Rezension: The Bad Batch 1×09: „Entgangene Beute“

Weil sie viel wertvoller ist, als uns klar war.

Tech

Vorneweg sei gesagt; die heute von mir rezensierte erste Folge der zweiten Staffelhälfte, „Entgangene Beute“, oder „Bounty Lost“ im Original, hat für eine Serie, die The Bad Batch heißt, erstaunlich wenig Screentime mit der titelgebenden Truppe. Die ganze Episode lässt sich fast als Solo-Abenteuer von Omega bezeichnen, die am Ende der letzten Folge von Cad Bane gefangen genommen wurde und nun an seine Auftraggeber, die Kaminoaner, ausgeliefert werden soll. Dabei versucht sie ihr ganzes Geschick und Köpfchen, die in der Serie bisher immer wieder auf die Probe gestellt worden sind, zu benutzen, um sich aus der Zelle an Bord von Banes Schiff Justifier zu befreien. Bei dieser handelt es sich dankenswerterweise um ein weiteres ungenutztes Design der unveröffentlichten Staffeln von The Clone Wars, das nun in der Nachfolgeserie verwendet wird.

Die Schaden-Charge flieht währenddessen mal wieder in der typischen Rebels-ähnlichen Verfolgungsjagd zur Eröffnung vor dem Dengar-fizierten Crosshair und weiß nicht, wie sie Omega helfen soll. Diese erschleicht sich das Vertrauen des durch Hunter beschädigten Todo 360, der in dieser Folge einmal Wrecker als Lieferant für den ein oder anderen Gag ablöst, was für mich sehr gut funktioniert. Bereits seit seinen ersten Auftritten in The Clone Wars Staffel 2 mochte ich den typischen Droiden-Humor, mit dem Todo einen wunderbaren Gegenpol zum stillen und als bis ans Limit cool charakterisierten Cad Bane darstellt.

Komm schon, Kleine, gib es zu: Du magst meinen Hut!

Auf Kamino kommt es derweil zu einer äußerst spannenden Szene: Der Premierminister Lama Su schickt Taun We, die Obi-Wan Kenobi in Episode II willkommen geheißen hat, zur Abholung von Omega zu einer aufgegebenen Klonanlage auf Bora Vio. Nala Se, die wir aus früheren Folgen und The Clone Wars kennen, attestiert er jedoch ein zu großes persönliches Interesse an dem Mädchen und fordert sie auf, ihr Genmaterial zu entnehmen und sie dann zu eliminieren. Nala Se scheint mit dieser Anweisung sichtbare moralische Schwierigkeiten zu haben.

An Bord der Havoc Marauder entdeckt Tech schließlich, was Omega für die Kaminoaner so wertvoll macht; sie ist ein Klon von Jango Fett aus der ersten Generation, der neben dem Klon „Alpha“, der sich als Boba Fett herausstellt, als einziger Klon Fetts reines Erbgut in sich trägt. Alle anderen Klone wurden durch Anpassungen wie schnelleres Wachstum und Gehorsamkeit modifiziert, Omega jedoch nicht. Technisch gesehen macht das Omega also zu Bobas „Schwester“. Damit wäre das Geheimnis um sie nun gelüftet, auch wenn es für mich zumindest keine große Offenbarung war.

Omega befreit sich schließlich, indem sie Todo überlistet, und kann Banes Schiff verlassen, als dieser auf Bora Vio landet und erst dann bemerkt, dass sie entkommen ist. Für einen Kopfgeldjäger von Banes Kaliber sicher auch etwas Neues, dass ihm ein Kind entwischt, auch wenn er im Entführen von Kindern bereits Erfahrung hat. Omega baut schließlich Kontakt mit ihren Freunden von Einheit 99 auf, jedoch ohne ihre Position übermitteln zu können. Bevor es dazu kommt, wird sie wieder vom Profi Bane geschnappt.

Warum nur geben die Jobs mit den Kindern immer die meisten Credits?

Auf dem Weg zurück zum Schiff betritt eine weitere Spielerin das Feld, Fennec Shand. Sie tötet die zur Abholung angekommene Taun We und verlangt die Auslieferung von Omega. Der Rest der Folge ist ein äußerst actionreiches Duell zwischen den beiden Kopfgeldjägern und Omegas Flucht vor den beiden durch die wunderschön verfallene Klonanlage. Beim Kampf zwischen der jüngeren und agileren Shand gegen den erfahrenen Bane macht es wirklich Spaß zuzusehen und Kopfgeldjäger-Fans dürften voll auf ihre Kosten kommen. Blaster, Thermaldetonatoren, Fäuste und der gute alte Flammenwerfer; alle klassischen Gadgets kommen bei der Konfrontation zum Einsatz. Shand darf hier bereits ein paar erste Erfahrungen im Umgang mit dem Mann, der als der beste Kopfgeldjäger der Galaxis gilt, sammeln, bevor sie 30 Jahre später in The Mandalorian zur rechten Hand von Boba Fett werden soll. Wie klein die Galaxis wieder einmal ist, wenn man bedenkt, dass Shand später mit Boba kooperiert, wo sie doch gerade die ihm aus seiner Kindheit bekannte Taun We getötet hat.

Tief in der Anlage schafft es Omega schließlich, ein Signal auszusenden und ihren Freunden ihre Position zu verraten, wobei Shand, die Bane kurzzeitig überwältigt hat, ein ähnlich nettes Gespräch wie schon auf Pantora anzufangen versucht. In dieser Szene sehen wir grüne Tanks mit toten, unter anderem kaminoanischen Klonen, die sehr an die Snoke-Tanks auf Exegol erinnern.

