Rezension: Die Hohe Republik – Die Prüfungen der Jedi findet den Weg und das Ziel – mit Gewinnspiel

Die Prüfungen der Jedi von Charles Soule gibt es nun endlich auf Deutsch. Damit ist der Abschluss der Hohen Republik auch hier in Deutschland nicht mehr weit. Nur noch wenige Comics und ein Manga fehlen – abgesehen von Werken, die ohnehin nicht übersetzt werden (ja, ich meine dich, Tempest Breaker). Aber auch wenn das Werk nur ein Medium von vielen im Die Hohe Republik-Finalzyklus ist, ist es dennoch das Hauptwerk.

So wie einst Das Licht der Jedi der Auftakt war. Viel läuft in ihm zusammen und alles endet darin. Klappt man dieses dicke Werk zu, schließt man gleichzeitig mit der Hohen Republik ab. Da der Roman nicht nur einer von vielen ist, sondern das gesamte Projekt wie ein Kescher einfangen will und es zu einem runden Ende bringen möchte, muss dieses Werk auch in zwei Dimensionen betrachtet werden. Wie überzeugend sind Handlung und Figuren im Rahmen der Story? Die zweite Ebene ist die Frage danach, wie sich das Werk in das Gesamtprojekt einfügt und ob es am Ende ein würdiges Ende ist.

Das Kleine

Das Kleine ist eigentlich genau die falsche Überschrift für die Bewertung des Romans an sich. Denn er ist alles andere als das. Mit über 500 Seiten ist es einer der dicksten Star Wars-Romane und der dickste der Hohen Republik.

Die Überschrift passt aber zu einer der großen Stärken von Charles Soule – im vermeintlich Kleinen, Nebensächlichen, das Große und Gefühlvolle zu finden. So bleibt genau wegen dieser Stärke der Auftakt von Das Licht der Jedi so deutlich in Erinnerung. Viele Individuen wurden schnell eingeführt und dann zu Augenzeugen oder Opfern der Legacy-Run-Katastrophe erkoren.

Hier versucht Soule es wieder. Sei es die kleine Jüngling, die dieses Finalwerk auf unsicheren Tritten hinunter in die Katakomben des Jedi-Tempels eröffnen darf und dabei die Sorgen und Ängste des ganzen Jedi-Ordens repräsentiert. Die mit ihrem kindlichen Blick und dem Urvertrauen in die Meister des Ordens beispielhaft für so viele Wesen in der Galaxis steht. Sie versteht nicht alles, weiß aber um die Gefahr der Seuche und die Anstrengungen der Jedi.

Auch die immer wieder im Zwischenspiel besuchte Familie Colman dient dem Blick raus aus dem Elfenturm und den Ritterrüstungen der Jedi, die sich der größten Herausforderung stellen. Wie reagiert eine ganz normale Familie aus der Mittelschicht darauf, dass sie urplötzlich evakuiert werden müssen. Was bleibt zurück, wie panisch sind die Nachbarn, was drohen sie zu verlieren? Alles Fragen, die immer aus einer anderen Perspektive gestellt und beantwortet werden, bis alle in der Familie einmal dran waren. Soule verzichtet also hier auf die vielen wechselnden Orte, aber streng genommen nicht auf viele verschiedene PoVs, die die Grundstimmung setzen.

Andere Figuren, die durchaus zu Hauptfiguren zählen, treten indes nur sehr begrenzt auf. Lina Soh und Ghirra Starros zum Beispiel. Aber trotzdem ist auch hier eine Handlung erkennbar, die in diesem Roman stattfindet. Sie sind also nicht nur da, weil sie zum Gesamtprojekt gehören und nun einen Abschluss brauchen. Sie sind natürlich auch deswegen da, aber gleichzeitig haben sie eine Handlung: Ghirras Emanzipation von Marchion (was ihr nach dem lasziven Anschmachten in Der Gefallene Stern sehr schwer fallen dürfte) oder Lina Sohs Gedanken rund um die Rolle der Jedi in der Republik, die ihren Schatten auch auf die Prequels werfen.

