Rezension: Poe Dameron V: Das Erwachen von Charles Soule & Angel Unzueta

Bereits am 25. Juni erschien bei Panini der Sonderband Poe Dameron V: Das Erwachen, der Abschluss der Poe Dameron-Reihe. Enthalten sind darin die amerikanischen Einzelhefte #26-31, die im Original den Titel The Awakening trugen, sowie das Poe Dameron Annual #2. Erneut wurde die Haupthandlung von Charles Soule geschrieben, von Angel Unzueta bebildert und von Arif Prianto koloriert. Letzterer bekam bei Heft #27 noch Unterstützung von Rachelle Rosenberg. Das Annual wurde von Jody Houser geschrieben, von Andrea Broccardo gezeichnet und von Stefani Renee koloriert. Das Cover der regulären Softcover-Ausgabe stammt von Rod Reis, währen die auf 333 Exemplare limitierte Hardcover-Ausgabe ein Cover von Phil Noto zeigt. Das Softcover könnt ihr für 20 € bei Amazon kaufen, das Hardcover ist für 29 € nur im Panini-Shop und im Comic-Fachhandel erhältlich. Beide Ausgaben seht ihr unten abgebildet.

Die Rahmenhandlung des Bandes spielt auf dem Millennium Falken nach der Schlacht von Crait, also nach Die letzten Jedi, und ist damit – abgesehen von einigen meist Porg-zentrischen Kinder-Geschichten – das einzige Kanon-Werk, das uns einen Blick in die Zeit nach Episode VIII werfen lässt. Poe, Finn und Rey unterhalten sich in dieser Rahmenhandlung und Poe bringt dabei die anderen beiden auf den neusten Stand, da sie beide nicht alle Ereignisse seit dem Überfall auf das Dorf auf Jakku mitbekommen haben. Der Pilot erzählt dabei unter anderem, wie er nach dem Absturz von Jakku entkommen ist, wie Snap Wexley die Starkiller-Basis auskundschaftete und wie Leia die Schwarze Staffel bis auf Poe selbst entsandte, um Verbündete zu finden. Die Erzählstunde wird aber dadurch unterbrochen, dass Poe Nachrichten von seiner Staffelkameradin Jessika Pava erhält, die vom Verlauf der Suche nach Verbündeten berichtet und in Gefahr zu schweben scheint. Poe macht sich schließlich auf, um Jess Pava, Karé Kun, Snap Wexley und Suralinda Javos zu retten…

Sowohl Band III als auch Band IV der Poe Dameron-Reihe sind außergewöhnlich gute Comics, die mich von Anfang bis Ende gefesselt haben, wie ihr in meinen Rezensionen auch nachlesen könnt. Band V fällt gegen die beiden Vorgänger leider ein wenig ab. Ursache dafür ist, dass die Geschichte nun die Sequel-Trilogie erreicht hat und parallel zu ihr spielt. Teilweise werden dadurch Filmszenen oder Lücken in den Filmen nacherzählt. Das nimmt naturgemäß die Spannung aus der Geschichte, da man bereits weiß, dass beispielsweise Snap Wexley die Aufklärungsmission zur Starkiller-Basis erfolgreich absolviert. Außerdem finde ich es sehr schade, dass die tolle Comic-Reihe, die bisher eine so fest auf eigenen Füßen stehende Geschichte erzählt hat, jetzt im letzten Band auf eine dienende Funktion reduziert wird und Lücken in den Filmen ausfüllen muss. Durch die Rahmenhandlung wird die Geschichte auch immer wieder unterbrochen und wirkt episodenhaft. Hier frage ich mich, ob es eventuell besser gewesen wäre, die Comic-Reihe bereits nach Band IV zu beenden oder zumindest die Film-Handlung zu überspringen und direkt zu Leias Auftrag, Verbündete zu finden, zu kommen.

Auch Finn und Rey, die bisher in der Reihe nicht auftauchten, wirken ein bisschen fehl am Platz in dem Comic und reden irgendwie seltsam.

Poe: „Der ganze Ort hat über euch geredet. Die berüchtigte Schrottsammlerin und der Typ, den vorher noch nie einer gesehen hatte, die mit einem Droiden vom Planeten geflohen sind.“

Finn: „Rey, ich glaube, er redet über uns.“

Rey: „Finn. Das glaube ich auch. Ich habe mich zwar nie berüchtigt gefühlt. Aber okay.“

Wer redet ernsthaft so? Wer spricht sich ständig mit Vornamen an? Hat Charles Soule vielleicht so wenig Vertrauen in Angel Unzuetas Zeichenfähigkeiten, dass er meint, man erkenne Rey und Finn sonst nicht? Es mag vielleicht teilweise an der deutschen Übersetzung liegen, aber es wirkt für mich so, als könne Charles Soule die Stimmen von Rey und Finn einfach nicht so auf den Punkt einfangen wie die von Poe. Letzterer ist natürlich wieder mal brillant getroffen und hat bei seinen Erzählungen einige sehr witzige Momente mit typischem Poe-Humor. So gesteht er beispielsweise, dass er Finn nur seine Jacke überlassen hat, da er sie nicht mehr mag, seit sie sich beim Absturz auf Jakku im Schleudersitz verklemmt hat und ihn fast das Leben gekostet hätte. Mit Rey dagegen stößt Poe begeistert darauf an, dass sie „Folter-Kumpels“ sind, weil sie beide von Kylo Ren gefoltert wurden. Poe Dameron ist also einmal mehr das unterhaltsame Herzstück des Comics. Selbst die Film-Nacherzählungen bekommen durch seine flapsige Erzählerstimme einen neuen Twist und gewinnen dadurch an Interessantheit.

