TV-Rezension: Star Wars Resistance 1×17: „Der neue Sturmtruppler“

Nachdem in der vergangenen Folge schon klar wurde, dass die Erste Ordnung die Station Colossus besetzt hält, eskaliert die Lage Star Wars Resistance heute weiter.

Ein bewusstloser Sturmtruppler sorgt für Probleme.

In Der neue Sturmtruppler (Originaltitel: The New Trooper) treffen wir die beiden Kinder Kel und Eila wieder, die zufällig von einem Soldaten der Ersten Ordnung erwischt und nach Ausweisdokumenten gefragt werden. Als sie sich wehren, fällt der Soldat so unglücklich hin, dass er bewusstlos wird. Daraufhin suchen die beiden Kinder bei Kaz und seinen Freunden Hilfe. Kaz beschließt, sich die Rüstung des Bewusstlosen anzuziehen und im System der Ersten Ordnung nachzusehen, ob der Soldat schon einen Bericht über die Kinder eingereicht hat, und ihn gegebenenfalls zu löschen. Bei dieser gefährlichen Aktion wird Kaz beinahe erwischt, erhält aber auch neue, beunruhigende Informationen: Die Erste Ordnung sendet eine ganze Garnison zum Colossus, um die Station vermutlich als Auftankstation für ihre Flotte zu nutzen…

Zunächst einmal bin ich positiv überrascht von der Folge, da ich, als ich den Titel Der neue Sturmtruppler erstmals las, schlimme Befürchtungen hatte. Ich dachte, dass es wieder so läuft wie bei Rebels, wo sich mehrfach Figuren problemlos über Wochen hinweg als Kadetten, Arbeiter oder Piloten beim Imperium einschleusen konnten. Dass Kaz hier nur die Rüstung eines Soldaten nutzt, um kurzzeitig zu spionieren, ist viel glaubwürdiger.

Die Bevölkerung der Colossus wehrt sich gegen die Besatzung der Ersten Ordnung.

Die zunehmende Bedrohung durch die Erste Ordnung wird in dieser Folge wieder sehr anschaulich dargestellt. Besonders gut haben mir dabei zwei Szenen gefallen: die Szene zu Beginn, in der Captain Doza aus dem Fenster schaut und die mit bedrohlicher Musik untermalte Landung einer Fähre der Ersten Ordnung beobachtet, und die Szene mit der protestierenden Bevölkerung. Es kommt in Star Wars generell sehr selten vor, dass „die Normalbürger“ mal aktiv werden. Meist werden sie nur als lethargische Masse dargestellt, die alles tut, was die Herrschenden ihnen befehlen. Umso schöner ist es zu sehen, dass die Bürger des Colossus anscheinend wacher sind und schon frühzeitig gegen die Besatzung demonstrieren, obwohl eigentlich noch nichts Schlimmes passiert ist. Vielleicht liegt es daran, dass sie nicht die typischen braven Bürger sind, sondern eher Schmuggler und zwielichtige Gestalten, die weniger ein Problem damit haben, sich gegen die Obrigkeit aufzulehnen.

Auf der anderen Seite finde ich auch Tams Position sehr interessant, da sie die genau entgegengesetzte Meinung vertritt, dass die Erste Ordnung ja nur für die Sicherheit aller da sei. Schade, dass Tam ihre Meinung dann so schnell ändert, als die Kinder von der Zerstörung ihres Heimatplaneten durch die Erste Ordnung erzählen. Tam hatte in dieser Folge das Potential, eine spannende Figur zu werden, aber leider wird diese Entwicklung frühzeitig abgewürgt. Ich hoffe, dass dieser Erzählstrang nochmals aufgenommen wird und Tam sich in ihre Kollaborationshaltung noch etwas mehr reingesteigert und irgendwann dann mal ihre Freunde verrät. Das könnte spannend werden.

Kaz entdeckt, welche Pläne die Erste Ordnung mit der Colossus hat.

Kommen wir nun noch zu einem sehr seltsamen Punkt, der mir bei dieser Folge aufgefallen ist: die mangelnde Empathie bzw. geradezu Brutalität gegenüber anderen Wesen, die unsere vermeintlich „guten“ Charaktere in dieser Folge zeigen. Zunächst einmal ist da die Szene, in der die Kinder die fliegenden Fische angeln, also töten. Ich bin keine Vegetarierin, aber ich fand es schon recht brutal, dass solche jungen Kinder offenbar kein Problem damit haben, einen so großen Flugfisch mit richtigem „Gesicht“ einfach zu töten. Wenn man als „Guter“ in Star Wars keinen Porg grillen darf, dann sollte man auch keinen Flugfisch angeln.

