Marvel-Mittwoch: Star Wars #1

„No. I am your father.”

“Nein. Ich bin dein Vater.“

Darth Vader

Dieser Satz war einer der größten Handlungs-Twists in der Filmgeschichte. Von vielen Fans wird Das Imperium schlägt zurück als bester Star Wars-Film angesehen und vergöttert und ich verstehe warum. In diesem Jahr wird der Film 40 Jahre alt. Außerdem ist die Star Wars-Comiclizenz vor fünf Jahren von Dark Horse Comics zurück an Marvel gegangen. Diese beiden Ereignisse bringen uns zum heutigen Neustart der Star Wars-Comicreihe! Der heutige Marvel-Mittwoch steht ganz im Zeichen von

Star Wars #1

Bitte denkt daran, dass unsere Marvel-Mittwoch-Rezensionen Spoiler enthalten! So können wir bereits heute mit euch in den Kommentaren diskutieren.

Neustart. Was bedeutet das in diesem Fall? Werden jetzt schon Comics wieder als unkanonisch erklärt? Nein, natürlich nicht. Während wir hier in Deutschland ja alle Comics wegen Übersetzungszeit und Lizenzierungen immer etwas später bekommen, wurden die meisten Reihen in den USA abgeschlossen. Das betraf insbesondere Star Wars, Doctor Aphra und Darth Vader. Die beiden erstgenannten spielten größtenteils zeitgleich zwischen Eine neue Hoffnung und Das Imperium schlägt zurück. Leider kann ich noch nicht sagen, wie sie ausgehen, weil ich normalerweise auf Deutsch lese, aber sie wurden immerhin beendet. Nun starten ihre Nachfolger, die jeweils nach Das Imperium schlägt zurück und vor Die Rückkehr der Jedi-Ritter spielen. Nur haben die Nachfolger halt den gleichen Namen.

Star Wars #1 (01.01.2020)
Star Wars #1 (01.01.2020)

Star Wars #1 wurde von Charles Soule geschrieben, der innerhalb der letzten fünf Jahre bereits fleißig an diversen Star Wars-Comicreihen mitgeschrieben hat. Dieser erste Handlungsbogen hat den Titel The Destiny Path, zu Deutsch etwa Der Schicksalspfad, und wird voraussichtlich aus sechs Ausgaben bestehen. Die Zeichnungen dieses ersten Heftes wurden von Jesús Saiz angefertigt und von ihm selber und Arif Prianto koloriert.

Doch nun zum wichtigsten Aspekt: der Handlung. Wir befinden uns im Jahr 3 NSY, im Millennium Falken. Nachdem sie aus der Wolkenstadt über Bespin geflohen sind, geraten Leia, Lando und Chewbacca erneut in Streit, während Luke über sein Leben nachdenkt. Insbesondere über die letzten Stunden, in denen er erfahren hat, dass Darth Vader sein Vater ist. Im ersten Moment dachte ich bei den Zeichnungen und der mehrfachen Wiederholung des Monologs, den Vader im Reaktorschacht hält, um Luke zu überzeugen, dass Soule irgendetwas geraucht hätte, aber es stellt sich schnell heraus, dass es sich hier um die psychotische Wiederholung der Events in Luke Skywalkers Gedanken handelt. Das kann ich natürlich nachvollziehen, immerhin bricht für ihn gerade eine Welt zusammen und so ist auch diese recht verwirrend wirkende Passage ein guter Einstieg in die Geschichte. Irgendwann bekommt er dann auch mit, dass Han fehlt und dass die anderen streiten und mischt sich ein.

Diese Passage wird außerdem mehrfach von C-3PO unterbrochen, der für den Leser ein wenig Humor einbringt. In-Universe ist es allerdings kein Humor, sondern einfach unüberlegte Aussagen, was ihm von den anderen Charakteren böse und ungläubige Blicke einbringt. Wer den Humor, den 3PO und R2 in die klassische Trilogie einbringen mag, wird hier zumindest daran erinnert.

Die Gruppe ist unterwegs zu einem der Treffpunkte der Rebellenflotte, die ja nach der Schlacht von Hoth erneut über die Galaxis verteilt wurde. Dieser spezielle Treffpunkt wird aber gerade von den Imperialen in die Zange genommen: Die Schiffe der Rebellion sind zwischen einem nicht näher benannten Stern und einem Teppich aus Turbolaserfeuer gefangen. Obwohl die Idee sich erst einmal nicht schlecht anhört, kommen mir bei näherem Nachdenken doch einige Bedenken in den Kopf: Wie können die Imperialen sicherstellen, dass sie sich nicht selber Treffen? Wie können die Imperialen die Energieversorgung Dauerhaft gewährleisten? Womit schießen die Imperialen auf die Rebellen, wenn alle Turbolaser den „Schild“ aufrechterhalten? Haben die Zeichner jeden Laser per Hand gemalt? Die letzte Frage ist übrigens eine der wichtigeren, weil die Panels echt unglaublich unübersichtlich sind, weil es wirklich überall grün-blaue Striche gibt, wo sonst die Schwärze des Alls zu finden wäre.

Allgemein finde ich Hintergründe auch nicht so gut getroffen in diesem Heft; da haben wir tatsächlich schon viele bessere Comics in den Händen halten dürfen. Dafür sind Figuren und Schiffe super geworden. Man erkennt alles, der Stil ist einheitlich, Menschen sehen nicht abgepaust aus und zeigen passende und manchmal witzig gut gelungene Emotionen – hier denke ich besonders an Lieutenant Gorr. Sehr schön!