Im zweiten Teil des Bandes nimmt der Comic dann endlich an Fahrt auf, als es um den Auftrag der Schwarzen Staffel geht, Verbündete für den Widerstand zu finden. Zwar ist auch hier klar, dass vor Episode IX offen bleiben muss, ob diese gefunden werden. Dennoch ist dieser Teil der Geschichte wesentlich freier darin, eine eigene Geschichte zu erzählen. Hier kommen auch die individuellen Charakterzeichnungen und Beziehungen zwischen den Piloten, die ich an der Poe Dameron-Reihe so sehr mag, wieder mehr zur Geltung. So lässt sich etwa die Journalistin Suralinda Javos in einer ausweglosen Situation mit der Aussicht auf eine gute Story motivieren, gegen eine Überzahl an Feinden zu kämpfen. Solche kleinen Details gefallen mir immer sehr, da man hier merkt, dass man es nicht mit generischen Action-Helden zu tun hat, sondern jeder von ihnen eine eigene Persönlichkeit hat.

Seltsamer Zeichenstil im Poe Dameron Annual #2

Der Zusatzcomic Poe Dameron Annual #2 erzählt, wie Poe Dameron und die Schwarze Staffel von Leia beauftragt werden, ein mysteriöses Datenarchiv (in einer Art Box) an sich zu bringen, das der Widerstand verkaufen möchte, um an Geld zu kommen. An dem Archiv haben aber auch die Erste Ordnung und Han Solo und Chewbacca Interesse. Dieser Comic konnte mich leider weder erzählerisch noch zeichnerisch überzeugen. Die Handlung will zu viel für einen Einzelcomic. Es wird beispielsweise eine neue Schurkin vorgestellt, die interessant designt ist, dann aber kaum „Screentime“ hat. Die Involvierung zahlreicher Parteien wirkt verwirrend und die Auflösung über die Herkunft des Datenarchivs macht am Ende noch ein weiteres neues Fass auf, sodass die Erzählung überladen wirkt. Die Zeichnungen von Andrea Broccardo sind für meinen Geschmack zu kindisch. Während Han Solo meist ganz in Ordnung aussieht, sind Leia und Poe ziemlich schlecht getroffen und oft kaum erkennbar.

Leider sind Panini in diesem Band auch einige Fehler unterlaufen. Das fängt auf Seite zwei mit den Autoren-Credits an. Hier werden für das Poe Dameron Annual #2 die falschen Schöpfer angegeben – nämlich Autor und Zeichner des Poe Dameron Annual #1! So ein Fehler dürfte eigentlich nicht passieren. Des Weiteren sagt eine Figur an einer Stelle „Das war mich auch egal“ und „Flieger-Ass“ wird mit nur einem „s“ geschrieben. Und dann passiert natürlich noch der übliche Fehler, dass ein weiblicher Alien als männlich bezeichnet wird. Nur dass in diesem Comic offenbar der Übersetzer zu Beginn das Geschlecht der Figur korrekt wusste und sie als „Anführerin“ vorstellte, diese Information aber offenbar einige Seiten später wieder vergessen hat. Dort wird die Figur dann als „Premierminister“ bezeichnet. Alles in allem leider eine ganze Menge ärgerlicher Fehler, die einen aus dem Leseerlebnis reißen.

Bei der Gesamtbewertung schwanke ich stark zwischen drei und vier Holocrons. Einerseits gibt es mit der etwas langweiligeren ersten Hälfte voller Film-Lückenfüller, dem schwachen Annual und dem wenig sorgfältigen Lektorat genügend auszusetzen an dem Comic. Andererseits profitiert er immer noch von der guten Charakter-Vorarbeit der vorigen Bände. Die Figuren der Schwarzen Staffel sind einfach toll und es macht Spaß, über ihre Abenteuer zu lesen. Letztendlich fällt Poe Dameron V: Das Erwachen gegenüber den beiden vorangehenden Bänden zwar ab, aber ist im Vergleich zu anderen Star Wars-Comics dennoch immer noch überdurchschnittlich. Um dies deutlich zu machen, vergebe ich schlussendlich doch knappe vier Holocrons.

Bewertung: 4 von 5 Holocrons
Bewertung: 4 von 5 Holocrons

Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

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