Rezension: The Clone Wars 4×14: „Der andere Weg“

Am heutigen Sonntag widme ich mich einer Seltenheit in der zweiten Hälfte der Serie: einer Folge, die nicht Teil eines direkt zusammenhängenden Arcs ist. Die von Christian Taylor geschriebene Folge wurde von Dave Filoni selbst inszeniert und erschien am 13. Januar 2012 als erste Folge des Jahres unter dem Titel A Friend in Need in den USA. In Deutschland bekamen wir die Folge ein halbes Jahr später, am 17. Juni 2012, zu Gesicht.

„Durch Freundschaft erfahren wir, wer wir wirklich sind.“

Offizielle Folgenbeschreibung: „Jungsenator Lux Bonteri unterbricht eine Friedenskonferenz auf Mandalore, um Count Dooku des Mordes an seiner Mutter zu bezichtigen. Ahsoka bewahrt Lux vor dem sicheren Tod, woraufhin Lux sie mit nach Carlac nimmt. Dort entdeckt sie, dass Lux sich den Kriegern der Death Watch angeschlossen hat, die ihm Hilfe bei seiner Rache an Dooku versprochen haben.“

Star Wars: The Clone Wars Episodenguide
Lux erhebt Anschuldigungen gegen Count Dooku!

Zum Inhalt: Ich liebe die Tendenz von The Clone Wars zu mehr Arcs in der zweiten Hälfte der Serie. Trotzdem hat mich gerade diese Folge sehr positiv überrascht. Ich muss gestehen, dass ich diese bis zu meinem Rewatch für die Rezensionen nicht besonders auf dem Schirm hatte, nun aber froh war, diese Folge nahezu unverbraucht gesehen zu haben. Man muss natürlich sagen, dass es sich hier um keine besonders atemberaubende Folge handelt, aber sie macht an vielen Stellschrauben viel richtig. Ich möchte nun einige Punkte davon explizit aufführen:

Charakterentwicklung: Wir wissen, dass Ahsoka und Lux sich aus der von mir sehr geschätzten Folge Helden auf beiden Seiten kennen. Und auch in der darauffolgenden Episode wird der Senat mit dem Tod von Mina Bonteri konfrontiert und die Spekulationen in den Raum geworfen, dass nicht die Republik schuld an ihrem Tod ist, sondern Count Dookus „Schergen“. Dass diese damals eher beiläufige Äußerung in einer Folge weiterverfolgt (hehe) wird, hat mir sehr gut gefallen. Ahsoka und Lux haben sich im Rahmen des Möglichen angefreundet und auch Ahsoka wird von dem Gerücht des wahren Schuldigen gehört haben. So scheinen die Äußerungen von Lux für sie plausibel zu sein und somit ihr Interesse, ihn zu schützen, auch jenseits ihrer Freundschaft verständlich. Einzig von Padmé hätte ich mir eine etwas emotionalere Reaktion auf die Anschuldigungen erwartet, doch dazu scheint sie eine zu professionelle Diplomatin zu sein. Die eigentliche Entwicklung der beiden zueinander in der Folge ist auch sehr gut umgesetzt! Am Anfang traut Lux Ahsoka noch nicht so richtig, beziehungsweise glaubt er nicht, dass sein Plan Anklang finden würde. Am Ende hat sich an dieser Situation auch nicht viel verändert, was aber verständlich ist. Lux traut niemandem und denjenigen, denen er traut, möchte er nicht die Bürde auftragen, mit involviert zu sein. Auch durch die Dialoge zwischen Lux und Ahsoka und den Verlauf der Geschichte merkt man, dass ihre Freundschaft stärker wird und sich dann im Onderon-Arc auch noch weiterentwickelt. Lux‘ etwas naive Art passt zu Beginn der Handlung perfekt zu seinem Charakter. Er erwartet nicht, dass der Anführer der Separatisten ihn direkt töten würde, hat aber trotzdem einen guten Plan. Er erwartet nicht, dass die Death Watch erbarmungslos sein könnten, hofft dies aber für sein Anliegen insgeheim. Man kann also von einer sehr ausgeprägten selektiven Wahrnehmung sprechen, die diese Figur und ihre Erfahrungen, die sie macht, so interessant gestaltet. Ahsoka hingegen wird mit dem Problem konfrontiert, mit dem sich schon Anakin mit Padmé und Obi-Wan mit Satine konfrontiert sahen: der Liebe und der Treue zum Jedi-Orden. Denn auch die romantische Beziehung wird angenehm subtil zwischen diesen beiden angedeutet.

Ahoska und Lux treffen auf Carlac ein.

Fortsetzung der Handlung: Die Death Watch existiert noch, Mina Bonteri wird wieder erwähnt, etc. Man verknüpft Staffel 2 und 3 und deutet weitere Konflikte in Staffel 5 und 6 an. Dass die Death Watch nicht gut auf Dooku zu sprechen sein dürfte, nachdem der Plan zur Übernahme Mandalores gescheitert ist, ist naheliegend. Nun aber mit einem von Dooku verletzten Vizsla und einer nomadischen Death Watch konfrontiert zu werden, gewährt den Ereignissen aus den vorherigen Staffeln eine schöne Fortsetzung.

