Rezension: Republic Commando 4: Order 66 von Karen Traviss

Noch einmal stürmt, noch einmal, liebe Freunde! Sonst füllt mit toten Klonen die Mauer!

Dass man bei dem Titel „Order 66“ jetzt wohl eher an Sätze wie „Commander Cody! Die Zeit ist gekommen. Führen Sie Order 66 aus!“ und nicht an Shakespeares Heinrich V. denkt, mag nahe liegen, allerdings wird dies nun die letzte Rezension sein, in der wir uns mit den Heldentaten und Abenteuer des Omega-Squads befassen.

In Republic Commando: Order 66 von Karen Traviss begleiten wir Darman, Fi, Niner und Atin zurück in jene Tage, in denen die Jedi fielen, die Republik umgestaltet wurde und Frieden und Wohlstand in der Galaxis Einzug halten sollten.

Die Dunkle Seite hat ihre Maske fallen gelassen und die Fratzen der Korruption, der Lügen und des Verrats sich entblößt. Mittendrin stehen die Omegas und ihre Gefährten und müssen sich entscheiden: Fliehen? Kämpfen? Oder ihrem Instinkt – der Order 66 – folgen?

Das Buch

Mit 467 Seiten in der Del Rey-Ausgabe (die neu aufgelegte Legends-Ausgabe schlägt mit 473 zu Buche), die am 23. September 2008 in Amerika und die am 19. November 2008 über Panini in den deutschsprachigen Landen veröffentlicht wurde, blieb Order 66 hinter der Masse von True Colors zurück, was dem Buch allerdings keinen Abbruch tut.

Wie seine Vorgänger finden wir auch hier die altbekannten Merkmale: hochwertige Klappbroschur-Bindung und das inzwischen allgegenwärtige Legends-Banner.

Zeitlich spielt der Roman Order 66 19 VSY rund um die Ereignisse derselben, denen wir auch im Film Episode III: Die Rache der Sith begegnen – man kann ihn also als Parallelwerk zum Film betrachten.

Die Handlung

Die Handlung des Intermezzo-Romans beginnt mit einer moralischen Grundsatz-Diskussion zwischen dem inzwischen zum Mandalorianer gewordenen Bardan Jusik und einem ehemaligen Jedi-Kameraden, ehe wir uns auf einer Reise durch die Zeit mit Kal Skirata begeben.

Ein wenig wird der Schleier um den alten Sergeant gelüftet, ein Bruchteil seiner Geschichte preisgegeben, wie Skirata von dem kleinen zitternden Falin Mattran zu Kal vom Clan Skirata wurde.

In der Gegenwart verdichten sich die Ereignisse und nun – 600 Tage nach der Schlacht von Geonosis – ist der Schrecken des Krieges auf dem Höhepunkt, auch wenn es Lichtblicke wie die Freundschaften der Klone und die zärtlichen Gefühle zwischen Darman und Etain gibt.

Es ist wie das Luftholen vor dem Sprunge und Begegnungen mit seltsamen Klonen, die miserable Schützen sind und zu dem kein Mando‘a können, werfen weitere Fragen auf, denen sich Etain, die Omegas, Kal Skirata und die Deltas nur zu gerne stellen würden – auch wenn der Krieg sie nicht lässt.

Das alles gipfelt schließlich in dem Ereignis, das nur als schrecklich, monströs und grauenhaft bezeichnet werden kann: Order 66. Bruder kämpft gegen Bruder, ehemalige Verbündete sind nun die neuen Feinde und in all dem Chaos gibt es nur ein Ziel, das die Charaktere antreibt: Überleben! Auch wenn das immense Opfer bedeutet

Fazit

Sollte sich jemand dazu berufen fühlen, einen Order-66-Marathon in Buch-/Comic-/Filmform durchzuziehen, dann gehört Republic Commando: Order 66 definitiv zu den Titeln, die auf der Liste stehen sollten.

Erneut finden wir den üblichen „Traviss-Stil“ vor, der durch den Spagat zwischen Militärlesern und Star Wars-Lesern zu überzeugen weiß, auch wenn Karen Traviss uns erneut vor Augen führen möchte, wie viel toller Mandalorianer als Jedi sind. Dennoch werden sich Kenner des Erweiterten Universums, Freunde der Klonkriege und Liebhaber der Klone gebauchpinselt fühlen.

Dieses Mal jedoch vermag es Traviss, den Leser zu quälen, und das mit Schmackes! Wir alle wissen, worin dieses Buch gipfeln wird, welches Ereignis den Höhepunkt – die Katastrophe in der dritten Szene des dritten Aktes eines Theaterstückes – dominieren wird. Und Traviss kostet dieses Ziel vollkommen aus: Order 66 baut die Spannung und die Bedrohung des Vernichtungsbefehls vollkommen aus und bei jedem Umblättern erwartet man, die verhängnisvollen Worte „Führt die Order 66 aus!“ zu lesen, nur um weiter hingehalten zu werden. Ungeduldige Leser mögen dies als Nachteil betrachten, Masochisten und Genießer kommen jedoch voll auf ihre Kosten und die Entladung des Befehls ist dadurch umso epischer.

Lediglich einen Kritikpunkt gibt es zu verzeichnen, auch wenn dies eher auf persönlicher Präferenz basiert: Es wird eine Stelle kommen, wo man als Leser sich denkt: „Du dumme Nuss! Wieso tust du das?! Wieso wirfst du alles weg?!“ Kenner, die Order 66 bereits verschlungen haben, werden vermutlich wissen, was ich meine. Für alle anderen gilt: Klammert euch an die Entwicklungen zuvor, die es euch ermöglicht haben, besagte Figur zu lieben, ihr werdet sie brauchen.

Übersetzungstechnisch gibt es nichts zu meckern; Panini hat für die Neuauflage maximal einige Schönheitsfehler korrigiert, gravierend fiel jedoch nichts auf.

Order 66 selbst ist ein solider Roman, der ähnlich dem Vorgänger True Colors zu überzeugen weiß, allerdings hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt.

Während True Colors wie das (offene) Ende einer Trilogie konzipiert ist, istOrder 66 stilistisch und inhaltlich top, allerdings merkt man: Es ist ein Brücken-Roman zwischen einer abgeschlossenen Trilogie und einer noch zu verfassenden Buchreihe (siehe Imperial Commando).

Auch die Entwicklung der einen oder anderen Figur ist schwächer, beziehungsweise geht in eine Richtung, die einen durchaus genervt stöhnen lässt.

Nichtsdestotrotz ist es ein Genuss, die Spannung, die erzeugt wird, in sich aufzusaugen und den „Moment zwischen dem Luftholen und dem Sprung“ voll und ganz zu genießen. Deswegen: vier von fünf Holocrons!

Bewertung: 4 von 5 Holocrons
Bewertung: 4 von 5 Holocrons

Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares

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