Ab und an ist auch Zeit für kreative Point-of-Views und Kapitel, beispielsweise, wenn wir in die Haut von Funke schlüpfen oder endlich mal in Romanform erfahren, wie sich der Link zwischen den Kotabi-Zwillingen Terec und Ceret genau darstellt.

Das Große

Neben diesen kleinen Episoden stehen aber natürlich die neun Jedi im Fokus, die die Mission zum Planet X antreten und dort das Namenlosen-Seuchen-Problem lösen sollen. Keine einfache Hypothek. Und auch eine, die recht schnell als Tatsache dargestellt wird. Eine etwas genauere Herleitung, wie nun all die Fäden verknüpft wurden, wäre da gut gewesen. Hätte aber die Seitenanzahl und das Pacing beeinträchtigt.

Dabei sind alle neun Jedi mal in einer PoV-Rolle, aber es wird deutlich, dass eine Priorisierung stattfindet. Die üblichen Erwachsenenroman-Figuren wie Bell Zettifar, Avar Kriss oder Elzar Mann sind dabei mehr im Fokus als Figuren wie Ty Yorrick oder Torban Buck. Das stört aber nicht. Außerdem nutzt Soule hier gekonnt das Vorwissen der Lesenden. Nicht jede Figur muss in ihren Nuancen und Auftritten noch einen Charakter etablieren. Wir kennen sie bereits und wissen, warum Reath handelt, wie er es tut. Immerhin hat George Mann dafür eine hervorragende Herleitung namens Die Tränen der Namenlosen geschrieben.

Ebenfalls groß ist der Auftrag, den die neun Gefährten erledigen müssen. Die Lösung hat mich beim erneuten Lesen der deutschen Version nun wesentlich mehr überzeugt. Es wird auf eine große Schlacht oder unzählige Kämpfe verzichtet. Dafür gibt es wortwörtlich den Stellvertreterkrieg auf Eriadu. Stattdessen ist die Handlung auf Planet X fokussiert, klar aufgeteilt, priorisiert und genau im richtigen Umfang dargestellt. Es geht um die Macht, es geht um die Definition von Licht und Dunkelheit, es geht eigentlich um das, was die Jedi schon längst hätten wissen müssen und was sie deshalb umso mehr entlarvt.

Es geht aber auch um Hoffnung und die Frage, was Rache und was Gerechtigkeit ist. Jede Figur, die auf dem Planet wandelt, hat eine Rolle dort zu spielen – auch wenn die Auswahl der Neun zunächst zufällig erscheinen mag. Das hat mich wirklich begeistert und überzeugt. Ich war einer derjenigen, der an Ty Yorrick oder Torban Buck gezweifelt hat, aber alles fügte sich schlussendlich sinnvoll zusammen.

Was ebenfalls groß ist, ist Marchion Ros Ego und seine Ambitionen. Das kann man nach dem Roman nicht anders sagen. Hier gelingt es Soule, einige Kritikpunkte zu Marchions Rolle in der dritten Phase auszubügeln. Gelangweilt zu sein war sein gutes Recht. Auch hier spielt Marchion nur sehr selten eine große PoV-Rolle. Aber das muss er auch nicht, da seine Ziele und seine Drohungen ohnehin über allem hängen. Ähnlich wie in guten Romanen zur Zeit des Galaktischen Bürgerkriegs – da muss der Imperator ebenfalls nicht alle zwei Kapitel sagen, dass er böse ist, damit wir daran erinnert werden.

Das Ganze

Wie fügt Charles Soule nun also die kleinen Nebenplots und den großen Konflikt zu einem Ganzen zusammen? In meinen Augen sehr gut. Das Ende des Romans ist wie ein Schnitt von Ort zu Ort, von Schicksal zu Schicksal. Er wirft einen Blick zurück bis in die zweite Phase, er wirft aber auch einen Blick bis ans Lebensende mancher Figur. Soule schafft es, ein Ende zu schreiben. Das ist ja schon mal ein Lob an sich. Viele Autoren scheitern daran, lassen Dinge zu sehr offen oder wollen sie zu strikt beenden. Doch das Star Wars-Universum geht ja weiter.

