Rezension: The Mandalorian 2×02: „Kapitel 10: Die Passagierin“

Knapp 10 Minuten kürzer als der Staffelauftakt setzt sich heute die zweite Staffel von The Mandalorian auf Disney+ fort. Zum Zwecke der Transparenz wollen wir eine Anmerkung machen: Wir ergänzen nach der Veröffentlichung der Rezension unter Umständen den Abschnitt Easter Eggs, damit dieser eine möglichst vollständige Auflistung darstellt. Der Rest unserer Rezension und somit auch unsere Einschätzung der Folge wird dadurch natürlich nicht mehr beeinflusst!

Die Rezensionen enthalten Spoiler zur aktuell rezensierten, als auch allen bisherigen Folgen. Wenn ihr die Folge also noch nicht gesehen habt, dann schaut gerne danach wieder bei unserer Rezension vorbei.

VeröffentlichungRegieAutor
6. November 2020Peyton ReedJon Favreau

Auf dem Weg zurück nach Mos Eisley wird Din daran erinnert, das noch nach dem Kind gesucht wird. Auch seine Suche nach weiteren Mandalorianer setzt sich fort und bringt ihm einen merkwürdigen Transportauftrag ein, der nicht so verläuft wie er es sich vorgestellt hat und ihn geradewegs in den Alptraum eines jeden Arachnophoben führt.

Zum Inhalt

Wir haben uns nach der letzten Folge noch gefragt, ob wir bereits in dieser Folge Tatooine verlassen werden haben oder uns weiterhin auf dem Wüstenplaneten rumtreiben. Tatsächlich gehen wir geradezu nahtlos von der letzten Folge auf die heutige über und sehen den Mandalorianer eiligst durch die Wüste düsen. Doch nicht mal die Rückkehr zur Razor Crest kann ohne Probleme ablaufen, denn ein paar findige Aasgeier lauern Mando auf und bringen ihn mit – zugegeben – altmodischen Methoden zum Straucheln, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Überfall war aber an sich gut inszeniert, schon allein deshalb, weil dadurch eine Mischung an großen Herausforderungen (wie der Krayt-Drache) und kleinen (wie die drei Vagabunden hier) geschaffen wird. Gepaart mit ein bisschen Situationskomik und obligatorischen Niedlichkeitsmomenten durch Baby Yoda, der eiligst bei seinem Papa Schutz sucht, unterhält auch dieses verhältnismäßig kleine Szenario.

Darf ich sie für einen Helm begeistern?

Zurück in Mos Eisley bekommen wir erneut Einblicke in die altbekannte Cantina, wo Peli – immer eine gute Addition – gerade einen Killik beim Sabacc abzieht. Und da dieser auch noch Informationen für Djarin hat, wird dieser gleich mit abgezogen. So sind alle am Ende glücklich – naja Peli vorrangig, aber die hat sich das auch verdient. Der Mandalorianer muss nun eine Froschdame samt ihrem eiförmigen Nachwuchs per Sublicht in den nächsten Sektor – auf den Meeresmond Trask im System des Gasriesen Kol Iben – befördern, wo es angeblich Mandalorianer gibt. Nun ist Din kein großer Familienmensch, außer es geht um das Kind, und ziert sich daher erstmal ein bisschen, bis er – der Not gehorchend – doch zustimmt die Froschdame und ihre Eier ganz taximäßig zu transportieren.

Dem Kind gefällt das ganze richtig gut, denn wie sich im Verlauf der Folge zeigt ist er ganz versessen auf die Eier der Froschdame. Die haben genau die richtige Größe, um sie in einem Happen zu verschlingen und folglich dürfen wir die gesamte Folge über beobachten, wie der kleine Rabauke ohne Gnade tätig wird und Eier stibitzt wo er nur kann. Als Zuschauer ist das leider urkomisch, auch wenn die Mutter der Babies quasi gleich daneben sitzt. Zusätzliche Komik erhält das Ganze dann noch, wenn man bedenkt, dass er in der ersten Staffel mühselig von Fröschen entwöhnt wurde und sich nun an der nächst kleineren Form zu schaffen macht. Das erklärt dann wohl auch, weshalb ihm später Spinnenbabies so gut schmecken.

Ich bin jetzt Vegetarier!