Der zweite Vorfall dieser Art betrifft Kaz, der undercover als Sturmtruppler einen BB-9E-Droiden der Ersten Ordnung so krass tritt, dass dessen „Kopf“ wegfliegt. Das fand ich schon richtig brutal, auch wenn es „lustig“ inszeniert wird. BB-9E sieht einfach BB-8 viel zu ähnlich und BB-8 ist wohl der knuffigste Droide aller Zeiten. So einem niedlichen Droiden kann man doch nicht einfach den Kopf wegtreten! Ich verstehe, dass Kaz sich wehren muss aber normalerweise wird Gewalt von den Guten ja immer so inszeniert, dass sie auf drastische Mittel verzichten und ihre Gegner, seien sie auch noch so böse, oft in einem gewissen Maße verschonen. Man hätte Kaz sich auch auf weniger brutale Art sich verteidigen lassen können, sodass der Kopf des Droiden nicht wegfliegt.

Sieht Neeku nicht nett und sympathisch aus? Gerade hat er einem Menschen grundlos einen starken Elektroschock versetzt.

Der schlimmste Ausbruch von Brutalität in dieser Folge betrifft aber den bewusstlosen Sturmtruppler, dem man ja als menschlichem Wesen – im Gegensatz zu einem Fisch und einem Droiden – noch mehr Empathie entgegenbringen sollte. Dieser Sturmtruppler wird ohne Helm gezeigt, das heißt, man zeigt ihn als Menschen und nicht als gesichtslosen Teil der Maschinerie der Ersten Ordnung. Er sieht auch nicht bedrohlich aus und ist nach dem Erwachen aus der Ohnmacht ziemlich desorientiert und harmlos. Und dann versetzt ihm Neeku einfach einen Elektroschock und auch das wird als Witz gespielt! Hätte man ihn nicht vorher, als er noch bewusstlos war, fesseln und knebeln können, sodass er unschädlich gemacht ist? – Ehrlich gesagt habe ich in dem Moment, als das Gesicht des Sturmtrupplers gezeigt wurde, geglaubt, dass er nun noch eine größere Rolle zu spielen hat. Aber am Schluss überlassen Neeku und Co. ihn einfach der Ersten Ordnung, obwohl sie genau wissen, dass ihn die Rekonditionierungsprozedur erwartet, die sicher kein Spaß ist. Das fand ich richtig traurig und habe mich in dem Moment mehr für das weitere Schicksal des Sturmtrupplers interessiert als für das von Kaz und seinen Freunden. Gerade weil wir die Geschichte von Finn kennen, finde ich es moralisch fragwürdig, einen Sturmtruppler menschlich und ohne Helm zu zeigen, ihn dann aber von den „Guten“ unmenschlich behandeln zu lassen. Bei allen genannten drei Situationen fehlt mir irgendwie das Fingerspitzengefühl. Die Empathielosigkeit der Protagonisten macht sie leider nicht gerade sympathischer.

Trotz allem schaue ich lieber eine moralisch fragwürdige Folge, die mich zum Nachdenken bringt, als eine vollkommen belanglose. Auch wenn unsere „Helden“ heute alle nicht ihre Schokoladenseite gezeigt haben, fühlte ich mich insgesamt doch durchaus gut unterhalten, wenn auch einige Gelegenheiten für gute Geschichten ausgelassen wurden. Insgesamt vergebe ich daher vier von fünf Holocrons.

Bewertung: 4 von 5 Holocrons
Bewertung: 4 von 5 Holocrons

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Hier könnt ihr euch Resistance Rewind und Bucket’s List mit mehr interessanten Fakten zu Folge ansehen:

Über den Autor

Ines

Ines
Ines bildet im echten Leben zahlreiche Padawan-Schüler an einem Gymnasium in den Fächern Englisch und Deutsch aus. Star Wars konsumiert sie am allerliebsten in Romanform und hat sich zum Ziel gesetzt, sämtliche Romane des Kanons zu lesen. Bereits jetzt ist sie begeistertes Claudia-Gray-Fangirl.

1 Kommentar

  1. Schosch

    Ich finde die Folge gut!

    Man bekommt wieder schöne einblicke wie die Colossus von der Ersten Ordnung immer weiter besetzt wird! Auch sehr schöne finde ich hier den Konflikt von Tam ob sie der Ersten Ordnung nun trauen soll oder nicht! Auch das man Kel un Eila wieder gesehen hat fand ich cool!

    Also ich ich oben schon sagte eine ganz gute Folge!

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