Klar wird nicht jeder mit dem vermeintlich „einfachen“ Kompromiss am Ende zufrieden sein. Aber es zu schaffen, einen über die Seiten fliegen zu lassen (in meinem Fall zum zweiten Mal), obwohl wir alle wissen, dass die Seuche und die Namenlosen keine Gefahr mehr sein können, wenn das Projekt endet, zeugt davon, dass der Weg in jedem Fall hier das Ziel war. Welcher Kompromiss am Ende steht, ist also zweitrangig – zumindest für mich. Die Hohe Republik war ein Projekt, dass immer den Weg als Verkaufsargument gebraucht hat. Das Ziel war immer „langweilig“ – die Republik bleibt bestehen, die Jedi werden nicht ausgelöscht, die Prequels werden kommen und das erledigen.

Aber auf dem Weg liebgewonnene Figuren zu begleiten, zu verlieren, zu betrauern, interessante Machtkonzepte kennenzulernen, Orte zu besuchen, einen faszinierenden Bösewicht zu erleben – das ist die Hohe Republik in ihrer Essenz. Uns einen Jedi-Orden zu zeigen, der nicht an der Dysfunktion kratzt und deshalb zurecht angefeuert werden kann. Der aber trotzdem schon Risse zeigt und Yoda am Ende sogar zu einer sehr spannenden Perspektive bringt, die eine Mitschuld der Jedi an all den Schlamassel der Hohen Republik nicht ignoriert.

Es ist am Ende also nur konsequent, dass der Roman – genau wie das ganze Projekt – ein Wege-Roman war. Das Ziel stand fest. Und dennoch schreibt Soule dieses zu erwartende Ende mitreißend und mit der richtigen Star Wars-Brille auch nachvollziehbar. Die große Stärke der Hohen Republik war und ist, dass sie einen großen Plan verfolgt hat und an diesem augenscheinlich bis zum Ende festhielt. Sei es in der Wahl der Hauptfiguren und dazu passenden Rückgriffen zum Anfang der ersten Phase oder dem langsam steigenden Handlungsdruck für die Jedi. Fehlende Kommunikation zwischen den Jedi, Nebenstorys aus manchen Romanen oder Comics, die nicht ganz stringent dazu passen, oder gar eine eher schwache zweite Phase waren dabei immer nur Schlaglöcher oder Kurven auf dem sonst geraden Weg. Weiter ging es trotzdem und führte genau hierher. Zu einem befriedigenden, würdigen und vor allem spannenden Finale eines Projektes, dessen Weg immer weiter gehen wird, irgendwann in The Acolyte und die Prequels mündet und allein deshalb schon kein Ziel kennt. Außer für eine Figur und das ist wohl der befriedigendste Moment des ganzen Romans.

Eine Anmerkung: Die deutsche Taschenbuch-Version von Blanvalet hat einen glänzenden Einband. Alle bisherigen Werke der Hohen Republik von Blanvalet waren im matten Umschlagsdesign. Das sieht im Regal – gelinde gesagt – „bescheiden“ aus. Warum das so ist, kann ich nicht sagen. Erfreulicherweise sind mir jedoch keine größeren Rechtschreibfehler oder falsche Namen aufgefallen. Auch die genderneutrale Schreibweise für Kantam Sy ist konsequent erfolgt.

Wir danken Blanvalet für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Logo zu Star Wars: Die Hohe Republik

Star Wars: Die Hohe Republik ist ein mehrjähriges Buch- und Comicprogramm, das hunderte Jahre vor den Skywalker-Filmen spielt und die Jedi in ihrer Blütezeit zeigt. Weitere Infos, News, Podcasts und Rezensionen gibt es in unserem Portal und in der Datenbank. Beachtet auch unsere Guides zur Lesereihenfolge von Phase I, Phase II und Phase III.

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