Rezension: Thrawn: Alliances von Timothy Zahn

Thrawn: Alliances (24.07.2018)

Thrawn: Alliances (24.07.2018)

Allein das Cover und der Klappentext von Thrawn: Alliances dürften bei vielen Star Wars-Fans bereits hysterische Anfälle auslösen: Thrawn und Darth Vader, zwei der legendärsten Krieger, begegnen sich und werden, zumindest für kurze Zeit, ein Team! Vielversprechender kann die Prämisse für ein Star Wars-Buch kaum sein. Kann Timothy Zahn den Erwartungen und Hoffnungen der Fans in seinem zweiten Beitrag zur Kanon-Literatur gerecht werden?

Inhalt

Thrawn: Alliances, welches am 24.7. beim britischen Verlag Century erschien, ist die Fortsetzung des 2017 erschienenen Romans Thrawn, den ebenfalls Timothy Zahn schrieb und den ich auch rezensiert habe. Allerdings schließt Alliances nicht direkt an den ersten Teil an, sondern spielt in seiner Jetzt-Zeitebene kurz nach der Schlacht von Atollon, also kurz nach dem Finale der dritten Staffel von Star Wars Rebels. In diesem Handlungsstrang begeben sich Thrawn und Darth Vader auf Befehl des Imperators auf den Planeten Batuu am Rande der Unbekannten Regionen, um dort eine mysteriöse Erschütterung in der Macht aufzuspüren. Parallel dazu verläuft aber noch ein weiterer Handlungsstrang, der in der Vergangenheit, nämlich in den Klonkriegen, spielt. Hier trifft Anakin Skywalker auf der Suche nach seiner verschollenen Frau Padmé auf Batuu auf einen jungen Thrawn, der noch im Namen des Reichs der Chiss unterwegs ist. Aus Wissbegierde schließt sich Thrawn Anakin an und beschließt, ihn bei seiner Suche zu unterstützen. In beiden Handlungssträngen decken die beiden Protagonisten schließlich geheime Machenschaften und mysteriöse Vorgänge an der Grenze zu den Unbekannten Regionen auf…

Das Team: Thrawn und Vader

Auch wenn die Motivation für die Zusammenarbeit zwischen Thrawn und Anakin zu Beginn des Romans etwas an den Haaren herbeigezogen wirkt, macht Alliances dies durch die tolle Darstellung der Beziehung zwischen den beiden wett. Die Chemie zwischen Anakin und Thrawn bzw. Vader und Thrawn fängt Timothy Zahn wunderbar ein und trifft dabei bei der Charakterisierung beider Figuren den Nagel auf den Kopf. Allein das bereits in der Leseprobe enthüllte erste Gespräch zwischen Thrawn und Anakin, in dem der Chiss dem hitzköpfigen jungen Jedi mit seiner arroganten Art und den Feinheiten der Aussprache seines Namens auf den Senkel geht, zeigt genau auf, in welche Richtung die Kooperation der beiden Protagonisten gehen wird. Beide arbeiten meist nur widerwillig zusammen und geraten durch ihr großes Ego häufiger aneinander, da sich keiner von beiden gern etwas sagen lässt. Dies führt dann auch zu einigen humorvollen Momenten, wie zum Beispiel als Vader vermutet, ein vorausschauender Stratege wie Thrawn habe sich doch bestimmt schon eine Möglichkeit überlegt, wie man Vader töten könnte, und Thrawn antwortet, er habe sogar drei solcher Methoden gefunden. Allerdings respektieren beide auch durchaus die Fähigkeiten des anderen und zeigen Anerkennung dafür. Vader, der stets misstrauisch bleibt, was die Loyalität seines Konkurrenten zum Imperium angeht, scheint dennoch einiges von Thrawn zu lernen und beginnt ebenfalls, gelegentlich Beweislagen zu analysieren und logische Schlussfolgerungen zu ziehen. Die Interaktionen zwischen Vader und Thrawn stecken durch den ständigen verbalen Kampf miteinander immer voller Spannung, sodass man ständig das Gefühl hat, gleich könnte Vader seinen berühmten Würgegriff an Thrawns Kehle ausprobieren. Insgesamt ist Vader also ein viel besseres Gegenüber für Thrawn als Eli Vanto im ersten Teil, da er dem sehr von sich selbst überzeugten Thrawn auch mal Kontra gibt und nicht vor Bewunderung erstarrt.

