Natürlich ist heute nicht mehr Mittwoch. Es fehlte bis jetzt aber noch der Marvel-Mittwoch zu einer Figur der jungen Rebellion, die man aufgrund ihrer extremen Methoden nicht unbedingt als „Held“ bezeichnen kann. Die Rede ist von The Clone Wars-Veteran Saw Gerrera, der nach Auftritten in Rogue One, Andor, Rebels, The Bad Batch, Jedi: Fallen Order und mehreren Romanen nun zur Jubiläumsfeier des Films einen eigenen Comic erhält.
Achtung: Wie immer besprechen wir im Marvel-Mittwoch die Handlung der Comics, sodass sowohl der Beitrag als auch die Kommentare Spoiler enthalten können.

Inhalt

Die Handlung mit dem Titel The Price spielt im Jahr 17 VSY und damit in den frühen Jahren des Imperiums. Doch Saw Gerrera ist bereits aktiv auf Missionen gegen das Imperium, von denen eine die 20 Seiten des kurzweilig erzählten Hefts ausfüllt.
Die Darstellung des Kriegsveteranen erinnert ob der frühen Jahreszahl aber weit mehr an den fortgeschrittenen Saw, wie er von Forest Whitaker verkörpert wird, als an die jüngere Version aus The Clone Wars und seine Optik aus dem Jahr 19 VSY, also nur zwei Jahre früher. Seine Auftritte in The Bad Batch bauten dann die optische Brücke zwischen beiden Looks, dennoch altert der Charakter schlimmer, als Ben Kenobi von Ewan McGregor zu Alec Guinness.
Die kleine Episode aus Saws Kampf gegen das Imperium macht die bekannte Haltung klar und bietet mit Bail Organa als Gegenüber – gezeichnet wie Jimmy Smits und nicht wie Benjamin Bratt aus Andor – einen guten moralischen Gegensatz zum Extremen. Früh wird deutlich, dass die Spannung zwischen den späteren Rebellenanführerinnen und -anführern und dem Onderon-Partisanen schon so viele Jahre vor Rogue One gegeben war und nicht erst mit der Gründung der Rebellen-Allianz.
Das Ende liefert wie schon zuletzt das Jyn Erso-Heft eine schöne Verbindung zu früherer Literatur mit Rogue One-Bezug – auf der letzten Seite wird gezeigt, wie die Familie Erso am Ende von Der Auslöser mit Saws Hilfe von Coruscant nach Lah’mu flieht. Die neuen Jubiläumscomics würdigen die früheren Werke damit, machen sie relevant und sorgen für ein schönes, rundes Gesamtbild um den Geburtstags-Film und seine Charaktere.
Zeichnungen
Exzellent und zum dreckigen Kriegs-Setting perfekt passend sind Gabriel Guzmans düstere Zeichnungen. Auch wenn Saw für den Zeitpunkt wie gesagt zu alt aussieht, trifft der Zeichner alle bekannten Gesichter perfekt, ohne sie stumpf von direkten Vorlagen abzuzeichnen. Dadurch entsteht eine einheitliche Stimmung, die wie eine gemalte Version der Realität wirkt. Es ist sehr schön, dass Guzman, nachdem er zuletzt mit Doktor Aphra: Chaos-Agentin viele Jahre nach seinem ebenfalls kriegslastigen Beitrag Darth Vader und der Schrei der Schatten kurz vor Ende der Legends-Ära zu Star Wars zurückkehrte, wieder den Zeichenstift in der Galaxis schwingt.
Die grauen und trostlosen Farben von Federico Blee konnten ihrerzeit in der Darth Vader-Reihe durch die schwachen Stories und die mittelmäßigen Zeichnungen nicht glänzen. Guzmans aktuelle Visionen ergänzen sie allerdings ideal und positionieren das Heft in dieselbe realitätsnahe Richtung, die schon Rogue One und Andor ausmachte.






Fazit
Rogue One: Saw Gerrera ist ein starkes, gut geschriebenes und fokussiertes Heft über die Grausamkeit des Krieges und die Frage, wo man als Kämpfer für das „Richtige“ Grenzen im eigenen Handeln ziehen muss, um seine Ziele zu erreichen – eine wichtige Frage, die sich um die Gilroy-Werke und ihre bisherige Begleitliteratur zieht, zu der es auch hier wieder direkte Verbindungen gibt. Die zeichnerische Umsetzung ist absolut top. So bleibt ein Heft, das man zu den Jahreshighlights in der überschaubaren aktuellen Comiclandschaft zählen darf.
Am 5. August geht es mit der Reihe durch Rogue One: Chirrut & Baze weiter. Nächste Woche erwartet uns Shadow of Maul #5, das letzte Heft des Serien-Prequels.
Wir bedanken uns bei Marvel für die Bereitstellung der digitalen Vorabexemplare, ohne die unser Marvel-Mittwoch nicht möglich wäre.










