Rezension: The Clone Wars 2×12: „Verschwörung auf Mandalore“

Mit der heutigen Rezension besuchen wir erstmals in The Clone Wars die Welt der Mandalorianer. Unter dem englischen Titel The Mandalore Plot erschien diese von Melinda Hsu geschriebene Folge am 29. Januar 2010 erstmals in den USA. Nur eine Woche später konnten wir auch in Deutschland die von Kyle Dunlevy realisierte Episode Verschwörung auf Mandalore sehen.

„Wer die Vergangenheit ignoriert, gefährdet die Zukunft“

Offizielle Folgenbeschreibung: „Obi-Wan sucht Mandalore auf, um Angriffe von Kriegern in mandalorianischer Rüstung auf die Republik zu untersuchen. Die Herrscherin Herzogin Satine – eine einst enge Freundin von Obi-Wan – ist der Ansicht, dass die kriegerischen Tage Mandalores der Vergangenheit angehören. Doch dann stoßen die beiden auf eine gewaltbereite Gruppe namens „Death Watch“, die Satines Regierung stürzen will“

Star Wars: The Clone Wars Episodenguide
Obi-Wan begründet den Verdacht der Republik.

Zum Inhalt: Als erstmaliger Besuch der Welt der Mandalorianer innerhalb der Serie The Clone Wars hat diese Folge einen ganz besonderen Stellenwert für mich. Auch weil hier bereits Grundsteine für Personen gelegt werden, die man erst in späteren Staffeln wirklich mit in die Handlung einbezieht und die teilweise sogar bis zur 5. Staffel Einfluss haben. Man denke beispielsweise an die Rolle von Premierminister Almec während Mauls Besatzung von Mandalore.
Trotz alledem spielt die erste Folge auf Mandalore kaum auf Mandalore. Der Planet wurde aber so abweichend entworfen (und mit eher merkwürdig aussehenden Bewohnern bevölkert), dass man sich sicher sein kann, weitere Folgen auf diesem zu verbringen. Aktuell findet nur der Bombenanschlag auf dem Planeten statt, welcher Obi-Wan davon überzeugt, sich Concordia genauer anzusehen.

Herzogin Satine Kryze empfängt Obi-Wan in ihrem Thronsaal

Satine Kryze sehe ich persönlich als interessante, aber nicht ganz unproblematische Figur. Es wirkt nicht nur aufgrund des Faktes, dass ihr Design von frühen Entwürfen für Padmé Amidala inspiriert wurde, so, als ob sie das für Obi-Wan sein soll, was Padmé für Anakin ist. Sie verkörpert eine starke, emanzipierte Frau, die eine gewisse Schlagfertigkeit besitzt und – und das ist der springende Punkt – auch eine romantische Vergangenheit mit Obi-Wan Kenobi teilt. Trotzdem kommt hier ein wichtiger Unterschied zum Tragen: Satine ist voll und ganz pazifistisch eingestellt. Diese starke Überzeugung behält sie sogar in Bedrohungssituationen wie der Minenszene bei, wenn sie Obi-Wan dafür kritisiert, sich gegen die Angreifer gewehrt zu haben. Doch nicht nur die Konzeption von Satine wirkt stark, als ob man Padmé imitieren wollte, auch die Lokalität erinnert stark an die Droidenfabrik aus Episode II, in welcher ebenjene Vorbilder sich auch gegen stampfende und zermalmende Maschinen zur Wehr setzen mussten und von einem Kopfgeldjäger in mandalorianischer Rüstung gestellt wurden.

Bevor ich auf die Bedeutung der Folge für die restliche Serie in Bezug auf die Death Watch eingehe, möchte ich kurz an die Minenszene anschließen und einen Kritikpunkt äußern, der mich tatsächlich schon beim erstmaligem Sehen gestört hat. Als Obi-Wan und Satine die beiden Mandalorianer in der Höhle überwältigt haben, steigen sie in den Fahrstuhl und stellen beim Öffnen der Türen erschrocken fest, dass „sie hier doch nicht rein gekommen“ sind. Das mag daran liegen, dass sie nie einen Fahrstuhl benutzt hatten, um in die Mine zu kommen, und der Eingang genau in die andere Richtung liegt. Die Vermutung eines ironischen Kommentars von Obi-Wan erübrigt sich spätestens durch seine panischen Versuche, wieder nach unten zu fahren.

Pre Vizsla fordert Obi-Wan Kenobi heraus.

Nun aber zu den Bedeutungen der Folge und der darin präsentierten Exposition des Death Watch-Themas. Hier präsentiert man mit Pre Vizsla einen guten Antagonisten, wie ich finde. Er strahlt in dieser Folge eine perfekte Balance zwischen Staatsmann, Anführer und Krieger aus und ist deshalb wohl nicht ohne Grund der Anführer dieser paramilitärischen Untergrundorganisation. Die Strategie der Separatisten wird hier bereits klar dargelegt. Sie wollen Mandalore destabilisieren, um eine Besatzung der Republik zu provozieren, nur um die Death Watch dann als Retter installieren zu können, die schließlich das Volk wieder auf den kriegerischen Pfad gegen die Besatzung bringen. Diese Strategie wird auch in den kommenden Folgen noch aufgegriffen und zum Gegenstand aktiver Gegenmaßnahmen vonseiten Satines. Umso konsequenter ist es, dass Maul in Staffel 5 das Rad nicht neu erfindet, sondern den Plan der Separatisten aufzugreifen versucht.