Bevor Baby Yoda alle Eier fressen kann, trifft die Gruppe auf eine Patrouille der Neuen Republik, darunter auch ein altbekannter X-Wing-Pilot mit dem Rufnamen Wolf (wieder gespielt von Dave Filoni). Dabei muss Djarin seinen „Ping“ übertragen, eine etwas merkwürdige Bezeichnung für einen ID-Code des Schiffs. Letztendlich führt das dazu, dass die Piloten sein Schiff mit dem Überfall auf den Gefangenentransporter aus der letzten Staffel in Verbindung bringen. Anstatt das aber freundlich mit den Herrschaften auszudiskutieren flüchtet Din und es entsteht eine Verfolgungsjagd über die eisige Planetenoberfläche. Zwar kann der Mandalorianer die beiden abschütteln, der Preis ist allerdings hoch, als die Razor Crest im Eis einbricht und dabei enorme Schäden erleidet.

Damit nicht genug, unsere Truppe ist auch ausgerechnet in der Nähe eines Spinnennests gelandet und das Kind arbeitet durch seinen stetigen Hunger nachhaltig daran, sie wütend zu machen. Diese achtbeinigen Weißen Spinnen – nicht Kryknas, denn wir haben ihre Beine gezählt – stammen eigentlich noch aus Legends, wo sie auf Dagobah leben und laufende Pflanzen darstellen, die eine Vorstufe des Knorrenbaums sind. Für Leute mit Arachnophobie ist die etwa zehnminütige Actionsequenz eher nichts und auch wir waren sehr froh, als die hoffentlich letzte Spinne dann endlich darnieder lag. Vielen Dank an die nette Nachbarschaftshilfe der Neuen Republik! Die Herrschaften haben nämlich ganz akkurat die Sicherheitsaufzeichnungen zum Haftbefehl für Djarin geprüft und dabei gemerkt, dass er zwar einen der Gefangenen befreit, aber dafür mit drei anderen ersetzt und sich auch noch für Leutnant Davan eingesetzt hatte. Deshalb lassen sie den Mandalorianer auch seines Weges ziehen. Der muss es sich mit der Froschdame und Baby Yoda nun zwar in seinem Cockpit gemütlich machen, weil der Rest des Schiffes nun wortwörtlich Schrott ist, aber immerhin fliegt die Razor Crest noch. Aber natürlich hat sich das Kind vorher noch ein Ei als Wegzehrung zur Seite gelegt. 

Anmerkungen

Auch wenn die Serie episodenhaft aufgebaut ist, so werden hin und wieder auch Ereignisse aus den vorherigen Kapiteln aufgegriffen. So nutzt die Froschdame nicht nur ZERO aus Kapitel 6, um sich mit Din zu verständigen, sondern auch die Ereignisse an Bord des Gefangenentransporters werden vonseiten der republikanischen Piloten noch einmal erwähnt und helfen Din am Ende auch dabei das Ganze zu überleben. Damit schauen wir zumindest etwas positiver auf die für uns schlechteste Folge der ersten Staffel.

Über den Wolken, muss die Nostalgie wohl grenzenlos sein.

Doch auch die Einbindung der Neuen Republik allgemein in diese Folge sowie die direkte Interaktion mit den Piloten lässt uns hoffen, dass wir dahingehend noch mehr sehen werden. Auch wenn wir die Abenteuer des Dreamteams auf allen möglichen unwirtlichen Planeten sehr zu schätzen wissen, lechzen wir dennoch weiterhin nach einem wirklichen Stadtplaneten und echter Zivilisation. Ob das nun gleich sowas kultiviertes wie Chandrila sein muss, oder man zunächst nach Nar Shaddaa geht, wäre uns aber egal. In der nächsten Folge scheint es uns jedoch erstmal nach Trask – einem Wasserplaneten – zu verschlagen, der wohl der Ort sein wird, an dem eine lustige Bootfahrt stattfindet, die auch bereits im Trailer angedeutet wurde.

