Der Aufstieg des Imperiums hat uns allen viel Leid zugefügt. Sogar die einst mächtigen Jedi sind gefallen.
Maul, gesprochen vonTobias MeisterPatrick Winczewski
Vor zwei Jahren endete auf Disney+ die The Clone Wars-Fortsetzung The Bad Batch mit ihrer dritten Staffel. Seitdem wurde es ruhig um Star Wars-Serien aus dem Hause Lucasfilm Animation, deren Publikum mit den kurzen Anthologien Geschichten des Imperiums und Geschichten der Unterwelt vertröstet wurde. Nun aber gibt es endlich wöchentlich ausgestrahlten Nachschub, denn am Montag startete mit Maul: Shadow Lord ein brandneuer Nachfolger des legendären TV-Ereignisses, das eine ganze Generation von Fans prägte.

Dieses Mal steht alles ganz im Zeichen des ehemaligen Sith und Gründers vom kriminellen Schattenkollektiv, das seit der Niederlage während der Belagerung von Mandalore Geschichte ist. Nach seiner anschließenden Flucht während Order 66 ist Maul untergetaucht, bevor man ihn Jahre später kurz in Solo: A Star Wars Story an der Spitze des Syndikats Crimson Dawn und schließlich weitere Jahre später in Star Wars Rebels wiedersah. Die neue Serie von Lucasfilm-Chef und Produzent Dave Filoni, Hauptautor Matt Michnovetz und dem leitenden Regisseur Brad Rau nimmt sich der Lücke in Mauls Geschichte zwischen The Clone Wars 7×12: „Sieg und Niederlage“ und dem Auftritt in Solo an.
Der doppelteilige Staffelauftakt trägt die Titel „Die dunkle Rache“ („The Dark Revenge“) und „Finstere Pläne“ („Sinister Schemes“). Die erste Folge wurde von Matt Michnovetz geschrieben, aus dessen Feder unter anderem der „Zitadelle“-Dreiteiler aus TCW Staffel 3, der legendäre Umbara-Vierteiler aus Staffel 4, einige Rebels-Episoden sowie Geschichten der Unterwelt stammen. Regie führten ein Dreiergespann von Personen, die bereits an The Clone Wars Staffel 7 und The Bad Batch beteiligt waren, nämlich Nate Villanueva, Saul Ruiz (auch Rebels und Resistance) und Steward Lee, der seit den frühen Tagen von Lucasfilm Animation mit an Bord ist. Für die zweite Episode war erneut Michnovetz verantwortlich, Regie führte Ruiz im Alleingang.
Hinweis: Diese Rezension ist spoilerfrei, in der Kommentarsektion könnt ihr aber frei und spoilerlastig eure Eindrücke zur Serie mitteilen. Die Kommentare können also Spoiler enthalten!
Unterwelt statt Klonkriegsschlachten
Kaum geht es los, könnte man meinen, The Clone Wars sei zurück – zwar ohne Klone und ohne Kriege, aber dafür wieder mit jeder Menge Lichtschwert-Action und der unverwechselbaren stilisierten Optik. Hauptschauplatz ist der Planet Janix, dessen gewaltige, neongetränkte Metropole an Coruscant erinnert, mit deutlichen Einflüssen vom Sci-Fi-Klassiker Blade Runner. In diesem Milieu versucht der ehrliche Polizist Captain Lawson (ein Paradebeispiel für sprechende Namen), Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten. Die anonyme, vom Imperium abgelegene Großstadtwelt zieht auch viele andere Gestalten an, etwa den überlebenden Jedi-Meister Eeko-Dio Daki mit seiner Schülerin Devon Izara, die sich eigentlich unauffällig verhalten (wollen …), um am Leben zu bleiben.
Doch die Serie macht es den rechtschaffenen Wesen der Galaxis nicht leicht und eröffnet direkt mit einem rasanten Actioneinstieg: einem spektakulären Überfall durch Mauls treueste Gefolgsleute, die ihm selbst nach Mandalore noch beistehen, zusammengewürfelt aus Nachtbrüdern von Dathomir, wie Maul selbst einer ist, und Mandalorianern der Death Watch. Als rechte Hand des Schattenlords kehrt Rook Kast zurück, welche einst im Comic Darth Maul: Sohn Dathomirs debütierte und während der Belagerung von Mandalore in zwei Folgen sogar in Bewegtbild zu sehen war.
Mit dem Raubüberfall eröffnet Maul auf Janix einen geplanten Rachefeldzug gegen alle, von denen er sich aus der Zeit als Anführer seines Schattenkollektivs hintergangen fühlt. Dabei geht es sehr viel brutaler und kompromissloser zu, als in den letzten Animationsserien. Auch wenn die meisten durch die Schurken dahingeschnetzelten oder niedergeschossenen Gegner in den ersten beiden Folgen zumeist Droiden sind, ist der Kill-Count allgemein hoch. Man könnte sagen, The Clone Wars ist mit den Jahren in der Darstellung parallel zum Publikum immer reifer geworden und Maul: Shadow Lord ist die nächste Stufe dieser Entwicklung.

