Rezension: William Shakespeares Star Wars: Das Imperium schlägt zurück von Ian Doescher

VADER
Ich bin dein Vater.

LUKE
Nein!
Das ist nicht wahr! Das kann nicht sein! Niemals!

VADER
Erforsche dein Gefühl. Du weißt, es stimmt.

LUKE
Nein!

Ein machtvolles Willkommen zu meiner Rezension der deutschen Ausgabe von Ian Doeschers William Shakespeares Star Wars: Das Imperium schlägt zurück, welches vor etwa einem Monat bei Panini in der deutschen Sprache erschien. Vorangegangen ist eine wirklich ausgezeichnete deutsche Version des Vorgängerwerkes William Shakespeare‘s Star Wars, welche von Justin Aardvark und Jürgen Zahn übersetzt wurde. Diese grandiose Übersetzung erhielt sogar den Kurd-Laßwitz-Preis für die beste Übersetzung eines Science-Fiction-Werkes – aus meiner Sicht wirklich verdient! Auch hier stammt die Übersetzung aus den Federn der beiden preisgekrönten Übersetzer. Ob jedoch auch diese Übersetzung gelungen ist, werdet ihr in der weiteren Rezension feststellen. Natürlich werde ich nicht nur das deutsche Werk bewerten – nein, ich werde es weiterhin mit der englischen Ausgabe des Werkes vergleichen.

Am Anfang möchte ich aber erwähnen, dass ich nicht tief auf die Story eingehen werde, da die Geschichte von Das Imperium schlägt zurück jedem Leser schon bekannt sein dürfte.

Wie schon in meinen letzten Rezensionen, möchte ich mit dem deutschen Klappentext des Werks beginnen, der einen kurzen Einblick gibt:

Für die Rebellen, ach, welch finst‘re Zeit!
Obwohl vernichtet ist der Todesstern,
Macht sich der alte Feind erneut bereit
Und sucht nach den Rebellen nah und fern.

Im zweiten Band aus der Star Wars-Shakespeare-Fusionsküche entsteht ein Zaubertrank aus Episode V und verschiedenen Meisterwerken Shakespeares, auf den selbst die Hexen aus Macbeth stolz wären. Fasziniert kann der Leser mitverfolgen, wie der Jedi-Knappe Luke vom weisen Lehrmeister Yoda ausgebildet wird. Gleichzeitig wird Han in Karbonit eingefroren, während Leia und Chewbacca gefangengenommen werden. All das geschieht nur, damit der Sith Lord Darth Vader sein dunkles Ziel erreichen kann. Die unglaublichen Szenarien, die aus diesem Hexenkessel aufsteigen, spielen in den Nebeln von Dagobah und der Wolkenstadt Bespin.

Dieses Werk ist genau wie sein Vorgänger keine Parodie – obwohl sich auch hier ein stark ausgeprägter Humor findet. Ganz im Gegenteil: Es handelt sich um eine Verschmelzung der epischen Geschichte von Das Imperium schlägt zurück mit einer interessanten Erzähltechnik in der Sprache des elisabethanischen Theaters. Der Autor Ian Doescher wandelte auch hier den Dialog in den fünffüßigen Jambus um. Dabei hat er Dialoge aus Hamlet, Richard III und Romeo und Julia in die Star Wars-Geschichte eingeflochten, was die Werke von Shakespeare wiederum zugänglicher für Schüler, Studenten und Interessenten rund um die Welt macht. Das Mischen von zwei Erzählstilen auf einer hohen Ebene ist Doescher auch im zweiten Teil der Trilogie wirklich sehr überzeugend gelungen.

