Rezension: The High Republic Adventures Annual 2021 von IDW

Kurz vor Weihnachten schenkt uns der Verlag IDW mit dem The High Republic Adventures Annual 2021 einen ganz besonderen Leckerbissen: Alle fünf The High Republic-Autor:innen kommen in diesem Heft zusammen, um jeweils eine kurze Geschichte aus dieser Ära zu erzählen. Aus diesem Grund hat das Heft mit 48 Seiten auch Überlänge. Wir dürfen uns also auf einigen Lesestoff für die Weihnachtsfeiertage freuen. Doch werfen wir einen Blick auf die einzelnen Geschichten!

„Set for Life“

Die erste Geschichte, geschrieben von Charles Soule, spielt vor Light of the Jedi und führt uns zum Jedi-Außenposten auf Elphrona, wo Meister Loden Greatstorm und sein Padawan Bell Zettifar einen Hilferuf erhalten: Es hat einen Minenunfall gegeben und ein Bergarbeiter ist in Gefahr. Vor Ort stellt sich der Bergarbeiter als vollkommen unvernünftig und seine Situation als selbstverschuldet heraus: Er will unbedingt einen besonders großen Edelstein aus den Felsen hauen, destabilisiert damit die Höhle und und macht es mit seiner Gier den Jedi selbst bei der Rettung noch schwer. Padawan Bell lernt bei der Aktion eine wichtige Lektion: Auch wenn Leute sehr dumme Entscheidungen treffen, ist es trotzdem die Pflicht der Jedi, Leben zu schützen.

Für mich ist gleich dieser erste Comic das größte Highlight des Hefts. Loden und Bell sind ein großartiges Team und haben auch hier, wie schon in Light of the Jedi, ein tolle Meister-Padawan-Chemie. Ebenso wunderbar ist es, Ember, Indeera Stokes und Porter Engle wiederzusehen. Sam Becks klarer und detailreicher Zeichenstil in zu Elphrona passenden warmen Erdtönen gefällt mir ebenfalls sehr gut. Die bekannten Figuren sind alle sofort wiedererkennbar. Die Lehre, dass man auch Leuten helfen sollte, die mit dummen Entscheidungen sich und andere in Gefahr bringen, ist sehr aktuell und relevant. Mich hat die ganze Situation in dem Comic doch sehr an Querdenker und Impfgegner erinnert, die auf der Intensivstation landen und für deren Überleben das medizinische Personal dann trotz ihrer selbstverschuldeten Situation alles gibt. Wieder mal eine schöne Botschaft der Menschlichkeit von Seiten der Jedi und eine sehr runde Geschichte von Charles Soule!

„No Stone Unturned“

Claudia Gray erzählt uns eine Geschichte, in deren Mittelpunkt Affie Hollow und Leox Gyasi stehen. Die beiden erledigen eine Mission, bei der sie einen Edelstein entwenden müssen. Auf der Flucht werden sie von Einheimischen verfolgt, denen der Edelstein aufgrund eines Rituals sehr viel bedeutet, bei dem die Sonne zu einem bestimmten Zeitpunkt genau auf den diesen scheint. Leox und Affie beschließen, den Edelstein zurückzugeben, und damit er rechtzeitig wieder in der Position ist, um von der Sonne beschienen zu werden, wird er auf Geode platziert.

Die Geschichte an sich ist recht banal, lebt aber von den amüsanten Zankereien zwischen Affie und Leox und vom Geode-Humor („Er ist ein Meister der Tarnung!“ – Wow, wer hätte das gedacht bei einem Felsen!). Leider zündet der Twist am Ende, dass der Edelstein auf Geode gestellt wird, bei mir nicht so richtig. Es ist ja nicht so, dass der Einsatz von Geode hier zwingend gewesen wäre. Zur Not hätte sich auch einfach jemand hinstellen und den Edelstein in der richtigen Höhe halten können. Ganz am Ende gibt es allerdings noch einen interessanten Verweis auf den nächsten Auftrag der Crew der Vessel und damit eine direkte Verknüpfung zur dritten Welle. Insgesamt eine nette Geschichte mit ebenfalls sehr gelungenen Zeichnungen von Jason Loo und Farben von Megan Huang, allerdings längst nicht auf den Niveau von Charles Soules Beitrag.

„First Mission“

In Justina Irelands Beitrag geht es – wie könnte es auch anders sein? – natürlich um Vernestra Rwoh. Diese trifft hier als frischgebackene Padawan auf Hynestia zum ersten Mal auf ihren Meister Stellan Gios. Die beiden haben wenig Zeit, sich kennenzulernen, denn es steht direkt ein festliches Bankett an, auf welchem ein von Stellan verhandeltes Friedensabkommen zwischen den Hynastianern und den Hutten gefeiert werden soll. Aber die Hutten, angeführt von Jabba, wären nicht die Hutten, wenn sie dies nicht für einen hinterlistigen Angriff nutzen würden. Bei dieser Gelegenheit kann Padawan Vernestra direkt ihre Talente unter Beweis stellen.

