Rezension: Star Wars Rebels: Servants of the Empire 3: Imperial Justice von Jason Fry

Servants of the Empire 3: Imperial Justice
Star Wars Rebels: Servants of the Empire 3: Imperial Justice (07.07.2015)

Mit Imperial Justice ist letzte Woche bei Disney-Lucasfilm Press der dritte von vier Bänden der vielseits gepriesenen Star Wars Rebels-Jugendromanreihe Servants of the Empire von Jason Fry erschienen. Wer meine Rezensionen zu Edge of the Galaxy und Rebel in the Ranks gelesen hat, der weiß, dass ich die ersten beiden Bände wirklich stark fand – und der Kollege Jürgen stimmte mir bei der deutschen Ausgabe von Band 1, Am Rande der Galaxis, bei dieser Einschätzung zu – ebenso wie viele von euch in den Kommentaren. Nun stellt sich die Frage: Kann Band 3 das Erbe dieser starken Bücher antreten?

Die Haupthandlung: Servants of the Empire beschäftigt sich vornehmlich mit der Suche von Zare Leonis nach seiner vermissten Schwester Dhara. Diese Handlung ist natürlich nach wie vor präsent, allerdings tritt sie in diesem Buch in den Hintergrund. Wer sich da neue Erkenntnisse erhofft hat – Fehlanzeige. Allerdings ist das nur halb so schlimm wie es klingt, denn wer Band 2 gelesen hat, der weiß, dass Zare – und vor allem auch Merei – am Ende in starken Problemen steckten. Zare ist auf dem Radar des imperialen Inquisitors aus der ersten Rebels-Staffel gelandet und Merei steht kurz davor, von ihrer eigenen imperiumstreuen Mutter als abtrünnige Hackerin entlarvt zu werden. Zare muss nun versuchen, seine Scharade als loyaler Kadett aufrecht zu erhalten, um nach Arkanis versetzt zu werden, wo er seine Schwester vermutet, während Merei sich mit kriminellen Elementen und den Strafverfolgungsbehörden des Imperiums herumschlagen darf.

Merei: Dieser Band bietet weitaus interessantere Entwicklungen für Merei als für Zare. Merei ist zwar „nur“ eine Buchfigur, die anders als Zare noch keinen Rebels-Auftritt hatte, doch Jason Frys starke Charakterisierung hat ihrer Figur Leben eingehaucht und man hängt als Leser sehr an ihr. Sie hat in diesem Buch einige sehr actionreiche Szenen – die auf ein tödliches Finale hinauslaufen. Während sie von vergangenen Sünden eingeholt wird, die sie für Zare begangen hat, hinterfragt sie außerdem ihre gemeinsame Beziehung, denn Kadett Leonis hat nur wenig Zeit für sie und behandelt sie oft ruppig. Das ist alles so menschlich und nachvollziehbar, dass man in der Gefühlswelt dieser Figur voll aufgehen kann.

Grauzonen? Hier ist nicht viel Raum für Grauzonen – Zare und Merei versuchen zwar, bei ihrem heimlichen Verrat am Imperium wenigstens moralisch zu bleiben, doch die Wahrung ihrer Deckung zwingt beide zu Taten, die nicht „grau“, sondern „tiefschwarz“ sind. Imperial Justice zeigt uns dabei das Imperium als faschistisches System und Zare wird gezwungen, Kinder von Dissidenten zu deportieren und Ähnliches. Merei wiederum versucht, die imperiale Justiz zu überlisten, doch unterschätzt sie dabei die menschen- bzw. lebensverachtenden Methoden des Regimes. Das Imperium verstärkt dabei auch seine Vorgehensweisen, was auch den parallel laufenden Ereignissen in der Serie entspricht. Hat man im ersten Band Dissidenten noch verhaftet oder Landbesitzer einfach nur von ihrem Besitz vertrieben, greifen Agent Kallus und die Administration von Lothal nun zu härteren Maßnahmen, um der aufkeimenden Rebellion Herr zu werden. (An dieser Stelle sei euch auch herzlich die Rezension unserer Freunde von Eleven-Thirtyeight.com empfohlen, die das faschistische Element in Imperial Justice ausführlich und gekonnt analysiert.) Kurzum: Es gibt einige sehr beklemmende Szenen.