Blubber.

Es gelingt Omega, mit einer Fluchtkapsel vor Bane, Shand und Todo zu fliehen, in der sie schließlich auch von der Schaden-Charge gefunden und aufgesammelt wird. Nach dem düsteren Cliffhanger der letzten Folge finde ich es ein bisschen schade, dass das sichere Wiedersehen nach nur einer weiteren Folge bereits wieder stattfindet, aber es bleibt abzuwarten, was die nächsten Folgen bereithalten.

Zum Schluss wird enthüllt, dass Fennec Shand nicht mehr nach dem Kopfgeld auf Omega her war, sondern von Nala Se angeheuert wurde, um zu verhindern, dass Omega von Bane nach Kamino gebracht wird. Diese Konkurrenz innerhalb der Führungsriege auf Kamino dürfte noch äußerst spannend werden.

In der letzten Szene verspricht Hunter dem zurückgekehrten Mädchen, dass sie immer auf sie aufpassen würden und sie nie wieder nach Kamino müsse. Ob dieses Versprechen eingehalten werden kann, muss sich noch zeigen, ich bezweifle es allerdings. Die Szene wird mit einer ruhigen neuen Version des Bad Batch-Themes untermalt, wodurch auch die Musik in der Folge noch einmal glänzen darf.

Eine sehr spaßige Kopfgeldjäger-Folge weitgehend ohne die titelgebende Einheit. Die Handlung der Staffel wird weitergeführt, das Geheimnis um Omega gelüftet und die Figuren in Stellung für die nächsten Folgen gebracht.

7 Kommentare

  1. Ich habe eine Frage:
    „sie ist ein Klon von Jango Fett aus der ersten Generation, der neben dem Klon „Alpha“, der sich als Boba Fett herausstellt, als einziger Klon Fetts reines Erbgut in sich trägt. Alle anderen Klone wurden durch Anpassungen wie schnelleres Wachstum und Gehorsamkeit modifiziert, Omega jedoch nicht. “ Ja, so habe ich die Serie auch verstanden. Allerdings versteh ich nicht, wieso Omega dann weiblich ist? Ein „reiner Klon“ müsste doch männlich sein, oder?

      1. Hey, dann gibt es ja doch noch andere, die dieser These anhängen. Schön wär’s ja, aber ich glaube ehrlich gesagt nicht so wirklich daran, dass die Macher*innen sich das trauen. Queere Figuren in der Literatur sind ja die eine Sache, aber in einer Animationsserie? Wenn doch, dann sind Filoni und Corbett freilich meine neuen Held*innen. Und die Spekulationen darüber, ob Omega auch in TBoBF auftaucht, werden dann vermutlich zusätzlich angeheizt werden.

  2. Ich muss zugeben, dass ich aufgrund der Lektüre von Film und Roman Jurassic Park (auf der mein gesamtes momentanes Halbwissen zu Genetik beruht… Bio-Abi ist schon ein paar Jahre her) Omegas Identität als Jango-Klon mit unveränderter DNS nicht infrage gestellt habe. Die geklonten Dinosaurier in JP zum Beispiel sind alle weiblich designt, auch wenn sie männliche genetische Vorbilder hatten (die Sache mit den Fröschen jetzt mal außen vor gelassen). Da heißt es im ersten Film, der auch schon wieder 30 Jahre alt ist und bereits wissenschaftlich inakkurat war, dass alle Föten von Grund auf weiblich seien (deshalb auch die Brustwarzen bei männlichen Säugern) und ein gewisses Enzym zum richtigen Stadium der Entwicklung beigefügt werden müsse, damit sie männlich werden würden. Dieses Enzym wird von den Genetikern im Jurassic Park einfach vorenthalten und die Klone werden weiblich. Vielleicht weiß da aber auch jemand anderes hier etwas mehr…

    Wenn es jedenfalls so einfach ist, stellt sich für mich die Frage, warum die Klonarmee dann bewusst ausschließlich aus männlichen Klonen besteht. Vielleicht liefern die nächsten Folgen aber auch noch eine Antwort auf diese Fragen.

    1. Das „alle Föten von Grund auf weiblich seien“ und die Sache mit dem Enzym stimmen zwar nicht, allerdings ist es ziemlich einfach, aus einem männlichen Genspender einen weiblichen Klon zu erzeugen: Man repliziert einfach das eine X-Chromosom des Spenders (zur Erinnerung: weiblich = XX, männlich = XY). Umgekehrt wäre das eben schwierig, weil ein weiblicher Spender kein Y-Chromosom besitzt, um einen männlichen Klon, nun ja, männlich zu machen.
      Dass die Klonarmee ausschließlich aus männlichen Klonen besteht, könnte damit zusammenhängen, dass Männer tendenziell mehr Muskelmasse in Relation zum Körpergewicht aufbauen und auch ein stabileres Skelett. Das hätten die Kaminoaner zwar auch bei Frauen einbauen können, aber durch die Verwendung von Männern spart man sich so einige unnötige Genschnipplerei.

      1. Ah, okay, interessant. Wie gesagt, mein „Wissen“ beschränkte sich auf die 90er Sci-Fi-Version des Klonens von Michael Chrichton und Steven Spielberg, die wie Star Wars mehr der Unterhaltung als der Wissenschaft entspringen. 😀

      2. Versteh ich ja. Allerdings wäre die Frage, ob es dann noch „reines Erbgut“ ist, wenn ich ein Chromosom repliziere und ein anderes dafür weglasse.
        Vielleicht geht ich da auch zu wissenschaftlich dran …

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