Rezension: Poe Dameron IV: Die Wege der Macht von Charles Soule & Angel Unzueta

Am 21. Januar erschien bei Panini der Sonderband Poe Dameron IV: Die Wege der Macht. Enthalten sind darin die amerikanischen Einzelhefte #20-25, die im Original den Titel Legend Found trugen, sowie das Poe Dameron Annual #1. Wie schon im vorigen Band, so wurde auch hier die Haupthandlung von Charles Soule geschrieben, von Angel Unzueta bebildert und von Arif Prianto koloriert. Das kreative Team für das Annual bestand aus Autor Robbie Thompson, Zeichnerin Nicole Virella und Kolorist Jordan Boyd. Das Cover der regulären Softcover-Ausgabe stammt von Dan Mora und Matt Milla, währen die auf 333 Exemplare limitierte Hardcover-Ausgabe ein Cover von Phil Noto zeigt. Das Softcover könnt ihr für 20 € bei Amazon kaufen, das Hardcover ist für 29 € nur im Panini-Shop und im Comic-Fachhandel erhältlich. Beide Ausgaben seht ihr unten abgebildet.

Im Mittelpunkt von Die Wege der Macht steht der Entdecker Lor San Tekka, von dem sich Leia Organa Informationen über den Verbleib ihres Bruders Luke Skywalker verspricht. Die Schwarze Staffel unter Leitung von Poe Dameron macht sich daher auf die Suche nach dem älteren Abenteurer und muss ihn aus der Gefangenschaft der Neimoidianer befreien. Doch auch Commander Malarus und die Erste Ordnung sind auf Lor San Tekka aufmerksam geworden und wollen ihn gefangen nehmen. Doch Agent Terex, der immer noch eine Cyborg-Konstruktion am Kopf trägt, die seine Loyalität gegenüber der Ersten Ordnung garantieren soll, greift überraschend ein. Können Poe und seine Staffelkameraden Lor San Tekka in einem Wettlauf gegen die Zeit und gegen die Erste Ordnung retten?

Nachdem mich der vorige Sonderband Poe Dameron III: Die geheime Basis extrem begeistert hat, wie ihr auch in meiner Rezension nachlesen könnt, hatte ich natürlich auch für diesen, vom selben Team produzierten Band große Hoffnungen. Und, um es gleich vorweg zu nehmen, diese Hoffnungen wurden auch nicht enttäuscht! Der Comic schafft es extrem gut, die große Handlung Widerstand und Erste Ordnung mit diversen kleinen Nebenhandlungen zu verknüpfen, die uns die Figuren der Schwarzen Staffel mehr ans Herz wachsen lassen. So geraten Karé Kun und Snap Wexley in eine Beziehungskrise, als Karé vorschlägt, man solle sich doch an den Jedi orientieren und jeglicher Bindung entsagen, um sich auf die wichtige Aufgabe des Widerstandes zu konzentrieren. Jessika Pava dagegen ist traurig, dass kein Droide mit ihr fliegen will, da sie schon so viele Astromechs in der Schlacht verloren hat. Und sogar BB-8 bekommt eine eigene kleine Nebenhandlung, in der er sich in die Droidin Ivee „verliebt“, was extrem süß gezeichnet ist. Solche persönlichen Geschichten sorgen immer dafür, dass ich auch den größeren Handlungsbogen mit viel mehr Spaß und Spannung verfolge, da die Figuren mehr Substanz haben und nicht nur irgendwelche Widerstandskämpfer sind.

Die Kämpfe der Schwarzen Staffel sind interessant inszeniert und enthalten zahlreiche kreative Ideen und Überraschungen. Auch schön finde ich es, dass man die Piloten auch einmal dabei sieht, wie sie stundenlang kampfbereit auf den Einsatzbefehl warten und einfach nichts geschieht. Das Warten nimmt bestimmt einen größeren Teil ihrer Arbeitszeit ein, als es uns die Star Wars-Filme und -Literatur für gewöhnlich zeigen.

Auch die ältere Leia ist toll dargestellt und darf viele Facetten ihres Charakters zeigen: Sie ist immer noch abenteuerlustig und hat keinerlei Scheu, persönlich in ein Blastergefecht involviert zu sein. Aber sie zeigt auch mit ihrem elaborierten Plan, Lor San Tekka zu befreien, ihr taktisches Geschick als Generälin und gegenüber den Neimoidianern ihre Fähigkeiten als Politikerin und Diplomatin. Dass Leia hier betont, wie wichtig es für das gelingen des Plans ist, gut lügen zu können, hat mich an Leia, Princess of Alderaan erinnert, als Leia von ihrer Mutter lernt, wie man Tarkin dreist ins Gesicht lügt. Interessant finde ich auch, dass Leia, die in diesem Comic Kleider ihrer Mutter Padmé als Teil ihres Planes benutzt, in Träumen schwelgt, dass diese Kleider eines Tages von ihrer Enkelin getragen werden sollen. Glaubt sie zu diesem Zeitpunkt noch daran, dass Kylo ihr eine Enkelin schenken wird bzw. dass der Kontakt zwischen ihr und ihrem Sohn wieder so gut werden könnte, dass sie diese Enkelin je zu Gesicht bekommen wird? Auf jeden Fall ist es ein interessanter und ungewöhnlicher Gedanke, den Leia da äußert.

