Der Weg in die Dunkelheit für so manche Figur und den gesamten Planeten Janix schritt seit vergangenem Montag in der dritten und vierten Folge des animierten Werks Maul: Shadow Lord voran. Bevor morgen die fünfte und sechste Episode bereits das Bergfest der Staffel feiern, werfen wir noch einen Blick auf Kapitel 3: „Flüstern der Stille“ („Whispers in the Unknown“) – geschrieben von Julia Cooperman als ihr Star Wars-Debüt und von Animationsveteran Steward Lee inszeniert – und gleich mit auf das zeitgleich veröffentlichte Kapitel 4: „Stolz und Vergeltung“ („Pride and Vengeance“) von Autorin Amanda Rose Muñoz (The Bad Batch, Geschichten des Imperiums) und Regisseur Nate Villanueva (The Clone Wars Staffel 7, The Bad Batch).
Hinweis: Diese Rezension ist einigermaßen spoilerfrei, in der Kommentarsektion dürft ihr aber frei und spoilerlastig eure Eindrücke zur Serie mitteilen. Die Kommentare können also Spoiler enthalten!
Der Teenager-Flüsterer
Seit Ezras Versuchung, dem grandiosen Finale der zweiten Staffel von Star Wars Rebels, konnte man nun schon häufiger Maul dabei zusehen, wie er Einfluss auf junge Jedi-Padawane nimmt, wenn auch meist mit begrenztem Erfolg. Nun versucht er es in seiner eigenen Serie auf ein Neues. Die Zukunft wird noch zeigen, wie genau seine Manipulationen bei der jugendlichen Twi’lek Devon fruchten, deren Name zwar im Marketing der Serie kein gehütetes Geheimnis war, in Folge 3 aber auf dramatische Weise das erste Mal vom Ex-Sith ausgesprochen wird – ein Moment, in dem der begnadete Sam Witwer mit nur zwei einfachen Silben stimmlich voll ins Schwarze trifft und wieder einmal sein Talent beweist.
Optisch sind die Szenen mit Devon und Maul, die das Fundament von „Flüstern der Stille“ bilden, äußerst herausragend. Regisseur Steward Lee nutzt ein intensives Spiel von Licht und Schatten bis zu tiefer Schwärze, um die Dialogzeilen Mauls in eine äußere Erzählform zu verpacken. Die musikalischen Nuancen der Kiners bedienen sich dabei jenen flüsternden Sith-artigen Stimmen, die John Williams einst bei Mauls Tatooine-Auftritten in Episode I: Die dunkle Bedrohung verwendet hat. Der Titel der dritten Folge ist eindeutig Programm.

Kreuz, Karo, Herz, Pyke
Nebenbei gehen die Handlungsstränge für den restlichen Cast weiter, allen voran die Ermittlungen durch Lawson – über dessen Vergangenheit und Familienleben man einige interessante Info-Häppchen erfährt – und Two-Boots. Zwischen den beiden Partnern entsteht ein Keil, der durch die Machenschaften von Mauls Gruppe verursacht wurde, immer größer wird und schließlich am dramatischen Ende der vierten Folge gravierende Folgen hat. Damit ist für die nächsten Episoden wieder alles offen, bevor die Serie überhaupt nur androhen konnte, sich vielleicht im Kreis zu drehen oder merkliche Längen zu haben. Im Gegenteil, die ersten vier Kapitel bilden nun einen eigenen Abschnitt, der mit dem Cliffhanger für die nächsten Folgen ein Szenario verspricht, das bisher nur bedrohlich über der Handlung schwebte und für den Fortgang der Geschichte das gesamte Kartendeck völlig neu mischt.
Davor gipfeln aber Mauls Rachepläne gegen ehemalige Verbündeten aus der kurzen Hochzeit des Schattenkollektivs, welche ihn in seinen Augen verraten haben. Die Pykes um Marg Krim stehen im Mittelpunkt, inklusive mehrerer Szenen auf ihrer Heimatwelt Oba Diah. Das angepasste Design der Spezies ist eine Schnittstelle aus den überstilisierten The Clone Wars-Modellen und ihrer sehr viel plastischeren Version, die man dank Das Buch von Boba Fett in Live-Action zu sehen bekam. Die Optik von Maul: Shadow Lord baut hier eine Brücke zwischen Animation und Realserie, während es sich damit gleichzeitig seiner chronologischen Einordnung zwischen den Auftritten der Pykes bewusst ist.

Vom Licht gezeichnet
Eine stilistische Veränderung, die in Folge 3 und 4 mehr auffällt als noch im Auftakt, sind die sich deutlich vom übrigen Look abhebenden Lichtschwerter und Blasterstrahlen. Viele Hintergründe sind offensichtliche Matte-Gemälde und die Charaktere und Requisiten entspringen der typischen 3D-Welt von The Clone Wars und The Bad Batch, doch die blauen Klingen der Jedi und die roten des Ex-Sith sehen wie klassische 2D-Zeichnungen aus. Mit ihrem dynamischen Eigenleben und unruhigen Flackern wirken sie, als hätte eine der experimentelleren Darstellungsformen aus der Anthologie Star Wars: Visionen den Weg in die neue Kanon-Serie gefunden.
Die erhöhte Nutzung der Lichtschwerter führt schließlich zu genau der Sorte mitreißend choreographierten und geschnittenen Duellen, die man erwartet, wenn es um die Figur des Darth Maul geht. Die Erwartungshaltung ist nach den vergangenen beeindruckenden Kämpfen des Zabraks quer durch die Medien hoch, aber die aktuelle Lichtschwertaction kann damit mühelos mithalten.

Fazit
Nach dem starken Auftakt geht es auf dem gleichen hohen Niveau weiter. Die dritte und vierte Folge punkten wieder, bringen die Figuren voran und schaffen unerwartet frühe Brüche in sich verändernden Beziehungen. Während ein offener Handlungspunkt auf dem Rachefeldzug scheinbar bereits geschlossen wird und sich der Konflikt zwischen Mauls Leuten und den Behörden zuspitzt, verändert das Ende von Folge 4 alles und lässt viele Möglichkeiten offen, wie es im nun etablierten Setting auf Janix weitergeht, wenn neue Mächte ins Spiel kommen.
Wenn ihr euch die Zeit zwischen den Folgen mit literarischen Werken zum Titelcharakter vertreiben möchtet, findet ihr eine Übersicht in unserem großen Maul-Guide:
Wie haben euch die beiden Folgen gefallen?