Der richtige Humor
Zum Glück segnen aber nicht alle neu eingeführten Nebenfiguren direkt wieder das Zeitliche. Ein bestimmter Charakter aus der Unterwelt von Janix überzeugt mit dem ihm zugeschriebenen Humor ab seinem ersten Auftritt auf Anhieb so sehr, dass man mehr Szenen mit ihm sehen will. Hoffentlich bleibt die Figur noch lang genug erhalten, um sich einen Platz in der Reihe ikonischer Sidekicks zu verdienen. Wer die Episoden bereits gesehen hat, weiß bestimmt, welche Figur gemeint ist, die man auf dem schmalen Grat ihrer Konzeption aber auch schnell als nervig empfinden könnte.
Unbestreitbare Fanlieblinge dürften mit Sicherheit die neuen Droiden der Serie werden. Der vielseitig einsetzbare und begabte Spionagedroide in Mauls Kader murmelt trotz seiner Gewalttaten gerne auf sympathische Weise vor sich hin und zählt zu den größten Highlights des Staffelauftakts. Eine größere Rolle spielt aber natürlich 2B0T/Two-Boots, der Polizeikollege von Brander Lawson, der trotz seines Schicksals als Droide gemeinsame Kaf-Momente an der Arbeit bei seinem Partner teilen möchte. Mit seiner trockenen Art spielt sich der vom Droidenexperten Richard Ayoade (Zero in The Mandalorian) gesprochene Two-Boots schnell in die Herzen.
Insgesamt ist dagegen bei den Charakterisierungen der vorgestellten Haupt- und Nebenfiguren bislang keine wirklich originelle Idee mit dabei. Nur weil alles wohlbekannt ist, ist es aber nicht schlecht ausgeführt. Im Gegenteil, die Serie verzichtet zum Glück auf zu viel Exposition und die Herkunftsgeschichten der vielen neuen Charaktere, lässt sie aber durch die vertrauten Bausteine und vor allem durch ihre Handlungen in bestimmten Situationen sofort emotional andocken. Vertraute Muster, aber keine Stereotypen, wie man sie aus kindgerechteren Star Wars-Inhalten kennt. Von denen haben es zuletzt vorwiegend Star Wars Resistance und The Bad Batch mit stereotypischen Hauptfiguren, erzwungenem Humor und dem Cartoon-Faktor etwas übertrieben. Dagegen durchzieht nun Maul: Shadow Lord trotz wohldosierter Schmunzler durchgehend eine Düsternis und Ernsthaftigkeit, wie sie nur die dunkelsten Episoden der Vorgängerserie hatten.

Ein verstummter Meister
Kommen wir zum Elefanten im Raum, der sich nach den ersten Trailern immer weiter erhärtete und jetzt mit der Veröffentlichung endgültig bestätigt hat: Mauls neue deutsche Stimme.
Seit 27 Jahren war Tobias Meister, immerhin auch Dialogregisseur für die Prequel-Trilogie, in Filmen, Serien und sogar Videospielen stets als feste deutsche Synchronstimme für Darth Maul gesetzt. Ab Episode II war er mit seiner wandelfähigen Sprechkunst dazu die Stimme für Yoda in der Prequel-Ära. Später bekam er durch seine sonstige Besetzung als Stammsprecher für Forest Whitaker mit Saw Gerrera eine dritte wichtige Star Wars-Sprechrolle. Er ist seit Jahrzehnten untrennbar verbunden mit der deutschsprachigen Version der Galaxis.
Diese Zeiten scheinen jetzt vorbei zu sein. Meister wurde durch Patrick Winczewski ersetzt, der in What If…? von Marvel – also ebenfalls einer Animationsserie auf Disney+ – schon vor einigen Jahren für ihn eingesprungen ist. In den wenigen Ausschnitten, die ich mir mit Winczewski angesehen habe, gibt er sich zwar Mühe, Maul Leben zu verleihen. Er orientiert sich an der Klangfarbe, wie sie im Original Sam Witwer vorgibt, dennoch ist es nach so langer Zeit eine schwierige Umgewöhnung. Die Synchron-Kultur in Deutschland ist unglaublich detailverliebt und wir können dankbar sein, dass es sie gibt und sie seit jeher auf einem hohen Niveau arbeitet. Selbst kleinste Nebenfiguren werden bedacht besetzt, man achtet oft darauf, dass bestimmte Synchronschauspieler*innen selbst bei wenigen Sätzen für dieselben Rollen wiederkehren. Die deutschen Stimmen sind für den Teil des Fandoms, der mit diesen Fassungen aufgewachsen ist, ein unverkennbarer Bestandteil der Charaktere. Wie soll man Maul noch als denselben Maul erkennen, der es mit Qui-Gon aufnahm, mit Savage Opress Jedi jagte, Mandalore eroberte und schließlich auf Ezra Bridger und die Crew der Ghost traf, wenn er jetzt nicht mehr nach Maul klingt?
Die genauen Hintergründe sind unbekannt und es irritiert umso mehr, dass Tobias Meister erst letztes Jahr noch für die zweite Staffel Andor Saw Gerrera sprechen durfte. Zudem ist er jetzt gerade (!) im Kino, als Bowser in Der Super Mario Galaxy Film zu hören. Ich wusste nach den Trailern, mir würde es schwerfallen, mich mit dieser Voraussetzung auf Maul: Shadow Lord einzulassen. Deswegen fiel früh die Entscheidung, die neue Serie trotz einer Jugend mit The Clone Wars im deutschsprachigen Samstagsprogramm, nur noch im Original zu schauen.