Handlungsaufbau

Die Tatsache, dass Thrawn: Alliances nach Last Shot nun schon der zweite Star Wars-Roman im Jahr 2018 ist, der parallel in mehreren Zeitebenen spielt, löste bei mir erst mal wenig Begeisterung aus. In Last Shot empfand ich die Handlung aufgrund dieses Aufbaus als übermäßig kompliziert und aufgebläht. In Thrawn: Alliances haben wir es zum Glück nur mit zwei Zeitebenen zu tun, was die Sache einfacher macht. Dazu kommen viele Parallelen zwischen beiden Teilen (die Zusammenarbeit der beiden Protagonisten, der Handlungsort Batuu, etc.), die eine gewisse Harmonie und Symmetrie erzeugen, die einmal im Roman sogar explizit der Macht zugeschrieben wird. Bei Anakin / Vader besteht außerdem der besondere Reiz natürlich darin, ihn vor und nach seiner Transformation erleben zu können: als idealistischen jungen Mann sowie als verbitterten Sith. Hierbei gefällt mir besonders, wie Zahn Vaders Erinnerungen an seine Vergangenheit als Anakin Skywalker darstellt: Vader denkt über diese Vergangenheit immer nur in der dritten Person nach und bezeichnet sein früheres Ich, in einem Versuch sich zu distanzieren, stets nur als „the Jedi“. Die beiden Zeitebenen ergänzen sich also gut und ergeben einen Mehrwert. Allerdings hätte ich doch gern mal wieder einen Star Wars-Roman, der ganz klassisch chronologisch, ohne mehrere Zeitebenen oder Zeitsprünge von mehreren Jahren erzählt wird.

Spannungsaufbau

Auch was den Spannungsaufbau angeht, sind Thrawn: Alliances und Last Shot sich recht ähnlich: Zu Beginn wird eine Gefahr etabliert und dann jagen die Protagonisten ihr in mehreren Zeitebenen hinterher, um ihr Schritt für Schritt auf die Spur zu kommen. Leider besteht hier auch wieder dasselbe Problem: Zu Beginn bin ich wahnsinnig gespannt, welche große Enthüllung da wohl kommen mag, aber immer Mittelteil verliert sich die Spannung dann nach und nach, weil sich die Handlung zu sehr in einzelne kleine Scharmützel verzettelt und das eigentliche Ziel aus den Augen verloren wird. Die Aufteilung in zwei Zeitebenen trägt auch dazu bei, dass es noch länger dauert, bis sich in beiden Handlungssträngen etwas weiterentwickelt. Obwohl der Roman nie wirklich langweilig wird und die Auflösung, wodurch die Erschütterung in der Macht entstand, kreativ und unerwartet ist, hätte ich mir noch etwas mehr Zielstrebigkeit in Richtung des Finales und etwas weniger Nebenschauplätze gewünscht.

Thrawn: Alliances - Padmé B&N Exclusive Poster

Thrawn: Alliances – Padmé B&N Exclusive Poster

Die Macht

Da Darth Vader einer der Protagonisten des Romans ist, ergibt sich auch für Timothy Zahn die Gelegenheit, Machtbenutzungsszenen zu schreiben. Diese formuliert er zwar nicht so blumig-metaphorisch aus wie andere Autoren es teilweise tun, aber er schafft es, diese Fähigkeit sehr visuell darzustellen. In Kampfszenen, in denen Anakin / Vader die Aktionen der Gegner voraussieht, gibt es immer kleine kursive Passagen, die mit den Worten „double vision“ beginnen und dann in knappen Stichworten beschreiben, was er mit der Macht „sieht“, also beispielsweise wo die nächsten Schüsse des Gegners landen werden. Die ist zwar sprachlich teils sehr repetitiv, was jedoch der Gefechtssituation durchaus angemessen ist. Dieses Stilmittel trägt auch sehr stark dazu bei, dass man sich bildlich vorstellen kann, wie ein Jedi oder Sith im Kampf die Welt um sich herum wahrnimmt.

Was genau ein Jedi und ein Sith sind, scheint Timothy Zahn aber leider nach so vielen aktiven Jahren im Star Wars-Universum aber immer noch nicht zu wissen, denn er lässt Darth Vader höchstpersönlich an einer Stelle den Begriff „Sith“ wie ein echter Star Wars-Noob in der Bedeutung von „Benutzer der dunklen Seite“ verwenden. An der Stelle habe ich schon sehr die Augen verdreht und mich gefragt, wie so eine Formulierung sämtlichen korrigierend eingreifenden Instanzen durch die Lappen gehen konnte.