Zuletzt sei auch noch gesagt, dass uns diese Folge natürlich gerade durch die Einbindung der Legends sehr gefallen hat, aber wir uns ab Kapitel 11 dann doch über ein Update des größeren Gesamtplots freuen würden. Wo ist Gideon, was plant er und wie geht es mit Cara und Greef weiter? Kapitel 9 hat uns insgesamt einen rasanten und belohnenden Einstieg für Literaturleser beschert und in dieser Folge wurden die Legends noch einmal gut aufbereitet, aber trotzdem sollte die Serie sich nicht zu oft in Folge vom eigentlichen Ziel der beiden entfernen, um „Durchhänger“ wie bei Kapitel 4 bis 6 zu verhindern.

Design und VFX

Hier könnte ein Warnhinweis stehen.

Zuvorderst gilt es in dieser Folge natürlich die Umsetzung der Spinnen hervorzuheben. Wir als „nicht gerade Spinnenfreunde“ hatten jedenfalls wenig Spaß dabei diesen beim krabbeln und angreifen zuzuschauen. Um den Punkt aus unserem inhaltlichen Text aufzugreifen, sind diese natürlich im Kanon am ehesten mit den Spinnen aus Star Wars Rebels zu vergleichen. Diese hatten jedoch nur sechs Beine, was Kilian Plunkett damit begründete, dass diese besser zu animieren seien. Dem Budget der ersten Realserie sei hier also gedankt, dass Ralph McQuarries erste Konzepte zu Das Imperium schlägt zurück nun so ihren Weg in den Kanon finden. Des weiteren haben diese Spinnen auch andere Eier als die Kryknas auf Attolon.

Außerdem wollen wir die Verfolgungsjagd der Razor Crest durch die X-Wings als positiv erwähnen. Natürlich ist es immer schön diese klassischen Raumschiffe der Rebellion beziehungsweise nun Neuen Republik in Aktion zu sehen, aber auch die Animationen und die Inszenierung der Verfolgungsjagd an sich hatten in jedem Fall Kinoniveau.

Um aber nicht nur lobend zu sein, muss auch erwähnt werden, dass man die Verwendung von Puppe und CGI-Kind in dieser Folge deutlich sieht. Wenn das Kind das leckere Spinnenbaby schnabuliert ist eindeutig eine CGI-Version am Werk, während bei der Flucht des Kindes an Bord der Razor Crest das schnelle Laufen einen leichten Uncanny Valley-Effekt aufweist. Aber das ist schon Meckern auf hohem Niveau und soll keinesfalls eine Kritik an der Nutzung der Puppe darstellen, vielmehr am Übergang zwischen Puppe und animierter Version!

Easter Eggs

Leckeres BBQ mit Abgasflavor

Bei Peli Motto tummeln sich natürlich mehrere Easter Eggs in Form von Droiden, auch wenn wir die meisten schon aus der ersten Staffel kennen. In dieser Folge kommt dann ein WED Treadwell Droide zu besonderem Einsatz, denn um das Krayt-Drachen-BBQ zu ermöglichen, fungiert einer seiner Arme einfach mal als Spieß. Auch die Cantina und der darin befindliche Killik sind uns schon zuvor begegnet, doch dieses mal darf Dr. Mandible eine größere Rolle einnehmen und neben einem Sabacc-Spiel auch noch als Informant dienen. Auch die Froschdame hat man übrigens in Kapitel 5 der Serie bereits in ebendieser Cantina sehen können, eine schöne Andeutung auf diese Folge, wie wir finden.

Auf dem Eisplaneten erleben wir dafür eine Verfolgungsjagd, die uns sofort an den Trench Run aus Eine neue Hoffnung erinnert hat. Mit dem Unterschied, dass die Jagd diesmal etwas unglücklicher für unseren Helden abläuft. Kommt vermutlich davon, dass das Kind nicht sein magisches „Handding“ macht.
Ein etwas anderes Easter Egg stellt für uns der Eiercontainer dar, der durch Baby Yodas Essgewohnheit ein bisschen an das „Gericht“ Eier im Glas erinnert. Zumindest das Kind scheint ein großer Fan davon zu sein.

Zuletzt ist irgendwie die Wahl des Regisseurs auch ein eigenes Easter Egg, denn Peyton Reed – der Regisseur der Ant-Man-Filme – wurde auch hier in gewisser Weise als Experte für Krabbeltiere zu Rate gezogen (auch wenn wir nicht glauben, dass das die Hauptmotivation war, ihn zu verpflichten).

