In der weit, weit entfernten Galaxis ist bei Marvel ja derzeit etwas Saure-Gurken-Zeit. Da kommt eine neue Reihe grundsätzlich mal gerade recht, auch wenn sie vom ersten Eindruck her erstmal Befürchtungen hinsichtlich einer Werbeaktion für Galaxy’s Edge auslöst. Hauptsache, unsere Helden und damit auch wir Leser*innen, haben mal wieder was zu tun.
Achtung: Wie immer besprechen wir im Marvel-Mittwoch die Handlung der Comics, sodass sowohl der Beitrag als auch die Kommentare Spoiler enthalten können.

Der Inhalt

Ein ominöses Heulen lässt die versammelte Händlerschaft des Black-Spire-Außenpostens auf Batuu aufhorchen. Ein Speederbike, gesteuert von einer verhüllten Person. Na, das wird was werden, Dok-Ondar hat da gleich ein ganz mieses Gefühl. Gut, dass diese Person von zumindest einer Person schon erwartet wird, und so gelangt sie in Rekordzeit in ein ansonsten eher verschlossenes Hinterzimmer. Dort gibt sich Rey dann sogleich zu erkennen und platzt auch freimütig damit heraus, was sie will. Ganz schlechte Verhandlungsführung, aber es geht halt um ein seltenes Machtartefakt, welches der Rebellion den entscheidenden Vorteil bringen soll, da kann man schon mal etwas ungeduldig sein und mit der Cantinatür ins Haus fallen. Dass dies nicht ganz billig wird, ist klar, und Oga Garra weiß geschickt, die Spannung und damit den Preis noch etwas zu erhöhen, indem sie ihr erstmal erzählt, wie sie in den Besitz des gesuchten Objektes gelangt ist. Die Story macht halt den Preis. Die Kunden wollen ja eigentlich ein Gefühl, ein Erlebnis, ein Abenteuer kaufen. Da hat endlich mal jemand im Marketing-Seminar gut aufgepasst.
Natürlich darf deshalb ein schon lang zurückliegender Gelegenheitsbesuch des auf dem Cover bereits dezent angeteaserten Lukes auf Batuu nicht fehlen, der zeitlich ganz unglücklich mit einem Aufenthalt von Boba Fett zusammenfällt, der einfach nicht abschalten kann und immer nur das nächste Kopfgeld im Sinn hat. Klar, dass es nicht bei einem freundlichen Wortwechsel zwischen den beiden bleibt. Aber gerade, als die beiden so schön beim Spielen..äh Kämpfen waren, ruft die Mama zum Abendessen bzw. Oga Garra den Boba zurück, weil sie den Luke bitte noch lebend für was Wichtiges braucht. Und gerade als sich nun alle schlafen legen wollen, landet Darth Vader, der irgendwie auch rein zufällig gerade um die Ecke war…. Jetzt schwant auch dem Rest der Bevölkerung, dass sich der Tag nicht so entwickeln dürfte, wie erhofft.
Die Umsetzung
Ethan Sacks lässt sich bei seiner Geschichte sichtbar Zeit, springt wie mittlerweile üblich ein wenig zwischen verschiedenen Zeitebenen herum, knüpft hier und da ein paar Verbindungen, kommt aber noch nicht wirklich zur Sache. Rey und vor ihr Luke sind auf der Suche nach einem machtwirksamen Artefakt, welches sich auf Batuu verbirgt. Um diesem Standard-MacGuffin-Plot wenigstens etwas Würze zu geben, werden gleich zu Anfang alle möglichen potenziellen Andeutungen mit eingerührt und dann das Ganze mit einem lieblosen Duell von Luke mit Boba abgeschmeckt. Und weil dies immer noch nicht ausreicht, schaut just in dem Augenblick auch noch Darth Vader vorbei. Batuu ist einfach der Nabel der weit, weit entfernten Galaxie, wo immer alles passiert und jeder mal vorbeischaut. Sonst ist aber nichts passiert.









Bei der grafischen Umsetzung hat man sich diesmal für ein Duo entschieden. Jethro Morales, den wir schon aus zahlreichen Reihen kennen, und einen Neuling namens Roi Mercado. Die Arbeitsteilung der beiden ist nicht ganz klar, aber mit der Darstellung menschlicher Gesichter scheinen es beide nicht so zu haben. Dafür ist der Rest ziemlich gut und detailliert gelungen. Die Komposition der Panels ist solide. Auch die Kolorierung liefert Rachelle Rosenberg so ab, wie es Morales mag, also so, als ob jemand etwas ungeschickt an den Reglern für Kontrast und Helligkeit herumgespielt hätte. Dazu noch seine geliebten Schraffuren. Und auch Clayton Cowles darf sich phasenweise mit seinem Lettering etwas austoben.
Für die vermutete „Werbebroschüre für Batuu“ sieht das Heft aber bislang nicht gut genug aus. Da kommen die diversen Cover, die man dem Heft spendiert hat, schon deutlich besser rüber. Wir werden wohl die weiteren Hefte abwarten müssen, ehe wir diese Vermutung bestätigen oder entkräften können.
Fazit
Das erste Heft lässt mich noch etwas unschlüssig, aber mit Befürchtungen zurück. Es hat ein bisschen von allem, was sich gut oder schlecht entwickeln kann. Wir werden es abwarten müssen. Bislang konnten mich aber weder die Geschichte noch die grafische Umsetzung umhauen.
Mit Galaxy’s Edge: Echoes of the Empire #2 geht es am 27. Mai weiter. Am 6. Mai startet mit Rogue One: Cassian Andor #1 die fünfteilige Reihe aus One-Shot-Heften zum zehnjährigen Kino-Jubiläum von Rogue One.
Wir bedanken uns bei Marvel für die Bereitstellung der digitalen Vorabexemplare, ohne die unser Marvel-Mittwoch nicht möglich wäre.











Hat mich leider gar nicht überzeugt und wirkt sehr generisch bzw. merkt man zumindest dem ersten Heft die Rolle als Platzhalter an.
Ich bezweifle, dass es diese Reihe geben würde, wenn momentan nicht so eine große Comicflaute herrschen würde.
Aber naja, ich will noch nicht zu früh urteilen. Das war ja bisher nur das erste Heft.