Entwicklungschritte eines The Art of-Buches [UPDATE]

Update vom 12.03.2018 um 13:16: Phil Szostak hat seinen Twitter-Thread fortgesetzt. Ihr findet die neuen Einblicke unten unter den Punkten „4. Das Zusammentragen der Kunstwerke“ und „5. Layout“.

Originalmeldung vom 06.03.2018 um 11:39

Phil Szostak ist Co-Autor bei den bisherigen The Art of-Büchern der Sequel-Trilogie Star Wars: Das Erwachen der Macht und Star Wars: Die letzten Jedi und dem demnächst erscheinenden Solo: A Star Wars Story.

Auf seinem Twitter-Account gibt er nun Einblick in den Entwicklungsprozess von The Art of Solo: A Star Wars Story.

Ich denke nun bereits seit geraumer Zeit darüber nach, einen Schritt-für-Schritt-Thread zu meiner Arbeit beim Entwicklungsprozess eines The Art of Star Wars-Buches zu erstellen, zum Teil nur, um euch einen Einblick in die kreative Arbeit bei Lucasfilm im Allgemeinen zu geben. Auf geht’s…

1. Einleitung: Das erste, woran ich anfange zu arbeiten (und schriftlich beende) ist mein Intro, in dem ich meine eigenen Gedanken über die Themen des Films und ihre Verbindung zu den künstlerischen Prozessen äußere. Das Intro ist sowohl mein Lieblingsteil als auch zugleich der schwierigste Teil der Herstellung dieser Bücher.

2. Struktur: Ich versuche, jedes The Art of-Buch unterschiedlich und passend zum jeweiligen Film zu erstellen. Die Gesamtanzahl der Seiten ist immer gleich. Also muss ich herausfinden, was ich mit jedem Kapitel thematisch abdecken will und anschließend muss ich mit Zahlen jonglieren, um ein grobes Gefühl dafür zu bekommen, wie viel Platz pro Thema ich eigentlich habe.

In The Art of Star Wars: Das Erwachen der Macht ging ich dabei chronologisch durch die Produktion, teils um es mit den Art of-Büchern der Prequel-Trilogie zu verbinden und weil seine 3-jährige künstlerische Entwicklung mir die faszinierendste Geschichte zu sein schien, die es zu erzählen gab. Josh Kushins ging in seinem The Art of Rogue One: A Star Wars Story hingegen so vor, dass er sich Welt für Welt durch den Film arbeitete.

Ich beschloss, The Art of Star Wars: Die letzten Jedi als „Reise der Charaktere“ zu strukturieren, beginnend mit Lukes Leben auf der Insel vor Reys Ankunft und dann jeden Charakter für sich in der Reihenfolge der Wichtigkeit und wie sich ihre Wege kreuzen, bis sie alle auf Crait in einem Punkt zusammenlaufen. Beim Aufbau der Struktur des Buches habe ich immer total freie Hand.

3. Interviews & Abschrift: Wen ich interviewe und wie ich diese Interviews durchführe ist ebenfalls komplett mir selbst überlassen. Einige Interviews werden per Telefon durchgeführt, andere per E-Mail, aber die besten (und die, die sich am einfachsten transkribieren lassen) sind die Interviews, welche ich von Angesicht zu Angesicht durchführen kann. Sie sind mindestens eine Stunde lang und manchmal ist mehr als ein Interview erforderlich.

Ich nehme jedes Interview auf einem kleinen digitalen Aufnahmegerät auf und übertrage es aus Sicherheitsgründen selbst in die Textform, den zeit- und arbeitsaufwendigsten Teil des Prozesses. Eine Stunde Interview entspricht mehr als sechs Stunden an Abschrift. Ich führe normalerweise 20 Interviews pro Buch durch.

Obwohl es mühsam ist, die ganzen Interviews selbst zu transkribieren, zementiert sich so die Information in meinem Kopf, was das Schreiben des Manuskripts viel einfacher macht. Jedes Jahr kann ich zu den Pinewood Studios reisen und so viele Interviews durchführen, wie ich in den paar Tagen am Set führen kann.

Für The Art of Solo: A Star Wars Story interviewte ich vielleicht sechs Leute in den Pinewood-Büros, streifte zwischen den Terminen durch die Sets und war dabei sogar bei den Dreharbeiten einer Action-Szene zugegen. Das coolste Set, das ich dabei gesehen habe, war das Innere des Millennium Falken, das allerdings kleiner ist als man vielleicht denkt.

Okay, das ist genug The Art of-Buch-Prozess-Gelaber für jetzt. Ich werde diesen Thread irgendwann in der Zukunft fortsetzen!