Fazit

Die Serie setzt sich durch weitere spannende Spezies, Handlungsorte und auch – durch die Spinnen – bildgewaltige Szenen fort. Trotzdem fehlt dieser Folge unserer Meinung nach eine wirkliche Existenzberechtigung. Die Haupthandlung wird nicht wirklich fortgesetzt und auch das Dilemma der Froschdame und Dins anfängliche Weigerung ihr zu helfen, wirkten nicht so ausweglos, wie es uns suggeriert wird. Insgesamt sorgt das Kind wieder für einige Lacher und tritt diesmal wieder etwas mehr in den Vordergrund als noch in der letzten Folge. Man hat das Gefühl, dass einige Grundsteine gelegt werden könnten und ansonsten die typische episodenhafte Zusatzhandlung abgespult wird, die diesmal eben in der Einbindung der Spinnen aus den Konzepten von Episode V besteht. Dadurch macht die Folge insgesamt in jedem Fall Spaß, wir würden uns aber einfach etwas mehr Relevanz wünschen.

Das alles meine Eier sind, eigene ihr besorgen euch müsst!
Bewertung: 4 von 5 Holocrons
Bewertung: 4 von 5 Holocrons

5 Kommentare

  1. Merkwürdige Folge.
    Die Auftritte der X-Wings habe ich gefeiert, aber diese Fröschin war dann doch etwas seltsam – vor allem als die dann auf einmal angefangen hat in Hechtsprüngen zu fliehen.
    Und diese Spinnen… Seit dieser Folge habe ich wohl eine Spinnen-Phobie, war mir persönlich etwas zu viel.
    Bis jetzt aber kann man den Aufbau der zweiten Staffel sehr gut mit dem der Ersten vergleichen.
    In der ersten Folge erkämpft Mando sich etwas und in der Zweiten ist er auf dem Weg zur Handlung der dritten Folge – und sein Schiff wird zerstört.

    1. Ja man merkt schon, dass diese Folge eher dem Aufbau der dritten dienen soll. Sie mussten Mando wohl irgendwie von Tatooine zu dem Wasserplaneten bringen und haben sich dafür eben einen Frosch ausgesucht (weil Wasserplanet, ist ja klar).
      Die Spinnen waren für uns auch eine Qual, aber irgendwie ist das ja ein Kompliment an das Animationsteam, sie sollen schließlich widerlich sein.
      Da wir bei der Folge aber trotzdem Spaß hatten, haben wir sie trotzdem recht gut bewertet. Durch die Kapitelstruktur der Serie ist es immer schwer die Folgen richtig einzuschätzen, wenn der Gesamtblick fehlt. Wird die Begegnung mit den Piloten der Republik nochmal eine Rolle spielen? Hat das Verhalten des Kindes noch Auswirkungen, oder war das nur für die Lacher? All das werden wir erst in der Retrospektive und dann halt im Podcast besprechen können.

  2. Ehrlich gesagt fand ich die Folge relativ schwach. Dass das Kind sich an den Eiern der Passagierin zu schaffen macht, ist zwar lustig und süß, aber wenn gleichzeitig ein dramatischer Überlebenskampf der Familie der Passagierin eingeführt wird, ist das Verhalten des Kindes ja fast schon grausam.
    Bei den X-Wings fehlt mir die Motivation, warum sie zur Höhle zurückfliegen, Din retten, ihn nicht verhaften, ihm aber auch nicht mit dem Schiff helfen.
    Wie die Rezensenten erhoffe ich mir übrigens ganz allgemein, dass es mal eine Folge im Herz der Republik gibt, wo wir sehen können, wo zu dieser Zeit der Geschichte das Herz der Galaxis schlägt.

  3. The Mandalorian – Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

    Die Alien/Arachnophoba Anspielungen waren schon recht stark.
    Schön, dass wir mal so viel vom Tierleben in Star Wars erleben dürfen.
    Der beachtliche Appetit des Kleinen ist irgendwie schon tragisch, aber irgendwie habe ich die Hoffnung, dass er die Eier nur Schluckt, um sie zu schützen und in der nächsten Folge so die Mission zu retten. So viel Empathie unterstelle ich ihm einfach, auch wenn er nicht gerade in einem Haushalt mit viel Liebe, lehrreichen Diskussionen und Holzspielzeug aufwächst. 😉

Schreibe einen Kommentar