Kontinuität: Wer die Rebels-Folge „Vision of Hope“ („Die Stimme der Freiheit“) gesehen hat, der weiß, dass Zare sich darin mit Ezra (oder „Dev Morgan“) trifft und ihn dabei warnt, dass Kallus eine Operation gegen die Rebellen plant. Außerdem erfährt Ezra, dass Zare bald nach Arkanis versetzt werden soll. Dieser Auftritt wurde zwar nicht so gut in das Buch eingearbeitet wie die Ereignisse von „Breaking Ranks“ („Ezra undercover“) im Vorgängerband, aber sie werden eingearbeitet und erhalten einen sinnvollen Kontext. Ein weiteres Zeichen von Kontinuität ist, dass Nebenfiguren aus den letzten beiden Bänden, die beständig als Antagonisten aufgebaut wurden (z.B. Piers Roddance und Kadett Oleg), nun endlich in vollem Umfang auf die Protagonisten losgelassen werden. Auch in Mereis Handlungsbogen, der von Zares Geschichte weitgehend unabhängig geworden ist, werden manche Mitglieder von Laxos Verbrecherbande weiter ausgearbeitet. All das läuft auf einen neuerlichen Cliffhanger heraus, der uns mit einem Gefühl von Beklemmung auf Buch 4, The Secret Academy, warten lässt.

Fazit: Anstatt große Vorwärtsschritte im Hauptplot haben wir hier eine beklemmende Charaktergeschichte auf sehr persönlicher Ebene, die aber mit genauso viel Spannung inszeniert wurde wie die beiden Vorgänger. Kleinere Abstriche gibt es durch die etwas holprige Verknüpfung mit „Vision of Hope“ (was aber nur eine kurze Szene ist, insofern fällt das kaum ins Gewicht) und durch manche Szenen in der Akademie oder am Essenstisch im Hause Spanjaf, bei denen man glaubt, sie in dieser Form schon einmal gelesen zu haben. Davon abgesehen bewegt sich Servants of the Empire mit Imperial Justice (ein Titel, der Programm ist!) weiterhin auf sehr hohem Niveau und stellt sicher, dass die Reihe ihren Platz unter den Highlights der Star Wars-Literatur nicht verliert. Wir bekommen weiterhin kurzweilige, düstere Unterhaltung mit Tiefgang im Rebels-Universum. In diesem Sinne vergebe ich diesmal 4 von 5 Holocrons.

Der Rezensent vergibt 4 von 5 Holocrons!
Der Rezensent vergibt 4 von 5 Holocrons!

Wie hat euch der Band gefallen? Ich freue mich wie immer auf eure Eindrücke in den Kommentaren.

Die deutsche Ausgabe erscheint im Herbst bei Panini und ist hier vorbestellbar.

6 Kommentare

  1. Es bleibt also spannend. Gab es nicht irgendwo (in einem Interview?) die Meldung, dass sich der 4. Band unmittelbar direkt anschließt, Band 3 + 4 also quasi Teil 1 und 2 des gleichen Buches sind? Ich spiele nämlich gerade mit der Idee mit dem Lesen noch ein bisschen zu warten und dann beide Bücher in einem Rutsch zu lesen.

  2. Amazon scheint derzeit Probleme zu haben, dieses Buch nach Deutschland zu kriegen; mir wurde heute eine Lieferung Mitte August angekündigt.

    Fry, Jason „Star Wars Rebels Servants of the Empire: Imperial Justice“
    Voraussichtliches Lieferdatum: 12. August 2015 – 20. August 2015

  3. So, hatte jetzt endlich die Zeit das Buch zu lesen. Ich finde das Buch ist solide Kost, die die Geschichte und ihre Akteure sauber in Richtung Höhepunkt hin weiterentwickelt und dabei auch re-fokussiert. Für sich alleine wäre dieser Band nicht so toll, aber als dramaturgisch notwendiger Bestandteil der Spannungskurve über alle vier Bände ist er gelungen. Bin schon auf Band 4 gespannt.

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