Rezension: One Thousand Levels Down von Alexander Freed

One Thousand Levels Down (Vorschauseite)
One Thousand Levels Down (Vorschauseite)

Im Star Wars Insider #151 (Juli 2014) erschien die kanonische Kurzgeschichte One Thousand Levels Down von Alexander Freed, die von Joe Corroney und Brian Miller illustriert wurde. Darin wird das Schicksal zweier alderaanischer Immigranten der zweiten Generation auf Coruscant beschrieben, nachdem der Todesstern ihre Heimatwelt zerstört und das Imperium alle Alderaaner auf Coruscant einem Generalverdacht der Rebellionszugehörigkeit unterworfen hat. Die Geschichte wird aus der Sicht der 16-jährigen Anandra Milon erzählt, die nach der Verhaftung ihrer Mutter durch Sturmtruppen mit ihrem 8-jährigen Bruder Santigo auf der Flucht durch die Unterwelt des Stadtplaneten ist.

Die Geschichte erzählt zwar keine Ereignisse, die für die größeren Zusammenhänge der Star Wars-Saga relevant sind, aber ich fand sie dennoch sehr packend, da sie zeigt, wie die Bevölkerung Coruscants auf die Zerstörung einer anderen Kernwelt reagiert. Neben der alderaanischen Perspektive bekommen wir auch das Vorgehen des Imperiums gegen alderaanische Bürger zu sehen. Auch einzelne Bürger der Unterwelt Coruscants zeigen Charakter im Umgang mit alderaanischen Flüchtlingen. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie es auf Coruscant unter der imperialen Herrschaft zuging, und zwar nicht aus politischer Sicht, sondern aus der Sicht einfacher Menschen. Für eine Kurzgeschichte ist das eine perfekte Perspektive – einen ganzen Roman mit diesen einfachen Figuren zu konstruieren und durchweg spannend zu halten dürfte schwer fallen (da dann doch lieber die Herangehensweise von John Jackson Millers A New Dawn), aber das Medium Kurzgeschichte bietet sich dafür wirklich an.

Anders als im Zweiteiler Blade Squadron aus den Insider-Ausgaben #149 und #150 ist One Thousand Levels Down kein Versuch, eine epische Erzählung mit nicht ganz ausgereiften Klischeefiguren in eine Kurzgeschichte zu pressen. Nein, hier bietet Alexander Freed uns eine sehr auf ihre Protagonisten konzentrierte Handlung mit wenigen Rückblenden auf ihre Vergangenheit. Am Ende haben wir ein gutes Bild von Anandras Charakter und ihrem Leben. Das Artwork entspricht der Geschichte: keine effektstarken Bilder wie bei Blade Squadron, sondern Nahaufnahmen der Protagonisten. Lediglich das „Titelbild“ der Kurzgeschichte verspricht mit dem über den Protagonisten aufragenden Sturmtrupplern und dem Todesstern etwas Größeres als das, was die Geschichte letztendlich ist.

One Thousand Levels Down ist ein Charakterstück über Einzelschicksale, ausgelöst durch Ereignisse in Episode IV, aber ansonsten losgelöst von den Ereignissen im Rest der Galaxis. Die Geschichte ist nett für zwischendurch und kommt ohne Plotlöcher aus. Das Ende entspricht der Stimmung der Geschichte ganz gut und deutet an, dass es vielleicht doch noch eine Verbindung zu künftigen Geschichten des Kanons geben könnte. Ich vergebe der Geschichte daher 3 von 5 Holocrons – sie war gut, aber auch nicht mehr als das.

Der Rezensent vergibt 3 Holocrons!
Der Rezensent vergibt 3 Holocrons!

10 Kommentare

  1. Erscheinen solche Geschichten eigentlich auch noch mal in anderer Form, z. B. in einem frei erhältlichen Jahresband oder so? Bei einigen der bekannten Autoren kennt man es ja als Bonus zu Romanen, aber die bisherigen SW.Kurzgeschichten waren ja – wie z.B. Sturm über Tatooine – thematisch vorgruppiert und extra in Auftrag gegeben.

    1. Die Geschichten in Bänden wie Sturm über Tatooine erschienen in den 90er-Jahren in den Vorgängermagazinen des Star Wars Insider. Auf Deutsch erscheinen sie manchmal im Anhang von Blanvalet-Romanen (eher die Ausnahme und normal auch nur, wenn das US-Paperback die Geschichte enthielt) und ansonsten nur auf Englisch im Star Wars Insider bzw. auf Deutsch im Offiziellen Star Wars Magazin. Eigene Sammelbände sind da weder auf US-Seite noch auf deutscher Seite geplant.

      Würde ich mir selbst auch wünschen, ist aber leider nicht in Sicht.

  2. Gibt es denn echt keine Möglichkeit, den Insider irgendwie hierzulande zu beziehen? Ich würde die Stories gerne im Original lesen und nicht auf eine Veröffentlichung im deutschen Magazin warten wollen, zumal es ja nicht sicher ist, dass die da auch wirklich erscheinen. Kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass Disney mein Geld nicht will. ^^

  3. Ups, dann habe ich wohl immer was falsch verstanden. Ist es richtig, dass die englische Ausgabe mit der US-Ausgabe mittlerweile weitestgehend identisch ist?

    (BTW: Vielen Dank für die schnellen Antworten, die Hilfe – und für die großartige Arbeit, die Ihr hier leistet! Habe die Seite erst vor kurzem entdeckt und nutze sie nun mehrmals täglich!)

  4. Kannst du als Übersetzer und MiTarbeiter der deutschen Ausgabe was dazu sagen, wieviel vom Inhalt der englischen Ausgabe so generell übernommen wird, bzw. ob die wichtigsten Sachen eigentlich immer dabei sind? Bin halt noch am Überlegen … kannst mir alternativ auch sagen, wo ich die informativste Diskussion zu dem Thema finde, dann schau ich selbst nach. Hast sicher genug Arbeit.

    1. Der Insider erscheint 8x im Jahr, das OSWM/JOTW 4x im Jahr. Insofern erscheint im deutschen Magazin eine Auswahl der interessantesten Artikel aus dem Insider, aber nicht alle Artikel. Kurzgeschichten gibt es in jeder Ausgabe, allerdings erscheinen nicht alle englischen Kurzgeschichten auch im deutschen Magazin. Auch hier wird selektiert. Die US-Kurzgeschichten werden meistens aber auch im Anhang der Paperback-Ausgabe des zugehörigen Buches (falls vorhanden) abgedruckt, sodass man auch darüber an sie kommen kann.

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