Wer sich so entscheidet, kommt dafür glücklicherweise in den Genuss des einzig wahren Sam Witwer. Der Mann lebt seit 2012 für den Charakter und hat ihn so völlig durchdrungen, dass jeder Satz, den der Zabrak von sich gibt, punktgenau trifft. Das ist ganz große Sprech- und Spielkunst, die dieses Mal endlich als alleiniger Hauptcharakter ein ganzes Projekt tragen kann. Das fantastische Abliefern zieht sich aber nicht nur bei den von Witwer angeführten Sprecher*innen, sondern durch alle Bausteine der Serie, von den Animationen über das Writing bis zum Schnitttempo und den wie immer großartigen Kiners. Deren Score muss hier keine inszenatorischen Schwächen ausbügeln, sondern darf sich einfach um die ohnehin griffige Atmosphäre legen wie ein Mantel. Dass Disney Deutschland sich für die DACH-Raum-Version gegen Tobias Meister entschied, darf die Würdigung der Qualität, die Lucasfilm Animation bietet, nicht mindern, und deswegen werden in der Wertung auch keine Holocrons abgezogen.
Fazit
Man nehme einen der besten Handlungsbögen mit den teils besten Mehrteilern der jeweiligen Staffeln von The Clone Wars und stelle sich vor, dass man ihn auf gleichem Niveau als eigene Serie fortsetzt – voilà, fertig ist Maul: Shadow Lord. Zum ersten Mal seit dem perfekten Serienfinale kann es Star Wars-Animation wieder mit seiner selbst platzierten Messlatte aufnehmen. Wuchtige Action, maximal epische Auftritte, spannende Verstrickungen in der kriminellen Unterwelt einer Großstadt, und trotz der für den Titelcharakter bereits vorgegebenen Zukunft lässt sich die Richtung der Handlung zum jetzigen Zeitpunkt nicht ganz absehen. Was wünscht man sich mehr von einem zwar wenig originellen, aber handwerklich astrein ausgeführten Serienauftakt? Höchstens Tobias Meister, den wir schmerzlich vermissen.
Genau rechtzeitig zum Start der Serie haben wir in einer großen Übersicht alle Filme, Serienfolgen, Comics und Bücher mit Maul vorgestellt. Wenn ihr einfach nicht genug von dem rot-schwarz tätowierten dunklen Schüler bekommen könnt, dann schaut rein:
Nun seid ihr dran. Was sagt ihr zum Auftakt? Hat er euch ebenso begeistert oder seht ihr Kritikpunkte? Viel Spaß beim Kommentieren und Diskutieren!













Soo ich hatte gehofft hier Details zu Synchronwechsel zu erfahren, da ich diese misste, habe ich nun nochmal Google angeschmissen und siehe da eine Cinema Zeitschrift (oder so) berichtet über Streitigkeiten zwischen Disney und Tobias Meister, was wieso weshalb nicht bekannt 🤔
Nichtsdestotrotz finde ich die Stimme von Maul passend, kommt näher an das von Sam Witwer, aber natürlich erstmal eine Ungewöhnung, denn gerade in Andor Staffel 2 dachte ich mir, es wird sicher sein, dass Star Wars Charaktere nur im Synchronrente oder Sterbefall eine anderen bekommen würden x.X (Senator Organa Schauspieler wurde gewechselt, doch unser Synchronsprecher blieb, das war so Großartig für mich in Andor Staffel 2 🥹)
Wir dürfen gespannt sein ob Tobias Meister noch zurückkehrt zu Disney oder nicht, allerdings wenn er zurückkkehrt bitte nicht innerhalb der Serie jetzt wechseln, denn das finde ich immer etwas unpassend. 😅 (Es sei denn es wird alles nachsynchronisiert, aber dann kann Boba Fett in Original Filmen nun auch neu aufgenommen werden XD).