4. Das Zusammentragen der Kunstwerke: Während ich Interviews führe, frage ich die Abteilung für Kreaturen, Kostüme und Kunst (wozu auch Grafiken, Requisiten und Setdeko gehören) und alle festangestellten Lucasfilm- und ILM-Künstler für ihre ausgewählten Kunstwerke, was üblicherweise 30 bis 50 Stücke pro Künstler sind. Diese und die „Filmlandschaft“ („Moviescape“, d.h. die vom Produktionsdesigner abgesegnete Auswahl, die 150+ Stücke umfasst und visuell den gesamten Film durchläuft) bilden den Kern dessen, was in das Buch geht. Darüber hinaus schaue ich auch noch durch jeden einzelnen Kunstordner in der Produktionsdatenbank, was Zehntausende von Kunstwerken bedeutet.

Bildquelle: @PhilSzostak

Als Lucasfilms Leiter für kreative Kunst ist es meine Verantwortung, Konzeptkunstwerke über alle Live-Action-Projekte hinweg im Auge zu behalten und zu bündeln, sodass sie intern und an Lizenznehmer weitergegeben werden können. Also selbst wenn ich nicht der Autor eines Art of Star Wars-Buches bin, ist das Zusammentragen dieser Kunstwerke Teil meines regulären Jobs.

Bildquelle: @PhilSzostak

Wenn ich all diese Ordner durchforste, finde ich ein paar echte Juwelen, die sonst nie das Tageslicht erblicken würden. Ich ziehe auch entscheidende Frames aus hochauflösenden Videos der Bedienoberflächen der Grafikfirma BLIND. Eine Auswahl aus Tausenden wird zu den 500 oder so heruntergekürzt, die ich dann in das anfängliche Layout zu quetschen versuche.

Zu den Stücken, die ich beim Durchforsten des Servers der Kunstabteilung von Die letzten Jedi gefunden habe, gehörten Seiten aus den uralten Jedi-Texten, die Inselkarte von Ahch-To und aufgeklappte Ansichtbilder der Helme der Sturmtruppen und Captain Phasma.

Bildquelle: @PhilSzostak

5. Layout: Basierend auf meiner zuvor festgelegten Buchstruktur nutze ich InDesign, um das Buchlayout Kapitel für Kapitel zu erstellen. Welche Kunstwerke in dieser vorläufigen „Buchkarte“ („bookmap“) landen obliegt ganz mir und meiner Vorstellung davon, was interessant/ästhetisch befriedigend ist. Ich habe an der Kunstakademie Film und Animation studiert, aber als Buchdesigner bin ich ein kompletter Neuling, der sich selbst in InDesign geschult hat. Meine Buchkarte ist daher ein bisschen grob und zu sehr mit Kunst vollgestopft. Trotz des Stresses, so viel wie möglich von dem, was ich liebe, ins Layout zu quetschen, ist dies einer meiner Lieblingsteile des Prozesses. Die Buchkarte ist das erste, was ich beim Verlag einreiche. Im Laufe der nächsten Monate nimmt Liam Flanagan von ABRAMS Books mein Layout und poliert es auf, wobei er neue Stücke hinzufügt und nach Bedarf Anpassungen vornimmt. Aber meine grundlegenden Layoutentscheidungen und meine Struktur werden durchweg beibehalten.

Zum Format der heutigen Kunstbände: Wenn ich mich recht entsinne, haben J.W. Rinzler und ich die Idee der querformatigen Konzeptbände vorgeschlagen, sodass sie besser neben die Star Wars Art– und Making of-Bände passen und weil die detailreichsten Kunstwerke (Umgebungs- oder Szenengemälde) tendenziell im Querformat sind.

Ich werde näher darauf eingehen, wie das Layout fertiggestellt wird, wenn ich zu einem späteren Zeitpunkt über den redaktionellen Prozess spreche. Und nächstes Mal werde ich auch das wirklich panisch machende Kernelement der Produktion dieser Bücher angehen: Das Schreiben des Manuskripts!

The Art of Solo: A Star Wars Story erscheint offiziell am 25. Mai und kann bereits bei Amazon vorbestellt werden. Eine deutsche Ausgabe bei Panini wird diesmal länger auf sich warten lassen.

Florian hat an dem 1. Update mitgearbeitet.

Über den Autor

Julian

Julian
Julian ist der Mitbegründer der Jedi-Bibliothek. Star Wars-Fan ist er seit 2004 und seither haben sich einige Romane, Sachbücher und Comics angesammelt. Neben Star Wars und der Jedi-Bibliothek beschäftigt er sich in seiner Freizeit mit Makrofotografie und geht regelmäßig ins Kino. Beruflich macht er aktuell seinen Ph.D. in Biologie und gibt private Nachhilfe in Mathematik.

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