Allerdings stellt Zahn auch eine interessante neue Machtfähigkeit bzw. ein neues Anwendungsgebiet der Macht vor, welches gern noch ausführlicher hätte beschrieben werden dürfen. Vielleicht kommt dies ja in einer möglichen weiteren Fortsetzung nochmals zum Einsatz. Ebenso hoffe ich auch, dass wir noch mehr über die Ursache der Erschütterung in der Macht erfahren. Diese Ursache wurde mir am Ende des Buches viel zu schnell abgehandelt und zu wenig beleuchtet. Ich hoffe, dass Zahn für einen weiteren Roman hier noch mehr geplant hat.

Der Roman als Fortsetzung von Thrawn

Wenn wir schon gerade bei Fortsetzung sind, sollte auch kurz die Beziehung zwischen Thrawn: Alliances und seinem Vorgänger Thrawn angesprochen werden. Denn erstaunlicherweise haben die beiden Bücher eigentlich kaum eine Beziehung, außer dass in beiden der Protagonist Thrawn ist. Eli Vanto und Arihnda Pryce, die im ersten Band noch eine große Rolle spielten, sind komplett vergessen und tauchen nicht mehr auf, sodass es außer Thrawn und dem Imperator keinen Brückenschlag gibt, was Figuren angeht. Aber auch die Form und Struktur beider Romane zeigen mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten. In Thrawn gab es beispielsweise zu Beginn jedes Kapitels einen Ausschnitt aus einer Art Tagebuch Thrawns, was in Alliances nicht weitergeführt wurde. Und schließlich erzählt Thrawn eine chronologische, episodische Geschichte, während Alliances zwei kompakte Abenteuer in verschiedenen Zeitebenen erzählt. Insgesamt fühlen sich die beiden Romane also kaum zusammengehörig an.

Allerdings muss ich sagen, dass mir Thrawn: Alliances wesentlich besser gefällt als sein Vorgänger, schon allein, weil der blasse Eli Vanto als Thrawns Gegenpart durch den doch wesentlich charismatischeren Anakin / Vader ausgetauscht wurde. Für Thrawn habe ich letztes Jahr vier Holocrons vergeben, bereue diese Entscheidung aber bis heute, da der Roman eigentlich nur drei Holocrons verdient gehabt hätte. Lediglich mein zu großer Respekt vor dem Großadmiral hat mich dazu gebracht, ungerechtfertigterweise eine zu hohe Wertung zu vergeben. Falls ihr euch jetzt fragt, wozu dieser Exkurs zu meiner Bewertung des Vorgängerromans dienen soll: Ich möchte deutlich machen, dass Thrawn und Thrawn: Alliances auf meiner Wertungsskala doch weiter auseinander liegen, als anhand der Holocron-Bewertung aussehen wird.

Fazit

Für Thrawn: Alliances vergebe ich nämlich sehr gute vier Holocrons. Ein durchweg spannender und unterhaltsamer Roman, der sich im Mittelteil etwas verzettelt, der aber mit vielen guten Ideen und einer tollen Chemie zwischen den beiden Protagonisten, Anakin / Darth Vader und Thrawn aufwarten kann. Als Fan von Vader, Thrawn oder Timothy Zahn kann man hiermit nichts falsch machen.

Der Rezensent vergibt 4 von 5 Holocrons!

Die Rezensentin vergibt 4 von 5 Holocrons!

Wir danken Penguin Random House UK und dem Century-Verlag recht herzlich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Thrawn: Alliances in der britischen Ausgabe von Century könnt ihr euch auf Amazon.de bestellen. Wer die deutsche Übersetzung unter dem Titel Thrawn: Allianzen lesen will, muss sich noch bis zum 18.3.2019 gedulden; sie kann aber bereits auf Amazon.de vorbestellt werden.

Was ist eure Meinung zu Thrawn: Alliances?

Über den Autor

Ines

Ines
Ines bildet im echten Leben zahlreiche Padawan-Schüler an einem Gymnasium in den Fächern Englisch und Deutsch aus. Star Wars konsumiert sie am allerliebsten in Romanform und hat sich zum Ziel gesetzt, sämtliche Romane des Kanons zu lesen. Bereits jetzt ist sie begeistertes Claudia-Gray-Fangirl.