Ein Beispiel für diesen ausgeprägten Humor stellt beispielsweise dei Weltraumschnecke im Asteroidenfeld dar, die hier sogar spricht:

EXOGORTH
O weh, ein weitres Mahl entflohn und fort,
Und im Verlauf erlitt ich manche Pein.
Die Reisenden, die nun entkommen sind,
Die ließen mich ertragen viel zu viel!
Mein Magen ist durch sie gar schwer verletzt,
Durch Stoß und Stich schmerzt nun mein armer Bauch,
Als tanzten Nadeln dort. O schlimmes Los!
Gar einsam ist es hier als Exogorth,
Mein Leben friste ich im Fels allein,
Gefährten finden sich dort nirgendwo.
Und nun fliegt selbst die Nahrung von mir fort.
Ward je ein Biest vom Essen so beschimpft?
War je ein Wesen derart jämmerlich?
War je ein Exogorth so sehr betrübt?
War je ein Drama schlimmer noch als meins?
Mit Tränen krieche ich nun hier hinab
Und finde ohne Mahzeit wohl mein Grab.

Äußerlich unterscheiden sich die beiden Ausgaben kaum.

Äußerlich unterscheiden sich die beiden Ausgaben kaum.

Die archaische Grammatik und das Vokabular des sechzehnten Jahrhunderts werden hier bis auf ein paar kleinere Ausnahmen wie in William Shakespeares Star Wars verwendet. Dieser Schreibstil gibt ein sehr authentisches Shakespeare-Gefühl wieder; zur gleichen Zeit wird der Inhalt von Das Imperium schlägt zurück gewahrt. So lehnt sich der Stil des Buches stark an den Stil des vorangegangenen Buches an (was auch nicht verwerflich ist, da es eine Shakespeare-Adaption ist).

Die traditionellen Erzählweise Shakespeares in Zusammenarbeit mit dem Drama und der üppigen Star Wars-Geschichte schafft es Fans von George Lucas‘ ikonischen Filmen und Shakespeare-Genießer gleichermaßen zu beeindrucken. Die Star Wars-Trilogie verbunden mit dem Heldenmut und den Schurken aus Shakespeares Schauspielen macht diese Serie letztendlich einzigartig. Nicht nur durch die toll ausgearbeiteten Dialoge, auch die wunderschönen Schwarzweiß-Bilder im Stil der elisabethanischen Kunst lassen den Leser perfekt in dieses Werk eintauchen. Wahrlich sind dies keine Meisterwerke, aber es ist interessant, die eigenen Lieblingshelden im Zeichenstil des sechzehnten Jahrhunderts einschließlich einiger sehr stilisierter Kostüme zu sehen. So werden verschiedenste Rüstungen und Kluften in elisabethanische Gewänder verwandelt. Die Qualität der Bilder ist in der deutschen Ausgabe sogar marginal besser. Das Schwarz sticht nicht nur schärfer hervor – dadurch, dass die deutsche Ausgabe allgemein etwas größer ist, sind die Bilder es auch.

Ian Doescher hat wieder einige tolle Ideen in den Aufbau des Werkes fließen lassen. Aber eine Idee ist etwas ganz Besonderes und repräsentiert aus meiner Sicht auf eine besondere Art und Weise die Genialität des Autors. Yoda wird als weiser Lehrer dargestellt, fast wie ein „Sensei“ – und wir alle wissen, dass Yoda definitiv etwas Fernöstliches an sich hat. Deshalb lässt Ian Doescher Yoda seinen Dialog in Form von Haiku (jap. 俳句, dt. „Schauspielergedicht“; Plural: Haiku – ist eine traditionelle japanische Gedichtform, die heute weltweit verbreitet ist; das Haiku gilt als die kürzeste Gedichtform der Welt) vortragen. Wie wir alle wissen, hat Shakespeare nie Haiku geschrieben. Aber auch Shakespeare hielt den fünfhebigen Jambus in einigen Fällen nicht ein. So brechen zum Beispiel verschiedene Lieder von Shakespeare aus diesem Schema aus. Weiterhin weist Doescher jedoch darauf hin, dass das Fünf-Sieben-Fünf-Silbenmuster etwas sehr modernes ist und nicht Teil der originalen japanischen Poesie. Die meisten Haiku sind auch simpler als Yodas Dialoge und stellen keine kompletten Sätze dar. Auch im deutschen wurden diese Form übernommen:

YODA
Nutze die Macht, Luke.
Hebe diesen Stein nun hoch.
Spür die Macht in dir.