An Charakteren bekommen wir direkt die komplette Palette geboten. Luke, Leia, Lando, Chewbacca, R2 und 3PO sind ja noch an Bord des Falken, sie sind also auf jeden Fall dabei. Auf imperialer Seite haben wir da Lieutenant Gorr und Commander Zahra, die neue Figuren sind, die bestimmt in der Zukunft eine größere Rolle spielen werden. Die beiden haben eine typische Vorgesetzte/Untergebener-Beziehung zueinander, was mir teilweise für den armen Lieutenant leid tat. Außerdem natürlich Darth Vader, der aber wieder eher im Hintergrund bleibt.

Die Rebellen warten unterdessen unter anderem mit Kes Dameron und Shara Bey auf, die wir bereits aus Shattered Empire und Vor dem Erwachen kennen und deren Sohn eigentlich jedem ein Begriff sein sollte. Dieser ist zu diesem Zeitpunkt übrigens bereits geboren, wie Kes erwähnt. Hier kommt auch die interessante Diskussion auf, ob Raumschlachten für Fußsoldaten angenehmer, oder unangenehmer sind als Bodengefechte. Das hängt natürlich vom eigenen Standpunkt ab, aber ich fand es nett, dieses Gespräch zu verfolgen, weil es ja doch eine interessante Frage ist und man so auch ein wenig an die sprechenden Charaktere und ihren Charakter herangeführt wird.

Einen Kritikpunkt habe ich allerdings noch, denn Luke wird am Ende Luke-untypisch wütend. Das geht sogar so weit, dass ich es als Out-Of-Character bezeichnen würde und es macht mir ein wenig Sorgen, was Soule mit Skywalker in den nächsten Heften vor hat, insbesondere, da die Abschlussszene aus Episode V, in der Luke seine neue Hand bekommt, noch bevorsteht.

Ansonsten finden wir eine sehr solide Handlung vor, die sogar mehr oder weniger abgeschlossen, allerdings offensichtlich auch Teil einer größeren Haupthandlung ist. Ich hatte jedenfalls Spaß beim Lesen!

Heft #2 folgt dann am 29.01.2020.
Was sagt ihr zu dem Neustart? Habt ihr den Comic schon gelesen, und wenn ja, was haltet ihr von ihm?

Wir bedanken uns bei Marvel für die digitale Vorab-Ausgabe, ohne die unser Marvel-Mittwoch nicht möglich wäre.

4 Kommentare

  1. Ich glaube nicht, dass Soule da was abwegiges mit Luke vor hat, er beschäftigt sich halt mit diesem Tiefpunkt ins Lukes Gefühlswelt, die eben nicht nur von der Wahrheit über seinen Vater erschüttert ist, sondern scheinbar auch massiv unter dem Vertrauensverlust in Obi Wan leidet. Dass er in dieser Situation nicht nur Zweifel hat, sondern auch die Macht der dunklen Seite mal austestet, halte ich nicht für problematisch solange es eine kurze Episode des Zweifels bleibt. WIr wissen ja seit E VII, dass die SW Helden nicht immer und durchgehend heldenhaft sein müssen, sondern auch mal zweifeln dürfen.

    Das erste Heft der neuen Reihe hat mich jetzt noch nicht so begeistert, auch die Parallelen zur Situation in E IX, wie von Lando angesprochen, fand ich jetzt etwas unglücklich. Aber grundsätzlich habe ich schon großes Vertrauen in Soule und hoffe, dass es noch besser wird.

  2. Hört sich interessant an, eine direkt-Anbindung an Filme, und dann auch noch an an ESB ist immer schwierig und muss für mich immer 100% glaubhaft sein. Für mich sollte es für meinen durchaus kritischen Vater, der ein riesiger Fan von SW ist, aber keinerlei EU-Material gelesen, gehört, gesehen oder gespielt hat, als glaubwürdige Fortsetzung akzeptierbar sein.
    Es sollte also theoretisch alles so im Film passieren können, wenn man vom künstlerischen Gesamtpaket wie passendem Ende oder Kontext absieht, oder wenigstens in genau den selben Kanon passen. Schafft das der Comic?

    1. Also, was dein Vater von dem Comic hält, weiß wohl nur er, da kann ich dir nicht helfen. Der Comic setzt Film gut fort, hat aber in späteren Ausgaben kleinere und ich denke, wenn die Reihe länger fortgesetzt wird auch große Referenzen auf andere Comics. Insbesondere auf Soules eigene Comics Vader und auf das große Projekt The High Republic.
      Wenn du also „nur“ eine Fortsetzung des FIlms willst, bist du bei dem Comic falsch, wenn du eine Fortsetzung des Kanons nach dem Film willst, bist du hier richtig.

      1. Mit dem Vater habe ich mich wohl falsch ausgedrückt, meine Frage steckte im letzten Absatz, mein Vater sollte eher eine Erklärung dieser (und vielleicht auch eine Begründung meiner Ansprüche) sein. Gewünschte Antwort habe ich ja trotzdem bekommen, danke 🙂
        Dann werde ich wohl auch diese Reihe kaufen müssen, auch wenns dem Geldbeutel schmerzt… :/

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