Anmerkungen: Der einleitende Spruch dieser Folge ist meines Erachtens einer der besten der Serie, gerade in Hinblick auf die tatsächliche Einstellung Satines zu diesem Thema. Mandalores Vergangenheit zu ignorieren, gefährdet die Möglichkeit, sich kritisch mit dieser auseinanderzusetzen. Es gefährdet die Möglichkeit, offen und entschieden sich wiederholenden Entwicklungen vorzubeugen. Man kann die Vergangenheit nicht leugnen oder ignorieren. Man sollte sich aber auch nicht von der Last der Vergangenheit erdrücken lassen. Trotzdem muss man sie als das annehmen was sie ist: ein Stück der eigenen Geschichte. Leugnet man diese, wie Satine es hier tut, verschließt man die Augen vor der wahren Bedrohung, die aus dieser Geschichte entspringt. So passt es ins Bild, dass Sie selbst am Ende der Folge noch immer eine Beteiligung der Separatisten als unmöglich abtut, obwohl sie es besser wissen müsste, aus Angst ihre pazifistische Errungenschaft könnte allein dadurch zerstört werden. Schön, dass The Clone Wars diesen Fakt so aufgegriffen hat.

Außerdem ist anzumerken, dass diese Folge noch vor dem Erscheinen des MMORPGs Star Wars: The Old Republic den Namen Vizsla etabliert. Die Mandalorianerin Shae Vizsla spielte beispielsweise eine große Rolle bei der Zerstörung des Jedi-Tempels und später dann auch in der Erweiterung Shadow of Revan. Des Weiteren deutet die Folge auf den alten Konflikt zwischen Mandalorianern und Jedi hin, welcher unter anderem auch auf die Knights of the Old Republic-Ära verweist. Schließlich sehen wir in dieser Folge erstmals das noch lange Zeit wichtige „Dunkelschwert“, welches laut Pre Vizsla von seinen Vorfahren aus dem Jedi-Tempel gestohlen wurde und bis in die finale Staffel von Star Wars Rebels eine tragende Rolle spielen wird.

Die Hauptstadt Concordias während des Anfluges von Obi-Wan und Satine.

Animation: Allgemein gefällt mir die Darstellung Mandalores als von Jahrtausende währenden Kriegen zerstörte Welt sehr gut. Die Kuppelarchitektur fängt die Situation des Planeten sehr gut ein. Auch ansonsten gefällt mir das Design der Lokalitäten auf Mandalore sehr gut (u.a. der Thronsaal oder die Glasböden als Gehwege). Auch hier merkt man, dass man einen Planeten etablieren wollte, der nicht nur ein- oder zweimal in Erscheinung treten soll. Demgegenüber aber wirken vor allem die männlichen Einheimischen sehr eigenartig in ihrem Körperbau und scheinen fast etwas unmenschlich zu sein. Concordia hingegen ist eine typische Waldwelt, die aber gerade durch das Matte-Painting des Anfluges auf Concordia schöne Bilder liefert.

Fazit: Diese Folge ist – wie bereits angesprochen – eine große Exposition. Man lernt viele neue und auch interessante Personen, Orte und Kulturen kennen, erfährt erstmals, dass es sowas wie unabhängige Systeme gibt (also nicht die KUS, sondern Welten, die sich nicht am Krieg beteiligten) und legt den Grundstein für eine serienüberspannende Bedrohung, die vor allem in späteren Staffeln auch den Fokus immer mehr von den Separatisten abzieht und so erfrischende Abwechslung bieten wird. Alles in allem ein solider Einstieg der Mandalorianer in die Klonkriege.

vorherige Episode: Eine Lektion in Sachen Geduld (Staffel 2, Folge 11)
nachfolgende Episode: Reise der Versuchung (Staffel 2, Folge 13)

Über den Autor

Tobias
Tobias begeistert sich für so ziemlich alles aus dem Star Wars Universum. Primär interessieren ihn Romane und Videospiele aus einer weit weit entfernten Galaxis. Im normalen Leben studiert er in Bamberg Politikwissenschaft und Geschichte.

1 Kommentar

  1. Schosch

    Ich finde die Folge ganz okay. Mandalore wird gut als neuer Planet eingeführt ebenso wie Herzogin Satine und Pre Viszla als neue Charaktere. Der politische Aspekt ist gut mit Action verknüpft und die Kämpfe von Obi-Wan gegen die Mandalorianer sind auch sehr schön anzusehen. Auch die Geeschichte des Dunkelschwerts die von Pre Viszla erwähnt wurde ist interessant. Genauso wie die erwähnung des Jedi Mandalorianer Krieges. Diese erwähnungen sorgen für viel Spekultion und ich könnte mir Vorstellen das man diese Zeit in Zukunft noch behandeln wird.

    Insgesamt wie schon oben gesagt eine ganz solide Folge!

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