YODA
Use the Force, Luke, yes.
Now , lift thou the stone. Feel it.
The Force within flows.

Weiterhin stellt Boba Fett den ersten Charakter in Doeschers Adaption dar, der Prosa und nicht im Blankvers spricht. Shakespeare benutzte oft Prosa, um die niedrige Klasse von der Elite zu trennen. So sprachen Könige im fünfhebigen Jambus, während Wachen in Prosa sprachen. Und auch hier handelt Doescher aus meiner Sicht genial – wer könnte besser in gemeiner Prosa sprechen als der gemeinste Kopfgeldjäger?

FETT
Mein Lord, obgleich sein Tod mir Freude brächte, entgeht mir
dann mein Geld. Jabba, so wie Euer Imperator auch, bezahlt
nicht für beschädigte Ware. Ich bitte Euch, was passiert, wenn
der Mann stirbt? Was hat Boba Fett davon? Tot nützt er mir nichts.

FETT
My Lord, although his death would bring me
joy, it doth not pay. Jabba, like thine Emperor,
giveth no fees for damag’d goods. I prithee,
what shall happen if the man doth die? What
then, for Boba Fett?

Doescher nahm sich auch die Kritik am Vorgänger zu Herzen. Viele Kritiker berichteten, dass er zu oft den Chorus verwendete, um Sequenzen zu beschreiben. Manch einer schrieb sogar, dass er den Chorus gar nicht hätte verwenden sollen – was ich definitiv nicht denke. Nun beschreiben auch Charaktere im Buch selbst Szenen, wie es auch in Hamlet zu sehen ist (vgl. Hamlet, Akt IV, Szene 7, in welcher Gertrude beschreibt, was Ophelia passiert ist).

Die klassische Weltraumschnecken-Szene - humorvoll umgesetzt.

Die klassische Weltraumschnecken-Szene – humorvoll umgesetzt.

Die deutsche Übersetzung stammt wie eingangs erwähnt erneut aus den Federn von Justin Aardvark und Jürgen Zahn. Jürgen Zahn hat im zweiten Teil leider kein deutsches Nachwort verfasst, in dem er auf die deutsche Übersetzung eingeht. Ein solches war im ersten deutschen Teil vorhanden. Doch auch hier sei gesagt: Eine Übersetzung kann immer nur eine Annäherung an das Original sein. Und alles in allem kann man behaupten, dass die zwei Übersetzer auch hier einen mehr als hervorragenden Job geleistet haben. Man merkt, dass die zwei Herren beide sehr gute Shakespeare- und Star Wars-Kenner sind. Unglaublich bedacht sowie literatur- und sprachwissenschaftlich fundiert haben sie die William Shakespeare’s The Empire Striketh Back ins Deutsche übertragen.

Vergleicht man jedoch die deutsche und die englische Version des Buches, wird man einige Unterschiedlichkeiten erkennen: beide Versionen werden als Hardcover-Ausgaben vertrieben. Jedoch hat die englische Ausgabe einen Schutzumschlag, unter dem das Hardcover wie ein altes Lederbüchlein gehalten ist. Die deutsche Ausgabe verzichtet auf diesen Schutzumschlag, hat jedoch dadurch einen nicht minder interessanten Vorteil erlangt: Die Farben des Covers sind viel kräftiger und in gewisser Art und Weiser präziser als die Farben des englischen Pendants. Dies hat Panini toll gelöst – so gefällt es mir besser.