Auch Lor San Tekka äußert einige interessante Theorien, die vielleicht Anlass für Spekulationen sein könnten. Denn er findet ein Artefakt namens Kazerath, das laut seiner Interpretation aus einer Zeit stammt, in der die helle und dunkle Seite der Macht noch eins waren. Auch schreibt er der Macht „Gezeiten“ zu, also dass sie in gewissen zeitlichen Abständen im Universum stärker und schwächer wird. Wir werden sehen, ob diese Ideen noch eine Rolle spielen werden.

Selbst Terex‘ Entwicklung in diesem Comic ist sehr gelungen und zeigt, wie vielschichtig diese Figur ist, auch wenn ich die Idee der Cyborg-Konstruktion, die ihm seinen freien Willen nimmt, an sich „doof“ und zu comichaft finde. Ebenso stört mich in diesem überaus gelungenen Comic ein wenig die überzogene Figur von Commander Malarus, wie sie sich irgendwelche Drogen ins Auge spritzt und ihr Gesicht dann vollkommen grotesk aussieht. Meiner Meinung nach hätte der Comic diese beiden überzogenen Aspekte nicht nötig gehabt.

Abgesehen von der grotesk aussehenden Malarus, die nicht schlecht gezeichnet ist, aber für meinen Geschmack einfach zu abstoßend wirkt, sind die Zeichnungen von Angel Unzueta wieder sehr schön anzusehen. Die aus den Film bekannten Figuren Poe, Snap, Leia und Lor San Tekka sind allesamt extrem gut getroffen. Insgesamt macht es viel Freude, die Illustrationen zu betrachten.

Weniger überzeugen konnte mich leider das Poe Dameron Annual #1, das uns Poe und BB-8 mit nur noch wenig Sauerstoffversorgung in einem Minenfeld im All zeigt. Der Comic ist rein auf Action ausgelegt, was man auch direkt daran sieht, wie wenig Text auf einer Seite steht im Vergleich zum Hauptcomic. Erst am Schluss findet Poe durch Einloggen in das System eines Transporters der Ersten Ordnung heraus, dass Terex noch am Leben ist. Das soll dann wohl als dünne Rechtfertigung dienen, um diese belanglose Geschichte zu erzählen, die ansonsten auch als Kurzfolge von Star Wars Resistance hätte laufen können, so wenig Substanz wie sie hat. Auch die Zeichnungen von Nicole Virella gefallen mir weniger, da sie irgendwie kindlicher wirken. Leia ist auch nicht wirklich gut getroffen.

Insgesamt kann der Hauptcomic von Poe Dameron IV: Die Wege der Macht beinahe mit seinem spektakulären Vorgänger mithalten. Sowohl Handlung als auch Figurendarstellung und Zeichnungen sind wieder sehr gelungen, sodass ich 4,5 Holocrons vergeben würde. Das Annual hat allerdings leider keine relevante Handlung und schlechtere Zeichnungen, sodass ich es nur mit zwei Holocrons bewerten kann. Da das Annual aber nur einen kleinen Teil des Bandes einnimmt, komme ich insgesamt auf vier Holocrons.

Bewertung: 4 von 5 Holocrons
Bewertung: 4 von 5 Holocrons

Wir haben auch die ersten 20 Seiten als Vorschau für euch, die ihr in unserer Meldung vom 18. Januar findet.

Wir danken Panini für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

Poe Dameron IV: Die Wege der Macht (Montag, 21. Januar 2019)

Poe Dameron, Band 4: Die Wege der Macht (21.01.2019)
Medium/Sprache: ()
Ausgabe/Format:Softcover
Erscheinungsdatum:21.01.2019
Autor(en):,
Zeichner:, , ,
Cover:,
Verlag: (Verlagsseite)
Reihe:,
Seiten:160
ISBN:978-3-7416-1069-1
Preis:20,00 €
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Chronologie:34 NSY
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Über den Autor

Ines

Ines
Ines bildet im echten Leben zahlreiche Padawan-Schüler an einem Gymnasium in den Fächern Englisch und Deutsch aus. Star Wars konsumiert sie am allerliebsten in Romanform und hat sich zum Ziel gesetzt, sämtliche Romane des Kanons zu lesen. Bereits jetzt ist sie begeistertes Claudia-Gray-Fangirl.

1 Kommentar

  1. FlorianFlorian

    Dieser Band war auch einer meiner absoluten Highlights, auch wenn manche der Machtideen sicher eher Lor San Tekkas Mystizismus zuzuschreiben sind.

    Kleines besonderes Highlight war sicher auch die weniger flatulente Darstellung einer gewissen Hochzeit.

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