11 Kommentare

  1. MorniaMornia

    „Lediglich mein zu großer Respekt vor dem Großadmiral hat mich dazu gebracht, ungerechtfertigterweise eine zu hohe Wertung zu vergeben.“ Wunderbar auf den Punkt gebracht, es ist dieses „alles-mit-Thrawn-muss-einfach-gut-sein“-Prinzip, an dem ich als Fangirl auch immer kranke 🙈
    Ich bin bis jetzt noch nicht sehr weit mit dem Roman, aber bis jetzt gefällt mir die Interaktion von Vader und Thrawn richtig gut. Auch wenn ich mich schon dabei erwischt habe, den einen oder anderen kritischen Gedanken von Vader über Thrawn tatsächlich als Ketzerei zu empfinden (wie kann er es wagen?! 😂)

    1. InesInes(Autor des Beitrags)

      Da bin ich ja froh, dass ich nicht die Einzige bin, der es so geht! 😀

  2. MatthiasMatthias

    Sehe ich bislang so wie Ines.

    Die ein oder andere Nebenszene auf Batuu erkläre ich mir damit, dass Batuu ja die SW Welt wird, die im Disneyland entsteht und da vielleicht Anknüpfungspunkte entstehen sollen. Zudem kommt Batuu ja wohl auch in „Flight of the Falcon“ vor. Insofern wird man wohl noch nicht alles gleich auf Anhieb verstehen, so blöd dies auch manchmal in einem Buch ist.

    1. InesInes(Autor des Beitrags)

      Wobei ich sagen muss, dass mich der Schauplatz Batuu in dem Roman jetzt nicht so wahnsinnig fasziniert hat, dass ich jetzt gleich Lust auf diesen Ort als Themenpark hätte.

  3. KyleKartanKyleKartan

    Hab das Buch im Schrank und das Hörbuch auf der Platte. Hoffe, dass ich bald dazu komme, es mir zu gemüte zu führen. Hänge was die Bücher angeht etwas hinterher, auch wenn sie alle im Schrank stehen 😀

  4. TarkinTarkin

    Na endlich … Sehnsüchtig erwartet und nicht enttäuscht worden. Doch jetzt wird die ganze Warterei auf März nächsten Jahres noch unerträglicher als sie ohnehin schon für mich ist. Besten Dank für diese wirklich ausführliche und intressante Review zu meiner sehnlichst erwarteten Fortsetzung meines Lieblingsbuches. 🙂

  5. TarkinTarkin

    Hm … Irgendwie ist ein Teil meines Posts weg:

    Nachtrag: Die Kritik an Zahn zwecks Sith Erklärung kann ich allerdings leider nicht so stehen lassen, den Qui Gon selbst, beschreibt Darth Maul eben genauso. Ich finde das eigentlich ziemlich genial, das Vader fast genau diese Worte wählt um einen Sith zu beschreiben.

    1. InesInes(Autor des Beitrags)

      Mit dem Unterschied, dass Qui-Gon selbst kein Sith ist, nicht weiß, ob und wo sich Sith verstecken, und daher die Vermutung äußert, dass Maul einer der beiden Sith sein könnte. Vader ist aber selbst ein Sith und weiß, dass Palpatine der andere ist. Aufgrund der Regel der Zwei kann es per Definition keine weiteren Sith geben und Vader weiß das. Deshalb müsste er für alle anderen Personen, die die dunkle Seite nutzen, „Benutzer der dunklen Seite“ sagen. Der Begriff „Sith“ ist für ihn selbst und seinen Meister reserviert.

      1. TarkinTarkin

        Also ich mag mich ja irren, aber warum sollte Vader gegenüber einem Außenstehenden so ins Detail gehen? Mir ist völlig klar, das ein Sith mehr ist, das es hier um Ideologie, Rhetorik und Ethik geht, aber warum sollte das Vader weitergeben, vor allem an einen Außenstehenden? So bezieht er sich genau auf die Dinge, die die „Allgemeinheit“ weiß und das finde ich schon gut überlegt von Zahn, vor allem da die Jedi eben auch nicht mehr zu wissen scheinen. Das ist jedenfalls besser, als jedem dahergelaufenen Fremden permanent über die Sith aufklären zu wollen. 😉

      2. InesInes(Autor des Beitrags)

        Ah, du hast das Buch ja noch nicht gelesen und da hab ich mich evtl. ein wenig zu ungenau ausgedrückt. Vader spricht nämlich nicht mit einem Außenstehenden und verwendet dabei das Wort „Sith“, sondern er verwendet das Wort „Sith“ nur in seinen Gedanken, um jemand anderen als sich selbst oder Palpatine zu beschreiben. Mehr will ich jetzt nicht spoilern.

  6. TarkinTarkin

    @Ines:
    Ah, okay … da erscheint die Sache schon mal in einem anderen Licht. 🙂

Schreibe einen Kommentar