Das Imperium schlägt zurück vereint aus meiner Sicht die meisten Shakespeare-Themen: Betrug, Liebe, Kampf, Schicksal, Lehrer und Schüler. All das und die schockierende Vater-Sohn-Beziehung. In gewisser Weise folgt Das Imperium schlägt zurück einer antiken Geschichtsform, die Shakespeare selbst benutzte: eine klassische Tragödie mit Luke Skywalker als tragischen Helden. Die Zusammenführung von Star Wars und Shakespeare ist hier also perfekt. Übrigens: Aus Ian Doeschers Sicht ist Rückkehr der Jedi-Ritter der beste Film. Es ist der erste Star Wars-Film, den er gesehen hat. Weiterhin verbindet er mit ihm weitere Kindheitserinnerungen. Doch die meisten Star Wars-Fans stimmen darin überein, dass Empire der beste und dunkelste Film der Trilogie ist – dazu zähle ich mich auch.

Die deutsche Ausgabe ist etwas größer.

Die deutsche Ausgabe ist etwas größer.

Ich kann wieder nicht anders, als diesem Werk die volle Holocronanzahl zu geben, da es ein stimmiges Gesamtwerk ist und noch besser zu Shakespeare passt als Eine neue Hoffnung. Dieses Werk ist intelligent, auf einem hohen Niveau und hat sich diese Holocronzahl verdient! Ian Doescher hat mit diesem Drama im Stile des großen Meisters Episode V umgedichtet und dabei alle Vorteile genutzt, die das Medium Drama zu bieten hat. Doch nicht nur der Autor sollte an dieser Stelle gelobt werden, auch die Arbeit der Übersetzer ist einzigartig und macht dieses Werk einem noch größeren Publikum zugänglich. Das Resultat ist ein einzigartiges Lesevergnügen. Falls ihr also Lust habt, sprechende Wampas, AT-ATs und Weltraumschnecken (von den singenden Ugnaughts ganz zu schweigen) zu erleben, seid ihr bei diesem Werk genau richtig. Es wird euch definitiv ein Lächeln ins Gesicht zaubern!

Der Rezensent vergibt 5 von 5 Holocrons!

Der Rezensent vergibt 5 von 5 Holocrons!

Ein kleiner Wermutstropfen jedoch zum Schluss: Mir persönlich hätte es sehr gefallen, wenn auch der Titel stilisiert worden wäre – ähnlich der englischen Version. Der Untertitel Der Star Wars-Tragödie fünfter Teil macht das zwar etwas wett, jedoch ist dies noch verbesserungswürdig. Ich bin gespannt, wie der deutsche Titel zu William Shakespeare’s The Jedi Doth Return lauten wird.

Wir danken Panini ganz herzlich für die großzügige Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

William Shakespeares Star Wars: Das Imperium schlägt zurück (Montag, 21. September 2015)

William Shakespeares Star Wars: Das Imperium schlägt zurück (21.09.2015)
Gattung/Sprache: ()
Ausgabe/Format:Hardcover
Erscheinungsdatum:21.09.2015
Autor(en):
Übersetzer:,
Zeichner:
Cover:
Verlag: (Verlagsseite)
Reihe:
Seiten:208
ISBN:978-3-8332-3017-2
Preis:14,99 €
Kanonstatus:
Ära:
Chronologie:3 NSY
Nachschlagen auf:Amazon.de (Amazon.com)

Über den Autor

Joshua

Joshua

Joshua ist 22 Jahre alt und wohnt im schönen Ruhrgebiet. Zurzeit ist er Student. Schon über viele Jahre hinweg nimmt Star Wars einen großen Teil seines Lebens ein, seien es Romane, Comics, Actionfiguren oder andere Sammlergegenstände. Seit der Gründung der Jedi-Bibliothek hilft Joshua bei der Umsetzung mit, welche mit diesem Blog zur Zeit einen Höhepunkt erlebt. In vielen Foren ist er unter dem Spitznamen „DarthJosh“ bekannt. Er freut sich schon auf euer Feedback!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.