Auch Vernestra und Stellan haben hier, ebenso wie Loden und Bell in der ersten Geschichte, eine absolut tolle Meister-Schüler-Dynamik. Stellan, der oft recht abgehoben wirkt, ist hier noch jünger und auf seinen Schultern scheint noch nicht so viel Verantwortung zu lasten. Fast wirkt er etwas verunsichert, als Vernestra ihn mitten im Training, als er gerade kopfüber schwebt, überrascht und ihn gleich darauf bei einer Übung an die Wand schleudert. Schön zu sehen, dass auch Jedi-Posterboy Stellan nicht perfekt ist. Wie gut sich Stellan und Vernestra innerhalb kürzester Zeit schon ergänzen und wie effektiv sie bereits zusammenarbeiten, zeigt der Comic eindrucksvoll. Die Zeichnungen von Yael Nathan fangen diese Zusammenarbeit der beiden gut ein, wenn sie auch, vor allem in den Hintergründen, etwas schlichter gehalten sind. Der Fokus liegt eindeutig auf den Figuren und ihren Gesichtern, die sehr gut gelungen und sofort wiedererkennbar sind. Für mich insgesamt der zweitstärkste Comic des Heftes.

„Crash and the Crew Do what They Do“

In diesem Comic von Daniel José Older lernen wir die Sicherheitsspezialistin Alys Ongwa kennen, Spitzname „Crash“. Sie wird in Olders YA-Roman Midnight Horizon eine tragende Rolle spielen. Hier erleben wir sie auf Corellia, wo sie bei einem Besuch von Kanzlerin Lina Soh für die Sicherheit zuständig ist. Crash und ihre Kollegen patrouillieren Coronet City, als sie einen Suchdroiden entdecken, den die Nihil ausgesendet haben. Diesen gilt es auszuschalten, bevor er der Kanzlerin gefährlich wird.

Der Comic punktet vor allem durch seine Bezüge zur regulären The High Republic Adventures-Reihe, welche auch zuletzt auf Corellia angelangt war. Die düsteren Pläne, die die Nihil Sabata und Respriler in der Hauptreihe begannen auszuhecken, scheinen sie hier nun in die Tat umzusetzen und damit Wissen zu gewinnen, das sie dann wohl wieder für den nächsten Band der Hauptreihe benötigen. Ein schönes Gimmick für treue Leser:innen der Reihe. Auch der humorvolle Einstieg in den Comic, bei dem Crash anscheinend ihre „Erzähltexte“ laut ausspricht und von ihren Droiden darauf hingewiesen wird, gefällt mir gut. Der Zeichenstil von Jesse Lonergan mit seinen zittrigen Linien ist weniger mein Geschmack. Lina Sohs Targon-Haustiere sehen aber auf jeden Fall beeindruckend aus. Alles in allem ein solider Comic.

„The Haul“

In der letzten Geschichte des Hefts, geschrieben von Cavan Scott, tritt Porter Engle gegen Lourna Dee und die Nihil an. Slombo, ein Storm der Nihil, befindet sich auf einem Raubzug, als Lourna Dee auftaucht und die Aktion übernehmen will, da sie reiche Beute vermutet. Allerdings war das Ganze eine Falle von Jedi Porter Engle, der die Nihil mit gezündetem Lichtschwert empfängt. Lourna tritt die Flucht an und überlässt ihren Nihil-Kumpel der Gefangenschaft bei den Jedi.

Der Comic zeigt nochmals schön, wie Lourna Dee sich nur um sich selbst kümmert, wie es auch schon in Tempest Runner der Fall war. Für Hörer:innen des Hörspiels gibt es außerdem ein kleines Easter Egg, denn Lourna scheint Muglan mit dabei zu haben, eine Mitgefangene, die sich am Ende des Hörspiels den Nihil anschließt. Ein großer Minuspunkt des Comics sind aber eindeutig die sehr undeutlichen und unklaren Zeichnungen von Stefano Simeone. Bei den Kampfszenen konnte ich wirklich kaum nachvollziehen, was passiert. Dass in einigen dunklen Panels fast alles Grau in Grau ist, macht es nicht besser. Ich verstehe nicht, warum man bei Comics mit den maskierten Nihil nicht mal endlich einen Zeichner nimmt, der deutliche Figuren zeichnet. Es ist immer so schwer, verschiedene Nihil und anderes Zeug, das in Action-Szenen herumfliegt, zu unterscheiden, sodass bei mir der Lesespaß echt leidet. Schade!

Fazit

Auch wenn ich an einigen Comics kleinere Dinge auszusetzen hatte, liefert das Annual insgesamt doch eine lesenswerte Sammlung von kurzen Erzählungen auf hohem Niveau. Der Abwechslungsreichtum der unterschiedlichen Geschichten fällt dabei ebenso positiv ins Gewicht wie die Anwesenheit vieler großer Hauptfiguren aus The High Republic und die Verknüpfungen zur dritten Veröffentlichungswelle, welche uns Anfang 2022 erwartet. Ich vergebe volle fünf Holocrons.

Bewertung: 5 von 5 Holocrons
Bewertung: 5 von 5 Holocrons

Wir danken IDW Publishing für die Bereitstellung des digitalen Rezensionsexemplars und der Vorschauseiten.

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Star Wars: Die Hohe Republik ist ein mehrjähriges Buch- und Comicprogramm, das 200 Jahre vor den Filmen spielt und die Jedi in ihrer Blütezeit zeigt. Weitere Infos, News, Podcasts und Rezensionen gibt es in unserem Portal und in der Datenbank. Beachtet auch unseren Guide zur Lesereihenfolge.

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