Marvel-Mittwoch: The Fall of Kylo Ren #1

Ab heute darf Charles Soule die in Legacy of Vader: Die Herrschaft Kylo Rens  begonnene Geschichte von Kylo Ren zwischen Episode VIII und IX weitererzählen. Die The Fall of Kylo Ren-Reihe ist dabei auf fünf Hefte angelegt. Eigentlich wollte unser Kylo-Ren-Experte Max Mohr die Reihe für euch rezensieren, aber er steckt gerade mitten im Staatsexamen, daher vertrete ich ihn bei diesem Heft.

Achtung: Wie immer besprechen wir im Marvel-Mittwoch die Handlung der Comics, sodass sowohl der Beitrag als auch die Kommentare Spoiler enthalten können.

Der Inhalt

Noch etwas von seinem kartätischen Selbstfindungstrip (siehe Legacy of Vader) mitgenommen, macht sich Kylo Ren auf den Heimweg. Und wie es so schön heißt: Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch. In diesem Fall sind es General Hux und Admiral Pryde, die sich in ihrem Vorgehen derart uneins sind, dass sie die Eroberung von Hetzal Prime in den Sand setzen – und das auch noch vor den Augen ihres zurückkehrenden Chefs. Der macht daraufhin das, was jeder gute Chef in so einer Situation macht: Er rettet die Situation und setzt dann einen Management-Workshop an, in dem man gemeinsam erarbeitet, wo welche Probleme sind und welche passenden Lösungswege es gibt.

Mit dieser frischen Guidance und einer klaren Hierarchie ausgestattet, machen sich die beiden sogleich daran, den Fehler von vorhin auszuwetzen und die Eroberung von Hetzal Prime zum gemeinsamen Erfolg zu machen.

Leider erweist es sich wieder einmal, dass der Unterschied zwischen Theorie und Praxis in der Theorie oft kleiner wirkt, als er sich in der Praxis dann herausstellt, und so muss General Hux seinen Umsetzungsplan noch mal etwas nachschärfen, was Admiral Pryde dazu nutzt, seinen Gegenvorschlag nicht nur vor-, sondern auch gleich noch durchzubringen. Kylo Ren ist von Prydes Durchsetzungsfähigkeit ganz begeistert. Und so dürfen die Drei gleich darauf einen schönen Propagandasieg in die Kameras verkünden.

Doch irgendwie war Kylo dann doch nicht so ganz von der Leistung überzeugt, auch wenn er sich selbst mit ein paar markigen Sprüchen darüber hinwegzutrösten versucht. Gleich darauf, in der ungestörten Abgeschlossenheit seines Gemachs, reflektiert er über seine Situation und seine Pläne für die Galaxie. Und glücklicherweise spricht nun sein Großvater zu ihm und verspricht, alles, was folgt, mit großem Interesse zu verfolgen.

Aber nicht nur Kylo Ren sucht nach Wegen, das Schicksal der Galaxie zu bessern, sondern auch die überlebende Widerstandsbewegung von Hetzal Prime, die sich glücklich schätzen kann, dass ihr Ruf auf einer alten Frequenz gehört und prompt vom Widerstand beantwortet wird. Na, dann ist ja alles klar für die nächsten Hefte.

Die Umsetzung

Grundsätzlich finde ich es ja nicht schlecht, wenn sich ein Autor anfangs genug Zeit und Raum nimmt, die Beziehung zwischen den Hauptfiguren klar zu definieren und die Probleme klar aufzuzeigen, aber hier hat es Charles Soule meiner Meinung nach etwas übertrieben. Vielleicht spielt hier eine Rolle, dass der Comic diesmal vier Seiten mehr Platz hat als üblich. Aber das ist eine Schwäche, mit der ich gut leben kann.

Besser wäre es aber gewesen, wenn die Mimik der Hauptfiguren in den Zeichnungen von Will Sliney stärker mit der jeweiligen psychischen Situation der agierenden Figuren übereinstimmen würde, doch leider wirken die Gesichter und Augen trotz hoher Detaillierung oft eher leer. Dieser Umstand zieht für mich die ansonsten sehr gute Qualität der Panels etwas runter. Details, Schattierungen und auch die Plastizität der Figuren und ihrer Umgebungen sind meist sehr gut, nur fehlt das Leben, und selbst da, wo es mal zu sehen ist, scheint es nicht immer ganz zur Situation zu passen. Die kleineren, anderen Kritikpunkte, wie überbetonte Trennlinien an Nasen und Wangen bei einigen Figuren, fallen dagegen nicht wirklich ins Gewicht. Sehr gut gelungen finde ich die Panelkomposition und den Panel-Flow, besonders bei der großen Doppelseite zum zweiten Angriff.

Auch an der Kolorierung durch Guru eFX gibt es nichts auszusetzen. Einigen Nerds wird der Weltraum im Hintergrund vielleicht etwas zu hell sein, aber ich finde, diese künstlerische Freiheit ist durch den Effekt auf die Atmosphäre absolut gerechtfertigt. Und auch dass Kylos Aktionspanels rötlich angelegt wurden, selbst wenn er nicht mit seinem Lichtschwert kämpft, sondern fliegt, passt stimmungstechnisch einfach sehr gut.

Fazit

Ein inhaltlich etwas schwacher Auftakt der neuen Reihe, aber schauen wir mal, wie es sich noch entwickelt. Die künstlerische Umsetzung hat mir bis auf die angesprochenen Probleme mit der Mimik sehr gut gefallen. Geben wir der Reihe noch etwas Zeit, Soule hat uns Leser:innen eher selten enttäuscht.


Die Fortsetzung in The Fall of Kylo Ren #2 steht dann für den 16. September an. Am 19. August steht uns dann mit Galaxy’s Edge: Echoes of the Empire #5 das Finale dieser Reihe ins Haus.

Wir bedanken uns bei Marvel für die Bereitstellung der digitalen Vorabexemplare, ohne die unser Marvel-Mittwoch nicht möglich wäre.

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