Seite zu überzeugen. Trotzdem macht die Charakterreise von Keeve und ihrem Meister Sskeer weiterhin neugierig auf den letzten Sammelband, Das Ende der Jedi, welcher mit den US-Heften #11 bis #15 die Comichauptreihe zur Hohen Republik für die ersten Welle abschließen wird. Als Fan der Hohen Republik also ein absolutes Muss, auch wenn der heute besprochene Band im Vergleich zum ersten Sammelband, Es gibt keine Angst – allein schon durch die Zweiteilung der Handlungsbögen – als Gesamtwerk nicht ganz so zu überzeugen weiß.

 Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsxemplares!

  • Wenn ihr noch andere Meinungen zu der Reihe haben wollt, seien euch
    • Außerdem haben wir in größerer Runde im Ausgelesen #22 über den Handlungsbogen Das Herz der Drengir gesprochen
    • Und im ersten Teil des Ausgelesen #31 auch Schatten der Nihil besprochen!
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Star Wars: Die Hohe Republik ist ein mehrjähriges Buch- und Comicprogramm, das 200 Jahre vor den Filmen spielt und die Jedi in ihrer Blütezeit zeigt. Weitere Infos, News, Podcasts und Rezensionen gibt es in unserem Portal und in der Datenbank. Beachtet auch unseren Guide zur Lesereihenfolge.

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