Tolle Erzählgeschwindigkeit: Obwohl es sich nur um eine einzige Folge und keinen Arc handelt, hatte ich – bis auf den Fakt, zu Beginn mehr von der Konferenz erfahren zu wollen – zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass irgendetwas Inhaltliches fehlen würde. Das Pacing der Folge ist ausgesprochen gut und liefert einen schönen Mix aus Dialog und Action am Ende. Auch die Konfrontation mit der Brutalität der Death Watch ist spannend und klug aufgebaut und gut in die Handlung eingebunden.

R2s Revolution: Wer dachte, dass L3-37 die Erste wäre ,die im Kanon eine Droidenrevolution anzettelt, liegt falsch! R2-D2s Rolle ist in dieser Folge zwar nicht vollständig gelungen (dazu in den Anmerkungen mehr), aber in puncto Droidenrevolte hat er definitiv überzeugt. Ich muss auch gestehen, dass ich diese Art des Aufstands besser finde als in Solo: A Star Wars Story, da die Droiden hier tatsächlich als Zielobjekte benutzt wurden. Im Film sind diese ja hauptsächlich für Verwaltungsarbeiten zuständig und die organischen Lebewesen als Sklaven für die harte Arbeit in den Minen.

Die Phönix inmitten der wunderschönen Schneelandschaft.

Anmerkungen: „R2-D2 ist eigentlich der Klügere von den beiden!“ Das war meine Auffassung, als ich das erste Mal Episode IV gesehen habe. Doch in dieser Folge trifft das nicht vollständig auf ihn zu. Zu Beginn der Handlung sieht er auf – dem übrigens wunderschön aussehenden – Schiff Phönix zu, wie Ahsoka erst betäubt – pardon „schlafend“ – von Bonteri auf einen Stuhl verfrachtet wird, und dann lässt er es zu, dass dieser ihre Lichtschwerter entwendet und irgendwo auf dem Schiff versteckt. Wenn Ahsoka plötzlich schlafen wollen würde, würde sie vielleicht R2 Bescheid geben, sie nach Coruscant zu fliegen, was er ja kann. Aber, dass R2 treudoof Lux vertraut, den er erst zwei Minuten „kennt“, wirkt etwas seltsam. Genauso wie der Schnitt, der suggeriert, dass er nie von Ahsokas Seite weicht, dann aber nicht mitbekommt, wo ihre Lichtschwerter hin sind. Wie gesagt, nur eine kleine Feinheit in der Erzählung. Man hätte R2 ja kurz rebellieren lassen können, woraufhin ihn Lux mit einem Haltebolzen versieht, den Ahsoka dann, wenn sie erwacht, entfernt. Gleicher Effekt und klügerer R2!

Animation: Mir gefällt diese Folge vor allem wegen den hervorragenden Assets und der Welt Carlac. Die Schneelandschaft wirkt tausendmal besser als auf dem Planeten Orto Plutonia aus Staffel 1 und der dann noch einsetzende Schneefall wirkt nicht wie eine weiße Wand (wie in früheren Staffeln), sondern beinahe realistisch. Ansonsten gefallen mir die Anleihen an den japanischen Stil der Siedlung sehr gut und auch die Ming-Po wirken wie eine angenehme Abwandlung der normalen Menschen im Star Wars-Universum. Wie ich schon erwähnte, gefällt mir auch das Design der Phönix sehr gut, da es edel, republikanisch und gleichzeitig unverbraucht wirkt.

Die Death Watch zeigt ihr wahres Gesicht.

Fazit: Für mich ist diese Folge eine schöne Fortsetzung der in den vorherigen Staffeln offen gebliebenen Handlungsstränge und gleichzeitig ein guter Übergang für die Erlebnisse von Lux auf Onderon und der Death Watch mit Darth Maul. Auch wenn hier eine eher kleinere Story erzählt wird und es nicht um 50.000 Siedler geht, von denen nur 68 anwesend sind, so schafft es die Folge, ihre Hauptfiguren gut ins Zentrum zu rücken und ein Stück weit weiter zu entwickeln und gut auf die kommenden Folgen mit diesen Protagonisten einzustimmen.

vorherige Episode: Meister und Sklave (Staffel 4, Episode 13)
nachfolgende Episode: Transformer (Staffel 4, Episode 15)

Über den Autor

Tobias
Tobias begeistert sich für so ziemlich alles aus dem Star Wars Universum. Primär interessieren ihn Romane und Videospiele aus einer weit weit entfernten Galaxis. Im normalen Leben studiert er in Bamberg Politikwissenschaft und Geschichte.

1 Kommentar

  1. Schosch

    Ich finde die Folge ganz okay.

    Was ich sehr gut finde istdas man Lux Bonteri hier gut in der Handlung einbringt und seine Charaktentwicklung in der Folge extrem gelungen. Ebenso interessant und gut finde ich den Charakter Konflikt von Ahsoka zwischen ihren Gefühlen für Lux und der Treue zum Jedi Orden. Die Deathwatch finde ich hier auch wieder sehr gut eingesetzt und Pre Viszla gehört einfach zu den Charakteren die man richtig richtig hasst.

    Letztendlich muss ich sagen das die Folge eigentlich sehr schöne Dialoge hat und die Charakterentwicklung von Lux hier gut zur geltung kommt. Da es sich aber um eine etwas weniger relevante Geschichte handelt ist die Folge für mich eher mittelmäßig und ich würde ihr daher 3 von 5 Holocrons geben!

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